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Thema: Bitte um Rat für unseren Vater

  1. #1
    anonym01 Gast

    Bitte um Rat für unseren Vater

    Hallo liebe Forumsteilnehmer !

    Wir wenden uns mit der Bitte um Rat für unseren Vater an Euch:

    Bei unserem Vater (61 Jahre) wurde nach einem PSA-Wert von 4,5 eine
    Biopsie durchgeführt. 4 Proben waren ohne Befund,die 5te hatte folgenden
    Befund:

    rechts lateral apikal Prostatakarzinom G2, Gleasonscore 6 (3+3).

    Den TNM-Wert finden wir im Befund nirgends.

    Erste Frage:

    Müßte der jetzt schon vorliegen oder bekommt man diesen Wert erst nach erfolgter OP?

    Der Urologe rät unserem Vater jetzt zu einer zweiten Biopsie mit 12 Stanzungen.

    Nächste Frage:

    Ist denn eine zweite Biopsie überhaupt notwendig ? Es ist ja doch ein körperlich belastender Eingriff und wenn der Arzt nur einen Milimeter danebensticht, dann hat er ja trotzdem den Tumorrand wieder nicht genau eingrenzen können. Außerdem liegt doch die Tumorbewertung durch den ersten Befund eh schon vor !

    Wir haben uns jetzt eingehend informiert und scheinbar ist ja im Stadium unseres Vaters entweder OP oder Bestrahlung anzuraten.

    Nächste Frage:

    Heißt OP eigentlich immer totale Entfernung der Prostata oder kann auch nur der befallene Teil (kann man doch während OP durch Schnellschnitt feststellen) entfernt werden ? Wäre das nicht schonender ?

    Unser Vater ist eben der Ansicht: "Weg mit dem befallenen Zeug, sonst kann ich nicht geheilt werden". Er vertraut einer Bestrahlung alleine, d.h. ohne OP, überhaupt nicht.

    Nachdem die OP ja doch ein schwerer Eingriff ist und verbunden mit erheblichen Nebenwirkungen, möchten wir eben die schonendste Therapie für ihn mit auswählen helfen.

    Für Eure Ratschläge und Meinungen wären wir von Herzen dankbar !!!!!!!!

  2. #2
    Reinardo Gast
    Hallo Anonym01.
    Eine gute Information könnt Ihr im KISP-Forum (www.prostatakrebse.de) Beitrag Erster Rat bekommen. Die dort abgelegten Texte eignen sich besonders gut zum Kennenlernen von Zusammenhängen, die über das normal zugängliche Wissen hinausgehen.
    Prostatakrebs unterscheidet sich von anderen Krebsarten dadurch, dass er in der Regel nur langsam wächst und dass es eine grosse Spannweite in der Agressivität gibt, zwischen harmlosen "Haustierkrebsen" und schnell wachsenden gefährlichen Karzinomen. Entsprechend gibt es eine Vielfalt von Therapien, von kontrolliertem Abwarten und Beobachten über Hormonentzugs-Therapie bis zu Bestrahlung und Operation.
    Eine verlässliche Diagnose ist also Grundvoraussetzung für die Wahl der angemessenen Therapie.
    Die Operation ist immer die totale Entfernung der Prostata, wobei erfahrene Operateure versuchen werden, die Gefahr der Inkontinenz zu minimieren und die Erektionsnerven zu erhalten.
    Eine zweite Biopsie ist möglich, allerdings erst nach Ausheilung aller Verletzungen aus der ersten und sollte zwecks Vermeidung von Fehldiagnosen immer ultraschallgesteuert sein.
    Den Spruch Eures Vaters "Weg mit dem befallenen Zeug. Sonst kann ich nicht geheilt werden" halte ich für unsinnig und Ausdruck einer Krebspsychose. Die Prostata ist kein Organ wie Mandeln oder Blinddarm. Ihre Entfernung hat auch schwerwiegende Folgen. In Anbetracht der bisher bekannten Werte könnten auch andere Therapien in Frage kommen.
    Alles Gute, Reinardo

  3. #3
    Registriert seit
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    Bitte um Rat für unseren Vater

    Hallo anonym01,

    Zitat: Ist denn eine zweite Biopsie überhaupt notwendig ?

    Herzlichen Glückwunsch zu der klugen Frage, sagte mein Leibarzt, als ihm anvertraute, dass ich 1998 bei einem PSA-Wert von 5,6 meinem Uro diese Frage stellte.

    Dein Vater ist vom Alter her – genauso wie ich damals – grenzwertig. Er hat genug Zeit, für die richtige Therapieentscheidung. Ich habe mich damals entschieden, zunächst die PSA-Verdoppelungszeit zu beobachten (siehe mein Profil). Es ist ein wichtiges, immer noch unterschätztes Kriterium für die Aggressivität des Krebses. Die Bestimmung weiterer Tumormarker ( CGA, NSE, Pyrilink D, PAP) wäre ebenfalls sinnvoll.

