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Thema: Kritischer Vortrag von Prof. Urs Studer zu Diagnostik und Therapie

  1. #1
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    Kritischer Vortrag von Prof. Urs Studer zu Diagnostik und Therapie

    Fand ich interessant und teilweise sehr erstaunlich:

    https://www.youtube.com/playlist?lis...IXoRCwNJE1zSr6

    Was meint ihr dazu?

    Viele Grüße

    Martin
    Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom
    PIRADS 5
    Gleason 4 + 5 = 9
    cT3b cN0 cM0
    Erstdiagnose 12/2018 nach PSA 38,8
    Therapie: perkutane Radiotherapie, ADT (Zoladex)

  2. #2
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    Vielen Dank für den Link!
    Das klingt vermutlich überheblich, aber es ist in etwa die Argumentation, die ich meiner PKV Mitte 2017 als Begründung für die Ablehnung der leitliniengerechten Therapie in meinem Fall schrieb. Inzwischen haben weitere Studien (die damals noch nicht publiziert oder abgeschlossen waren) das unterstützt. Es ist schön, dass jemand aus der Schulmedizin und mit großer Erfahrung den Finger auf die Wunden legt und den Kollegen zeigt, wie leicht man aus Statistik das interpretiert, was garnicht drinnen steht. Es ist auch ein deutliches Plädoyer für eine eher minimale Medizin, die nur das behandelt, was "sichtbar" ist, und nur die Diagnostik anwendet, die nötig ist.

    Natürlich läuft ein solches Plädoyer bei den Kollegen ins Leere, auch wenn sie am Ende hübsch applaudieren - obwohl sie eigentlich deutlich kritisiert wurden. Geld, Karrieren und Ansehen sind am Besten mit teuren Maschinen und hohen Operationszahlen zu erreichen. Nur die Patienten könnten etwas ändern, wenn sie Angst und Unwissen ablegen und bei den Ärzten kritisch nachfragen und dann weniger oder andere Behandlung einfordern.

    Für mich neu war der Hinweis auf die stark erhöhte Suizidrate nach Diagnose. Die erhöhte Mortalität unter ADT war mir auch nicht so bewußt. Dass diese nur verzögert und damit ein früher Einsatz kontraproduktiv sein kann, wurde im Vortrag sehr deutlich. Der Hinweis auf "biparametrisches MRT" ohne Kontrastmittel erinnerte mich an eine ältere Studie, die ein solches schnelles MRT als Screening untersucht hatte - fand aber den Link nicht. Dafür diese hier: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/...1111/bju.14538
    Eine Menge von Studien hat inzwischen die Bedeutung des mpMRT untersucht und bestätigt. Meine Vermutung ist, dass das kostengünstige und schonende Verfahren des biparametrischen MRT kaum untersucht werden wird - wer außer uns sollte daran Interesse haben? Oder wie Prof. Studer sagte: wir brauchen mehr öffentlich finanzierte große Studien. Vielleicht wäre ja "crowd funding" ein Weg - PCa-Patienten und -Betroffene könnten dann selbst Schwerpunkte setzen, was erforscht wird.

  3. #3
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    Hallo Martin,
    vielen Dank für diesen sehr guten Vortrag von Prof. Studer.

    Für mich hat sich daraufhin, meine Einschätzung der PSA-Diagnose und der GleasonScore-Bestimmung sehr differenziert.
    Wichtig ist vor allem, seine begründete Skepsis bzw. Ablehnung einer frühzeitigen ADT und der große diagnostische Nutzen der mpMRT.

    Lothar

  4. #4
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    Sehr interessanter Vortrag. Irgendwie habe ich dort die Sichtweise vom Prof.meines Mannes rausgehört, der es zwar nicht so direkt ausspricht-allerdings sich die ganze Zeit sehr abwartend verhält. Und irgendwie bin ich sehr dankbar dafür. Meinem Mann geht es 5 Jahre nach Diagnose (einer Op mit befallenen LK) absolut super. Er geniesst sein Leben sehr, lebt viel bewusster und gesünder als vor der Diagnose. Eigentlich hätte er nach der Richlinie bereits lange bestrahlt werden sollen. Sein Prof ist aber die ganze Zeit sehr vorsichtig und drängt ihn zu nichts (bis auf Psma/Pet ct was in 3 Monaten ansteht). Mal sehen was gefunden wird...

