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Thema: Wenn nichts mehr hilft

  1. #11
    Michael Gast
    Hallo Mitstreiter,
    der Brief von Don Cooley hat mich überhaupt nicht begeistert. Man muß bedenken, dass er über 70 J. alt ist, das Leben auch vorher schon gut genossen hat (s. 2 kleine Kinder in dem Alter, wievielte Frau?), wahrscheinlich materiell auch gut abgesichert ist. Die Grundgedanken sind bestimmt nicht schlecht, aber mir hilft das wenig weiter. Ich muß ehrlich sagen, ich habe mich auch so langsam mit meiner Ausweglosigkeit einigermaßen abgefunden und versuche, das Leben zu genießen und meine Familie nicht zu sehr zu belasten. Meine Söhne sind 24,22,20 und der jüngste 17 Jahre alt und alle im Studium bzw. der Jüngste macht in 2 Jahren das Abi. Ich kann nicht einfach nach Alaska zum Angeln oder eine Weitreise machen oder ähnliches. Gut, mir geht es materiell nicht schlecht, obwohl meine BU-Rente auch nicht so hoch ist, aber es reicht und ich genieße das Leben jetzt auch anders als früher. Aber es gibt viele in meinem Alter, denen es bestimmt nicht so gut geht, die arbeiten müssen und zusätzlich zu ihrer Krankheit bzw. gerade wegen dieser noch große Existenzsorgen haben, die mich vor meiner Verrentung vor vier Monaten als Freiberufler auch unheimlich gequählt haben. Ich glaube, denen kann der Brief von Don wenig helfen.
    Gruß an alle
    Michael

  2. #12
    Peter Zechlin Gast
    Hallo Fridolin,
    ich finde es gut das, das Thema Sterben,Tod, Endlichkeit Raum im diesem Teil des Forums findet und hoffe das es eine weitere Diskussion auslöst. Unabhängig von Krankheit finde ich es wichtig sich im Leben mit den Fragen der eigenen Endlichkeit zu befassen. Ich weiss es ist kein einfaches, aber wichtiges Thema.
    Es ist immer schwer als Angehöriger oder Freund solche Entscheidungen zu akzeptieren.Ich habe in der Begleitung von Kranken und Sterbenden die Erfahrung gemacht das es gut und richtig ist solche Entscheidungen zu akzeptieren, auch wenn es schwerfällt.
    Das es uns so schwer fällt, hängt sicherlich damit zusammen, das wir nicht gelernt haben loszulassen, weder vom eigenen Leben noch vom Leben der Menschen die uns nahe stehen.
    Ein anderes Problem ist die Tatsache, das Sterben und Tod nachwievor als Störfall im Leben betrachtet werden und eigentlich Tabuthemen sind, bei sehr vielen Menschen unabhängig davon ob sie gesund oder krank.
    Ich hoffe sehr,das sich hier eine lebhafte Diskussion entwickelt,und es gelingt nicht erst am Lebensende über ein so wesentliches Thema ins Gespräch zu kommen.
    Ich bin gern bereit mich da einzubringen.
    Peter

  3. #13
    Peter Zechlin Gast

    Wenn nichts mehr hilft

    Aus meiner Sicht stellt sich durch den Beitrag von Don Cooley - einmal abgesehen von einigen Kritikpunkten, die ich ähnlich wie Cligensa sehe- die grundsätzliche Frage nach der Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit. Unabhängig von Krankheit ist das Thema Sterben und Tod kein Thema in der Öffentlichkeit,- eher ein Störfaktor. Oft ist es so, wie es ein Maler in einem Bild beschreibt, wo Menschen mit diesen Problemen oder Fragen, die anderen mit ihrem eignen Boot umschiffen müssen, damit sie, die nicht betroffenen nicht beim "Leben" stören.
    Ich finde die durch den Artikel angesprochenen Fragen sollten unbedingt in diesem Forum Raum haben und Gespräche auslösen, soweit es der einzelne vertreten kann auch in aller Offenheit.
    Ich denke das Forum kann hier die Möglichkeit einer Begleitung sein, in der es nicht darum geht,was richtig oder falsch ist, sondern Dinge zu beleuchten, Meinungen auszutauschen und ggfls. ein Stück Weg miteinander zu gehen.
    Wirklich befriedigende Antworten wird nur jeder für sich selbst finden.


    Peter

  4. #14
    Jürgen M. Gast

    Wenn nichts mehr hilft

    Servus aus Bayern,
    ich denke das Positive an dem Beitrag von Don C. ist dass dadurch eine wichtige Diskussion zum Thema Tod ausgelöst worden ist. Obwohl ich einige Aspekte von Don überhaupt nicht teile (wie z.B.:"Seht dem unvermeidlichen Tod von Hochrisikopatienten durch diese Krankheit ins Auge") trifft der Beitrag doch den Kern unseres Daseins, nämlich den dass am Ende des Tunnels eben der Tod steht - so oder so. Damit sollten wir uns alle endlich einmal abfinden. Unsere sogenannte Gesellschaft sieht das ganz anders und tabuisiert das Thema. Wir sollten beides tun -uns mit dem LEBEN und dem STERBEN auseinandersetzen. So lange ich eine für mich- trotz Krankheit- gute Lebensqualität habe bzw. mir erhalten kann werde ich darum KÄMPFEN - sonst würde ich nicht das tun was ich gerade mache, nämlich nach OP und Strahlentherapie eine DHB. Da kann einen sensiblen Menschen z.B. die Aussage über Hochrisikopatienten -so wie ich einer bin- wie oben zitiert doch ziemlich nach unten ziehen. Ich möchte für mich meinen Weg weiter in Richtung LEBEN gehen. Gerade durch die Krankeit ist bei mir nämlich das eingetreten was Dr. Strum in seinem bekannten Buch so beschreibt:
    Viele Menschen berichten über positive Auswirkungen, welche die Diagnose Krebs auf Ihren weiteren Lebensweg hatte. Für einige wird das Leben kostbarer, Beziehungen verbessern sich, die Freude an einfachen Dingen, die Spiritualität erhöht sich, jeder neue Tag wird voll ausgekostet, alles wird mehr geschätzt und genossen, eine neue Intimität mit dem Partner entsteht, die Sexualität drückt sich auf einer reiferen Ebene aus, neue Freunde und Einstellungen werden gefunden...
    DAS IST ES DOCH! Und dafür bin ich dankbar. Ich sehe jetzt viele Dinge eben ganz anders als vor der Krankheit. Natürlich habe ich auch immer wieder meine Durchhänger und Ängste. Aber sehr schnell wende ich mich ab und gehe weiter in Richtung LEBEN. Ich glaube auch so weit zu sein um mich vor dem Tod nicht mehr fürchten zu müssen. Das war für mich ein hartes Stück Arbeit das zu akzeptieren (ich glaube ich bin immer noch am arbeiten?!) Trotzdem liebe ich das LEBEN mehr als je zuvor und gebe auf keinen Fall kampflos auf. Dabei grosses Kompliment einmal an die Ärzteschaft für ihre Beiträge dazu wie Dr. Leibowitz, Dr. Strum, Dr. F. Eichhorn uvm. Was wäre wir ohne sie?

    Also viel MUT zum LEBEN oder wie es in der bekannten Karikatur von dem Frosch und dem Storch steht "NEVER EVER GIVE UP!"

    Schöne Grüsse
    Jürgen Münzberger

  5. #15
    Peter Zechlin Gast
    Hallo aus Gehrden nach Bayern,
    es ist richtig und gut das die Diskussion ausgelöst wurde durch diesen Beitrag.
    Ich stimme Dir zu, das die eine oder andere Aussage sicherlich "gewöhnungsbedürftig" ist.
    Aber ich denke auch,das wesentliche ist der Kern um den es geht und damit sollten wir uns befassen.
    Am Ende des Lebenskreises steht der Tod, das Loslassen vom Leben und allem was uns wichtig ist, aber auch vom dem was belastet hat. Nicht mit dem Ende abfinden, sondern auseinandersetzen, das finde ich wichtig.Abfinden bedeutet für mich hinnehmen und das ist mir zuwenig. Ich denke es ist hilfreich und gut für uns, wenn wir uns mit der Endlichkeit unseres Lebens befassen,unabhängig davon ob wir krank oder gesund sind.
    Deine grundsätzliche Einstellung in RICHTUNG LEBEN ist ein ganz wesentlicher Punkt und ich kann deine Aussage im Blick auf die Zitate Dr. Strum nur voll unterstützen, das habe ich oft in der seelsorgerlichen Begleitung von Menschen mit Krebserkrankungen erlebt!
    Die Beschäftigung mit den Themen Tod und Sterben, mit der Endlichkeit kosten Kraft,sind ein hartes Stück Arbeit, aber wie ich finde und oft auch in Gesprächen erlebt habe, ein gutes Stück Arbeit.
    Es gibt ein sehr schönes Bild eines Künstlers, wo ein Mensch einen Durchbruch durch eine Mauer sich erarbeitet hat,man sieht ihn in gebückter Haltung durch diesen Durchbruch kommen und sich aufrichten, in etwas "Helles", in Hintergrund des Durchbruches Dunkelheit, der Mensch hat einen zufriedenen Gesichtsausdruck, wenn er in das Helle blickt. Ich finde dieses Bild beschrebt ein gutes Stück, was Du im Blick auf deine Arbeit der Auseinandersetzung sagst.
    Ein ganz wichtiger Satz im Blick auf Frosch und Storch: "NEVER GIVE UP"!!!!!
    Peter

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