Seite 1 von 4 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 35

Thema: adjuvante Bestrahlung bei pT3a und R1

  1. #1
    Registriert seit
    19.01.2020
    Beiträge
    2

    adjuvante Bestrahlung bei pT3a und R1

    Hallo liebe Forumsteilnehmer,

    ich bin seit Juli 2019 Prostatakrebspatient (70 Jahre alt) und stehe nach meiner DaVinci OP vor der Entscheidung eine adjuvante Strahlentherapie aufgrund von positiven Schnitträndern (R1) durchzuführen. Da ich mir aber nicht sicher bin, ob ich jetzt schon bestrahlen soll, wollte ich hier im Forum um Rat fragen.

    Hier zu meiner Ausgangslage:

    02.07.2019 (Biopsie Befund)
    pT1cN0M0, Gleason (3+4=7a), Tumorvolumen: re 35%, li. 10% iPSA 7,14

    27.09.2019: DaVinci OP am Diakonie-Klinikum in Stuttgart
    Diagnose nach OP:
    pT3a pN0 (0/14) R1 L0 V0 Pn1
    Gleason 3 (60%) + 4 (40%) = 7a, WHO (ISUP)-Gruppe: 2

    Radikales Vesikuloprostatektomiepräparat mit Infiltration beider Prostatalappen durch ein azinäres Adenokarzinom der Prostata und extraprostatischer Tumorausbreitung unifokal links ventral in das angehängte Fettbindegewebe (minimalinvasiv). Infiltrationsgrad rechtsseitig: ca. 53%, Tumorknoten bis 25mm. Infiltrationsgrad linksseitig: ca. 33%, Tumorknoten bis 22mm. Multiple Perineuralscheideninfiltrationen. Keine Hämangiosis oder Lymphangiosis carcinomatosa. Zusätzlich high grade PINs. Tumorfreie Ductus deferentes und Samenblase bds. Non in sano-Resektion mit multifokaler Randbildung apikal-ventral beiseits und L2 vetral links von insgesamt 5mm (3+4).

    Im Entlassungsbrief wurde mir empfohlen eine adjuvante Bestrahlung der Prostataloge durchzuführen.

    Meine Inkontinenz habe ich mittlerweile im Griff und bin seit ca. 1 Woche vollständig trocken.

    Nach der ersten PSA-Messung nach OP (Wert: <0,03) Mitte Dezember 2019 hat mir mein Urologe empfohlen die PSA-Entwicklung abzuwarten und nicht sofort zu bestrahlen.

    Da ich jetzt zwei unterschiedliche Empfehlungen hatte, habe ich mit meinem Chirurgen telefoniert, um mich nochmal beraten zu lassen. Entgegen seiner Empfehlung für eine adjuvante Therapie im Entlassungsbrief unterstützt er jetzt die Vorgehensweise meines Urologen und bezieht sich dabei auf die neueste Studie aus September 2019. Die britische Untersuchung ergab, dass eine adjuvante Bestrahlung keinen Vorteil gegenüber einer späteren Bestrahlung nach einem Rezidiv bringen würde. Demnach meinte er, dass ich mit ruhigem Gewissen erstmal meine PSA Entwicklung abwarten kann.

    Ich bin mir ehrlich gesagt immer noch unsicher, ob das Warten wirklich die richtige Vorgehensweise ist.

    So viel ich weiß wird in den Leitlinien grundsätzlich eine adjuvante Bestrahlung bei positiven Schnitträndern in Kombination mit T3a empfohlen.

    Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und was würdet Ihr mir empfehlen.

    Schon Mal im Vorfeld herzlichen Dank für Ihre Beiträge!

    Gruß
    Alex

  2. #2
    Registriert seit
    06.03.2017
    Beiträge
    1.280
    Das wurde gerade hier diskutiert: https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...und-PSAanstieg

  3. #3
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.387
    Alex,

    "Die britische Untersuchung ergab, dass eine adjuvante Bestrahlung keinen Vorteil gegenüber einer späteren Bestrahlung nach einem Rezidiv bringen würde." Das ist richtig! Eine adjuvante Bestrahlung hat deutlich mehr Nebenwirkungen als eine spätere Bestrahlung. Man soll die Prostata erstmal etwa 1 Jahr ausheilen lassen. Die adjuvante Bestrahlung ist einfach gesagt "veraltete Technik".

