Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 17

Thema: Orchiektomie versus LHRH-Analoga

  1. #1
    Registriert seit
    20.02.2018
    Beiträge
    982

    Orchiektomie versus LHRH-Analoga

    Unterschiedliche Ausprägung einiger Nebenwirkungen bei Orchiektomie und medikamentöser Kastration durch LHRH-Analoga.
    Ergebnisse neuerer Studien (2014 - 2016)


    Insulinresistenz
    Anämie
    Knochenabbau
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27103427
    This study showed that LHRH analogs had worse effects relative to insulin resistance, mainly in diabetic patients, and induced more anemia and bone demineralization compared to surgical castration.”
    „Diese Studie zeigte, dass LHRH-Analoga im Vergleich zur Insulinresistenz, vor allem bei Diabetikern, schlechtere Auswirkungen hatten und im Vergleich zur chirurgischen Kastration mehr Anämie und Knochendemineralisierung induzierten.“

    Nierenschädigung
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24495466
    The administration of gonadotropin-releasing hormone agonists, but not bilateral orchiectomy, increases the risk of acute kidney injury (AKI) in patients with prostate cancer (PCa). These observations should help provide physicians with better patient selection to reduce the risk of AKI in PCa patients.”
    „Die Verabreichung von Gonadotropin-freisetzenden Hormonagonisten, nicht aber die bilaterale Orchiektomie, erhöht das Risiko einer akuten Nierenverletzung (AKI) bei Patienten mit Prostatakrebs (PCa). Diese Beobachtungen sollten dazu beitragen, Ärzten eine bessere Patientenauswahl zu ermöglichen, um das Risiko einer AKI bei PCa-Patienten zu verringern.“


    Kardiovaskuläre Ereignisse

    https://onlinelibrary.wiley.com/doi/...1111/bju.12732
    The administration of GnRH agonists, but not orchidectomy, is still associated with a significantly increased risk of CAD, AMI, and, especially, SCD in patients with non‐metastatic prostate cancer. Alternative forms of ADT should be considered in patients at higher risk of CV events.”
    „Die Verabreichung von GnRH-Agonisten, aber nicht die Orchiektomie, ist immer noch mit einem deutlich erhöhten Risiko für KHK, AMI und vor allem SCD bei Patienten mit nicht-metastasiertem Prostatakrebs verbunden. Alternative Formen der ADT sollten bei Patienten mit einem höheren Risiko für CV-Ereignisse in Betracht gezogen werden.
    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    Der große Nachteil der Orchiektomie ist deren Endgültigkeit, Intermittieren zum Lindern der auf Testosteronentzug basierenden Nebenwirkungen ist im Gegensatz zur medikamentösen Kastration nicht mehr möglich.
    Aufgrund der oben erwähnten Studien scheint die Orchiektomie für bestimmte Patientengruppen von Vorteil zu sein.

    Franz




  2. #2
    Registriert seit
    20.02.2018
    Beiträge
    982
    Comparison of Gonadotropin-Releasing Hormone Agonists and Orchiectomy

    https://jamanetwork.com/journals/jam...rticle/2476248

    In dieser Studie von 2016 wurden bei Männern über 66 Jahren mit metastasierendem Prostatakrebs die Nebenwirkungen von GNRH-Agonisten im Vergleich zu einer bilateralen Orchiektomie untersucht.

    Ergebnisse:
    - Bei einer Dauer von 12 Monaten waren keine signifikanten Unterschiede bei den beiden unterschiedlichen Patientengruppen feststellbar.
    - Mit Dauer des Hormonentzuges über 35 Monate steigt das Risiko bei metastasierten Patienten mit medikamentösen Hormonentzug im Vergleich zur Orchiektomie bei der Häufigkeit von Frakturen, periphere arterielle Erkrankungen und kardialen Komplikationen an.
    - Bei Diabetes und kognitiven Defiziten wurden keine Unterschiede festgestellt.


    Zitate:
    No statistically significant difference was noted between orchiectomy and GnRHa for diabetes and cognitive disorders. In individuals treated with GnRHa for 35 months or more, the increased risk for GnRHa compared with orchiectomy was noted for fractures (HR, 1.80), peripheral arterial disease (HR, 2.25), venous thromboembolism (HR, 1.52), cardiac-related complications (HR, 1.69), and diabetes mellitus (HR, 1.88) (P ≤ .01 for all). At 12 months after PCa diagnosis, the median total expenditures was not significantly different between GnRHa and orchiectomy.”

    “Gonadotropin-releasing hormone agonist therapy was associated with higher risks in 3 of 6 examined adverse effects: any fractures, peripheral arterial disease rates, and cardiac-related complications. In some patients who need permanent androgen suppression, surgical castration may represent a suitable alternative to GnRHa. However, other considerations must be contemplated when deciding between medical or surgical castration (ie, young age, intermittent ADT).


    Franz


  3. #3
    Registriert seit
    13.11.2010
    Ort
    Hessen
    Beiträge
    1.942
    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Der große Nachteil der Orchiektomie ist deren Endgültigkeit, Intermittieren zum Lindern der auf Testosteronentzug basierenden Nebenwirkungen ist im Gegensatz zur medikamentösen Kastration nicht mehr möglich.
    Natürlich ist auch bei Orchiektomie eine iADT möglich! Man therapiert halt andersrum, d.h. in den iADT Therapiepausen wird Testosteron zugeführt - intramuskulär oder transdermal.
    if nothing's fails, it's not real life

  4. #4
    Registriert seit
    18.11.2017
    Ort
    Raum Stuttgart
    Beiträge
    42
    Der große Nachteil der Orchiektomie ist deren Endgültigkeit
    SeppS58 hat Erfahrung mit dieser Therapie. Er beschreibt in einigen seiner Beiträge eine Testosteroncreme, welche natürlich auch einen PSA-Anstieg bewirkt. Er ist nicht mehr Mitglied des Forums, aber noch in myprostate.eu aktiv. Ich selbst kann Gott sei Dank keine Erfahrungen dazu beitragen.
    Liebe Grüße, Hermann

    Herr, gib mir die Kraft, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    die Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann
    und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.

    https://de.myprostate.eu/?req=user&id=896

  5. #5
    Registriert seit
    20.02.2018
    Beiträge
    982
    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Natürlich ist auch bei Orchiektomie eine iADT möglich!
    Möglich ist vieles, aber auch sinnvoll?

    Zu Testosterongaben nach Orchiektomie gibt es kritische Stimmen z. B.
    https://www.karger.com/Article/FullText/502246


    link aufrufen und dann auf „download full PDF“ gehen,
    Seite 162 ff zum Thema diese beiden Beiträge:

    - „Testosteronsubstitution nach Orchiektomie“
    - „Testosteronsubstitution: Eine Übersicht

    Zitate:
    Aus „Testosteronsubstitution nach Orchiektomie
    Vor Einleitung der Therapie müssen mögliche Kontraindikationen gegen eine Testosterontherapie abgeklärt bzw. ausgeschlossen werden:
    • Unbehandeltes, lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Prostatakarzinom ….“

    Und dann bei „Testosteronsubstitution: Eine Übersicht
    Absolute Kontraindikationen:
    • Unbehandeltes oder fortgeschrittenes Prostatakarzinom ….“


    Franz
    PS: Hervorhebungen bei den Zitaten durch mich.

  6. #6
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.384
    Franz,

    die von Dir erwähnte Studie von Vargas wird von Ostergren kritisch beurteilt. Er weist u.a. darauf hin, dass die Patienten in der Orchiektomie-Gruppe zu Beginn der Untersuchung bessere Werte hinsichtlich Insulin-Resistenz und Knochendichte hatten als die Patienten, die ADT machten. Die Orchiektomie-Gruppe hatte zu Beginn also bessere Ausgangswerte. Auch handelt es sich nicht um eine randomisierte Studie, sondern eine beobachtende Studie mit 102 Patienten, also eine vergleichsweise kleine Zahl. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28238027

    Die Studien von Gandaglia sind retrospektive Datenbank-Studien. Hershman erwähnt die erste Studie und ergänzt: „These observational studies are often limited due to selection bias and lack of detailed information on treatments and prognostic factors.“
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4852142/

    Ich bin daher noch nicht überzeugt von den Ergebnissen dieser Studien.

    Georg

  7. #7
    Registriert seit
    20.02.2018
    Beiträge
    982
    Georg,

    bevor ich mich später mit deinen links beschäftige, eine Anmerkung.
    Randomisierte Studien, in denen ein Teil der Teilnehmer einer Orchieektomie unterzogen wird, ich gehe mal davon aus, das es hier bei der Rekrutierung große Probleme geben dürfte.
    Es ist nicht jedermanns Sache an einer Studie teilzunehmen, bei der er nach der zufälligen Zuordnung zu einer Gruppe, zu denen gehört, die zum Chirurgen geschickt werden.

    Franz

  8. #8
    Registriert seit
    25.07.2007
    Ort
    Ba-Wü, Raum Stuttagrt
    Beiträge
    707
    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    (...)
    Die Studien von Gandaglia sind retrospektive Datenbank-Studien. Hershman erwähnt die erste Studie und ergänzt: „These observational studies are often limited due to selection bias and lack of detailed information on treatments and prognostic factors.“
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4852142/

    Ich bin daher noch nicht überzeugt von den Ergebnissen dieser Studien.

    Georg
    Geht mir auch so.
    Früher war Orchiektomie bei fortgeschrittenem PK die Regel, bis die Medikamente zur chemischen Kastration auf den Markt kamen. Heute sind diese die Regel und das ist gut so, denn so ist die Therapie steuerbar in Bezug auf Einsatzzeitpunkt, Dauer und Dosis bzw. Wirkintensität. Und dies immer vor dem Hintergrund und in Abwägung von Nebenwirkungen vor allem bei Patienten mit Komorbitäten.
    Diese Abwägungs- und Abstimmungsmöglichkeit hat man bei einer einmal vollzogenen Orchiektomie nicht mehr. Die angeführten Studien sind teilweise nicht randomisiert und zumindest die frühen SEER-Daten stammen aus einer Zeit, in der Orchiektomie durchaus noch verbreitet praktiziert wurde, aber man hatte die chemische Alternative. Und genau hier könnte sich ein relevanter „bias“ eingeschlichen haben. Verantwortungsvoll und abwägend wurden möglicherweise verstärkt gerade jene Patienten chemisch behandelt, die schon weiter fortgeschrittenund und evtl. morbide waren. D.h. hieße, die zugrundeliegenden Vergleichsgruppen waren möglicherweise zu unterschiedlich zusammengesetzt zu Ungunsten der mit LHRH-Analoga behandelten Gruppe.
    Grüße
    Hartmut

    Meine PK-Geschichte im Überblick: http://www.myprostate.eu/?req=user&id=74

  9. #9
    Registriert seit
    13.11.2010
    Ort
    Hessen
    Beiträge
    1.942
    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Möglich ist vieles, aber auch sinnvoll?
    Das war nicht Deine Frage, sondern:

    Der große Nachteil der Orchiektomie ist deren Endgültigkeit, Intermittieren zum Lindern der auf Testosteronentzug basierenden Nebenwirkungen ist im Gegensatz zur medikamentösen Kastration nicht mehr möglich.
    und genau das, und nur das, ist eben nicht so. Ob Testosteronergänzung sinnvoll ist, wann und bei wem, das ist eine ganz andere Frage.
    Bezüglich der Gabe von Testosteron möchte ich auch an die dauerhafte Gabe von Testosteron bei 'geheilten' Hodenkrebs Patienten erinnern! Hodenkrebs (Testicular Cancer) ist eine Krebsart, die vorwiegend jüngere Männer betrifft und dank Operation und Platin-Chemo gut heilbar ist. Diese Männer kann man nicht den Rest ihres Lebens ohne Testosteron rumlaufen lassen! Da gibt es relativ viel und gute Erfahrung mit diesem Ansatz.
    if nothing's fails, it's not real life

  10. #10
    Registriert seit
    20.02.2018
    Beiträge
    982
    LowRoad,

    danke für deine konstruktive Kritik am aktuellen Beitrag.

    Die Krux ist, dass mich zum einen das Thema Prostatakrebs, insbesondere alles was mit der fortgeschrittenen Erkrankung zu tun hat, sehr beschäftigt, andrerseits mir aber, bedingt durch private Probleme, meist die dazu nötige Zeit und Ruhe fehlt.
    Mir ist bewusst, dass man sich mehr Zeit nehmen sollte, um Erkenntnisse zum PK, die man weitergeben möchte, vor dem Einbringen ins Forum nach einem zeitlichen Abstand nochmal kritisch durchzusehen, soweit die Theorie.

    Da das Zeitfenster, das mir für die Beschäftigung mit dem PK bleibt, in nächster Zeit eher schmäler wird, lege ich eine Forumspause ein.

    Franz



Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •