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Thema: Prostatakrebs diagnostiziert

  1. #1
    neunundzwanzig Gast

    Prostatakrebs diagnostiziert

    Vorab: ich habe diesen Beitrag in ähnlicher Form schon in einem anderen Forum geschrieben. Ich hoffe es ist ok, wenn ich diesen hier nochmals zusammenfasse, da mich die ganze Sache ziemlich beschäftigt.

    Mein Vater hat seit gestern die Diagnose Prostatakrebs. Er ist 66 Jahre alt und festgestellt wurde ein PSA-Wert von 8 (allerdings im Rahmen einer ganz anderen Untersuchung). Daraufhin wurde eine Biopsie mit 12 Proben gemacht, bei der 30 % der Proben positiv auf Krebs getestet wurden. Soweit ich weiss, konnte nichts ertastet werden. Der Arzt hat angeblich gesagt, dass sich der Krebs vermutlich in einem frühen Stadium befindet, und dass lediglich eine Seite befallen wäre.

    Dazu muss ich noch sagen, dass der Arzt wohl gesagt haben muss, dass der Wert, der die Entzündungen misst (ich denke mal das ist der PSA-Wert?), sehr hoch wäre (ich meine über 100), aber dass dies wahrscheinlich an der Operation und der daraus folgenden Entzündung läge.

    Aus dieser Partin-Tabelle werde ich nicht schlau. Zudem weiss ich weder den Gleason-Wert, noch die Einteilung nach dem TNM-System (und auch nicht, anhand welcher Kriterien diese vorgenommen wird).

    Wenn ich es richtig verstanden habe, ist Prostatakrebs heilbar, wenn er noch nicht aus der Kapsel ausgebrochen ist. Ich habe ziemliche Angst davor, dass dies ggfs. bei meinem Vater schon geschehen ist. Kann man anhand der obigen Daten vielleicht schon eine (ganz grobe) Einschätzung machen?

    Was mich irritiert: Der Arzt hat gesagt, es kämen zwei Möglichkeiten in Frage:

    1) Operation mit 2 Wochen Krankenhaus und 3 Wochen Reha
    2) Bestrahlung mit 30 Sitzungen (welche Bestrahlung genau weiss ich nicht)

    (Mein Vater war erstmal so geschockt, dass er wohl garnicht so genau zugehört hatte. Er hatte nicht mit einem Krebs gerechnet, da auch der Arzt dies für die geringere Wahrscheinlichkeit hielt).

    Ich hatte bisher den Eindruck es gäbe da noch mehr Möglichkeiten? Oder ist der Krebs möglicherweise so weit fortgeschritten, dass es keine andere Möglichkeit mehr gibt. Das würde doch eigentlich der Aussage, dass sich der Krebs in einem relativ frühen Stadium befindet, widersprechen?

    Ich wäre Euch/Ihnen sehr dankbar für eine Antwort.

    Weitere Informationen bekomme ich hoffentlich bald, wenn wir den genauen Befund incl. Gleason-Wert zugeschickt bekommen.

  2. #2
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    1.485
    Hallo!

    Bitte schaut Euch auf der Startseite unter "Erster Rat" die umfassende Übersicht von Rainer Damm und lest Euch das in Ruhe und intensiv durch. Dann wisst Ihr schon sehr viel mehr.

    Den Gleason-Score (sehr wichtig!!) hat mit ziemlicher Sicherheit der Urologe Deines Vaters; er soll Euch auch konkret mitteilen, welcher Wert über 100 lag. Der PSA-Wert war das vermutlich nicht, wenn er vor kurzer Zeit (wann genau?) noch bei 8 lag, es sei denn, Dein Vater hat eine Prostataentzündung oder andere kurzfristig PSA-erhöhende Dinge liegen vor.

    Bleibt vor allen Dingen ruhig. Es gibt keinen Grund, irgend etwas zu überstürzen. Ihr könnt in Ruhe, d.h. zumindest in den nächsten 6 - 8 Wochen, alles überlegen, hier im Forum diskutieren und dann eine Entscheidung treffen.

    Kopf hoch!! Hier im Forum gibt es viele Leute, die sich noch viele Jahre nach ihrer Krebsdiagnose pudelwohl fühlen.

    Alles Gute und viele Grüße

    Schorschel

  3. #3
    neunundzwanzig Gast
    So, hier nun der pathologische Befund:
    --------------------------------------
    Makroskopie:

    1. (rechts): Stanzzylinder von zusammen ca. 8cm Länge
    2. (links): Stanzzylinder von zusammen ca. 9,5cm Länge

    Zusammenfassende Diagnose und Begutachtung:

    1. Prostatastanzbiopsien der rechten Seite mit Hyperplasie von Prostatadrüsen sowie nodulären Fibrosearealen. Schüttere periduktale Entzündung. Tumorfreies periprostatisches Bindegewebe.

    2. Prostatastanzbiopsien der linken Seite, ebenfalls mit Hyperplasie von Prostatadrüsen und nodulärer Fibrose. Daneben jedoch Infiltration des Prostatagewerbes durch ein teils kriböses, teils mikroglanduläre, mäßig bis wenig differenziertes pluriformes gewöhnlich-hellzelliges Adenokarzinom der Prostata (es werden 30% des Gewebes des vorliegenden Stanzzylinders karzinominfiltriert). Tumorfreies Gewebe der Prostatakapsel sowie tumorfreies periprostatisches Bindegewebe.

    Gleason-Score 7 (Muster 3+4). Damit liegt gem. UICC ein G3, gemäß dem urologischen Arbeitskreis ein G2b vor. Eine extraprostatische Ausbreitung des vorliegenden Prostatakarzinoms ist nicht zu sichern. Ggfs. ist dieses auch noch auf einen Prostataseitenlappen beschränkt.

    Die klinische Verdachtsdiagnose ist damit nur zu bestätigen.

    --------------------------------------

    Frage jetzt: Was heisst das genau? Dass sich der Tumor noch in der Kapsel befindet? Und welche weiteren Untersuchungen sollte man - bevor man sich für eine mögliche Therapie entscheidet - noch machen???

  4. #4
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    Hallo "29"

    Ja, der Tumor ist zumindest nach dem Biopsiebefund auf die Kapsel
    beschränkt und so wie es aussieht auch nur auf einen Prostatalappen.

    Auch wenn der Befund nicht gerade schön ist, dein Vater hat sehr sehr gute
    Chancen ( nach den von dir eingestellten Werten ) eine vollständige Heilung
    zu erlangen !

    Allerdings kommen da jetzt wieder die unterschiedlichsten Ansätze zum Tragen.
    Wobei ich einen nicht ganz verstehe... " die 30 Bestrahlungen " Ich weiss nicht
    ob ein PC, auch wenn es noch "klein" und ggf. auf einen Prostatalappen beschränkt ist mit 30 Bestrahlungen geheilt werden kann. Dies müßte dann ggf. ein Strahlentherapeut beurteilen.
    Bzgl. einer OP ist zumindest der Allgemeinzustand deines Vaters auch ein
    Kriterium.
    Anhand der Werte wäre dein Vater aber evtl. ein Kandidat für SEEDS oder aber die Brachytherapie mit HDR Afterloading ( siehe mein Profil )

    Wie du siehst, hat dein Vater eine Menge Möglichkeiten mit kurativen Ansatz, d.h. die eine Heilung herbeiführen können. Ausserdem bleibt noch
    die Hormonblockade.

    Also Kopf hoch, dein Vater hat eine Menge Möglichkeiten die zur Genesung führen können !

    P.
    Geändert von Patrick (28.03.2007 um 20:22 Uhr)

  5. #5
    neunundzwanzig Gast
    Danke erstmal für die Antwort. Was Seeds und die Brachytherapie ist werde ich ja nachlesen können. Was mir nicht ganz klar ist: Nach der Biopsie wurde ja - auch wenn das wahrscheinlich nicht zu 100% gesagt werden kann - festgestellt, dass das Karzinom noch nicht aus der Kapsel heraus ist. Dies würde aber doch den Partin-Tabellen bei den genannten Werten widersprechen, oder? Vielleicht verstehe ich die Partin-Tabellen auch falsch...

  6. #6
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    Die Partin-Tabellen sind Anhaltswerte die eine Wahrscheinlichkeit aussagen.
    Verbindlicher ist aber das Biopsieergebnis und das ist für euch Positiv(er)
    deshalb solltet ihr euch auch - bis es hoffentlich nicht - widerlegt wird, daran ausrichten.

    Bei der SEEDS-Behandlung werden kleine radioaktive Strahlenträger ( wie Reiskörner ) in die Prostata eingebracht und geben über einen längeren Zeit-
    punkt die Strahlendosis in den Tumor ab.
    Behandlung geht ziemlich schnell mit überschaubaren Nebenwirkungen... wobei natürlich das Überschaubar und die Auswirkung von evtl. Nebenwirkungen immer eine subjektive Meinung sind.

    Beim HDR ( HochDosisRatio ) Afterloading wird die Prostata über einen bestimmten Zeitraum ( meist zw. 30 - 40 Sitzungen ) von aussen bestrahlt.
    Anschliessend ( manchmal auch vorher ) wird bei einem kleinen Eingriff in
    Vollnarkose ein Strahlenträger durch den Damm direkt in den Tumor eingebracht. Dies geschieht 2-3 x Dabei wird ca. eine Wochendosis in einer
    Sitzung eingebracht.
    Afterloading wird angewandt wenn der Tumor schon fortgeschritten ist, die Kapsel aber noch nicht durchbrochen hat.

    Aber wie du schon schriebst, du findest dazu diverse Info`s im IN

  7. #7
    neunundzwanzig Gast
    Danke erstmal für die Antwort. Also wenn ich das richtig verstanden habe, ist eher von dem Biopsieergebnis auszugehen bzgl. des hoffentlich nicht erfolgten Durchbruchs der Kapsel, oder (auch wenn die Partin-Tabellen etwas anderes sagen)? Gewissheit bekommt man allerdings erst bei einer Operation?

    Ich hab jetzt schon einiges gelesen... In dem "ersten Rat" ist ja davon die Rede, dass renommierte Kliniken die Seeds-Therapie bei Gleason höher als 3+3 nicht mehr anwenden, ebenso wie renommierte Ärzte, die Wert auf eine "gute" Statistik legen, angeblich niemanden mit Gleason 7 oder höher operieren. Wenn ich danach gehe, käme doch am ehesten die dreifache Hormonblockade in Frage, oder?

  8. #8
    knut.krueger Gast
    Hallo,

    DHB ist eine Möglichkeit. Ich mache selber zurzeit DHB, aber ich bin inzwischen ins Lager der Skeptiker gewechselt. Nachstehend gebe ich Dir zur Information meinen letzten Thread über DHB, wo Befürworter und Skeptiker diskutieren
    http://forum.prostatakrebs-bps.de/showthread.php?t=1205

    Ich würde bei Gleason Score 7 zur Kombination Homonblockade mit Bestrahlung wie HDR oder IMRT raten. Diese Kombination hat statistisch sehr gute Werte besser als Bestrahlung alleine oder Prostatektomie.

    Gruß Knut.

  9. #9
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    Sorry, 29 jetzt muss ich mal etwas "drastischer" werden, denn ich will hoffen,
    das du deinem Vater nicht irgendwelche Zweifel einredest !!!

    Dein Vater hat Werte und damit verbundene Möglichkeiten um die würde ihn
    mancher hier im Forum beneiden !
    Du solltest jetzt einmal davon ausgehen, das aufgrund des vorliegenden
    Biopsieergebnisses, " mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" davon auszugehen ist, das der Tumor auf die Prostata beschränkt ist.

    Und von dieser Basis ausgehend hat dein Vater momentan wirklich alle
    Möglichkeiten die zur Zeit als Behandlung in Frage kommen.

    Bzgl. der Möglichkeiten von SEEDS wird mittlerweile auch bei 3+4 behandelt,
    hier ist die Lage des Tumors ( mittig in der Prostata = ideal, seitlich am Rand, schlechter ) sowie das Prostatavolumen ausschlaggebend.

    Sollten SEEDS nicht in Frage kommen ist die Brachytherapie im HDR - Afterloading auf jeden Fall eine Möglichkeit, die bei überschaubaren Nebenwirkungen einen kurativen Ansatz hat und der OP beinahe gleichwertig, beim fortgeschrittenen Karzinom ggf. sogar überlegen ist.

    Die Hormonbehandlung wäre auch eine Möglichkeit, die aber nicht kurativ ist. Hier würde sich die Frage stellen, wie sieht es evtl. mit dem Allgemeinzustand deines Vaters in 2 -4 Jahren aus, falls der Tumor dann nicht mehr auf die Blockade anspricht und man weiter sehen müsste ?
    Im Gegenzug bliebe ihm nach einer Behandlung mit kurativen Ansatz später immer noch die Hormonbehandlung.

    Ich weiß, es ist ein schweres Thema, aber ihr solltet jetzt, auch um selber etwas Ruhe zu bekommen, davon ausgehen das der Tumor rechtzeitig entdeckt wurde, da er noch auf die Kapsel beschränkt ist und die Behandlung diesem Kriterium anpassen.

    Viel Glück für deinen Vater !

  10. #10
    Reinardo Gast
    Hallo Neunundzwanzig und Patrick.
    An die "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" haben schon viele mit gleich guten Diagnosewerten geglaubt, sich zu "kurativen" Therapien entschlossen und waren dann ungläubig überrascht, dass der PSA-Wert wieder anstieg. Vergessen wir doch nicht, dass selbst hochkarätige Operateure, die Wert auf gute Statistiken legen, eine kurative Erfolgsquote von nicht mehr als 70% haben. Im Schnitt all dieser Behandlungen dürfte die Erfolgsrate um 50% liegen.
    Und wenn der PSA-Wert dann doch wieder steigt, also ein Rezidiv sich entwickelt, dann ist man doch schon eine ganze Menge Sofort- und Spätrisiken eingegangen und im Körper ist einiges von dem, was der liebe Gott uns mitgegeben hat, durch radikale Therapien irreversibel kaputt gemacht worden.
    Ich habe mit 69 Jahren Operation und Bestrahlung verweigert, obgleich ich auch umgeben war von Ärzten und Laien, die mich ebenso wie jetzt den 29-Vater bedrängt haben, aufgrund meiner sehr guten Diagnose-Werte (PSA = 8,9, Gleason 2+3 Erstbefund) den "kurativen" Weg zu beschreiten. Ich bin heilfroh, dass meine Schutzgöttin, die mich durch den Krieg und auch später noch einige Male bei Gefahren richtig geleitet hat, mir auch bei Prostatakrebs noch rechtzeitig die DHB aufgezeigt hat. Damit bin ich nun im 6. Jahr bei guter Lebensqualität und die Zytopathologen haben mir ausgerechnet, dass es noch mindestens 5 Jahre so weitergehen kann. Damit bin ich zufrieden. Das ist eine lange Zeit, die mir dann niemand mehr nehmen kann. Und mit der Zeit kommt auch noch Rat. Da sind eine Menge Fahrten nach Spanien noch drin, ein neues Auto, vielleicht sogar noch einmal eine neue Liebe. Und da soll ich mich prostatektomieren, bestrahlen lassen? By Jove! Never! Forget it!
    Gruss, Reinardo
    Geändert von Reinardo (31.03.2007 um 22:06 Uhr)

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