    Zehn Jahre mit voller Lebensqualität habe ich gewonnen. Aber Vorsicht! Ich bin ein Paradiesvogel in diesem Forum.

    Wenn Dein Vater den Wunsch hat, so alt wie Johannes Heesters zu werden, muss er das Risiko einer radikalen Therapie auf sich nehmen. Eine Garantie, geheilt zu werden, gibt es allerdings nicht.

    Ein glückliches Händchen bei der Therapiewahl wünscht

    GeorgS

  4. #4
    Reinardo Gast
    Hallo GeorgS. ich finde, Du bist kein Paradiesvogel sondern hattest wie ich Deine Sternstunde, zur rechten Zeit - nach der Diagnose und vor einer Therapieentscheidung - die richtigen Informationen zu bekommen.
    Dein Profil habe ich mir angesehen. Es zeigt die Bedeutung der PSA-Verdopplungszeit für die richtige Einschätzung der Agressivität des Krebses. Hättest Du entgegen der Philosophie von Douens eine Biopsie machen lassen, hätte dies wahrscheinlich entsprechend einen Gleason <7 ergeben. Eine Bildzytometrie würde wahrscheinlich einen weitestgehend peridiploiden Krebs mit guter Prognose ergeben.
    Unter diesen Voraussetzungen ist kontrolliertes Abwarten in der Tat die optimale Therapie. Weshalb Du glaubst, dass man ohne Prostatektomie bei diesen Werten nicht alt wie Joh.Heesters werden zu können, vermag ich allerdings nicht einzusehen. Wenn es mit der Progression zu weit hoch geht, haben wir jederzeit die Möglichkeit, den Krebs mit einer maximalen, zeitlich begrenzten Hormonblockade in seine Steinzeit zurückzubomben . . einmal, notfalls noch einmal.
    Alles Gute, Reinardo
    Geändert von Reinardo (01.10.2006 um 21:38 Uhr)

  5. #5
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    Bitte um Rat für unseren Vater

    Hallo Reinardo,

    Zitat: ... ich finde, Du bist kein Paradiesvogel ...

    Schade :-), denn ich finde diese scheuen Vögel faszinierend.

    Zitat: ... hattest ... nach der Diagnose und vor einer Therapieentscheidung - die richtigen Informationen ...

    Diese Informationen hatten damals und haben heute Mitbetroffene auch und dennoch sind die WW-ler eine Minderheit. Warum?

    Der Titel eines Fassbinder-Films „Angst fressen Seele auf“ ist wohl eine Teilantwort.
    Nach dem ersten PSA-Anstieg war ich auch nicht in der Lage aus der Informationsfülle, das für meine Situation Wesentliche herauszufiltern. Viele haben mir dabei geholfen – auch im KIPS-Forum.

    Zitat: Weshalb Du glaubst, dass man ohne Prostatektomie bei diesen Werten nicht alt wie Joh.Heesters werden zu können, vermag ich allerdings nicht einzusehen.

    Ich glaube es nicht.
    Unter radikaler Therapie verstehe ich nicht nur die RPE. Sogar die Hormonblockade ist keine sanfte Therapie – wie wir spätestens seit LudwigS´s, 10.08.2006, 00:20 pointierter Schilderung wissen.
    Die Smileys bei meinem letzten Satz sind „verlorengegangen“. Ich bezweifele, ob so ein hohes Alter immer nur ein Segen ist. Die Zahl der „Zwickerli“ nimmt zu. Die Spannkraft lässt langsam aber stetig nach – was ich am schlechtesten verkraften :-( werde.

    Lieber Reinardo,
    es scheint, wir haben die jeweils für uns richtige Therapieentscheidung getroffen. Hoffentlich sterben wir mit und nicht an unserem PK, wünscht uns allen

    GeorgS

  6. #6
    anonym01 Gast

    Danke

    Liebe Forumsmitglieder,

    wir möchten uns auf diesem Wege bei all denen bedanken, die uns in dieser schwierigen Zeit helfen, einige drängende Fragen zu
    beantworten. Es war auch viel Mutmachendes zu lesen.

    Unser Vater hat eine zweite Biopsie verweigert, will sich nun operieren lassen. Bei der Klinikwahl hat er berücksichtigt, daß dort ca. 200 OPs im
    Jahr gemacht werden, er sich somit hoffentlich in routinierte Hände begibt.
    Auch ein Labor ist in der Klinik mit angeschlossen, so daß während der OP
    per Schnellschnitt über die Ausbreitung Sicherheit gewonnen werden kann.

    Wir werden ihm in der Zeit danach beistehen und alles an Hilfe aufbieten, was uns möglich ist.

    Drückt uns die Daumen, daß alles gut verläuft.

    Für alle anderen Betroffenen wünschen wir alles Gute !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

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