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Thema: BPS - Arbeitskreis: Fortgeschrittenes PCa

  1. #1
    shgmeldorf,Werner Roesler Gast

    BPS - Arbeitskreis: Fortgeschrittenes PCa

    BPS - Arbeitskreis: Fortgeschrittenes Prostatakarzinom

    Die 7. Ordentliche Mitgliederversammlung des BPS fand am 01.12.2007 in Hannover mit der Wahl des neuen Vorsitzenden, Herrn Günter Feick, statt.

    In Hannover wurden verschiedene Anträge zur veränderten Ausrichtung des BPS gestellt.

    Einer dieser von Rudolf Stratmann, Werner Roesler und Günter Feick gestellten Anträge (der mit absoluter Mehrheit angenommen wurde) beinhaltete die Weichenstellung des BPS für eine "verstärkte Hinwendung und Beschäftigung mit dem fortgeschrittenen Prostatakrebs".

    Es soll ein Kompetenznetz Prostatakrebs errichtet werden, ähnlich des bereits existierenden Netzes "Maligne Lymphome".
    "Einem solchen PCa-Netz sollen Ärzte, Vertreter der Krankenkassen und Mitglieder des BPS angehören. Das Ziel dieses Verbundes ist es, Patienten schnell und umfänglich zu helfen und zu informieren über:

    a. Kliniken und Ärzte mit besonderen erfahrungen in der Behandlung des fortgeschrittenen PCa;

    b. Kontaktmöglichkeiten mit Patienten mit ähnlich schwerer Erkrankung;

    c. Studien und Prüfzentren für kontrollierte klinische Behandlung des PCa;

    d. Leistungen der Krankenkassen für Patienten in akut lebensbedrohender Situation."

    (Über die weiteren behandelten Anträge wird zu einem späteren Zeitpunkt berichtet.)

    Im Rahmen dieses zu errichtenden Kompetenznetzes hat sich nun ein Arbeitskreis im BPS gebildet, der sich mit den aktuellen Diagnostik- und Therapiekonzeptionen beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom befassen wird.

    Federführend in diesem Arbeitskreis ist der Unterzeichner.

    Gruß Werner R.
    Geändert von shgmeldorf,Werner Roesler (09.12.2007 um 20:52 Uhr)

  2. #2
    WinfriedW Gast
    Zitat Zitat von shgmeldorf,Werner Roesler Beitrag anzeigen
    Einer dieser von Rudolf Stratmann, Werner Roesler und Günter Feick gestellten Anträge (der mit absoluter Mehrheit angenommen wurde) beinhaltete die Weichenstellung des BPS für eine "verstärkte Hinwendung und Beschäftigung mit dem fortgeschrittenen Prostatakrebs".
    "Wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis"

    Spaß bei Seite, ich begrüße diese Idee. Was können wir hier dafür tun, dass dieses Vorhaben möglichst Schnell zum Erfolg geführt wird?

    Winfried

  3. #3
    knut.krueger Gast
    Hallo Werner,

    Danke für die Information, und Du bist für diesen Arbeitskreis „der richtige Mann am richtigen Platz“. Ich finde es hervorragend, dass nun auf breiter Front sich mit fortgeschrittenem PK auseinander gesetzt wird, denn hier ist es am Nötigsten.
    Es ist schon erstaunlich, was von diesem BPS-Treffen für neue Signale kommen und dazu passend ………

    Viel Erfolg wünsche ich Dir!

    Gruß Knut.

  4. #4
    shgmeldorf,Werner Roesler Gast
    Zitat Zitat von WinfriedW Beitrag anzeigen
    "Wenn Du nicht mehr weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis"

    Spaß bei Seite, ich begrüße diese Idee. Was können wir hier dafür tun, dass dieses Vorhaben möglichst Schnell zum Erfolg geführt wird?

    Winfried
    Hallo Winfried,

    vielleicht hätten wir doch lieber Arbeitsgruppe und nicht Arbeitskreis als Bezeichnung nehmen sollen, aber dann hättest Du den schönen Reim nicht gehabt.

    Wir sind noch ganz hart in der Gründungsphase. Die einzelnen Aufgaben sind noch nicht vom Umfang her bezeichnet und so logischerweise noch nicht koordiniert worden.

    Für diese o.a. Aufgabe brauchen wir alle Informationen zum fortschreitenden PCa, die wir nur bekommen können.

    So zu den Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten in den einzelnen Kliniken und, und, und..., um zunächst ersteinmal einen Überblick zu erhalten.

    Was gibt es außer Docetaxel in der hormonrefraktären Phase, wo, unter welchen Bedingungen.

    Und natürlich das dringend benötigte zentrale Studienregister.

    Das hier, Knut und Winfried, sind nur einige Aufgaben, die wir u.a. ganz schnell angehen müssen.

    Ich wünsche noch einen guten Sonntagabend.

    Gruß Werner R.
    Geändert von shgmeldorf,Werner Roesler (09.12.2007 um 21:23 Uhr)

  5. #5
    Registriert seit
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    35415 Pohlheim, Tel 0 64 03 - 96 30 36
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    Zitat Zitat von WinfriedW Beitrag anzeigen
    " Was können wir hier dafür tun, dass dieses Vorhaben möglichst Schnell zum Erfolg geführt wird?
    Winfried
    Hallo Winfried,

    ich möchte keinen Tag vergehen lassen an dem wir nicht an diesem Vorhaben gearbeitet haben. Es gibt jedes Jahr aufs Neue zu viele Männer die Hilfe dringend brauchen.

