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Thema: Gefährliche Zellen - Krebsstammzellen auf der Spur

  1. #11
    Pinguin Gast
    Neueinstellung

    Hallo Rudolf, nachdem der damalige Link sich nicht mehr vollständig öffnen ließ, weil das nur noch mit Passwort möglich ist, habe ich das hier vollzogen. Ich hoffe, dass das nun eine Weile lesbar sein wird.

    "Mancher ist so überzeugt, dass er gar nicht mehr weiß, wovon"
    (Thomas Niederreuther, deutscher Aphoristiker)

  2. #12
    Helmut.2 Gast

    Gefährliche Zellen - Krebsstammzellen auf der Spur

    Gefährliche Zellen

    Guten Morgen Harald,

    Leider ist dein Beitrag vom "mogenweb" nur zwei Zeilen lesbar und kann nur mit dem Passwort geöffnet werden!

    Angenehmer Tag wünsche ich Dir und natürlich alle Anderen auch!
    Helmut

  3. #13
    Pinguin Gast
    Ärgerlich !!

    Hallo an Alle, natürlich habe ich den wieder belebten Link heute früh vor der Eingabe im Bereich "Erweitert" auf Funktion überprüft. Rudolf und Helmut.2 habe ich den Benutzernamen und den Code in einer PN hinterlegt. Wer wirklich interessiert ist, diesen Link vollständig öffnen zu können, möge mich per PN informieren. Ich hoffe nun, dass das "Morgen-Web" die Eingabe auch dann anerkennt, wenn es nicht über meinen PC läuft. PC-Experten sind sicher informiert, ob eine Kennung auch von neutraler Stelle möglich ist.

    "70 Jahre jung zu sein ist zuweilen heiterer und hoffnungsvoller, als 40 Jahre alt zu sein.
    (Oliver Wendell Holmes sen., amerikansicher Arzt und Schriftsteller)

  4. #14
    Helmut.2 Gast

    Gefährliche Zellen - Krebsstammzellen auf der Spur

    Zitat Zitat von Hutschi Beitrag anzeigen
    Ärgerlich !!

    Hallo an Alle, natürlich habe ich den wieder belebten Link heute früh vor der Eingabe im Bereich "Erweitert" auf Funktion überprüft. Rudolf und Helmut.2 habe ich den Benutzernamen und den Code in einer PN hinterlegt. Wer wirklich interessiert ist, diesen Link vollständig öffnen zu können, möge mich per PN informieren. Ich hoffe nun, dass das "Morgen-Web" die Eingabe auch dann anerkennt, wenn es nicht über meinen PC läuft. PC-Experten sind sicher informiert, ob eine Kennung auch von neutraler Stelle möglich ist.

    "70 Jahre jung zu sein ist zuweilen heiterer und hoffnungsvoller, als 40 Jahre alt zu sein.
    (Oliver Wendell Holmes sen., amerikansicher Arzt und Schriftsteller)
    Danke Harald, der Beitrag liegt mir vor!
    Gruß Helmut

  5. #15
    Registriert seit
    28.09.2007
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    Heiligenstedten
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    Hallo ,
    ein Mitglied in der Gruppe hat einen Artikel über Salinomycin und Dr. Naujokat von dem Institut für Immunologie Uni Heidelberg gefunden, und ist besonders interessiert an das Mittel zu kommen. Welche Aussichten hat er. Es sind Knochenmetastasen nachgewiesen worden , er bekommt jetzt die 3 Hormon-Depot Spritze seine PSA Werte sind gefallen . Er möchte aber zusätzlich etwas tun.
    Gruß Jürgen

  6. #16
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    Hallo Jürgen,

    da würde ich doch mal beim KID, dem Krebsinformationsdienst in Heidelberg anrufen: 0800 420 30 40, um eine seriöse und abgesicherte Information zu bekommen.

    Gruß

    Hansjörg Burger

  7. #17
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    Zitat Zitat von Daniel Schmidt Beitrag anzeigen
    Hormontherapie oder Chemotherapie können tatsächlich wenig gegen Stammzellen wirken.
    Operation und Bestrahlung hingegen doch.


    Das ist auch der Grund warum es ganz wenige Tumore gibt (ausser Blutkrebs oder Lymphdrüsenkrebs) die mit Chemotherapie allein besiegt werden können.
    Anscheinend hilft auch die Bestrahlung nicht. Ich verweise dazu auf den sehr interessanten Artikel "Böser Bruder. In der Krebsforschung bahnt sich ein Umbruch an: Entstehen Tumoren aus Stammzellen?" von Ulrich Bahnsen in DIE ZEIT, 23.11.2006 Nr. 48, nachzulesen unter http://www.zeit.de/2006/48/M-Cancerstems. Dort ist u. a. zu lesen:

    "Stimmt das Szenario, so ist der Prozess der Krebsentstehung noch in weiterer Hinsicht fatal. Weil die gesunden Gewebestammzellen für die Organerneuerung so wichtig, sie aber infolge ihrer Langlebigkeit und Teilungsfähigkeit auch anfällig für Gifte sind, hat die Natur sie geschützt: Sie verfügen über effektive Systeme zur Reparatur ihrer Erbmoleküle und besitzen leistungsfähige Pumpen, mit denen sie Giftstoffe aus dem Zellleib befördern können.

    Dieses Verteidigungsarsenal aber erben die Krebsstammzellen offenbar von ihren gesunden Cousins – und nutzen sie, um die erbgutschädigende Wirkung der Strahlentherapie auszuhebeln und sich der Zellgifte der Chemotherapie zu entledigen. Die Folge: Die Heilverfahren der Mediziner treffen zwar die große Masse der Tumorzellen mit Macht, der Tumor verkleinert sich oder verschwindet, die Krebsstammzellen aber verharren, einer Partisanentruppe gleich, im Körper der Kranken und starten nach Monaten oder Jahren einen neuen Vormarsch."

    Grüße Kurtka

  8. #18
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    Zeit für ein Review - Prostate Cancer Stem Cell Therapy: Hype or Hope?

    Ist Prostatakrebs eine Stammzellenerkrankung?

    Lange Zeit war man der Annahme, dass Tumore aus einheitlichen Zellen bestehen, die alle gleiche Eigenschaften besitzen - ungehemmtes Wachstum. Seit etwa 2005 relativieren Veröffentlichungen diese Sichtweise, da es durch unterschiedliche Versuche gelungen ist, spezielle Zellanteile, anhand von Oberflächenmarkern der Zellen, zu sortieren. Diese Untergruppen von Zellen, aus denen ein Tumor besteht, haben teilweise sehr unterschiedliche Eigenschaften, es scheint eine hierarchische Struktur zu existieren. Besonders bedrohlich scheint eine Gruppe von Zellen zu sein, die sich selbst erneuern, und neben Ruhephasen irgendwann extremes Wachstum und Metastasierung anstossen kann - nennen wir sie Tumor-Stammzellen. Manch Forscher tun sich schwer mit dem Begriff Krebs-Stammzellen und benutzen lieber den Begriff Krebs-auslösende-Zellen, was die Funktion auch besser beschreibt.

    Saat des Bösen
    Beispielsweise wird CD133 als spezielles Oberflächenprotein beschrieben, welches auf Glioblastom Stammzellen exprimiert wird, und nur dort. Sortiert man die Tumorzellen in CD133 positive und CD133 negative Zellen, injiziert etwa 100 dieser CD133+ Zellen in immunsuppressive Mäuse, entwickeln sich Gliome. Injektion von 100000 CD133- Zellen lässt dagegen keine Gliome wachsen!
    (Es gibt aber auch gegenteilige Ansichten, zumindest bei Glioma Cells.)

