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Thema: Hilfe mein PSA explodiert!

  1. #1
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    Hilfe mein PSA explodiert!

    Liebe Urologen/Onkologen, Betroffene und erfahrene Nutzer des Forums,

    wie Ihr aus meinem Profil sehen könnt, gelang es mir, nach RP 06/04(T3b,G3a,N1,R1, GS (4+5)9) mit Casodex 150 mg bis 12/05 mein PSA unter 2,0 zu halten; danach mit Trenantone (ohne Casodex) bis 06/06 einen Anstieg über 4,0 zu verhindern. Danach konnte ich mein PSA durch die Kombination Trenantone+Casodex 50 mg nochmals innerhalb von 3 Monaten auf 1,8 drücken. Nach 3 Monaten stieg jedoch das PSA auf 5,9 und explodierte nun innerhalb von 13 Tagen auf 15 ng/ml (Test.0,12).

    Ihr könnt Euch vorstellen, wie verzweifelt ich bin.

    Mein Urologe sagt, ich solle mit der Chemo (Taxotere) beginnen.
    Mein Onkologe, der auch die Chemo durchführen könnte, sagt, ich solle noch solange warten bis Beschwerden auftreten. Mit der Chemo würde dann die beschwerdefreie Zeit ohnehin zu Ende gehen.

    Am Mittwoch, dem 31.01.06 werde ich in Ulm eine PET-Cholin Untersuchung durchführen lassen.

    Ich selbst möchte noch versuchen nach dem Ratgeber von Prof. Weißbach mit Abset-zen des 1. AA (Casodex), danach durch den Einsatz eines 2. und 3. AA Zeit zu gewinnen. Danach wurde mir noch die Einnahme von Prostasol und Ketoconacol empfohlen. Ist dies alles noch sinnvoll?

    Ist in meinem Fall die Chemo zu empfehlen, welche und wann?
    Welche Alternativen gibt es sonst noch?
    Ich wohne im Raum Ansbach-Nürnberg. Gibt es hier gute Ärzte mit viel Erfahrung bei der Chemotherapie des Prostatakrebses?
    Ich bin total unsicher, wie ich weiter verfahren soll.

    Urologen/Onkologen, Betroffene und erfahrene Nutzer des Forums, bitte helft mir bei meiner Entscheidung!

    Im Voraus D A N K E für Eure Hilfe!


    Emil


  2. #2
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    Zitat Zitat von EPauli Beitrag anzeigen
    Mein Urologe sagt, ich solle mit der Chemo (Taxotere) beginnen.
    Mein Onkologe, der auch die Chemo durchführen könnte, sagt, ich solle noch solange warten bis Beschwerden auftreten. Mit der Chemo würde dann die beschwerdefreie Zeit ohnehin zu Ende gehen.


    hallo Emil,

    warten bis Beschwerden auftreten, als Onko-Ratschlag, ist starker tobak in deiner situation: warten heisst dann zusehen wie der psa weiter explodiert und jeden tag die knochen abtasten, ob schon was zu spüren ist, zitter zitter - "trembling waiting"?
    Da ist Uros Ratschlag schon besser.

    Ich selbst möchte noch versuchen nach dem Ratgeber von Prof. Weißbach mit Abset-zen des 1. AA (Casodex), danach durch den Einsatz eines 2. und 3. AA Zeit zu gewinnen. Danach wurde mir noch die Einnahme von Prostasol und Ketoconacol empfohlen. Ist dies alles noch sinnvoll?


    es ist auf jeden fall sinnvoll, die menge der möglichen, auch die der hormontherapie, nicht auf spritze plus casodex einzuengen.
    Wie ist dein testosteron-pegel? und dein DHT-pegel? Casodex abzusetzen scheint mir richtig, kann ja sein, dass das Casodex nun als Futter verwandt wird. Entweder ein anderes AA oder Ketoconanzole, aber auf jeden fall auch proscar u./o. avodart.

    du müsstest weitere sachen messen - ich kopier hier mal rein, was Urologe fs vor einer Weile einem unserer PK-Mitstreiter vorgeschlagen hat, bei dem auch der PSA unter HB stieg:

    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++
    Wie ist der Hormonstatus:

    Testosteron, FSH, LH, Prolaktin, SHBG, ÖStradiol morgens zwischen 8 und 9.00 bestimmen lassen, zusätzlich Harnstoff, Kreatinin, Blutbild, Ferritin, TSH, Chol., Trig., HbA1c, Leberwerte, um andere - internistische Erkrankungen auszuschliessen.