    Ich sehe zwei Aktionswege auf denen wir uns paralell bewegen sollten. Das ist einmal die Organisation der Mitarbeit/Kommunikation von Patienten im Arbeitskreis Schwerbetroffene, um zu versuchen durch Wissens- u. Erfahrungstransfer die Chancen der Schwerbetroffenen zu verbessern.

    Dazu gehören Sammlung u. Weitergabe von Informationen über -

    Erfahrungen der Patienten mit Wirkung u. Nebenwirkungen von Therapieprotokollen
    Einschlussmöglichkeiten in Studien
    Studienergebnissen die sich auf die Situation von Schwerbetroffenen beziehen
    Kliniken u. Ärzte die auch andere als Taxan basierte Therapieformen anbieten
    Kliniken u. Ärzte die komplementäre onkologische Therapien durchführen
    Kliniken u. Ärzte die komplementäre u. alternative Prostatakrebs Therapien durchführen
    Kliniken u. Ärzte mit guten Palliativ- und Schmerztherapieangeboten
    Gerichtsurteile/laufende Verfahren, die sich mit der Kassenfinanzierung von off-label Therapien befassen.

    Auf dem zweite Aktionsweg sollten wir mit den relevanten Medizinischen Fachgesellschaften zusammentreffen, um die Möglichkeiten u. Methoden für die Bildung eines ärztlichen Kompetenznetzes zu besprechen und um dieses zu initiieren. Die Organisation eines informellen, ärztlichen Hilfs- u. Kompetenznetzes sollte versucht werden, solange eine offizielle Aufstellung nocht nicht erreicht ist.

    Die Finanzierung eines Kompetenznnetzes für schwerbetroffene Prostatakrebspatienten durch das Bundesministerium für Bildung u. Forschung sollte angestrebt werden, analog zur Finanzierung der anderen bestehenden medizinischen Kompetenznetze.

    Der Arbeitskreis kann jede Hilfe gebrauchen die er bekommen kann, es geht um sehr viel. Deine und anderer Mitarbeit ist erwünscht.

    Günter
    Geändert von Günter Feick (09.12.2007 um 23:52 Uhr)

  6. #6
    shgmeldorf,Werner Roesler Gast

    BPS Arbeitskreis: Fortgeschrittener Prostatakrebs

    BPS Arbeitskreis: Fortgeschrittener Prostatakrebs

    11 Männer sind jetzt im Arbeitskreis zum fortgeschrittenen Prostatakrebs!

    Die Arbeit hat bereits begonnen, aber wir sind noch in der Gründungsphase.

    Wir wollen uns zunächst einen Überblick über die bestehende Situation in Deutschland verschaffen.

    Wir hoffen, dass wir auch nun von ärztlicher und wissenschaftlicher Seite die Unterstützung bekommen, die für unsere Arbeit essentiell wichtig ist.

    Der BPS wird in den nächsten Wochen offiziell die entsprechenden Gremien und Verbände der Ärzte und die weiteren dafür notwendigen Organisation kontaktieren.

    Wir, von der Prostatakrebs - Selbsthilfe, müssen nun diese Aufgaben zur besseren Versorgung der schwerbetroffenen Prostatakrebspatienten ohne ideologische Scheuklappen und Befindlichkeiten angehen.

    Unsere Arbeit dient nur dem einen Ziel, den schwerkranken Männern endlich bessere Therapiemöglichkeiten aufzeigen zu können. Dazu gehört auch eine bessere diagnostische Behandlungsgrundlage und Therapiebegleitung.

    Für diese Aufgabe - die wahrlich sehr, sehr schwierig und kompliziert ist - brauchen wir auch die Unterstützung aller uns wohlgesonnenen Frauen und Männer.

    Mit unseren besten Wünschen zum Weihnachtsfest und für das neue Jahr sagen wir - vom Arbeitskreis zum fortgeschrittenen Prostatakrebs - allen so schwer an Prostatakrebs erkrankten Männern, deren Frauen, Partnern, deren Familienangehörigen und Freunden, wir werden alles was möglich ist tun, damit unsere Arbeit schon im kommenden Jahr einen bescheidenen Beitrag dazu leisten kann, diese schreckliche, oft ganze Familien zerstörende Krankheit von epidemischen Ausmaßen für diese Männer nicht mehr tödlich sein zu lassen.

    Zuletzt denken wir noch an unsere Verstorbenen, die uns in diesem Jahr und in den Jahren zuvor diese Verpflichtung für unsere Arbeit auferlegt haben

    Gruß Werner R.
    Geändert von shgmeldorf,Werner Roesler (18.12.2007 um 14:30 Uhr) Grund: Wort ergänzt

  7. #7
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    Wermelskirchen
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    81

    BPS Arbeitskreis - Fortgeschrittener Prostatakrebs

    Lieber Werner R. und Mitstreiter,
    das ist ein hervorragender Beschluss, der dort getroffen wurde! Ich wünsche allen Beteiligten viel Erfolg und weiss heute schon, dass ganz, ganz viele Betroffene (meinen Mann und mich eingeschlossen) hiervon profitieren werden!

    Mit den besten Wünschen für 2008
    P. Muellenbach

  8. #8
    shgmeldorf,Werner Roesler Gast

    Professor Heidenreich - Uniklinikum Köln

    Hallo JochenM,
    mein zweiter Versuch die Professor Heidenreich Informationen hier hinein zu platzieren:


    Hormonrefraktäres PCa: Weitere Therapieansätze :

    Zur erweiterten Diskussion, für persönliche Überlegungen zur eigenen Therapie und nicht zuletzt auch für die Betrachtung möglicher Perspektiven.

    Quelle: "Der Mann"

    Das Prostatakarzinom (PCA) stellt in Europa inzw-
    schen die dritthäufigste Krebstodesursache hinter
    dem Bronchial-Karzinom dar. In der Inzidenz führt das
    Prostata-Karzinom als häufigste maligne Erkrankung
    des Mannes (Robert-Koch Institut 2004). Die Therapie-
    Optionen des lokalisierten PCa beinhalten das „Wait
    and see“ bzw. die chirurgische oder medikamentöse
    Kastration bei Patienten, die aufgrund ihres Alters oder
    vorhandener Ko-Morbiditäten nicht für eine kurative
    Therapie in Frage kommen. Kurative Therapieansätze
    stellen nach wie vor die radikale Prostatektomie sowie
    die verschiedenen Formen der Strahlentherapie dar.
    Dabei stehen die perkutane Bestrahlung, die HDR-
    Brachytherapie (Afterloading) sowie die LDR-Brachy-
    therapie (Seed-Implantation) zur Verfügung.
    Die Standard-Therapie des fortgeschrittenen Prostata-
    karzinoms besteht in der primären antiandrogenen
    Therapie, welche zu einem progressionsfreien Inter-
    vall von ca. 3 Jahren führt (Abbildung 1). Im PSA-Pro-
    greß nach primärer antiandrogener Therapie stehen
    heutzutage verschiedene sekundäre Hormontherapi-
    en zu Verfügung. Hierzu zählen Inhibitoren der adre-
    nalen Testosteron-Synthese, Östrogene und Steroide.
    Einen weiteren interessanten Therapieansatz stellt die
    Kombination von einem Somatostatin-Analogon mit
    Estradiol dar, welcher derzeit im Rahmen von klini-
    schen Studien untersucht wird (Studienzentrale Uni-
    Köln). Kommt es auch unter der sekundären Hormon-
    therapie zu einem Progreß der Erkrankung, befindet
    sich der Patient im Stadium des hormonrefraktären
    Prostatakarzinoms, welches resistent gegenüber allen
    hormonellen Maßnahmen ist.

    Da in der Vergangenheitder Terminus des hormon-
    refraktären Prostatakarzinoms nicht eindeutig definiert
    war, hat die „PSA Working Group“ folgende Merkmale
    dafür festgelegt:

    (1) Testosteron-Serumspiegel im Kastrationsniveau
    (< 50 ng/ml),
    (2) PSA-Progreß nach Antiandrogen-Entzug,
    (3) drei konsekutive PSA-Anstiege ≥ 25 % des PSA-
    Nadirs oder
    (4) Progression bi-dimensional meßbarer Metastasen.


    Die Standardtherapie des hormonrefraktären Pro-
    statakarzinoms besteht in einer Taxan-basierten Che-
    motherapie. Darüber hinaus wird derzeit in Therapie-
    studien ein molekularer Therapieansatz im Sinne einer
    „targeted therapy“ untersucht. Auf die verschiedenen
    Chemotherapien sowie die Ergebnisse der ersten Stu-
    dien mit monoklonalen Antikörpern (MAB) und Si-
    gnaltransduktionsinhibitoren (STI) wird im folgenden
    eingegangen.

    Im Stadium des hormonrefraktären Prostatakarzi-
    noms wurden in der Vergangenheit zahlreiche Che-
    motherapeutika als Monotherapie eingesetzt. Dabei
    zeigten sich Ansprechraten zwischen 10 -25 % ohne
    Nachweis eines Überlebensvorteils für die Patienten.
    Auch die Fortentwicklung der Antrazykline wie das
    pegylierte, liposomal verkapselte Doxorubicin hat
    beim HRPCA nicht den erwarteten Fortschritt erbracht.
    Die Kombination von Mitoxantron und Kortiko-
    steroiden konnte zumindest eine Reduktion der tumor-
    bedingten Knochenschmerzen und damit eine Verbes-
    serung der Lebensqualität erreichen. Der heutige
    Standard der Chemotherapie des hormonrefraktären
    Prostatakarzinoms stellt eine multimodale Tumorthe-
    rapie dar. Hierbei werden vor allem Taxane als Chemo-
    therapeutikum eingesetzt, welche ein gutes Anspre-
    chen der viszeralen Metastasen zeigt. Bisphosphonate
    stellen eine sinnvolle Kombination zur Prävention und
    Therapie von Skelettmetastasen dar. Stimulatoren der
    Erythropoese ergänzen den multimodalen Therapiean-
    satz nicht nur im Hinblick auf die Tumoranämie, son-
    dern können auch zur Effektivität der Chemotherapeu-
    tika beitragen.

    Chemotherapie mit Docetaxel
    Neben zahlreichen Phase-II-Studien konnten zwei kürz-
    lich veröffentlichte Phase-III-Studien erstmals einen
    Überlebensvorteil einer Chemotherapie mit Docetaxel
    beim HRPCA zeigen. Die SWOG 9916-Studie verglich
    eine Therapie von 60 mg Docetaxel/m2 (d2) und Estra-
    mustin (280 mg d1-5) alle 21 Tage mit der Kombination
    Mitoxantron (12 mg/m2) und Prednisolon (2 x 5 mg/d)
    alle 21 Tage. Hierbei zeigte sich ein Überlebens-
    vorteil der Docetaxel-basierten Therapie von 18 vs. 15
    Monate (p = 0,008) und einem progressionsfreien In-
    tervall von 6 vs. 3 Monaten.
    Die TAX 327 war eine Phase-III-Studie mit 3 Thera-
    pie-Armen: (1) Docetaxel (75 mg/m2 alle 21 d) und
    Prednisolon (10 mg/d); (2) Docetaxel (30 mg/m2/Wo-
    che) und Prednisolon (10 mg/d) über 5 Wochen, ge-
    folgt von 1 Woche therapiefreiem Intervall; (3) Mito-
    xantron (12 mg/m2) und Prednisolon (10 mg/d) alle 21
    Tage. In dieser Studie zeigte sich ebenfalls ein Überle-
    bensvorteil der Docetaxel-basierten 3-wöchentlichen
    Therapie mit einem Gesamt-Überleben von 18,9 vs.
    17,4 vs. 16,5 Monaten. Darüber hinaus zeigte sich
    ein signifikanter Unterschied bei der Schmerzreduktion
    von 31-35 % im Docetaxel-Arm gegenüber 22 % im
    Mitoxantron-Arm. Die Ergebnisse dieser Studie führten
    zur Zulassung von Docetaxel als Monotherapie beim
    HRPCA durch die Food and Drug Administration (FDA)
    in den USA. Bei der Wahl zwischen der 3-wöchent-
    lichen und der wöchentlichen Gabe von Docetaxel
    sollte mit einbezogen werden, daß das Auftreten von
    Grad-3/4-Neutropenien von 32 % auf 1,5 % durch die
    wöchentliche Gabe von Docetaxel gesenkt werden
    kann. Bei erneutem Progreß ist eine Wiederholung der
    Chemotherapie zu erwägen, wenn initial die Therapie zu
    einem 50 %igen PSA-Abfall geführt hat. Derzeit stellt
    jedoch die Applikation von Docetaxel mit einer Do-
    sierung von 75 mg/m2 in 3-wöchentlichen Intervallen
    den zugelassenen Standard der Therapie dar.
    Ergebnisse aktueller Studien zeigen auch ein sehr
    gutes Ansprechen auf die Kombination von Docetaxel
    mit Mitoxantron. Hierbei wird Docetaxel in einer Do-
    sierung von 60 mg/m2 mit 8 mg Mitoxantron 3-wö-
    chentlich appliziert. In einer Phase-II-Studie zeigte sich
    dabei ein PSA-Ansprechen von > 50 % in 72 % der
    Patienten. Das PSA-rezidivfreie Intervall liegt bei ei-
    nem mittleren Follow-up von 17,5 Monaten derzeit bei
    16,15 Monaten. Die mittlere Überlebenszeit betrug
    hierbei 27,6 Monate.

    Bisphosphonate
    Bisphosphonate können zur Prävention skelettbezoge-
    ner Komplikationen sowie zur Palliation metastasen-
    bedingter Knochenschmerzen eingesetzt werden.
    Komplikationen der Skelettmetastasen beinhalten pa-
    thologische Frakturen, Spinalkanal-Stenosen sowie die
    Notwendigkeit einer Strahlentherapie oder einer chir-
    urgischen Intervention. Bei 80 % der Patienten treten
    darüber hinaus Knochenschmerzen auf. In der bisher
    größten Phase-III-Studie mit Zoledronsäure konnte
    Zometa 4 mg i.v. alle 3 Wochen die Rate skelettbezo-
    gener Komplikationen gegenüber Placebo von 49 %
    auf 38 % senken. Auch wurde das zeitliche Intervall
    bis zum Auftreten symptomatischer skelettaler Ereignisse
    signifikant von 321 auf 458 Tage verlängert. Auf die
    Progression oder das Überleben hat Zoledronsäure
    keinen Einfluß. Beachtet werden sollte jedoch, daß es
    unter der Behandlung mit Zoledronsäure zu einer
    Verschlechterung der Nierenfunktion kommen kann.
    Daher muß die Dosis an die Kreatinin-Clearance ange-
    paßt werden. Zur Behandlung der Knochenschmerzen
    wurde Ibandronat (Bondronat®) in Studien erfolgreich
    eingesetzt. Eine initiale Aufsättigung mit 6 mg Ibandro-
    nat i. v. über 3 Tage und eine Erhaltungsdosis von 6 mg
    4 Wochen konnte in 92 % eine signifikante Schmerzreduk-
    tion erreichen, die konsekutiv zu einer Verbesserung des
    Karnofsky-Index der Patienten führte

