Seite 1 von 3 123 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 21

Thema: Enzalutamid / MDV3100 - Marktzulassung Europa und Nutzenbewertung G-BA

  1. #1
    Registriert seit
    30.04.2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.511

    Enzalutamid / MDV3100 - Marktzulassung Europa und Nutzenbewertung G-BA

    Hallo Fortgeschrittene,

    Astellas Pharma hat am 26.6.2012 die Marktzulassung bei der EMA (European Medicines Agency, die europäische Medikamenten-Zulassungsbehörde)
    fürs Enzalutamid beantragt (auf Basis der AFFIRM-Studie),
    darüber hinaus beginnen schon im August die Erörterungen über die Nutzenbewertung im G-BA.

    Es sieht also so aus, als ob wir dieses langersehnte Medikament früher bekommen könnten als befürchtet.

    Damit darf die Debatte um dieses neue Medikament ruhig wieder etwas lebhafter werden!
    Ich selbst bin über jeden Zuruf erfreut, da ich in Ermangelung eines Ersatzmannes dann wohl wieder nach B gondeln werde
    und deshalb ab sofort mich in jede Einzelheit weiter reinknieen muss.

    Grüsse,
    Rudolf

  2. #2
    Registriert seit
    30.04.2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.511
    Zitat Zitat von RuStra Beitrag anzeigen

    Damit darf die Debatte um dieses neue Medikament ruhig wieder etwas lebhafter werden!

    Zunächst mal ist festzuhalten, dass das MDV3100 ein Stoff ist, der aus einer Fülle von möglichen Kandidaten ausgewählt wurde.
    Wen die pharmeuzeutischen Einzelheiten dieses Suchprozesses interessieren: Es gibt ein 59-Seiten-Papier der Forschergruppe des Memorial Sloan-Kettering Cancer Centers in New York, aus 2010, wo diese Pionierarbeit zur Ablösung der Antiandrogene der ersten Generation gemacht wurde.

    Ebenfalls 2010 wurde die Phase-I-II Studie des MDV3100 veröffentlicht, liegt ebenfalls im fulltext vor:
    Antitumour activity of MDV3100 in castration-resistant prostate cancer: a phase 1-2 study

    Schon der erste Satz dieser Veröffentlichung weist auf etwas hin, das ich in der Folge erörtern möchte.

    "MDV3100 is a rationally-designed androgen receptor antagonist that blocks androgen receptor (AR) binding, nuclear translocation, and co-activator recruitment more effectively than the androgen receptor antagonists currently in use."

    "MDV3100 ist ein rational aufgebauter Androgenrezeptor Antagonist, der das Andocken an den AR ebenso blockiert wie das Einwandern in den Zellkern und die Rekrutierung von Ko-Aktivatoren, und das effektiver als diejenigen Androgenrezeptor-Antagonisten, die gegenwärtig eingesetzt werden."

    Hier ist also ein Antiandrogen der zweiten oder der nächsten Generation. Besser als die vorherige. Besser als Bicalutamid, das gleich ein paar Sätze später beim Namen genannt wird.

    Da ich hier im Kontext der "frühen Nutzenbewertung" nach AMNOG diskutiere, sollte sich bei dieser Ausgangslage die Frage eigentlich nicht stellen, wie in einer Studie der Vergeich zu organisieren ist neues gegen altes Medikament. Natürlich würde man denken, eine Gruppe bekommt Bicalutamid, die andere Enzalutamid, vielleicht noch eine dritte gar nichts oder vielleicht auch Flutamid.

    Die 140 Männer, die an dieser Phase I/II Studie teilgenommen haben, waren ziemlich bunt gemischt (s. Table 1), mit oder ohne Chemo, mit oder ohne OP/RT, ein oder mehrere Hormonblockaden. Es ging ja auch in der Hauptsache um Dosis-Findung, safety.

    Die Phase-III-Studie nach dieser erfolgversprechenden Phase-II-Studie, die dann aufgelegt wurde, war aber eine Studie nach Taxotere-Chemo.
    Genausogut oder wahrscheinlich noch besser hätte man auch gleich mit Chemo-naiven Männern anfangen können.
    Aber nun, so ist es gewesen, die AFFIRM-Studie ist nun mal die, die es die nächste Zeit zu bewerten gilt.

    Allerdings ist im AFFIRM-Design das neue Medikament MDV3100 nicht gegen Bicalutamid getestet worden, sondern gegen Plazebo.
    Das Ergebnis ist bekannt, 4,8 Monate Gesamt-Überlebens-Gewinn, immerhin.

    Und nun?
    Der Nutzen dieses neuen Medikaments ist sicherlich vorhanden; man kann argumentieren, dass doch im kastrationsresistenten Stadium, wenn selbst die Chemo schon durch ist, eigentich nichts mehr hilft, es jedenfalls keinen Standard gibt (oder zu Studienbeginn 2009 gab), sodass nichts anderes übrig blieb als gegen Plazebo zu testen. Aber stimmt das?

    Ist wirklich bei der Auswahl der Patienten darauf geachtet worden, dass sie auch alle Variationen zugelassender Antiandrogene bereits "hinter" sich hatten?
    Dass demzufolge die Einrichtung eines Test-Zweiges beispielsweise mit Bicalutamid sich von selbst ausschloss, weil ja die Gefahr bestand, dass das Antiandrogen zum Agonisten würde?

    Im Studienregister-Eintrag für diese Phase-III-Studie kann man die Einschlusskriterien einsehen:

    - Progressive prostate cancer
    - Medical or surgical castration with testosterone less than 50 ng/dl
    - One or two prior chemotherapy regimens. At least one chemotherapy regimen must have contained docetaxel
    - ECOG performance status 0-2
    - Adequate bone marrow, hepatic, and renal function
    - Able to swallow the study drug and comply with study requirements
    - Informed consent

    Da ist nix mit Antiandrogen, nur der Progress ist Bedingung und die Kastrations-Situation.

  3. #3
    Registriert seit
    30.04.2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.511
    Zitat Zitat von RuStra Beitrag anzeigen
    ...
    die Erörterungen über die Nutzenbewertung im G-BA.
    Jörg Schaaber hat im neuesten Pharma-Brief einen Artikel zu den bisherigen Erfahrungen mit dem AMNOG veröffentlicht,
    sehr schön, lest mal, auf S.7!

  4. #4
    Registriert seit
    07.06.2011
    Ort
    CH 90... Appenzellerland
    Beiträge
    4.401
    Ha, Harald hat den Artikel viel einfacher lesbar gemacht,
    daher hab ich meine unsinnige Leseanleitung gelöscht.
    Auf meinem Browser (Firefox) reichte ein Klick auf [Vollbild]
    Geändert von Hvielemi (28.07.2012 um 18:50 Uhr) Grund: Unsinnigen Beitrag gelöscht
    Meine Beiträge schreibe ich als CRPCa-betroffener Laie.

    [1] Mein PSA-Verlauf graphisch auf myprostate.eu
    [2] Meine PK-Historie auf Myprostate.eu
    [3] PSA-Verlaufsanalyse 2003-2013 nach Glättli (Was ist PSA-Alert?)
    [4] PSMA-PET/CT vom 04.07.2012: Paraaortale Lymphmetastase
    [5] PSMA-PET von 08.2016 vor PSMA-RLT, danach 03.2017, sowie 05.2017

  5. #5
    Harald_1933 Gast
    Einfacher geht's, wenn man von den verlinkten 67.6 % oben auf 125 % klickt, wobei schon 100 % für das Lesen sogar ohne Brille reichen sollten.

    "Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, trägt sie auf der falschen Seite"
    (Abreißkalenderspruch 27.7.2012)

  6. #6
    Registriert seit
    13.11.2010
    Ort
    Hessen
    Beiträge
    1.955
    Zitat Zitat von RuStra Beitrag anzeigen
    ...Ist wirklich bei der Auswahl der Patienten darauf geachtet worden, dass sie auch alle Variationen zugelassender Antiandrogene bereits "hinter" sich hatten?
    Dass demzufolge die Einrichtung eines Test-Zweiges beispielsweise mit Bicalutamid sich von selbst ausschloss, weil ja die Gefahr bestand, dass das Antiandrogen zum Agonisten würde?...
    Rudolf,
    ich vermute mal, dass die amerikanische Sicht [1] der Dinge beim Studiendesign primär ausschlaggebend war, und da wird nach Versagen der Erstlinien-ADT noch mit +/-Bicalutamid bzw. Zweitlinien-ADT mit Keto. und/oder Östrogen vorgegangen:



    Diesen Patienten jetzt zwangsweise Bicalutamid zu geben, nur um das Studiendesign zu erfüllen, könnte gefährlich werden, da sie im Laufe ihrer diversen Therapielinien höchstwahrscheinlich schon in Kontakt mit Bicalutamid gekommen sind. Anders sieht das in Deutschland oder Europa aus. Bekannt ist die grundsätzlich ablehnende Haltung Zweitlinien ADTs gegenüber, so das hier durchaus vorstellbar ist, dass auch Patienten nach Chemo noch keinen Kontakt zu Bicalutamid hatten.

    Aufschluss wird vielleicht die TERRAIN Studie [2] bringen, die Enzalutamid vs. Bicalutamid allerdings im Chemo-naïven Setting testet. Ergebnisse dürften auch erst in einigen Jahren verfügbar stehen.

    ---------------------------------------------------------
    [1]: NCCN Guidelines for Prostate-Cancer
    [2]: TERRAIN, a Randomized, Double-Blind, Phase 2 Study Comparing MDV3100 vs Bicalutamide in Men With Metastatic Castrate-Resistant Prostate Cancer

  7. #7
    Registriert seit
    30.04.2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.511
    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Rudolf,
    ich vermute mal, dass die amerikanische Sicht [1] der Dinge beim Studiendesign primär ausschlaggebend war, und da wird nach Versagen der Erstlinien-ADT noch mit +/-Bicalutamid bzw. Zweitlinien-ADT mit Keto. und/oder Östrogen vorgegangen:
    Danke!
    Endlich mal ein hilfreicher Beitrag! Andi, du rettest meine Moral ... werde übermorgen berichten, aber natürlich nur intern ...

  8. #8
    Registriert seit
    08.06.2012
    Ort
    München
    Beiträge
    441
    Als Neuling im Forum habe ich eines begriffen: bei allen diagnostischen und therapeutischen Überlegungen kommt es auf das Alter des Betroffenen an!
    Das bitte ich bei allen Bewertungen zu bedenken. In vielen Fällen finde ich bei den Stellungnahmen im Forum keine Altersangabe. Hinten raus kommen dann Kommentare, wie sie jüngst von selbsternannten Experten erstellt wurden. In Wirklichkeit waren es Angestellte einer Krankenkasse (GEK), die sich undifferenziert über die Screening- und Behandlungsmethoden in unserem Land geäußert haben. Das dient keinem, weder dem Leidenden (Patient) noch dem fragenden Angehörigen und erschwert dem erfahrenen Forumsratgeber seine Arbeit.

    Winfried
    Geändert von W.Rellok (30.07.2012 um 16:38 Uhr) Grund: Tippfehler

  9. #9
    Registriert seit
    30.04.2006
    Ort
    Hamburg
    Beiträge
    1.511
    Zitat Zitat von W.Rellok Beitrag anzeigen
    Als Neuling im Forum habe ich eines begriffen: bei allen diagnostischen und therapeutischen Überlegungen kommt es auf das Alter des Betroffenen an!
    Das bitte ich bei allen Bewertungen zu bedenken. In vielen Fällen finde ich bei den Stellungnahmen im Forum keine Altersangabe. Hinten raus kommen dann Kommentare, wie sie jüngst von selbsternannten Experten erstellt wurden. In Wirklichkeit waren es Angestellte einer Krankenkasse (GEK), die sich undifferenziert über die Screening- und Behandlungsmethoden in unserem Land geäußert haben. Das dient keinem, weder dem Leidenden (Patient) noch dem fragenden Angehörigen und erschwert dem erfahrenen Forumsratgeber seine Arbeit.

    Winfried
    Wo das Durchschnittsalter und die Altersverteilung der hier zu beurteilenden AFFIRM-Studie lag, weiss ich (noch) nicht,
    in der Phase-I-II-Studie mit MDV3100, an der 140 Männer teilgenommen hatten, war das Durchschnittsalter 68.
    Aber noch wichtiger als das Alter ist in der Tat das, was LowRoad heute sagte, nämlich sind die Männer vorher mit Bicalutamid in Berührung gekommen oder nicht? Und wenn ja, wie lange?

  10. #10
    JürgenS Gast
    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Diesen Patienten jetzt zwangsweise Bicalutamid zu geben, nur um das Studiendesign zu erfüllen, könnte gefährlich werden, da sie im Laufe ihrer diversen Therapielinien höchstwahrscheinlich schon in Kontakt mit Bicalutamid gekommen sind. Anders sieht das in Deutschland oder Europa aus. Bekannt ist die grundsätzlich ablehnende Haltung Zweitlinien ADTs gegenüber, so das hier durchaus vorstellbar ist, dass auch Patienten nach Chemo noch keinen Kontakt zu Bicalutamid hatten.
    Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass Patienten in Deutschland nach Chemo keinen Kontakt zu Bicalutamid hatten, und wenn, dann nur eine Minderheit. Keto und Östrogen sind da ein anderes Paar Schuhe.

    JürgenS

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •