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Thema: "Schattenseite der Medizin" - das gilt selbstverständlich nicht für die Urologie

  1. #1
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    "Schattenseite der Medizin" - das gilt selbstverständlich nicht für die Urologie

    Berlin, 22.07.07: Dieser Thread wird recht häufig aufgerufen, deshalb möchte ich gerne noch einige Bemerkung vorab stellen:
    Es geht im Folgenden nicht darum, Panik zu verbreiten. Es geht um Information. Aus den verschiedenen erwähnten schlimmen Ereignissen oder üblichen fehlerhaften Verfahrensweisen, soll der Einzelne Rückschlüsse auf seine eigene Situation ziehen können. Ein gutes Beispiel findet sich in der später folgenden Diskussion über die Unterschiede/Vorteile/Nachteile von gesetzlicher und privater Krankenversicherung (Klaus (A) #6). So ist der Privatversicherte besonders gefährdet, übertherapiert zu werden, weil dort noch mehr Geld als beim gesetzlichen Versicherten zu holen ist. Es lässt sich auch gut erkennen, dass viele Behandlungen gänzlich überflüssig sind und zu erheblichen Nebenwirkungen und Folgeschäden führen. Man muss sich informieren und darf Ärzten (wie auch allen anderen Berufsgruppen) nicht einfach glauben.

    Alles Gute wünscht Wolfgang



    Hallo Liebe Forumsleser,

    heute habe ich zufällig wieder einen Artikel in die Hand bekommen, den ich mir mal im Jahr 2005 aufgehoben habe. Da sich mit Sicherheit nichts geändert hat, stelle ich ein paar Auszüge ins Forum. Und, Ähnlichkeiten mit der Urologie sind natürlich rein zufällig.

    Im Internet gibt es einen Link zu der originalen pdf-Fassung: http://kurse.fh-regensburg.de/kurs_2...-29SPIEGEL.pdf

    Der Autor heißt Jörg Blech.

    Ich wünsche (nicht) viel Spaß beim Lesen, Wolfgang


    DER SPIEGEL "Schattenseite der Medizin" vom 29.08.2005

    ausschnittsweise einige wörtliche Zitate: "

    Systematisch werden Rücken-, Herz- oder Kniepatienten nutzlosen Verfahren ausgesetzt. Viele Therapieversuche beruhen auf Trugschlüssen oder finanziellen Interessen. Deutlich wird dies, wenn Ärzte zu Patienten werden: Sie lassen sich seltener behandeln als der Rest der Bevölkerung. Mit einer Laserkanone feuert der Arzt Dierk Maass auf schlagende Herzen, jeweils 20 bis 30 Löcher. Weiße Rauchwölkchen steigen aus dem Brustkorb des Patienten. Um die Wunden zu verschließen, legt der Professor bloß den Finger auf die Einschussstellen. Die Laserlöcher sollen im Pumporgan kleinste Blutgefäße sprießen lassen und das malade Herz mit frischem Sauerstoff versorgen.
    ...
    Doch eines Tages erschien in der Fachzeitschrift „Lancet“ ein Aufsatz über den rauchenden Herzlaser. In einer klinischen Studie hatten britische Ärzte 188 herzkranke Testpersonen in zwei Gruppen unterteilt. Der einen Hälfte ließen sie die TMLR und die herkömmliche Medikamententherapie angedeihen; die andere Hälfte behandelten sie nur mit Medikamenten.

    Und so erging es den Probanden nach zwölf Monaten: Weder im Belastungs-EKG noch bei einem Lauftest ergab sich ein Vorteil für das Lasergeschütz. Im Gegenteil, es traten schlimme Komplikationen auf: 5 Prozent der Menschen waren während des Strahlenbeschusses oder sofort danach
    gestorben; insgesamt überlebten nur 89 Prozent der Gelaserten das erste Jahr. Den Patienten der Kontrollgruppe erging es da besser: Von ihnen waren noch 96 Prozent am Leben. Das Fazit der 1999 veröffentlichten Studie war eindeutig: „Die Anwendung des TMLR-Verfahrens kann nicht befürwortet werden.
    Neue Blutgefäße, das offenbarten Untersuchungen von behandelten Herzen, waren durch den Beschuss gar nicht entstanden – sie hatten nur im Wunschdenken der Laserchirurgen existiert.
    Gleichwohl wird mit dem Laser in manchen Operationssälen nach wie vor auf ahnungslose Herzkranke gezielt. Die einstigen Pioniere im Kreuzlinger Herzzentrum etwa bieten die TMLR weiterhin an. Das Verfahren wird Privatpatienten dort als „neue Hoffnung“ verkauft.

    Überflüssige Behandlungen bilden die dunkle Seite der Medizin. Und sie sind verblüffend häufig.

    Da kommen kranke Menschen und begeben sich in die Obhut der modernen Heilkunde. Sie sehen die blütenweißen Kittel, die bunten Pillen und die blitzenden Bestecke. Was jedoch erhalten sie im Austausch für ihr Vertrauen? 20 bis 40 Prozent aller Patienten, heißt es in der renommierten Medizinzeitschrift „New England Journal of Medicine“, werden medizinischen Prozeduren ausgesetzt, die ihnen keinen oder keinen nennenswerten Nutzen bringen.

    Es geht nicht um Pannen, nicht um das auf der falschen Körperseite amputierte Bein, nicht um die im Bauchraum liegengelassenen Klemmen. Es geht um Heilversuche, von denen schon vorher klar ist, dass sie sinnlos oder gar abträglich sind. Es geht um Schwindel im System.
    Niemand bestreitet den Nutzen der Medizin; niemand verkennt ihre großartigen Fortschritte, beispielsweise in der Transplantations- oder der Unfallchirurgie. Lungen-, Blut- und Hirnhautinfektionen verliefen früher meist tödlich und werden heute fast immer geheilt.

    ...
    In manchen Praxen, der treuherzige Besucher ahnt nichts davon, ist das ganze Personal aufs Verhökern der zweifelhaften Angebote getrimmt. Die freundlichen Arzthelferinnen haben Verkaufsseminare besucht und sind direkt am IGeL-Umsatz beteiligt – auf dass sie dem älteren Publikum möglichst viele Aufbauspritzen und anderen Unfug andrehen.
    ...
    So ist es in Kliniken Standard, Frauen,
    die unter Brustkrebs leiden, Lymphknoten
    aus den Achselhöhlen chirurgisch zu entfernen. Dieses gut gemeinte „Ausräumen“ soll das Krebsleiden eindämmen. Doch wie Studien ergaben, bringt der Eingriff keinerlei Überlebensvorteil. Aber er fügt den
    Frauen Narben und offenbar größere Schmerzen zu, als vielen Operateuren bewusst ist. Häufig können die Patientinnen anschließend ihre Arme nicht mehr recht bewegen. Statt zu helfen, verschlechtert die Operation die Lebensqualität, sagen Mediziner vom Klinikum Großhadern der Universität München.

    Gerade die Chirurgie ist ein Einfallstor
    für sinnlose Verfahren. Das Schneiden und Sägen an Fleisch und Knochen sei wissenschaftlich schlecht begründet,...

    ...
    • Selbst wenn sich beim Patienten gar kein positiver Effekt einstellt, können sich zweifelhafte Therapieversuche hartnäckig halten: Rückschläge im Krankheitsverlauf werden unbewusst ausgeblendet.
    Wenn es einem Patienten nach einer Operation nicht besser geht, fragen sich Chirurgen oft weniger, ob sie überhaupt, sondern ob sie nicht noch mehr hätten schneiden sollen Heillose Medizin wird oft erst
    aus der Distanz erkennbar, beispielsweise, wenn Gesundheitsforscher die geografische Verteilung medizinischer Prozeduren studieren. Ergebnis: Ob ein
    Mensch operiert wird, hängt wesentlich davon ab, wo er wohnt. In Basel etwa praktizieren, bezogen auf die Einwohnerzahl, dreimal mehr Hals-Nasen-Ohren-Ärzte als im Kanton Graubünden. Als Folge leben 40 Prozent aller Erwachsenen in Basel inzwischen ohne Mandeln, aber nur 25 Prozent der Bündner. Der Anteil der Frauen ohne Gebärmutter liegt in der Schweiz doppelt so hoch wie in Frankreich – ein medizinischer Grund für diesen Unterschied ist nicht bekannt.

    ...
    Pharmazie-Großhandel: 306 Wirkstoffe sind nötig, aber 2300 Substanzen auf dem Markt
    ...

    Fänden sich Prozeduren, welche Ärzte überdurchschnittlich häufig an sich selbst durchführen lassen, wäre das ein Hinweis auf Unterversorgung: Sinnvolle Heilverfahren würden dem gemeinen Patienten vorenthalten. Gäbe es umgekehrt aber
    Eingriffe, welche Doktoren für sich selbst nicht so häufig in Anspruch nehmen, wäre das ein Hinweis auf unbekömmliche Medizin.
    Gemeinsam mit Kollegen aus Zürich verglich Domenighetti die Häufigkeit von sieben gängigen Eingriffen unter 5300 Menschen vergleichbarer Gesundheit. Es ging um Mandeloperationen, Entfernungen des Blinddarmfortsatzes, Ausschabungen (Kürettagen) sowie Amputationen der Gebärmutter, Entnahmen der Gallenblase, Behandlungen des Leistenoder Nabelbruchs und Operationen von Hämorrhoiden.

    Das Ergebnis: Mit Ausnahme der Blinddarmentnahme waren Menschen der Gesamtbevölkerung durchweg häufigerunters Messer geraten als die Ärzte und
    deren Familienmitglieder. Bei Mandelentfernungen sind es für den normalen Bürger 46 Prozent mehr Operationen, bei Leistenbrüchen 53 Prozent mehr Eingriffe und bei Gallenblasenentfernungen sogar 84 Prozent mehr Operationen.
    Alles in allem lag die Häufigkeit der Eingriffe bei medizinischen Laien durchschnittlich um 33 Prozent höher. Das lässt vermuten: Ein Drittel dieser so geflissentlich ausgeführten Operationen sindreiner Überfluss.
    Neben Ärzten fand sich interessanterweise noch eine Gruppe, die seltener als der einfache Bürger operiert wurde: die Gruppe der Anwälte. Gegenüber diesen„Risikopatienten“ ließen Ärzte ganz bewusst Zurückhaltung walten, glaubt Domenighetti: Juristen könnten sich besser als andere Bürger wehren, wenn eine überflüssige Operation böse endet.

    In Deutschland, befürchtet der Allgemeine Patienten-Verband in Marburg, werden jedes Jahr etwa 100000 Menschen falsch behandelt, 25000 von ihnen sterben demnach einen iatrogenen („durch den
    Arzt verursachten“) Tod. Der geringere Teil geht zurück auf Kunstfehler, der größere Teil passiert als Konsequenz überflüssiger und ungerechtfertigter Prozeduren.

    Wäre es am Ende also gar nicht so schlimm, wenn die Medizin schrumpfte, wenn die Spitäler einfach mal geschlossen blieben?

    Im Frühjahr 2000 streikten in Israel Krankenhausärzte viele Wochen lang. Hunderttausende Untersuchungen fanden nicht statt, Zehntausende Operationen wurden
    verschoben oder abgesagt. Die Notaufnahmen, Dialyseabteilungen, Krebsstationen und Abteilungen für Neonatologie und Geburtshilfe blieben geöffnet, ansonsten aber wurden die Menschen abgewiesen. Sie gingen wieder häufiger zum Familiendoktor oder blieben zu Hause.

    Wie eine Umfrage unter Israels größten
    Bestattungsunternehmen ergab, hatte das Folgen: Die Mortalität in fast allen Landesteilen sank beträchtlich, es wurde seltener gestorben.

    Jörg Blech
    Geändert von Wolfgang aus Berlin (22.07.2007 um 12:30 Uhr)

  2. #2
    Anonymous1 Gast
    Hallo Wolfgang,

    Du sprichst mit Deinem Beitrag eins der brennendsten Probleme unserer Zeit an, mit Resonanzlosigkeit.