    Erythropoetin
    Anämien treten bei 10 - 40 % aller Krebspatienten auf.
    Gerade Patienten mit multiplen Skelettmetastasen wei-
    sen häufig Anämien auf. Darüber hinaus kommt es
    durch Docetaxel-basierte Chemotherapien in 81 % zu
    Grad-1/2- und in 9 % zu Grad-3/4-Anämien. Die
    Anämie trägt dabei zur Entwicklung des Fatigue-Syn-
    droms bei, das in 60-90 % aller Tumorpatienten auf-
    tritt. Die Behandlung der Anämie umfaßt neben der
    Transfusion von Erythrozyten-Konzentraten die Gabe
    von Erythropoetin. Die Indikation für eine Erythropoe-
    tin-Therapie sollte bei Patienten mit einem Hb-Wert
    < 12 mg/dl nach den Empfehlungen des National
    Comprehensive Cancer Network (
    www.nccn.org) oder
    der ASCO erwogen werden. Vor Beginn sollte in
    jedem Fall der Eisen- und Vitamin B12-Haushalt zum
    Ausschluß anderer Ursachen der Anämie untersucht
    werden. Gebräuchliche Dosierungen beinhalten ent-
    weder 40.000 I.E. Epoetin alpha/Woche oder 3 µg/kg
    KG Darbepoetin alle 2 Wochen. Kommt es 2 Wochen
    nach Therapiebeginn zu einem Hb-Wert-Anstieg um
    1 g/dl, kann die Dosis um 25 % reduziert werden. An-
    dernfalls ist eine Erhöhung der Dosis zu erwägen.
    Steigt der Hb-Wert > 12 g/dl, kann die Therapie ausge-
    setzt werden, bis der Hb-Wert erneut unter 12 g/dl ab-
    fällt (
    www.nccn.org).
    Neben der Prävention und Therapie der Anämie
    und der Fatigue wird Erythropoetin auch unter der Vor-
    stellung eingesetzt, die Ansprechrate der Chemothera-
    pien über die verbesserte Gewebe-Oxygenierung zu
    erhöhen. Dieser Zusammenhang wurde in der abge-
    schlossenen, aber nicht ausgewerteten Phase-II-Studie
    der AUO mit Docetaxel/Estramustin in Kombination
    mit Epoetin-Alpha untersucht.

    Molekulare Therapieansätze
    Maligne Zellen zeichnen sich durch eine Aktivierung
    verschiedener Signalwege aus, die einen Einfluß auf
    die Proliferation und Induktion von Apoptose ausüben.
    Diese Signalwege nehmen ihren Ausgang von Trans-
    membran-Rezeptoren der Zellmembran, die dann meist
    über eine Proteinkinase an der intrazellulären Domä-
    ne eine Signalkaskade nach Bindung eines Liganden
    aktivieren. Darüber hinaus erlangen die Tumorzellen
    die Fähigkeit, invasiv zu wachsen und eine Angio-
    genese zu induzieren. Die Modulation und Hemmung
    dieser Signalwege bei einem malignen Tumor stellt
    eine vielversprechende Therapieoption mit dem Ziel
    der Kontrolle der Proliferation und Induktion von Apo-
    ptose dar. Dabei ist es offensichtlich, daß die
    Blockierung nur eines dieser Signalwege keinen gro-
    ßen Einfluß auf die Biologie eines Tumors haben kann.
    Aufgrund einer Überexpression bestimmter Rezepto-
    ren kann jedoch auch eine Monotherapie ein Anspre-
    chen bei einzelnen Patienten induzieren. Die bekann-
    testen Signalwege stellen die Systeme des Epidermal
    Growth Factor (EGF), des Vascular Endothelial Growth
    Factors (VEGF) und des Platelet-derived Growth Fac-
    tors (PDGF) dar.

    Epidermal Growth Factor Rezeptor beim Prostata-
    karzinom

    Der Epidermal Growth Factor Rezeptor gehört zur
    Gruppe der erbB-Rezeptoren (erbB1/Her-1) und wird
    von den meisten Prostatakarzinomen exprimiert. Da-
    bei ist die EGFR-Expression in hormonrefraktären Pro-
    statakarzinomen gegenüber den hormonsensitiven
    Prostatakarzinomen erhöht. Eine hohe Expression des
    EGFR ist darüber hinaus mit einer schlechten Prognose
    assoziiert. Verschiedene Liganden des Rezeptors wie
    der Epidermal Growth Factor (EGF), Tumor-Nekrose-
    Faktor (TNF-α), Amphiregulin- und Heparin-binden-
    des EGF führen zur Steigerung der Proliferation.
    Die erste klinische Studie mit Gefitinib (Iressa), einem
    Inhibitor der intrazellulären Proteinkinase-Domäne des
    EGFR, zeigt jedoch lediglich eine PSA-Ansprechrate
    von 3,5 %, wohingegen knapp 70 % der Patienten sogar
    einen PSA-Progreß unter der Therapie aufwiesen.
    In einer aktuellen Studie an 35 Patienten mit einem
    Prostatakarzinom, die entweder 250 oder 500 mg
    Gefitinib erhalten haben, zeigt sich bei keinem der
    Patienten ein PSA-Ansprechen. Cetuximab (Erbitux),
    ebenfalls ein EGFR-Antagonist, wurde bisher noch
    nicht in klinischen Studien beim Prostatakarzinom
    eingesetzt.
    Klinische Studien an Patienten mit nicht-kleinzelli-
    gen Bronchialkarzinomen zeigten ebenfalls niedrige
    Ansprechraten zwischen 10 und 19 %. Eine
    Subgruppe von Patienten zeichnete sich jedoch durch
    ein rasches und ausgprägtes Ansprechen auf die
    Monotherapie mit Iressa aus. In dieser Subgruppe von
    Patienten konnten dann spezifische Mutationen des
    EGF-Rezeptors nachgewiesen werden, die als Ursache
    für die erhöhte Sensitivität gegenüber Iressa verant-
    wortlich gemacht werden. In einer aktuellen
    Studie konnte dieser Zusammenhang bestätigt wer-
    den. Dabei stellt die EGFR-Mutation einen Prädiktor
    für das Ansprechen auf Iressa und das Überleben von
    Patienten mit einem NSCLC dar. Auch für die dem
    EGFR nachgeschaltete Proteinkinase Kras wurden Mu-
    tationen nachgewiesen und das Vorhandensein einer
    Mutation des Exons-2 korreliert mit einer Resistenz
    gegenüber Iressa. Aktuelle Untersuchungen beim
    HRPCA werden derzeit von unserer Arbeitsgruppe
    durchgeführt, um individuelle Therapiekonzepte auf
    molekularer Basis zu entwickeln.