    Gruss
    fs
    +++++++++++++++++++++++++++++++

    Ist in meinem Fall die Chemo zu empfehlen, welche und wann?


    ja, wahrscheinlich schon, aber die möglichkeiten, hormonell vorzugehen, solltest du erst ausprobieren.


    Ich bin total unsicher, wie ich weiter verfahren soll.
    verständlich, bei diesem heftigen PSA-Sprung.
    aber eben dafür ist das forum da, zu unterstützen, um wege aus der unsicherheit zu finden.

    ich drück dir die Daumen!
    Rudolf

  3. #3
    WinfriedW Gast
    Zitat Zitat von EPauli Beitrag anzeigen
    Mein Urologe sagt, ich solle mit der Chemo (Taxotere) beginnen.
    Mein Onkologe, der auch die Chemo durchführen könnte, sagt, ich solle noch solange warten bis Beschwerden auftreten.
    Das kommt mir bekannt vor.

    Mir schrieb der Erlanger Onkologe: "Eine Indikation zur Durchführung einer systemischen Chemotherapie besteht bei nicht vorhandenen Metastasen parenchymatöser Organe nicht".

    Ich habe mich entschlossen, dem Rat des Urologen zu folgen und habe mich hier in Behandlung begeben.

    Eine Alternative sehe ich im neu am Martha-Maria-Krhs. entstandenen medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Auch dort bin ich im Gespräch.

    WW

  4. #4
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    Snuffy Myers: Hormontherapie

    Emil, hier noch als Bestärkung, die Möglichkeiten der (second-line) Hormonblockade auszuloten, ein paar Sätze aus dem neuen Buch vom Onko Dr. Myers:

    ++++++++++++

    S. 47
    Chapter 4
    Understanding Hormonal Therapy


    Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass in manchen Kreisen … die Hormontherapie kein Ansehen hat. Aber klinische Studien zeigen, dass Hormontherapie eine extrem effektive Behandlung für Prostatakrebs in verschiedenen Stadien sein kann. Jedoch gibt es über Hormontherapie mehr falsche Auffassungen als über jede andere Therapie auf dem Gebiet der Prostata. Meist malen diese Auffassungen ein pessimistisches Bild der Effektivität der Hormontherapie und führen zu einer eigentlich grundlosen Hoffnungslosigkeit bei vielen Patienten. Diese falschen Auffassungen bringen dann Patienten dazu, effektive Methoden der Krankheitskontrolle nicht in Anspruch zu nehmen.

    Aber warum gibt es so viele Missverständnisse über Hormontherapie?
    Ich glaube, dass der Grund liegt in der Tatsache, dass die Geschwindigkeit der Prostatakrebs-Forschung derartig überwältigend geworden ist, dass es für jeden Arzt unmöglich geworden ist, über alles, was über die Krankheit veröffentlicht wird, auf dem laufenden zu bleiben. Ärzte tendendieren dazu, nur diejenigen Prostatakrebs-Papiere zu lesen, die direkt mit ihrer eigenen Spezialisierung zu tun haben. Mit anderen Worten, Chirurgen lesen Papiere über Fortschritte bei der OP, Radiologen über diejenigen bei Radiotherapie und Onkologen über Chemotherapie. Bedauerlicherweise macht dabei keiner die Hormontherapie zu ihrem Fokus, obwohl jeder dieser Spezialisten sie einsetzen.