    Leider hat sich unser Forum teilweise sehr zur Oberflächlichkeit hin entwickelt... Zitate aus der Bildzeitung oder nichtssagende Kommentare im Stile von "dem ist nichts hinzuzufügen" findet man leider immer mehr. Beiträge wie Deiner bleiben oft un- oder nur gering beantortet. Damit sollen natürlich nicht die nach wie vor vorhandenen äußerst wertvollen Beiträge mit Hilfestellungen, kritischen Gedanken, Denkanstößen, Hinweisen auf neue Entwicklungen usw. abgewertet werden.

    Nachdenklich muß man auch werden, wenn man dieses Zitat liest:

    In diesem Land haben 80 Prozent der 80jährigen Männer Prostatakrebs, den Autopsien zufolge. Wie viele sterben an Prostatakrebs? Etwa drei Prozent. In Amerika wird Prostatakrebs sechs Mal häufiger diagnostiziert als in Dänemark. Wie sieht es nun mit der Sterblichkeit in Amerika und Dänemark aus? Sie liegt genau gleich hoch. Mit anderen Worten: Wer suchet, der findet. Dabei sind das meiste, was wir finden, Krebserkrankungen, die ohnehin nicht tödlich verlaufen wären.

    Da kommt doch automatisch die Frage: Machen wir zu viel?

    Mit der Antwort sollte man sich Zeit lassen und gut überlegen. Denn die Antwort eines Betroffenen ist von Zwängen und Ängsten geprägt und unterscheidet sich dadurch deutlichst von der eines Gesunden.

    Viele Grüße
    Dieter

  3. #3
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    Hallo Wolfgang,

    ich beziehe mich auf Deine "Aufforderung" , die Du hier zur Sprache bringst: http://forum.prostatakrebs-bps.de/sh...2154#post12154 und äußere mich wie gewünscht.
    Wenn jemand hier im Forum Kritik an Ärzten äußert, wird er meistens verpönt. Da ich mit einem sowohl angehenden und später praktizierenden Arzt an die 20 Jahre selbst verheiratet war, erlaube ich mir diese "Nestbeschmutzung" in diesem Falle dennoch, denn der Artikel aus dem von Dir erstellten Beitrag beinhaltet Wahres.

    Mein Schwiegervater verstarb im Alter von erst 43 Jahren als Folge einer angeblich routinemäßig risikolosen Herzkatheteruntersuchung an einem dadurch hervorgerufenen Schlaganfall.

    Der Vater meines Freundes ging auf eigenen Füssen munter in die Klinik, in der er vom Chefarzt eine "routinemäßig risikoarme" OP an seiner verengten Beinschlagader durchführen lassen wollte. Als Folge ergab sich hier eine Sepsis, die den gesamten Bauchraum erreichte; am kommenden Tag wurde der Großteil seines Dick- und Dünndarms entfernt, ebenfalls die Milz. Danach erlebte er verheerende Wochen auf Intensivstationen und verstarb als schwerstkranker Mann, zuletzt vom Krankenhaus in ein Pflegeheim abgeschoben, nach nur zweiwöchigem dortigen Aufenthalts. Er hat nach dem Betreten des KHs sein eigenes Zuhause nie mehr von Innen gesehen, obwohl er dort gerne noch seinen Lebensabend verbracht hätte.

    Weitere Beispiele, die zum kritischen Nachdenken veranlassen, gäbe es aus dem Medizinalltag reichlich.
    Insofern kann ich die angesprochene Thematik sicherlich bestätigen, obwohl wir alle wissen, dass es Situationen im Leben gibt, in denen ein Krankenhausaufenthalt oder der Arztbesuch unumgänglich sind.
    Allerdings sollten wir selbst stets wachsam bleiben, uns sorgfältig vertrauenswürdige Adressen aussuchen, auch selbst so weit möglich über Risiken und Nebenwirkungen informieren und nicht allem, was uns als "harmloser Eingriff" geschildert wird, grenzenlos vertrauen.
    Des weiteren ist das Einhalten von international erarbeiteten Qualitätsstandards bei dem heutigen Massenbetrieb in großen Praxen und Kliniken meiner Meinung nach zwingend erforderlich.

    Schönen Tag noch nach Berlin wünscht,

    Carola-Elke

  4. #4
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    Neues von der Schattenseite

    Liebe Leser,

    es gibt im Spiegel wieder einen traurigen Bericht über die Schattenseiten der Medizin. Drei allgemeingültige Zitate möchte hier mal reinstellen.
    Der Rest bezieht sich auf ein spezielles Krankenhaus und ist absolut haarsträubend (u.a. Desinfektion einer offenen Bauchwunde mit Zitrone!!! durch den Chefarzt!!!) http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,490960,00.html

    Zitat aus Spiegel-Online vom 27.06.2007: Von Udo Ludwig und Barbara Schmid

    "In Frankreich zum Beispiel werden Prostatakarzinome nur in Spezialkliniken behandelt. "Hätten wir diese Vorschrift auch in Deutschland", behauptet Lauterbach, "würden bei uns jährlich 3000 Männer die OP überleben.""

    "Besonders in Ostdeutschland, sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, "werden immer wieder Menschen zu Tode operiert, weil es dort Chefärzte gibt, die sich viel zu viel zutrauen". Daran gekoppelt sei ein weiteres Problem: "Gute Ärzte gehen leider dorthin, wo sie viele Privatpatienten haben und gut verdienen.""

    Vielerorts greifen Mediziner zum Skalpell, von denen Kollegen nicht mal ihr Haustier operieren lassen würden. Schlamperei und Hygienemängel gehören zum Alltag auf deutschen Stationen. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will darum in einer Kampagne mit der Weltgesundheitsorganisation das Krankenhauspersonal demnächst zum regelmäßigen Händewaschen aufrufen. Denn 30 bis 50 Prozent der Weißkittel auf Intensivstationen, so hat eine Studie ermittelt, desinfizieren sich nicht regelmäßig ihre Finger."

    "Wegberg offenbart aber auch, dass keine Schutzmechanismen greifen, dass Patienten auf Gedeih und Verderb dem Krankenhausbetrieb ausgeliefert sind: Niemand schlug Alarm, als in der St. Antonius Klinik plötzlich immer mehr Menschen starben - die Pathologen nicht, die Krankenversicherungen nicht, auch keine Amtsärzte. Ortsansässige Doctores lästerten beim Stammtisch zwar über die Klinik und ihren neuen Chef, auf die Idee, ihr Insiderwissen der Polizei zu offenbaren, kamen sie jedoch nicht. Dieses Kartell des Schweigens und der Ignoranz hat offenbar zugelassen, dass jeden Monat neue Patienten zu Opfern wurden."

    Viel Glück wünscht Wolfgang
    Geändert von Wolfgang aus Berlin (28.06.2007 um 17:47 Uhr)

  5. #5
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    Lauterbach Buch "Zweiklassenstaat"

    Zitat Zitat von Wolfgang aus Berlin Beitrag anzeigen

    "In Frankreich zum Beispiel werden Prostatakarzinome nur in Spezialkliniken behandelt. "Hätten wir diese Vorschrift auch in Deutschland", behauptet Lauterbach, "würden bei uns jährlich 3000 Männer die OP überleben.""

    "Besonders in Ostdeutschland, sagt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, "werden immer wieder Menschen zu Tode operiert, weil es dort Chefärzte gibt, die sich viel zu viel zutrauen". Daran gekoppelt sei ein weiteres Problem: "Gute Ärzte gehen leider dorthin, wo sie viele Privatpatienten haben und gut verdienen.""
    Für 14,90 Euros kann sich jeder, der genauer hinschauen will, erst recht jeder, der seine Wut über diese versiffte Klassenmedizin (wie auch Sozialsystem, Bildungssystem und Klassengesellschaft insgesamt) doch immer wieder in produktive Energie umwandeln möchte, das Lauterbach-Buch besorgen:

    "Der Zweiklassenstaat - Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren."

    Lesenswert. Wichtig. Eine heftige Anklage. Ein grundsätzlich orientierter Forderungskatalog.

    Die FAZ schrieb am 29.6.:
    "Ein Mann zettelt eine Revolution an. Karl Lauterbach ist nicht länger willens, stillzuhalten. Er will nicht länger zusehen, wie das Gesundheitssystem in eine Gesellschaft für Reiche und in eine Gesellschaft für Arme zerfällt. Deshalb hat er ein Buch geschrieben, dass die Fakten auf den Tisch bringt: „Zweiklassenstaat“."

    +++++++++++++++++++++++++++++++++

    Aus dem Kapitel "Zweiklassenmedizin", das so beginnt:

    "Die Spannung schwindet, und das Gespräch wird lockerer, bald werden wir uns verabschieden. Am anderen Ende der Leitung ist ein niedergelassener Facharzt aus Aachen, den ich persönlich nicht kenne. Er leidet an Asthma und Bluthochdruck, war ansonsten bislang aber frei von chronischen Krankheiten. Seit kurzem weiß er, dass er Krebs hat. Jetzt sucht er einen Spezialisten. Da unser Institut seit Jahren die Qualität von Kliniken untersucht, hat er eine Frage zu Professor S. aus München, den ich gut kenne. Wir vereinbaren, dass ich den Kontakt zu Professor S. herstelle, die Befunde will er mir faxen. Zum Schluss frage ich den niedergelassenen Arzt, der jetzt seit mehr als dreißig Jahren praktiziert, weshalb er sich nicht in dem Aachener Krankenhaus behandeln lasse, in das er seit Jahrzehnten seine Patienten mit der gleichen Diagnose schickt. Meine Frage verwundert ihn. Schließlich wisse doch keiner besser als ich, wie wichtig es sei, zum Spezialisten zu gehen. Wir tauschen Abschiedsfloskeln. In der Tat, im Falle einer schweren Erkrankung würden sich die meisten Ärzte niemals den Kollegen anvertrauen, die ihre eigenen Patienten vor Ort versorgen."

    "... Im Ernstfall kommt es in jedem Lebensalter darauf an, Zugang zu Experten zu haben. Um an einen guten Arzt oder eine gute Klinik zu gelangen, muss man "shoppen" gehen. Das kann man aber in der Regel nur als privat Versicherter, weil der Spezialist, wenn man ihn bei der mangelhaften Transparenz des Systems überhaupt findet, sonst kein Interesse zeigt."

    "...Weshalb interessieren sich die Spezialisten so für die privat Versicherten und weniger für die komplizierten Fälle der gesetzlich Versicherten? Eine Spezialisierung dauert sehr lange. Ein Universitätsprofessor ist im Durchschnitt 45 Jahre alt, wenn er seine Klinik bekommt. Dann hat er sich gegen 98 Prozent der Kollegen seines Jahrgangs durchgesetzt. Der Rat der Universitätsprofessorten oder ähnlich gut qualifizierter Fachleute ist die wichtigste Ressource der modernen Medizin. Mehr als die teuren Geräte und Arzneimittel zählen die Köpfe, die diese Arzneimittel erforschen und richtig einsetzen."

    "...Die knappste Ressource in unserem Gesundheitssystem, die Zeit der Superspezialisten, wird oft für Trivialeinsätze verschwendet, damit diese Leute gut verdienen und die Privilegierten zu jedem Zeitpunkt die bestmögliche Versorgung genießen. Hinzu kommt, dasss sich schwer erkrankte Privatpatienten zunehmend von mehreren Spezialisten untersuchen lassen. Sie hohlen Zweitmeinungen von Universitätsprofessoren aus Freiburg bis Hannover ein, um sich auf Grundlage mehrerer Diagnosen und Behandlungspläne für die optimale Therapie entscheiden zu können. Gleichzeitig wird ein ähnlich erkrankter gesetzlich Versicherter mitunter nicht einem einzigen wirklichen Spezialisten vorgestellt."

    "...Da alle Chefärzte oder Professoren eines Krankenhauses von den Privatpatienten profitieren, ist ein Kollge, der die Zweiklassenmedizin ablehnt, eine wirtschaftliche Gefahr für das ganze System. Er riskiert damit, von seinesgleichen erst gar nicht berufen oder eingestellt zu werden."

    "...Wer also davon ausgeht, dass an der deutschen Universitätsklinik immer der beste Forscher oder Kliniker berufen würde, liegt falsch."

    "...Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht nur ungerecht, sondern auch teuer und ineffizient. Denn es beschert uns eine schlechtere medizinische Versorgung, als sie für das gleiche Geld möglich wäre. Und es hat zu einem beispiellosen Niedergang der klinischen Forschung in Deutschland geführt."