    Her-2/neu (erbb2) beim Prostatakarzinom
    Her-2/neu (auch als erbb2 bekannt) gehört zur EGFR-
    Familie. Die Überexpression von Her-2 wird in ver-
    schiedenen Tumoren gefunden und gilt als Marker für
    eine schlechte Prognose. Beim Prostatakarzi-
    nom scheint die Überexpression von Her-2 für die
    Transformation zum hormonrefraktären Stadium eine
    Rolle zu spielen. Auch für das Her-2 wurden be-
    reits aktivierende Mutationen beschrieben, die für die
    Progression von Mammakarzinomen wichtig sind.
    Beim Prostatakarzinom wurden diese Mutationen
    noch nicht untersucht. Darüber hinaus gibt es keine
    Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen
    dem Vorhandensein dieser Mutationen und dem An-
    sprechen auf Trastuzumab (Herceptin), einem mono-
    klonalen Antikörper gegen Her-2. Klinische Phase II-
    Studien mit Trastuzumab bei Patienten mit einem
    Prostatakarzinom zeigen PSA-Ansprechraten von ca.
    20%. Darüber hinaus konnte bisher kein Zu-
    sammenhang zwischen der Expression von HER-2 und
    dem Ansprechen auf Trastuzumab gefunden werden.

    Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) beim
    Prostatakarzinom

    Der Vascular Endothelial Growth Factor gilt als der
    wichtigste Induktor der Aniogenese. Beim Prostata-
    karzinom konnte eine Korrelation zwischen der VEGF-
    Expression und der Gefäßdichte gezeigt werden [29,
    30]. In vivo konnte bereits gezeigt werden, daß Ant-
    agonisten des VEGF das Wachstum humaner Prostata-
    karzinom-Xenografts in Mäusen hemmt [31, 32]. Es
    wird vermutet, daß beim Prostatakarzinom VEGF vor-
    nehmlich von neuroendokrin differenzierten Zellen
    produziert wird und neben dem neo-angiogenetischen
    auch einen direkten wachstumsfördernden Effekt auf
    die Prostatakarzinomzellen hat [33]. Thalidomid gilt
    sowohl als Antagonist für VEGF als auch für den Fibro-
    blast growth factor (FGF) und IL-6. Studien mit Thali-
    domid bei Patienten mit einem Prostatakarzinom zeigen
    PSA-Ansprechraten zwischen 15 und 18 % [34, 35]. In
    Kombination mit Docetaxel zeigen sich signifikant
    günstigere Ergebnisse bezüglich des mittleren Über-
    lebens und der 18-Monate-Überlebensrate im Ver-
    gleich zur Docetaxel-Monotherapie [36]. Mutationen
    des VEGF-Rezeptors oder der Tyrosin-Kinase, die den
    Effekt von VEGF-Inhibitoren erhöhen oder inhibieren,
    sind bisher nicht beschrieben.

    Platelet derived growth factor (PDGF) beim
    Prostatakarzinom

    Der Platelet derived growth factor (PDGF) hat eine
    Tyrosin-Kinase-Domäne, welche für die Aktivierung
    verschiedener Onkogene verantwortlich ist [37]. PDGF
    selbst fördert die Mitose und gilt als Inhibitor der Apo-
    ptose [38]. Darüber hinaus scheint PDGF an der Ent-
    wicklung von Knochenmetastasen beim Prostatakarzi-
    nom beteiligt zu sein [39]. Imatinib (Glivec) bindet
    und inhibiert die Tyrosin-Kinase des PDGF-Rezeptors.
    Daneben hemmt es das Bcr-abl-Onkoprotein, welches
    vor allem bei der chronisch-myeloischen Leukämie
    eine wichtige Rolle spielt [40]. Im Tiermodell hemmt
    Imatinib die Entstehung von Knochen- und Lymphkno-
    tenmetastasen bei Nackt-Mäusen mit einem hormon-
    refraktären Prostatakarzinom [39]. Bei Veränderungen
    in der Signalkaskade im Sinne von Amplifikationen
    der Tyrosin-Kinase, Mutationen der ATP-Bindungsdo-
    mäne der Tyrosin-Kinase sowie die Expression des
    Glykoproteins (MDR-1) kommt es zu einer Resistenz
    gegenüber Imatinib [41].
    In einer klinischen Phase-II-Studie mit Imatinib bei
    21 Patienten mit einem PSA-Progreß nach Lokalthera-
    pie eines Prostatakarzinoms zeigte sich bei keinem der
    Patienten ein Abfall des PSA-Wertes. Dagegen waren
    62% der Patienten unter der Therapie PSA-progredient
    [42]. Derzeit wird die onkologische Effektivität von
    Imatinib bei Patienten mit einem PSA-Progreß nach
    radikaler Prostatektomie an unserer Institution im Rah-
    men einer klinischen Phase-II-Studie der AUO über-
    prüft.