    +++++++++

    danach lässt er sich aus, die beiden Haupt-"Mythen" in Sachen HB zu widerlegen: 1. dass sie nicht so lange hält und 2.dass sie keine krebszellen abtötet

    bis dann,
    Rudolf

  5. #5
    Reinardo Gast
    Hallo Rudolf. Mit dem Ratschlag "die Möglichkeiten der Hormontherapie auszuloten" würde ich zögern. Das herauszufinden dauert Monate und Emil verliert damit kostbare Zeit. Unter Hormontherapie könnte sich derweil der Krebs Gleason 4+5 zu einem Krebs Gleason 5+5 entwickeln, schön kaschiert durch einen PSA-Abfall.
    Gruss, Reinardo

  6. #6
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    Lieber Rudolf, Winfried und Reinardo,

    herzlichen Dank für Eure Hilfe im Forum. Aus Euren Antworten sehe ich, dass es jedenfalls nicht richtig ist, einfach mit Trenantone und Casodex weiterzumachen, bis ein 3-stelliger PSA-Wert erreicht ist oder Schmerzen auftreten.

    Ich habe jetzt seit knapp einer Woche Casodex abgesetzt und werde morgen nach Ulm zum PET-Cholin fahren. Je nachdem, wann ich heimkomme, werde ich morgen oder übermorgen PSA messen lassen und sehen, ob eine Reaktion erfolgt. Wenn PSA weiterhin unverändert steigt und auch weitere Antiandrogene und Prostasol sowie Ketoconacol nicht wirken, werde ich um eine baldige Chemo nicht herumkommen.

    Testosteron-Pegel war 0,12. DHT wurde bisher nie gemessen. Dagegen wurde am 24.01.07 der Tumormarker CGA erstmals gemessen und zwar in Höhe von 282 ug/l (normal<110). Klingt nicht gut!

    Ich wäre Euch dankbar, wenn Ihr in 2-3 Tagen nochmals bei dieser Forumsseite hereinschaut. Ich habe dann neue PSA-Werte (1 Woche ohne AA Casodex) und vielleicht schon mündlichen Bescheid über meine PET-Cholin Ergebnisse, und ich bin sicher, wieder einige Fragen an Euch.

    Nochmals herzlichen Dank und viel Erfolg bei Eurer Therapie.

    Ich grüße Euch recht herzlich aus Mittelfranken

    Emil

  7. #7
    shgmeldorf,Werner Roesler Gast
    Hallo Emil,
    bitte keine Panik! Es gibt auch in Deiner Situation noch viele Optionen. Zuerst müssen Deine Ärzte versuchen festzustellen, ob eine u.U. schwankende Androgenblockierung dazu geführt hat, denn Du hast ja nicht regelmäßig z.B. die Testosteronwerte nehmen lassen. Es kann daher durchaus sein, das das Krebsgewebe sich tüchtig in der Vergangenheit ernähren konnte, ohne das dies bemerkt wurde, die PSA-Explosion ist dann ein sog. Kulminationseffekt.
    Also optimale Androgenblockade ohne Casodex. Evtl. den Versuch mit einem Corticoid (Dexamethason oder Triamcinolon) machen, das wird gerade im Forum diskutiert. Schau mal unter "Dexamethason 1mg Abends..." rein. Dann können Östrogene( z. B. Estraderm 100 Pflaster...) zusätzlich angewendet werden.
    Sollte sich herausstellen, dass der Krebs auf den Androgenentzug nicht mehr optimal reagiert und auch Östrogene nicht mehr greifen, dann könnte der Tumor hormonrefraktär werden.
    Dann gibt es zur Taxotere-Monotherapie viele andere Optionen, z.T. mit signifikant positiven Ergebnissen(s.z.B.: http://www.aerztezeitung.de/docs/200...krebs/prostata...
    Also die Kombitherapie mit Docetaxel (Taxotere) und hochdosiertes Calcitriol. Die sog. ASCENT-Studie ("Androgen-independet Prostate Cancer Stidy of Calcitriol Enhanging Taxotere"). Diese Zwischenergebnisse wurden beim Urologenkongreß in Hamburg kürzlich vorgestellt.

    Du siehst, es sind schon Optionen und es gibt noch weitere!

    Also erstmal mit Bedacht die Lage analysieren

    und dann entscheiden, obwohl die Angst einen treibt.

    Ich drücke Dir die Daumen!


    Gruß Werner R.
    Geändert von shgmeldorf,Werner Roesler (31.01.2007 um 17:16 Uhr) Grund: Im Link fehlt ein Buchstabe.

  8. #8
    WinfriedW Gast
    Zitat Zitat von shgmeldorf,Werner Roesler Beitrag anzeigen
    ... bitte keine Panik! Es gibt auch in Deiner Situation noch viele Optionen. ...
    Einverstanden, Panik ist kein guter Ratgeber, aber wenn sich Emils PSAVZ, so wie sie sich abzeichnet, bestätigt, dann würde ich ihm raten schnell zu handeln. Mit den vielen Optionen ist das so eine Sache. Wenn sich bewahrheiten sollte, dass sich Emil in einer hormonrefraktären Situation befindet, dann sind, wenn wir ehrlich sind, die therapeutischen Möglichkeiten sehr limitiert.

    Zitat Zitat von shgmeldorf,Werner Roesler Beitrag anzeigen
    ... Also die Kombitherapie mit Docetaxel (Taxotere) und hochdosiertes Calcitriol. ...
    Na Prima! Als Leiter der SHG Meldorf wirst du Emil sicher auch in der Frage beraten können, welcher Arzt bei ihm auf der Grundlage dieser Phase II - Studie die Therapie einleitet.

    WW

  9. #9
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    Hallo Werner Rössler, Winfried W. und die vorgehenden Helfer,

    Danke für Eure Beiträge.

    Gestern war ich zur PET-Cholin in Ulm. Die ersten beiden Male zuvor, letztmals im Juli 06, waren jeweils ohne Befund.

    Diesmal wurde mir mitgeteilt, dass sich in meinem gesamten Skelett viele kleine Metastasen befinden. Befallene Lymphknoten oder Organe konnten bei der ersten Schnelldurchsicht nicht festgestellt werden. Den endgültigen schriftlichen Befund werde ich erst am Montag erhalten. Erstmals konfrontiert mit der Tatsache, dass der Krebs jetzt lokalisierbar und im ganzen Körper verstreut ist, hat mir einen gewaltigen Tiefschlag versetzt.

    Bei meinem Urologen werde ich statt der bisherigen 3-monatigen Zometa-Infusion, diese nunmehr monatlich durchführen lassen. Leider erhalte ich meine neuen PSA-Werte erst in einer Woche, da mein Urologe sie im eignen Labor selbst, allerdings nur einmal wöchentlich, bestimmt.

    Ich habe eine Schwägerin, die Brustkrebs hat(te?). Sie hatte auch viele kleine Metastasen in den Knochen und bekam eine Chemo. Die kleinen Knochenmetastasen wurden zusätzlich leicht bestrahlt und sind verschwunden, bzw. sie geben jetzt schon seit 4-5 Jahren Ruhe.
    Gibt es so etwas auch beim Prostatakrebs?

    Im Forum habe ich gelesen, dass die Chemo bei Knochenmetastasen nichts/wenig nütze. Stimmt das? Gibt es hier noch keine wissenschaftliche Studien?

    WinfriedW: Bitte können Sie mir den Begriff „Metastasen parenchymatöser Organe“ erläutern?

    Nach dem Erhalt meines Pet-Cholin Befundes werde ich mich hier wieder melden.

    Ich hoffe, dass auch andere Betroffene und Leser, aus dem hier Geschriebenen Nutzen ziehen können.

    Euch allen wünsche ich viel Kraft, Zuversicht, Glück, und wer daran glaubt, Gottes Segen, beim Umgang mit unserer Krankheit.

    Danke und eine gute Nacht.

    Seid alle recht herzlich gegrüßt von

    Emil


  10. #10
    WinfriedW Gast
    Zitat Zitat von EPauli Beitrag anzeigen
    WinfriedW: Bitte können Sie mir den Begriff „Metastasen parenchymatöser Organe“ erläutern?
    So hat es der Erlanger Onkologe in den Arztbrief geschrieben.

    parenchymatös: das Parenchym betreffend.

    Zitat Zitat von Roche Lexikon Medizin
    Srukturen der sog. parenchymatösen Organe (Leber, Milz, Niere, Pankreas, Nebennieren, Gonaden, Blut bildende Organe etc.).
    Blut bildende Organe sind für meine Begriffe das Knochenmark. Nachdem die Knochenmetastasen tatsächlich im Knochenmark sitzen, sind bei uns und nach dieser Definition durchaus Metastasen in parenchymatösen Organen nachgewiesen.

    WW

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