    "...Der Verlierer dieses Systems ist der gesetzlich Versicherte - und die gesamte Gesellschaft durch den Niedergang der klinischen Forschung. Dabei wird fast die komplette Infrastruktur der Universitätskliniken von Beitragszahlern der Gesetzlichen Krankenversicherung und aus Steuermitteln bezahlt. Stärker als alle anderen profitieren davon die zehn Prozent privat Versicherten, für die wir die aufwendigste Therapie weltweit vorhalten."

    usw.usf. - vielleicht reicht das als Appetit-Anreger ...

    Die Konfrontation mit den Ärzten hat sich Lauterbach schon eingefangen: Wie ich aus der gestrigen Talk-Show 3 nach 9 von Radio Bremen, in der Lauterbach zugegen war, entnehme, wird er schon verklagt.

    Auf S.74 bringt er nämlich Auszüge aus dem Internet-Forum www.facharzt.de, die an unmissverständlicher Missachtung und Verhöhnung des gesetzlich Versicherten nichts zu wünschen übrig lassen:

    "Wenn 20 "Kassler" im Wartezimmer sich den Arsch plattdrücken, geht der Türöffner auf "off" und der Anrufbeantworter auf "on". Das wars für heute."

    "In eine Stunde passen auch 10 Chipsletten, wenns denn so sein soll. Und, Einrichtung einer Privatsprechstunde (...). Da kommt dann die Espressomaschine und der Wasserspender ins Wartezimmer, "Vogue" und "Golf aktuell" eh. Mach ich z.Zt. an meinem OP-Tag nachmittags, geht wie geschnitten Brot. (...) Kassenpipi darf jemand anderes untersuchen."

    "Praxis schließen, verrecken lassen, sonst kapiert's keiner"

    ++++++++++++++++++++++++++++++

    Grüsse,
    Rudolf

  6. #6
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    Zitat Zitat von RuStra Beitrag anzeigen
    Für 14,90 Euros kann sich jeder, der genauer hinschauen will, erst recht jeder, der seine Wut über diese versiffte Klassenmedizin (wie auch Sozialsystem, Bildungssystem und Klassengesellschaft insgesamt) doch immer wieder in produktive Energie umwandeln möchte, das Lauterbach-Buch besorgen:

    "Der Zweiklassenstaat - Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren."

    Lesenswert. Wichtig. Eine heftige Anklage. Ein grundsätzlich orientierter Forderungskatalog.

    Die FAZ schrieb am 29.6.:
    "Ein Mann zettelt eine Revolution an. Karl Lauterbach ist nicht länger willens, stillzuhalten. Er will nicht länger zusehen, wie das Gesundheitssystem in eine Gesellschaft für Reiche und in eine Gesellschaft für Arme zerfällt. Deshalb hat er ein Buch geschrieben, dass die Fakten auf den Tisch bringt: „Zweiklassenstaat“."


    Grüsse,
    Rudolf

    Hallo,

    als priviligierter Privatversicherter habe ich heute selbst sehr unter finanziell bedingter "Übertherapie" (unnötige Versteifung Wirbelsäule) zu leiden und stimme dem Tenor aller Kritiken hier voll zu.
    Allerdings sehe ich die Situation bez. unterschiedlicher Behandlungsqualität bei Privat- und Kassenpatienten von einer ganz anderen Warte:
    Wäre ich Kassenpatient und nicht Privatpatient ginge es mir heute erheblich besser, denn dann wäre vor 2 Jahren meine unnötige Wirbelsäulen-OP nicht durchgeführt worden!!

    Noch eine Bemerkung zu Herrn Prof Lauterbach und seinem lesenswerten Buch:
    Wenn ihr unter
    http://www.bundestag.de/mdb/bio/L/lauteka0.html
    nachschaut werdet Ihr lesen können, dass L. neben seinem Abgeornetenjob noch als "Wissenschaftlicher Berater und Gutachter" im Sold verschiedener AOK's und Ersatzkassen tätig ist.