    Bei Brustkrebs, welcher ja oft als zu Prostatakrebs verwandt eingestuft wird, ist beschrieben worden, dass CD44 positive und CD24 negative Zellen assoziativ zum Mammakarzinom stehen. Wir erinnern uns auch an die Aussage von Bonkhoff, dass Expression von CD44 bei PCa die Strahlensensitivität einschränkt. Versuche mit entsprechenden Zellen bei Mäusen haben, wie beim Gliom, vergleichbare Eigenschaften gezeigt. Nur die CD44+/CD24- Zellen konnten solide Tumorausbildung initiieren.

    Eine weitere, höchst spannende Geschichte ist in einem Papier von Clarke & Kolllegen beschrieben worden. Untersucht wurden Pankreas Tumore (Bauspeicheldrüsenkrebs), eine sehr ungüstig verlaufende Erkrankung. Nur die CD133+ und CXCR4+ Zellen konnten mittelfristig Metastasen auslösen. Vielleicht erinnert ihr Euch noch an den Knochenvortrag, der CXCR4 Rezeptor war eines der entscheidenden Eigenschaften, die Krebszellen in die hämatopoetische Stammzellnischen welche sich auf den Osteoblasten und deren Vorläuferzellen befinden, andocken lässt.

    Diese Krebs-Stammzellen in der prämetastatischen Nische scheinen ein latentes Reservoir für späte Metastasierung zu sein.

    Stammzellen:
    existieren in allen Geweben des Menschen und sind z.B. verantwortlich dafür, dass Wunden wieder heilen. Diese Stammzellen sind praktisch unsterblich, befinden sich aber meist in Ruhestellung, bis ihre Aktivität erforderlich wird. Besondere Eigenschaften wie Unsterblichkeit und Initiierung von Zellwachstum lassen sie mit Tumorzellen verwandt erscheinen. So konnte z.B. gezeigt werden, dass in Zellkulturen, die über Jahre hinweg gehalten werden können, nur ein kleiner Anteil der Zellen für das Wachstum der Kultur verantwortlich ist, wohingegen die weitaus grösste Masse der Zellen dies nicht vermag.

    Wobei beachtet werden muss, dass der Nachweis bisher nur in immundefizitären/immunsuppressiven Mäusen erfolgt ist. Diese Einschränkung verursacht evt. eine Verzerrung der Ergebnisse dahingehend, dass Zelllinien, die in diesen Mäusen ein Entwicklungsvorteil besitzen, als Stammzellen angesehen werden, was sie aber nicht sind.

    "...However, concerns regarding the validity of this model have been expressed, mostly regarding its experimental validation. It has been brought to attention that xenografting cancer cells in immunosupressed animals, the gold standard for testing cancer stem cell properties in vivo, may select for cells adaptable to the animal host, therefore introducing an unavoidable bias. Experts in the field cautioned against oversimplified views that do not take into account the genetic variability and clonal evolution of cancer cells, including those of cancer stem cells..."

    "...Allerdings wurden Bedenken hinsichtlich der Gültigkeit dieses Modells geäußert, vor allem in Bezug auf ihre experimentelle Validierung. Es wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Transplantation körperfremder Krebszellen in immunosupressive Tiere, der Gold-Standard für das Testen von Krebsstammzell-Eigenschaften in vivo, Zellen selektieren könnte, die sich besonders gut an das Wirtsmedium anpassen, und damit eine unvermeidbare Verzerrungen verursachen. Experten auf diesem Gebiet haben davor gewarnt, allzu vereinfachende Ansichten zu vertreten, die die genetische Variabilität und klonale Evolution von Krebszellen einschließlich der Krebs-Stammzellen nicht berücksichtigen..."

    Das Prostataepithel:



    Heute geht man davon aus, dass PCa und die entspr. Vorläufer wie PIN (prostatischer intraepithelialer Neoplasie) oder ASAP (atypical small acinar proliferation) aus den Basalzellen heraus entstehen. Dieser Zell-Layer beinhaltet Zellen mit Stammzelleigenschaften, was vermuten lässt, dass sie evt. für die Progression eingespannt werden. Basalzellen haben keinen Androgenrezeptor und werden durch Hormonblockade oder Chemotherapie nicht abgetötet! Aus ihnen regeneriert sich das Prostataepithel nach entspr. Behandlung.

    Was die Mutation hin zu PCa auslöst ist unklar und sicher nicht monokausal. Eine Möglichkeit wird in einer Veröffentlichung der 'University-of-Illinois'
    beschrieben. Sie sehen den auf den Stamm- Vorläuferzellen exprimierten Estrogen-a/ß Rezeptor als Verdächtigen - kennen wir doch irgend woher?

    Jörg Blech beschreibt es so:
    "...Denkbar ist, dass sie aus normalen Stammzellen entstehen, die durch genetische Mutationen in eine Art Urkrebszellen verwandelt worden sind. Ebenso könnten sie aber auch, ebenfalls durch Mutationen, aus bereits ausgereifteren Zellen hervorgehen..."

    Dr. Vonderhaar meint dagegen, dass ein fliessender Übergang von normalen zu Stammzellen möglich wäre, der sehr vom umgebenden Gewebe (Stroma) beeinflusst wird:
    "...I’m a firm believer that the microenvironment, the stem cell 'niche', is every bit as important as the cell itself...I don’t know if just any cell can become [a CSC], but there is a hierarchy of cells, and some may be able to function in a stem cell-like manner, and others may not..."

    "...Ich bin fest davon überzeugt, dass die Mikroumgebung, die 'Stammzell-Nische' genauso wichtig ist, wie die Zelle selbst ... Ich weiß nicht, ob jede beliebige Zelle eine "Cancer-Stem-Cell" werden kann, aber sicher gibt es eine Hierarchie von Zellen, und einige können eventuell in einer Stammzell-ähnlichen Weise funktionieren, und andere nicht..."

    Wenn es also eine Proliferationshierarchie gibt, klingt es logisch, alle Stufen der Hierarchie systemisch gleichzeitig anzugreifen. Nehmen wir das geschriebene Ernst, "...müssen wir vor allem diese Stammzellen zerstören" [Michael Clarke], und das wird schwierig: "...Inzwischen haben die Forscher Hinweise gefunden, warum den gefährlichen Stammzellen mit herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen ist: Zum einen zerstören Zytostatika generell Zellen, die sich vermehren - die Krebsstammzellen jedoch tun das vergleichsweise selten; die meiste Zeit über verharren
    sie in einem zellulären Dornröschenschlaf. Außerdem stellen sie eine besonders große Zahl Transportproteine her, die chemotherapeutische Gifte regelrecht aus der Zelle pumpen..."
    [Jörg Blech]

    Andere Forscher zeigen sich noch pessimistischer, meinen, dass sich Stammzelleigenschaften auch immer wieder aus 'normalen' Krebszellen zurückentwickeln könnten - eine entspr. Therapie müsste kombiniert ansetzen.

    Vielleicht wäre es auch erst mal ausreichend sie in der Stammzellnische zu binden?

    Eine typisch Myersche Erklärung zu diesen Zusammenhängen, ergänzt durch ein paar Handlungsanweisungen, bringe ich nun hier als Übersetzung eines passenden Vortrages vom 24-NOV-2008:

    Stay tuned...

  9. #19
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    [6:00]
    ... es ist schön wieder hier zu sein. Diese Gruppe hier und auch ich können auf eine lange gemeinsame Historie verweisen. Sie wissen es ja, ich bin mit PCa im Februar 1999 diagnostiziert worden, der bereits in die Becken-Lymphknoten metastasiert war. Ein befallener Knoten befand sich im
    rückwärtigen Bauchraum. Diesen Februar [2009] wird somit mein 10 jähriges Jubiläum, ein ganz spezielles Ereignis für mich. Aus diesem Grunde verstehen Sie jetzt, warum ich ein so spezielles Interesse an einer Totalremission habe, und daran, diese langfristig zu halten, mit kleinstmöglichen Nebenwirkungen. Dieser Hintergrund verdeutlicht meine Intention, und sie können daran auch meine "Voreingenommenheit" erkennen, die wohl alle Experten die hier sprechen besitzen. Neben vielerlei Ereignissen, hat dieses mich selbst betreffende Ereignis meine Sichtweise stark beeinflusst.