  5. #5
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    Martin, danke für den Link auf diese interessanten Vorträge.

    Sehr ernüchternd, was da Prof. Studer bezüglich Früherkennung und den Nutzen früher Intervention erzählt. Pessimistisch und unzutreffend werden die einen sagen, realistisch und ehrlich die anderen.
    Was uns heute Betroffene aber bleibt, ist immer noch die Hoffnung auf immer bessere Therapien.

    Von daher fand ich auch die Vorträge von Prof. Haberkorn über die PSMA Diagnostik und Therapie sehr interessant.
    Obwohl dieses Symposium fast grad vor meiner Haustüre stattfand, war mir dies nicht bekannt, weil grad vor meiner PCa Diagnose.

    Heinrich

  6. #6
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    Auf dem Symposium in Magdeburg gibt es ja Pro und Contra Vorträge. Einmal dachte ich, mit diesem Pro Vortrag ist alles endgültig klar, wieso traut sich der Contra Referent überhaupt noch ans Rednerpult? Nach dessen Vortrag musste ich sagen, das war auch überzeugend, vielleicht sogar noch mehr. Zu Herrn Prof. Studer gab es keinen Contra Vortrag. Viele wären dazu sicher bereit gewesen.

    Dass frühe Hormontherapie schadet hatte ich noch nicht gehört. Die vorliegenden, retrospektiven Studien berichten von keinem Unterschied im Überleben. Die aktuelle, prospektive Studie (TOAD) berichtet von einem leichten Vorteil für die frühe Hormontherapie auf das Gesamtüberleben. Diese Studie kann aber keine sichere Aussage machen, da sie nur eine unzureichender Teilnehmerzahl hatte. Eine frühere Studie von Messing zeigte einen Vorteil für die frühe Hormontherapie, hatte aber auch eine zu geringe Teilnehmerzahl.

    Georg

  7. #7
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    Ich plage mich ja seit einigen Wochen mit der Frage, ob ich die ADT nach einem Jahr vorzeitig abbrechen soll. Die Nebenwirkungen sind so heftig und nehmen eher zu, so dass die Aussicht, ein weiteres Jahr so leben bzw. vegetieren zu müssen, mehr als trostlos ist. Nach dem Vortrag tendiere ich zu einem Abbruch.

    An der Zürcher Uniklinik, die dieses Referat ins Netz gestellt hat und wo ich behandelt werde, bemühe ich mich um ein Gespräch mit einem Chefarzt und hoffe auf seine Expertise. Falls ich auf einen Leitlinien-Hardliner treffe, verweise ich auf Prof. Studer und bin jetzt schon gespannt auf die Reaktion

  8. #8
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    Ich glaube bei Deinem Gleason 9 wirst Du keinen Arzt finden, der einem Abbruch zustimmt. Du könntest Dich aber auf die Studie von Nabid berufen, der festgestellt hat, dass 18 Monate genausogut sind wie 36 Monate. Das ist eine Phase III Studie, an der Evidenz ist schwer zu rütteln. Das Argument dagegen kann nur sein: lieber 36 Monate, man weiß ja nie.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29980331
    https://www.practiceupdate.com/conte...e-cancer/70469

    Aber was machst Du nach den 18 Monaten? Es kann sein, dass die Ärzte eine lebenslange Hormontherapie vorsehen. Ich selbst würde dann auf Bicalutamid wechseln, das hat deutlich weniger Nebenwirkungen.

  9. #9
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    Ich habe mit Trenantone noch nie Nebenwirkungen gehabt.

  10. #10
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    Zitat Zitat von Michi1 Beitrag anzeigen
    Ich habe mit Trenantone noch nie Nebenwirkungen gehabt.
    Du meinst, Namenlos (schade!) bildet sich seine ein?

    Ralf

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