    Bei dieser Art von Abhängigkeitsverhältnis kann man auch hier nur wieder seinen Gedanken nachhängen.........:
    Der Abgeordete, der massgeblich für die SPD Gesundheitspolitik macht.. der Bücher schreibt, in denen er die Privatversicherungen attackiert.....der gleiche Mann wird von AOK's (wahrscheinlich hoch) bezahlt!

    Das sollte man wissen, bevor man sich in das "lesenswerte" Buch vertieft!!

    Klaus

  7. #7
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    35415 Pohlheim, Tel 0 64 03 - 96 30 36
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    475
    Hallo Klaus,

    möchte Deine Information um dieses Detail ergänzen. Prof. Lauterbach ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirats des Wissenschaftlichen Institutes der AOK. Ebenso ist er Mitglied im Aufsichtsrat des Rhönklinikums. Er trägt Mitverantwortung für ein privatwirtschaftliches Unternehmen und er kennt die Situation der gesetzlich Versicherten.

    Günter

  8. #8
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    726

    "Der Zweiklassenstaat - Wie die Privilegierten Deutschland ruinieren."

    Zitat (Auszug) von Klaus (A):
    Bei dieser Art von Abhängigkeitsverhältnis kann man auch hier nur wieder seinen Gedanken nachhängen.........:
    ---------------------------------------------------------------------
    Hallo Klaus,

    hier noch 2 Kommentare aus einem Wochenmagazin:

    "Herr Lauterbach !!
    ein Experte, wie Sie genannt werden, ist eine der großen Fehleinschätzungen die sich im Umfeld und in der Arbeitsgruppe der Reform festgesetzt hat. Ihre Eistellung wäre in einem System DDR vorbildlich gewesen, Sie kennnen die Geschichte sicherlich, möglicherweise sollte man aus solchen Beispielen die Lehre ziehen. Sollten Sie es mit ihren Mitstreitern schaffen, ein funktionierendes System wie die PKV zu zerschlagen, ist Ihnen eine Platz in der Geschichte sicher. Die Frage ob man von Ihnen ein gebrauchtes Auto kaufen würde, wird heute schon verneint."

    "Kann denn keiner den Lauterbach...
    ...bremsen, damit er seine andauernden Versuche, eine sozialistische Einheitsversicherung einzuführen endlich mal aufgibt? Ich weiß nicht, was ihn dazu treibt, das einzige noch funktionierende Versicherungswesen im Gesundheitsbereich zu zerstören. Und: Setzt er sich etwa als Kassenpatient ins Wartezimmer? Das glaube ich kaum und er wird bestimmt schneller als jeder Privat- und Kassenpatient behandelt."
    -----------------------------------------------------------------------

    Gruß, Horst

  9. #9
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    Zweiklassenstaat

    Prof. Lauterbach ist, genau wie Oskar Lafontaine, ein Pharisäer. Von der SPD in die Ecke gestellt schmollen sie nun auf sehr populistische Weise.
    Obwohl ich 1985 in die Privatversicherung hätte abwandern können, bin ich in der gesetzlichen Krankenver-sicherung geblieben. Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut. Meine Frau ist privatversichert und das ist ebenfalls gut so. Ich bin aber kein Gegner der PV, denn als aufgeklärter Bürger weiß ich, dass die PV die GKV mitfinanziert. Ohne Privatversicherte könnten die meisten Ärzte ihre Praxen zuschließen. Wieso brauchen wir überhaupt hunderte von GKV, die mit ihren Wasserköpfen (Vorständen) erst einmal einen Großteil der Einnahmen für die Administration benötigen.
    Natürlich haben wir eine Zweiklassen-Medizin. Dies zu ändern bedarf es aber anderer Ansätze. Sozialismus hat schon in der DDR nicht funktioniert. Die Diskussion ist aber wieder typisch für unsere Neidgesellschaft.

    Schöne grüße aus dem Saarland. Übrigens ist nicht alles schlecht was aus dem Saarland kommt, außer Hartz, Lafontanine und Honecker.


    Wolfgang A.

  10. #10
    GottfriedS Gast
    Zitat Zitat von Wolfgang A. Beitrag anzeigen
    Natürlich haben wir eine Zweiklassen-Medizin. Dies zu ändern bedarf es aber anderer Ansätze.
    ...nämlich welche?

    Gruss,
    Gottfried

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