    Einleitend zu meinem Vortrag, noch ein paar Hinweise.
    Alleine im Jahr 2007 sind etwa 5400 Papiere erschienen, die sich mit den medizinischen und wissenschaftlichen Grundlagen des Prostatakrebses befasst haben. Nicht nur diese grosse Anzahl, sondern die fundamentalen Grundlagen sind dabei aber das entscheidende. In meiner Wahrnehmen dieser Erkrankung denke ich, war 2007 ein Wendepunkt. Ich beschreibe das als mein Denken vor und nach 2007. Wenn sie mich evt. schon vor 2007 gehört haben, haben sie vielleicht auch ein paar völlig andere Schlussfolgerungen von mir erfahren als das heute der Fall ist. Basierend auf ein paar wirklich verblüffenden Erkenntnissen von 2007, die zwischendurch durch andere Studien bestätigt wurden.

    Bevor wir starten sprechen noch kurz darüber, was wir heute unter Krebs verstehen, und das bestimmt unser Handeln. Ich beginne mal mit einem Organ, nicht der Prostata, sondern der Leber. Wenn ich herginge und 3/4 ihrer Leber rausschneiden würde, würde das wegwerfen, 8 Wochen später nachgeschaut, würde ich wieder eine normale Leber vorfinden. Sie sähe genauso aus, wie die vor der Entnahme - gleiche Grösse, gleiche Form. Wie ist das möglich? Kurz nachdem ich 3/4 ihrer Leber entnommen und sie weggeworfen hätte, aktiviere ich damit Stammzellen in der Leber, die bis dahin inaktiv, ruhend waren. Sie warteten darauf gebraucht zu werden. Entnahme eines grossen Teils der Leber würde dies "hepatic stem cells" aktivieren.



    Die Stammzellen initiieren eine Gruppe von schnell wachsenden Zellen, welche die verbliebende Lücke ausfüllen würden. Und durch irgendwelche biologischen Mysterien, erkennen sie, wann die Leber die notwendige Grösse erreicht hat, und dann würden sie das weitere Wachstum unterbinden [und wieder in Ruhezustand übergehen]. Mehr oder weniger passiert das in allen Geweben des Körpers. Selbst das Gehirn besitzt Stammzellen. Heute wissen wir, dass die Gehirnstammzellen kontinuierlich das Gehirn erneuern. Wenn das aufhört beginnen wir vergesslich zu werden, Demenz entsteht, usw. Dieses medizinische Verhalten macht Stammzellen so interessant. Könnten wir die richtigen Stammzellen einfügen, wären wir in der Lage beschädigtes Gewebe zu erneuern und damit unterschiedliche Krankheiten zu heilen. Wenn sie beispielsweise das Herz beschädigen, können die richtigen Stammzellen das wieder reparieren. Parkinson könnte eine Krankheit der Vergangenheit werden. Das ist die Hypothese, was Stammzellen alles machen könnten. Hinter allen taucht die Frage auf: Nun wenn Stammzellen diese Eigenschaften haben, welche Rolle spielen sie bei Krebserkrankungen?

    [11:00]
    Heutzutage denken wir, ja, Krebs ist eine Stammzellenerkrankung. Die Fähigkeit einer Krebsstammzelle wieder in den Ruhezustand zu gehen, wieder abzuschalten, ist gestört. Sehr wahrscheinlich können sie nicht wieder inaktiv werden. Stammzellen in allen Krebserkrankungen initiieren eine Gruppe schnellwachsender Zellen, die ständig expandiert. Diese generiert Krebszellen, die die grösste Masse ausmachen, aber nicht mehr wachsen. Wenn sie ein Kg Krebsmasse nehmen, haben sie 95% Zellen die nicht mehr wachsen, sondern nur den Raum ausfüllen, 5% sind die schnell wachsenden Zellen, und etwa 0,1% das sind die Stammzellen. Das was ich gesagt habe stimmt für Brustkrebs, Leukämien und ist auch typisch für Prostatakrebs.

    Bei Prostatakrebs hat man Techniken entwickelt, bei denen aus normalem und malignem Gewebe die Stammzellen isoliert werden können. Vor kurzem wurde eine Studie vorgestellt, bei der man Stammzellen aus normalem Prostatagewebe in immunsuppressive Mäusen eingesetzt wurden, und es entwickelte sich eine normale menschliche Prostata. Nur aus diesen Stammzellen.

    [12:40]
    2007 gab es so eine bahnbrechende Veröffentlichung. Man operierte Prostatakrebs aus Patienten, vereinzelte die Zellen, und sortiere sie. Es ergab sich ein ziemlich grosse Menge nicht wachsender Zellen, die aber PSA produzierten und den Androgenrezeptor besassen, also hormonsensitiv waren. Wir wissen natürlich das diese Zellen uns wenig Probleme bereiten, selbst wenn sie die grosse Masse darstellen, da sie kaum wachsen. Sie injizierten diese Zellen in die Mäuse und die Zellen teilten sich noch ein paar mal, wuchsen dann aber nicht weiter und der Tumor entwickelte sich nicht über Stecknadelkopfgrösse hinaus.

    Nimmt man die 5% Zellen, die PSA negativ sind, keinen Androgenrezeptor haben, die das ganze Krebswachstum repräsentieren, injiziert sie in eine entspr. Maus, wachsen Tumore schnell zu beachtlicher Grösse und auch sie stoppen ihr Wachstum dann. Keine Metastasierung, keine weitere biologische malignant transformation. Selbst wenn sie schnell wachsen, scheint es nicht unendlich weiter zu gehen, eine max. Grösse zu geben, bei dem ihr Wachstum aufhört.

    Zuletzt nahm man die Krebs-Stammzellen, typischerweise weniger als 0,1% der Krebsmasse ausmachend, injizierte sie in die Mäuse und eine ganze Weile passierte - gar nichts. Diese Stammzellen verblieben in Ruhe, schlafend, so wie die normalen Leber-Stammzellen. Nach und nach, in unterschiedlichen individuellen Zeitabständen, begannen die Stammzellen ihre Arbeit. Erst entwickelte sich eine kleine Geschwulst, die grösser und grösser wurde. Dann entwickelten sich Metastasen. Schaut man sich den entstehenden Tumor pathologisch an, erscheint er wie ein Duplikat des Ausgangskrebses. Alle Informationen, den Krebs betreffend, steckt in den Stammzellen, die weniger als 0,1% der Krebsmasse ausmachen.

    [14:55]
    Bekommen sie beispielsweise Hormontherapie, die Metastasen gehen gewaltig zurück, vielleicht verbessert sich sogar ihr Knochenszintigramm, vielleicht normalisiert sich die Grösse der befallenen Lymphknoten. Beenden wir die Hormonblockade, kommt der Krebs nach einer Weile zurück. Was ist passiert aus Sicht der Stammzellen? Während der Hormonblockade töten wir die grosse Masse der Testosteronabhängigen, PSA produzierenden Zellen. Die 5% der schnell wachsenden Zellen stellen ihr Wachstum vorübergehend ein. Wir wissen nicht warum, aber sie werden nicht abgetötet. Die Stammzellen bleiben praktisch unbeeinflusst. Nimmt man Testosteron heraus, kappt man nur die Spitze.

    Analog könnte man die 5% schnell wachsenden Zellen als Zellfabrik ansehen, die die Testosteronabhängigen Zellen in hoher Geschwindigkeit produzieren. Während jedes ADT Zyklusses, wächst die Zahl dieser ursprünglich 5% schnell wachsenden, PSA negativen Zellen. Mit der Zeit exprimiert der Krebs immer weniger PSA. Wir werden Kastrationsrefraktär, selbst bei geringen PSA Werten, da sie irgendwann die Hauptmasse der
    Krebsmasse ausmachen.

    Diese schnell wachsenden Zellen exprimieren in ihrer Reifungsphase ein Protein, welches sie immun Taxotere betreffend macht. Es wurde auch in Brustkrebs als chemosupressiv beschrieben. So betrachtet, sind Prostatakrebs und andere Krebs alle das gleiche - faszinierend. Nimmt mal einen Patienten, mit ADT Versagen, gibt ihm Taxotere Chemotherapie, tötet man nur die ausgereiften Zellanteile dieser wachsenden Zellen ab. Die bösartigeren, aggressiveren Zellen sind weiterhin vorhanden, da sie nicht Taxotere sensitiv sind. Das ist der Grund, warum systemische Therapien, wie Hormonblockade und Strahlentherapie nicht kurativ wirken.

    [17:50]
    Aber nun mal langsam, wir alle kennen Männer die nach Hormonblockade, durch irgendein unbekannten Mechanismus dauerhaft in Remission bleiben? Was passiert denn da? Es gibt noch ein paar weitere Puzzlestücke, die nicht so einfach zu erklären sind. Patienten die eine Prostatektomie gemacht haben, können evt. ein Rezidiv entwickeln, bis zu 25 Jahre nach Operation! Eine aktuelle Studie meint, dass die Hälfte aller Rezidive erst nach 10 Jahren entstehen. Das gleiche sehen wir auch bei Brustkrebs. Frauen nach Mastektomie wurden mit Rezidiven 30 Jahre nach Operation beobachtet, ohne zwischenzeitlichen Anzeichen von Krankheit. Melonoma Skin-Cancer [Hautkrebs], das Gleiche. Jahrzehnte nach der operativen Entfernung kann der gleiche Krebs wiederkommen.

    [19:00]
    Das führt uns zum zweiten wichtigen Papier aus 2007, veröffentlich in Nature-Reviews.
    ...
    Das entsprechende Review behandelte den ganzen Bereich der Tumor Ruhigstellung. Es arbeitete das Konzept auf, welches hinter der Erkenntnis steht, dass nach erfolgreicher Therapie Jahrzehnte später der Krebs wiederkommen kann. Dieses extrem detaillierte Review machte die ganzen Zusammenhänge begreifbar. Um ihnen mal einen Eindruck zu geben: ich habe 2 Wochen gebraucht dieses Papier durchzuarbeiten. Immer wieder die Zitierungen anschauend, die einzelnen Punkte abwiegend. Aber es hat sich gelohnt. Kocht man das geschriebene ein, werden 3 Entwicklungsprozesse beschrieben, die die Tumorruhigstellung beeinflussen, Krebs-Stammzellen schlafend halten können, oder das Wachstum auf kleinere Tumor beschränkt hält. Das ist jetzt wiederum recht einfach, laienhaft zu erklären.



    Stay tuned...

  10. #20
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    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Ist Prostatakrebs eine Stammzellenerkrankung?
    ...

    Jörg Blech beschreibt es so:
    "...Denkbar ist, dass sie aus normalen Stammzellen entstehen, die durch genetische Mutationen in eine Art Urkrebszellen verwandelt worden sind. Ebenso könnten sie aber auch, ebenfalls durch Mutationen, aus bereits ausgereifteren Zellen hervorgehen..."

    Dr. Vonderhaar meint dagegen, dass ein fliessender Übergang von normalen zu Stammzellen möglich wäre, der sehr vom umgebenden Gewebe (Stroma) beeinflusst wird:

    "...Ich bin fest davon überzeugt, dass die Mikroumgebung, die 'Stammzell-Nische' genauso wichtig ist, wie die Zelle selbst ... Ich weiß nicht, ob jede beliebige Zelle eine "Cancer-Stem-Cell" werden kann, aber sicher gibt es eine Hierarchie von Zellen, und einige können eventuell in einer Stammzell-ähnlichen Weise funktionieren, und andere nicht..."

    Wenn es also eine Proliferationshierarchie gibt, klingt es logisch, alle Stufen der Hierarchie systemisch gleichzeitig anzugreifen. Nehmen wir das geschriebene Ernst, "...müssen wir vor allem diese Stammzellen zerstören" [Michael Clarke], und das wird schwierig: "...Inzwischen haben die Forscher Hinweise gefunden, warum den gefährlichen Stammzellen mit herkömmlichen Mitteln nicht beizukommen ist: Zum einen zerstören Zytostatika generell Zellen, die sich vermehren - die Krebsstammzellen jedoch tun das vergleichsweise selten; die meiste Zeit über verharren
    sie in einem zellulären Dornröschenschlaf. Außerdem stellen sie eine besonders große Zahl Transportproteine her, die chemotherapeutische Gifte regelrecht aus der Zelle pumpen..."
    [Jörg Blech]

    Andere Forscher zeigen sich noch pessimistischer, meinen, dass sich Stammzelleigenschaften auch immer wieder aus 'normalen' Krebszellen zurückentwickeln könnten - eine entspr. Therapie müsste kombiniert ansetzen.

    Vielleicht wäre es auch erst mal ausreichend sie in der Stammzellnische zu binden?
    Eine Bestätigung von "fliessendem Übergang" (das Papier von Vonderhaar hätte ich gerne) oder gar Zurückentwicklung von Stammzelleigenschaften aus 'normalen" Krebszellen liefert auch die Gruppe um Weinberg in einem Papier aus Mai 2011:

    "Normal and neoplastic nonstem cells can spontaneously convert to a stem-like state"
    Normale und neoplastische Nicht-Stammzellen können spontan
    in einen Stammzell-ähnlichen Zustand übergehen


    Es lohnt, den Diskussions-Abschnitt am Ende des Papiers durchzugehen!

    Sogar die Gewinnung von speziellen für regenerative Therapien geeignete Stammzellen aus epithelialen Zellen im Labor hält die Gruppe für möglich:

    The present findings hold the implication that patient- and tissue-specific stem-like cells may one day be created in vitro via
    spontaneous conversion of a patient’s own terminally differentiated epithelial cells, a process that would not require any genetic
    alteration of these cells. Such stem-like cells could be important for regenerative therapies
    Man beachte:
    "that would not require any genetic alteration of these cells" - genetische Änderung spielt bei diesen De-Differenzierungs-Prozessen keine Rolle.


    Therapeutisch äusserst wichtig ist, zu beachten, dass wir auch auf dem Feld der Tumorstammzellen mit einer einfachen linearen Betrachtungsweise (Und nun auch noch die Tumorstammzellen! Wie können wir die denn killen???) leider falsch liegen:

    However, if non-CSCs can spontaneously dedifferentiate into CSCs, then targeting CSC populations will, on its own, be unlikely to yield durable
    clinical responses, because the therapeutic eradication of existing CSC populations might be followed by their regeneration from
    non-CSCs within the tumor under treatment.
    Wenn es so ist, dass Nicht-Tumorstammzellen spontan in Tumorstammzellen dedifferenzieren können, dann wird das Zielen auf Tumorstammzellpopulationen für sich alleine auch keinen dauerhaften klinischen Response bringen, weil das therapeutische Beseitigen existierender Tumorstammzellpopulationen zur Folge haben kann, dass diese aus Nicht-Tumorstammzellen innerhalb des Tumors unter der Therapie regeneriert werden.

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