    Georg

  4. #4
    Registriert seit
    21.01.2013
    Ort
    Köln
    Beiträge
    498
    Zitat Zitat von MartinWK Beitrag anzeigen
    Ich denke, dass hier andere Grundvoraussetzungen vorliegen und die Erkrankungen nicht ganz vergleichbar sind, wenn ich das richtig gelesen habe. Ein R1-Befund bedeutet nicht zwingend, dass man es über kurz oder lang mit einem Rezidiv zu tun bekommt. Gleason 3+4 ist eher im mittleren Risikobereich, T3a ist schon ziemlich weit gewachsen. Mein Urologe nennt sowas zwischen „Baum und Borke“. Vielleicht wäre weitere Messungen abzuwarten und wenn sich ein Anstieg manifestiert, könnte man durchaus vor PSA 0,2 ng/ml an die Bestrahlung herangehen. Das soll kein Ratschlag sein, aber vielleicht eine schlüssige Vorgehensweise?

    Viele Grüße

    Achim

  5. #5
    Registriert seit
    06.03.2017
    Beiträge
    1.280
    Mein Argument im anderen Thread war, dass eine flächige ungezielte Bestrahlung mit 64 oder 67 Gy die Krebszellen nicht vollständig vernichtet, zumal im Randbereich geringere Dosen zum Tragen kommen. Im ungünstigen Fall gehen diese "schlafen" und werden strahlen- und eventuell auch chemoresistent. Gleason 3-Zellen sind weniger das Problem: die benötigen keine frühzeitige Salvage (Übertherapie). Die dedifferenzierten Anteile müssen früher weg. Ein 4+4 unterscheidet sich nicht sehr von einem 3+4 mit 40% Gleason 4-Anteil.

  6. #6
    Registriert seit
    25.10.2015
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    1.575
    Das wie du schreibst sind meine Krebszellen (R1) dann nur schlafen gegangen? 2 Jahre nach Bestrahlung ist mein PSA wieder gestiegen.

  7. #7
    Registriert seit
    06.03.2017
    Beiträge
    1.280
    Eine Zelle durchläuft einen feststehenden Zyklus bei der Zellteilung. Gesunde Zellen teilen sich selten, Krebszellen häufig. Wenn die Strahlung im richtigen Schritt des Zyklus verabreicht wird führt sie zu maximalem Schaden. Eine Krebszelle (besonders eine Krebs-Stammzelle), die stehenbleibt bei einem Zyklusschritt, der nicht mit Teilung zu tun hat, ist ziemlich unempfindlich gegen DNA-Schäden. Da es Milliarden von Zellen sind und die Strahlung "zufällig" auf die Zellen trifft bzw. auf die DNA, muss die Dosis extrem hoch sein, um alles zu treffen (Vorteil des Maschinengewehrs gegenüber dem einzelnen Schützen - "Vorteil" nur für die Person am Abzug!). Eine so hohe Dosis würde die gesunden Zellen im Randbereich ebenso schädigen. Adé Harnröhre und Rektum!
    Zellen können jahrelang "in Arrest" verbleiben (so der Fachbegriff) und aktivieren sich dann wieder.

    Ich weiß, ich habe grob vereinfacht...

  8. #8
    Registriert seit
    25.10.2015
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    1.575
    Ich denke nicht so wissenschaftlich. Für mich waren die 2 Jahre nach der Bestrahlung in der der PSA zurückgedrängt wurde eine geschenkte Lebenszeit. Ich bin auch damit zufrieden und lasse mir nicht viel einreden.

  9. #9
    Registriert seit
    06.09.2015
    Ort
    NRW
    Beiträge
    3.387
    Ich gehe davon aus, dass bei einer Salvage-Bestrahlung und R1 erstmal nur die Prostataloge bestrahlt wird. Da kann man schon höhere Dosen einsetzen.

  10. #10
    Registriert seit
    25.10.2015
    Ort
    Regensburg
    Beiträge
    1.575
    Hab gerade nachgeschaut bei mir steht 54/70 Gy. Im Ganzen 35x die 70 waren die letzte Woche.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •