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Thema: Kritischer Vortrag von Prof. Urs Studer zu Diagnostik und Therapie

  1. #41
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    Trotzdem, in welchem Arm oder Behandlungern oder wie auch immer verstecken sich die anderen 20-30 pro 1000 Männer, welche auch an PCa sterben ? Dann doch bei Nicht-Screening ? Oder habe ich was übersehen ?

    Heinrich

  2. #42
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    Ich seh das alles ein wenig anders, vielleicht realistischer. An irgendetwas stirbt jeder. Wenn in der Statistik auch Leute über 80 dabei sind, was sagt dann diese aus. Alles nur Panikmache.

  3. #43
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    Diese europäische Studie aus 2014 kommt zu einem völlig anderem Ergebnis:

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/art...ihms683906.pdf

    Zusammenfassung:

    Mit Daten, die nach 13-jähriger Nachbeobachtungszeit gekürzt wurden, zeigt unsere Studie weiterhin eine signifikante Reduktion der relativen PCa-Mortalität um 21% zugunsten des Screenings. Pro 781 eingeladene Männer wurde ein PCa-Todesfall abgewendet, und es wurden 27 Fälle mit Übermaß festgestellt. Die relative Risikoreduktion bei Männern, die tatsächlich gescreent wurden, betrug bereinigt um Selektionseffekte 27%. Trotz dieser Erkenntnisse gelten eine weitere Quantifizierung der Schäden und ihre Reduzierung weiterhin als Vorbedingung für die Einführung eines populationsbasierten Screenings.

    Lothar

  4. #44
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    Auf dem Symphosium in Magdeburg 2018 hatte Prof. Weißbach einen Vortrag gegen das Screening gehalten. Er ist dabei auf diese ERSPC Studie eingegangen. Hier eine seiner Folien, wo die 27% Risikoreduzierung dargestellt werden:



    Aus dem Text der Studie hat er dann eingefügt, was die 27% Risikoreduzierung zwischen Screening-Arm und Kontroll-Arm in absoluten Zahlen bedeuten: 1,28 Personen auf 1000 gescreente Männer! In der von mir geposteten Graphik ist das dann wohl auf 1 Person gerundet worden. Exact ist dies eine Person auf 781 gescreente Männer.



    Wie man aus dieser Graphik erkennt, sind also GERUNDET im Screening-Arm nach 13 Jahren 5 Personen pro Tausend an Prostatakrebs gestorben und im Kontroll-Arm 6 Personen. Im gleichen Zeitraum sind in beiden Armen 210 Personen aus anderen Gründen verstorben. Es ist aber im Screening-Arm weit häufiger Prostatakrebs diagnostiert worden und entsprechend mehr Personen behandelt worden - mit den uns bekannten Nebenwirkungen. Fragt mich jetzt aber nicht wieso, ich habe die Studie noch nicht analysiert.

    In einer weiteren Folie stellt Prof. Weißbach dar, dass die Einführung des Screenings das Gesundheitssystem ca. 1 Mrd Euro kosten würde. Dies um das Leben eines Patienten pro Tausend nach 13 Jahren zu retten.

    Georg

  5. #45
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    eine generelle Frage, mit Screening ist das PSA Screening oder die Früherkennung allg. gemeint? Wenn der Unterschied so gering ist und tatsächlich die Früherkennung gemeint ist, dann ist diese sozusagen eigentlich nutzlos, weil der Unterschied so gering ist?

  6. #46
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    Mit "Screening" ist das PSA-Sceening gemeint, über das seit Jahrzehnten, seit der PSA-Test entwickelt wurde (1986, wenn ich mich recht erinnere) diskutiert wird. In den USA gab es dieses Screening, bis es vor einigen Jahren auf der Grundlage einer windigen Studie abgeschafft wurde. In der Folge stieg dort die Anzahl von Männern sprunghaft, bei denen, wie vor der Einführung des Screenings, fortgeschrittene, aggressive Prostatakarzinome ohne Aussicht auf Heilung diagnostiziert wurden.

    Ralf

  7. #47
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    Zur Rückerinnerung:

    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...9774#post59774

    Professor Weißbach war schon sehr aktiv. Das hatte ich schon bei einem früheren Symposium in Magdeburg selbst festgestellt.

    Harald
    nicht nachlassen

  8. #48
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    Ralf,

    genau, das ist der wichtige Punkt!

    Die nicht gescreenten Prostatapatienten haben eine niedrigere Lebenserwartung, da ihr PC öfter weiter fortgeschritten ist.
    Fraglich ist auch, ob und inwieweit die Todesursache richtig erkannt und codiert wird (Hausarzt vs. Krankenhaus).


    Hier noch statistische Informationen des Zentrums für Krebsregisterdaten:

    https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/C...rebs_node.html

    Neuerkrankungen 58.780
    standardisierte Erkrankungsrate¹ 91,6
    Sterbefälle 14.417
    standardisierte Sterberate¹ 19,5
    5-Jahres-Prävalenz 258.800
    10-Jahres-Prävalenz 496.200
    relative 5-Jahres-Überlebensrate 89 %
    relative 10-Jahres-Überlebensrate 88 %
    Die Zahl der Neuerkrankungen an Prostatakrebs lag im Jahr 2016 bei rund 58.800 Fällen. Die altersstandardisierte Erkrankungsrate ist nach einem Anstieg über fast zwei Jahrzehnte seit 2003 weitgehend konstant und verlief zwischen 2011 und 2016 sogar deutlich rückläufig. Eine ähnliche Entwicklung ist in vielen anderen westlichen Industrienationen zu beobachten und dürfte auf eine lange Zeit steigende, zuletzt aber wohl eher zurückgehende Nutzung des PSA-Tests (prostataspezifisches Antigen) als Früherkennungsuntersuchung zurückzuführen sein.
    Altersstandardisierte Erkrankungs- und Sterberaten nach Geschlecht, ICD-10 C61, Deutschland 1999 – 2016/2017, Prognose (Inzidenz) bis 2020, je 100.000 (alter Europastandard)
    Im Gegensatz zur Erkrankungsrate hat sich die altersstandardisierte Sterberate bis zum Jahr 2007 kontinuierlich verringert und verläuft seitdem annähernd stabil. Im Vergleich mit anderen Ländern Mitteleuropas weist Deutschland aktuell eine ähnliche Inzidenz auf. Prostatakrebs tritt vor dem 50. Lebensjahr nur selten auf: Das Risiko für einen 35-jährigen Mann, in den nächsten 10 Jahren zu erkranken, liegt unter 0,1 Prozent, das eines 75-jährigen Mannes hingegen bei etwa 5 Prozent. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate für Prostatakrebs liegt bei 89 Prozent. Etwa zwei Drittel der Tumoren werden in einem frühen Stadium (UICC I/II) diagnostiziert.

  9. #49
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    ich lese mir den Beitrag mal durch. Ich bin ein sehr großer Fan der Früherkennung, weil ich in der Familie erlebt habe was ein Prostatakrebs anrichten kann, wie in wenige Jahren alle eingesetzten Methoden versagen können und immer wieder die Aussage, "ja wenn wir früher operiert hätten, wenn wir früher hätten aktiv werden können" usw. usw.
    Ich lese hier viel und auch auf myprostata und bei vielen Betroffenen für die ein kurativer Ansatz nicht mehr möglich ist und bei denen die Diagnose eher zufällig war, lese ich dass sich wünschten früher zur Vorsorge gegangen zu sein. Von daher sind für mich solche Vorträge eher befremdlich, weil sie möglicherweise den Eindruck erwecken, dass man eh nichts machen kann und am besten einfach zuwarten soll, selbst wenn dies vom Sprecher so nicht beabsichtigt war. Außerdem finde ich, dass die Leitlinien sehr differenzierte und sehr gute Handlungsanweisungen zum Thema Früherkennung geben. Von daher ist alles da, man muss es eben nur anwenden.

  10. #50
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    Vielen Dank für deinen Link zu diesen sehr erhellenden Vortrag!

    Viele Grüße
    Peter

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