    c-Kit beim Prostatakarzinom

    c-Kit gehört zu den Typ III-Tyrosin-Kinase-Rezeptoren
    und wird in vielen verschiedenen benignen und mali-
    gnen Geweben exprimiert (Paronetto MP, 2004). Dar-
    über hinaus werden Dysregulationen des c-kit-Gens
    für die maligne Transformation verschiedener Zellen
    verantwortlich gemacht [43, 44]. c-Kit und dessen Li-
    gand SCF wird in vielen Tumoren überexprimiert und
    ist in der Lage, das Wachstum der Zellen über einen
    autokrinen und parakrinen Signalweg zu stimulieren
    [43].
    Mutationen des KIT-Protoonkogens wurden vor al-
    lem bei gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) be-
    schrieben [43]. Dabei handelt es sich um sog. „Gain-
    of-function“-Mutationen, die dazu führen, daß die
    KIT-Signalkaskade ohne Bindung eines Liganden akti-
    viert werden kann. Bei GIST zeigt Imatinib sehr gute
    Ansprechraten gerade bei Vorhandensein der aktivie-
    renden Mutationen. Beim Prostatakarzinom finden
    sich in der Literatur keine Untersuchungen zu den be-
    schriebenen Mutationen des KIT-Protoonkogens.
    Neben Mutationen, die den Wild-Typ c-Kit betref-
    fen, wurde auch ein sog. Truncated c-Kit beschrieben.
    Dabei handelt es sich um ein verkürztes c-Kit-Protein,
    welches in verschiedenen Zell-Linien nachgewiesen
    wurde [45]. Das tr-Kit wiederum ist ein potenter Akti-
    vator der Src-Kinase, die eine wichtige Rolle für die
    Proliferation und Metastasierung von androgensensiti-
    ven und -insensitiven Prostatakarzinomen spielt [46,
    47]. c-Kit wird ebenfalls von Imatinib inhibiert, wel-
    ches kein Ansprechen in einer ersten klinischen Studie
    bei Patienten mit einem PSA-Rezidiv zeigte [42].

    Zusammenfassung und Ausblick
    Die Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms
    hat sich in den letzten Jahren gewandelt und erstmals
    konnte mit einer Docetaxel-basierten Chemotherapie
    ein Überlebensvorteil beim Prostatakarzinom nach-
    gewiesen werden. Dennoch ist das PSA-rezidivfreie
    Intervall im Mittel von 6 Monaten sehr kurz, so daß ist
    die Entwicklung effektiver Kombinationstherapien Vor-
    aussetzung für die weitere Verbesserung des Überle-
    bens der Patienten darstellt.
    Der Einsatz monoklonaler Antikörper (MAB) sowie (Ab hier zur weiteren Therapie lesen !)
    von Signaltransduktionsinhibitoren (STI) stellt dabei
    eine interessante Therapieoption dar. Die Ergebnisse
    der ersten Studien mit einem PSA-Ansprechen zwi-
    schen 0 -18 % sind bisher enttäuschend. Einen Grund
    dafür kann jedoch der unselektionierte Einsatz der
    Substanzen ohne vorherige Expressionsanalyse der
    Rezeptoren darstellen. Wie auch beim Mamma- und
    Bronchial-Ca erscheint es sinnvoll, die Expression der
    Rezeptoren sowie das Vorhandensein bestimmter Re-
    zeptor-Mutationen vor Einleitung der Therapie zu unter-
    suchen. Hierdurch ließe sich ein individueller, tumor-
    spezifischer Therapieansatz für jeden Patienten unter
    der Vorstellung erstellen, die Aussicht auf ein Anspre-
    chen des Tumors zu erhöhen. Derartige Therapieansätze
    werden an unserer Institution initiiert, indem Biopsien
    aus Metastasen oder der in situ verbliebenen Prostata
    immunhistochemisch und molekular auf die Expression
    von c-Kit, PDGFR, EGFR, VEGF und Her-2/neu analy-
    siert werden. Abhängig vom Expressionsmuster wird
    eine niedrig-dosierte Docetaxel-Therapie in Kombina-
    tion mit einem STI eingeleitet.


    Artikel von Professor Heidenreich : Zur Therapie des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms (vor ca. einem Jahr hatte mein Kollege Dieter, den ich hiermit grüße, diesen Aufsatz schon einmal in das Forum gestellt.)


    Gruß Werner R.

    Geändert von shgmeldorf,Werner Roesler (13.01.2008 um 20:34 Uhr) Grund: Wort entfernt

  9. #9
    shgmeldorf,Werner Roesler Gast

    Hilflos !

    Hilflos

    erscheint ein Beitrag von Herrn Professor Dr. Jürgen Gschwend (Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München) in der neuesten Ausgabe des BPS-Magazins!

    Was kommt nach Docetaxel: "Für Patienten, die mit Docetaxel vorbehandelt sind und darunter eine Progression ihrer Erkrankung zeigen, gab es bislang keine zufrieden stellende Therapiealternative."

    Nun wurde das Medikament Satraplatin in einer großen internationalen Phase III - Studie im Vergleich zu einer Kontrollgruppe untersucht.

    Immerhin zeigt diese Studie eine "Verlängerung der medianen progressionsfreien Überlebenszeit von 9,7 Wochen in der Kontrollgruppe auf 11,1 Wochen in der Satraplatingruppe."

    Immerhin soll eine Reduktion der Schmerzprogression erfolgen.

    Also Satraplatin soll es mit 1,4 Wochen richten !

    Alle Achtung, welche Aussichten für uns schwer kranke Männer !

    Was sagt nun der Professor zur therapeutischen Zukunft ?

    "Aktuell gibt es eine Vielzahl von neuen Medikamenten, die entweder alleine oder in Kombination mit einer Docetaxel basierten Chemotherapie in klinischen Studien untersucht werden.

    Es bleibt zu hoffen, dass wir damit in den kommenden Jahren weitere neue Medikamente zur Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms in die Hand bekommen."

    So, liebe Männer, die Ihr ein fortgeschrittenes Prostatakarzinom Euer Eigen nennt, so sieht die traurige Realität hier bei uns im Lande aus.

    Herr Professor Gschwend, wir Betroffene sagen Ihnen, so geht das nicht weiter.

    Wir sind nicht mehr bereit, uns mit dieser Hilflosigkeit und diesen Unzulänglichkeiten abspeisen zu lassen.


    Gruß Werner R.


    Nachtrag: Die neueste Ausgabe des BPS - Magazins (3/2007) kann beim BPS bestellt werden, oder Ihr bekommt diese bei Eurer Selbsthilfe-Gruppe um die Ecke !
    Geändert von shgmeldorf,Werner Roesler (13.01.2008 um 19:50 Uhr) Grund: Nachtrag

  10. #10
    Reinardo Gast
    Hallo Werner:-

    Ich gehöre Eurem Arbeitskreis zwar nicht an, möchte das auch gar nicht, weil ich mich vorrangig mit dem Niedrig-Risiko-Krebs befasse und zeitlich nicht mehr schaffen würde. Jedoch hat ein guter Bekannter von mir, Teilnehmer an der Glivec-Studie, mir vor einigen Tagen einen Brief geschrieben, aus welchem ich einige Passagen zitieren möchte, weil sie mir für die Therapie des fortgeschrittenen Prostatakrebs bedeutsam scheinen:

    "Ich sehe meinen PCa als ein Kompositum von Krebszellen unterschiedlicher Differenzierung an, daher hat m.E. auch jedes Medikament nur eine bestimmte Bandbreite der Wirkung auf bestimmte Tumorzellen. "Der Prostata-Tumor" ist eigentlich auch die falsche Bezeichnung , da "unser" Tumor keine homogene Struktur hat, wir müssen deshalb von Tumor-Komponenten sprechen, die aufgrund ihrer Pluriformität unterschiedlich auf Therapien reagieren. Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, dass unser PCa ein multifaktorielles Geschehen darstellt und dass man daher gegen diese Erkrankung demnach nur mit verschiedenen Therapie-Elementen vorgehen könne. Da die komplexen Vorgänge unserer Krebserkrankung bisher nur ansatzweise verstanden werden, wird mit schwerstbetroffenen PCa-Patienten meistens lediglich "herumexperimentiert".
    Jedenfalls zeigt der primitive Einsatz von Docetaxel als Monotherapie - hinzu kommt, dass diese "Therapie" fast regelmässig - meist ohne Berücksichtigung der Komorbiditäten des Patienten - ohne Gedeih und Verderb in dem extrem hämatotoxischen 75 mg/m2-Regime verabreicht wird!!!) wie die Situation in unserem Lande ausschaut (so die Einschätzung eines der versiertesten und kenntnisreichsten Forum-Teilnehmer).

    Metronomische Medikation: die intelligente Variante zur "maximum tolerated doses"-Chemo.
    Dass die Chemotherapie der Prof. Reichle-Studie nicht in der sehr toxischen "maximum tolerated doses" verabreicht wird, sondern durch eine metronomische Gabe, d.h. kleine Dosen täglich gegeben und als ununterbrochenes Schema, war mir von Beginn an sympathisch. Die Rationale der metronomischen Chemo basiert auf dem Einsatz von niedrig dosierten, dafür aber kontinuierlich zugeführten Medikamenten.
    Bekanntlich benötigt konventionelle Chemo, welche normalerweise in sehr toxischen Dosen gegeben wird, nicht zuletzt wegen gravierender hämatotoxische Negativwirkungen nach 75 mg/m2 Docetaxeltherapie Pausen zwischen den einzelnen Zyklen. Gerade diese Pausen scheinen kontraproduktiv bzgl. eines nachhaltigen therapeutischen angiogenetischen Effekts zu sein.
    Schon vor 30 Jahren hat der kürzlich verstorbene am. Arzt Dr. Judah Folkman erkannt, dass bei der hochdosierten Chemo die Angiogenese dadurch nicht unterbunden werden könne, da die Endothelzellen in den zyklusbedingten Pausen der Chemo zu viel Zeit hätten, um die Blutversorgung wiederherzustellen."

    Ich weiss nicht, ob Ihr mit diesen Hinweisen etwas anfangen könnt, mir erschienen diese Worte eines Scherstbetroffenen jedoch so beachtlich , dass ich sie nicht in der Ablage verschwinden lassen wollte. Mein Bekannter geht keineswegs "blind" an seine Therapie heran, setzt sich vielmehr intensiv auch theoretisch hiermit auseinander.
    .
    Wie beim Niedrig-Risiko-Krebs, wo es an einer Übertherapie krankt, werden auch beim fortgeschrittenen Prostatakrebs, wo man eine skandalöse Unterversorgung beobachtet, werden die Impulse und Fortschritte wahrscheinlich auch von den Patienten selbst kommen müssen.

    Gruss, Reinardo
    Geändert von Reinardo (03.02.2008 um 08:11 Uhr)

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