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Thema: Wie es uns geht! Wie geht es uns?

  1. #11
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    Hallo ihr Lieben,
    anbei mal wieder ein aktueller Status von uns. Meinem Papa geht es leider schlechter und ich bereite mich drauf vor (soweit man das überhaupt kann), dass er sehr bald sterben wird. Vor 3 Wochen sollte er einen Bauchkatheter bekommen, dies scheiterte allerdings daran, dass er a) einen Infekt und b) nur ein Blasenvolumen von 60 ml (300 bräuchte er) hat. Mit Beginn des Blasentrainings wurde er krank: Brechreiz, Übelkeit, Blutdruck 65/40,...
    Kurz vorher wurden CT und Knochenszinti gemacht. Die Resultate sind gravierend,alle Knochemetastasen sind gewachsen und auch zusätzliche entstanden. Die Wirbelsäule sieht katastrophal aus. zusätzlich zu der Lymphknotenmetastase sind nun auch welche in der Milz, und im Bauchraum befindet sich Flüssigkeit welche von der Leber ausgeht. Papa mag kaum noch essen, trinkt sehr wenig und wenn er mal 5 Minuten sitzt, wird er kalkweiß bzw. bekommt eine ungesunde Hautfarbe, da er seit 3 Tagen auch immer gelber wird. Der Urologe sagte heute zu mir "jetzt haben sie es in der Hand, er sollte noch zum Onkologen". Der Onkologe hatte ja beim letzten Mal eine chemotherapeutische Behandlung auf Grund von Papas Konstitution und seiner Herzerkrankung für nicht machbar erachtet. Da mein Papa ja kaum noch Kraft hat im Rollstuhl zu sitzen, weiß ich nun nicht, ob der Onkologe uns noch etwas zur Erleichterung anbieten kann oder ob es unnötige Kraftverschwendung ist Papa dort hinzubringen. Würde es wohl Sinn machen, wenn ich erst alleine dort hinfahre, um die Optionen zu besprechen? Dann müsste mein Papa nicht unnötig gequält werden. Ich muss dazu sagen, dass er kaum noch 40 Kilo und Dekubitus am Po hat und trotz eines Dekubituskissens es kaum 10 Minuten sitzend aushält. Dabei ist er soooo tapfer und mein Held! Ich weiß aktuell nicht, was ich für ihn tun kann und was die richtigen Schritte wären. Zum Glück wohne ich nun so nah, dass ich in 3 Minuten bei ihm sein kann und versuche so oft wie möglich am Tag nach ihm zu schauen. Ich verschließe nicht die Augen davor,was nun bald geschehen wird, aber dennoch soll er ja alle Hilfe und Erleichterung bekommen die es noch für ihn gibt. Palliativ ist er zur Zeit in "Pause", da er sich zwischenzeitlich ja wirklich gut erholt hatte. Morgen werde ich das Pflegeheim bitten, den Palliativarzt wieder hinzuzuziehen.
    Ich bete so sehr darum, dass er einfach einschlafen darf und keine schlimmen Schmerzen bekommt.Medizinisch ist er immer noch ein Wunder (Arztaussage), da es eigentlich nicht sein kann, dass er bei den ganzen Knochenmetastasen keine Knochenschmerzen hat. Ich hoffe so sehr, dass es so bleibt!
    Ich hoffe, ich finde die Kraft und den richtigen Weg ihn bestmöglich zu begleiten. Aktuell geht es, zumindest so lange bis ich meine Wohnungstür beim Nachhausekommen geschlossen habe. Fühlt sich allerdings nach "Funktion statt Emotion" an.
    Bitte entschuldigt meinen langen Beitrag, aber es tat mir gut, dass alles mal loszuwerden

    Euch allen nur das Beste
    Gute Nacht
    Jule

  2. #12
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    Palliativmedizin

    Hallo Jule,

    "jetzt haben sie es in der Hand, er sollte noch zum Onkologen". Der Onkologe hatte ja beim letzten Mal eine chemotherapeutische Behandlung auf Grund von Papas Konstitution ....
    Bitte nicht quälen. Nimm Kontakt auf mit dem Hausarzt, der muss palliativmedizinisch handeln.

    Schade und traurig. Der Urologe war überfordert.

    Unsere Experten im Forum werden Dir weiterhelfen.

    Winfried

  3. #13
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    Hallo Winfried,
    Hallo liebe Mitleser,

    vielen Dank für deine Antwort!
    Aktuell schaut es so aus, dass wir nichts mehr machen. Meinem Papa geht es sehr schlecht. Heute hat er das erste mal seit Jahren - auf meine Frage wie es im ginge - geantwortet "nicht so gut".
    Er ist kaum noch zu verstehen, so als ob seine Zunge steif wäre oder er starke Halsschmerzen habe (hat er aber nicht). Zudem atmet er sehr schnell und schwer. Als ich ihn fragte, ob er schwer Luft bekäme, meinte er aber "nein".
    Essen tut er seit vielen Tagen nicht mehr und nimmt nur ab und an ein paar Schlucke Limo zu sich. Ich wäre heute gerne bei ihm geblieben, aber er bat mich ihn schlafen zu lassen, er sei so müde. Von den Pflegern weiß ich, dass er wohl viel von mir redet und sie sagten mir, dass er ohne mich schon lange nicht mehr da wäre.
    Ich gehe davon aus, dass er sterben wird, wenn ich nicht da bin. Ich habe ihm heute noch gesagt, dass ich den tollsten Papa der Welt habe und dass mein Freund auf mich genauso gut aufpasst wie mein Papa auf mich und ich auf meinem Papa. Da hat er sich sehr gefreut und das erste Mal seit Tagen haben seine Augen wieder ein wenig "Licht" gehabt. Habe ihm auch noch erzählt wie gut meine Aufträge laufen und ihm ein paar schöne Dankesmails von meinen Kunden vorgelesen. Ich hoffe, er weiß damit, dass er sich um mich keine Sorgen machen muss. Ich weiß (von den Pflegern), dass er mich nicht alleine zurücklassen möchte.
    Meine allergrößte Angst ist, dass er Angst bekommt wenn er dort alleine in seinem Bett liegt und er stirbt. Ich habe die Pfleger gebeten, ganz oft nach ihm zu schauen und mich zu informieren, wenn sie meinen dass es soweit ist, aber ich weiß ja wie dort die Personalsituation ist. Natürlich könnte ich bei ihm bleiben, aber er schickt mich ja immer dann weg wenn er schlafen möchte. Ich denke auch, dass er sich immer arg zusammenreißt wenn ich da bin, und dies sehr anstrengend ist. Ganz realisiert, dass er wohl nicht mehr so viel Zeit hat, hat er glaube ich nicht.
    "Bald wird es besser", "ich weiß nicht, was mit mir gerade los ist" ... hat er heute gesagt.
    Ich habe geantwortet, dass er im Moment nicht so viele Energiereserven hat und deswegen so müde und kraftlos sei. Ich bin so hilflos! Soll ich ihm Hoffnung machen? Ihm ins Gesicht zu sagen, dass er bald sterben wird, kann ich einfach nicht.
    Mein größter Wunsch ist, dass er keine Angst hat!

    Sorry für diesen wirren "Bericht", aber mein Kopf sortiert sich gerade nicht wirklich. Ich traue mich kaum schlafen zu gehen, da ich Angst vor "DEM" Anruf habe. Selten im Leben habe ich mich so hilflos gefühlt!
    Vielen Dank dafür, dass ich mir das hier von der Seele schreiben darf

    Ich wünsche allen hier kleine und große Wunder und alles Liebe
    Jule

  4. #14
    Harald_1933 Gast
    Liebe Jule,

    Deine bewegenden Worte habe ich mit großer Anteilnahme gelesen. Wenn es Dir doch hilft, Deine Sorgen und Empfindungen vor uns darzulegen, solltest Du nicht zögern, das immer dann zu tun, wenn Du das Verlangen dazu verspürst.

    Besser wäre es natürlich, mit einem Dir sehr nahe stehenden Menschen die auf Dich im Zusammenhang mit Deinem Vater einwirkenden Kümmernisse auszutauschen.

    Hab Dank für die den Forumsbenutzern erwünschten kleinen und vielleicht großen Wunder. Wohl jeder wird sie gern erfüllt sehen.

    Ich wünsche Dir weiterhin Kraft, um die nächsten Tage oder auch Wochen durchstehen zu können.

    "Sterben ist das Auslöschen der Lampe im Morgenlicht, nicht das Auslöschen der Sonne"
    (Rabindranath Tagore)

    Herzliche Grüße Harald

  5. #15
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    Liebe Jule,

    Dein Bericht hat mich berührt und er zeigt, dass Du alles richtig gemacht hast. Dein Papa hat in seinem Leiden das menschliche Grundvertrauen Dir gegenüber zum Ausdruck gebracht. Er ist dankbar, dass Du da bist.

    Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft!

    Winfried

  6. #16
    tomblr Gast

    Hast du Angst vor dem Tod?

    Liebe Jule,

    wenn Leben endet, in den Tagen und Stunden des Abschiedes fallen mir immer die Zeilen aus "Der kleine Prinz" ein.

    "Hast Du Angst vor dem Tod?" fragte der kleine Prinz die Rose. Darauf antwortete sie:
    "Aber nein. Ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt soviel ich konnte.

    Und Liebe, tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben. So will ich warten auf das neue Leben
    und ohne Angst und Verzagen verblühen."
    Antoine de Saint-Exupéry


    Tom

  7. #17
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    Book of golden stories

    Auch wenn das Buch des Lebens geschlossen wird, bleibt der Inhalt doch bestehen!



    Buch der goldenen Geschichten
    Tage der unbestimmten Wege
    Jetzt fallen die Herbstblätter wieder
    und wir treffen uns am Ende
    Erinnerungen, ohne Reue
    jetzt ruft uns der Kapellmeister

    Chorus:
    Aber solange ich den Morgen sehen kann
    Wunder, viel mehr als das ich davon berichten könnte
    ist es ausreichend, um mich noch glauben zu lassen
    an die Herzen, so weit weg entschwunden...

    Du führtest mich durch die Seiten
    geteilt ist wirkliches Glück
    Verloren im Netz der Veränderungen
    Dies könnte der letzte Tanz werden,
    ein Walzer im Regen
    Bis der Kapellmeister uns retten kommt

    Chorus:
    Ja, solange ich den Morgen sehen kann
    Und im Frühling die blühenden Knospen wiederkommen
    ist es ausreichend, um mich noch glauben zu lassen
    das Erinnerungen alles sind

    Buch der goldenen Geschichten
    Buch der goldenen Geschichten
    Tage der alten Lieder
    Jetzt fallen die Herbstblätter wieder
    Buch der goldenen Geschichten
    ...


    RUNRIG: "Book of golden stories" (day of days)

  8. #18
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    Zitat Zitat von Jule38 Beitrag anzeigen
    "Bald wird es besser", "ich weiß nicht, was mit mir gerade los ist" ... hat er heute gesagt.
    Ich habe geantwortet, dass er im Moment nicht so viele Energiereserven hat und deswegen so müde und kraftlos sei. Ich bin so hilflos! Soll ich ihm Hoffnung machen? Ihm ins Gesicht zu sagen, dass er bald sterben wird, kann ich einfach nicht.
    Mein größter Wunsch ist, dass er keine Angst hat!
    Hallo Jule,

    du brauchst ihm nicht ins Gesicht sagen, dass er bald sterben wird. Das spürt er selbst, wenn es soweit ist. Sei beim ihm so oft du kannst, dass nimmt ihm die Angst. Irgendwann wirst du sehr froh darüber sein, ihn begleitet zu haben.

    Jack



    "Bald wird es besser" und "das wird schon wieder" sagte mein Vater auch immer, solange er noch sprechen konnte.
    "Das wird nichts mehr" brachte er nur ein paar Wochen später leise flüsternd über seine Lippen.
    Am Ende war es nur noch das Halten seiner Hand, bis zum letzten Abend. Der Krebs hatte ihm jegliche Kraft entzogen.
    Er ist friedlich und schmerzfrei eingeschlafen, ohne erkennbare Angst.
    Der Tod ist nicht schlimm, dass Sterben ist es.
    (Es war für mich auch eine völlig neue Erfahrung, erst recht, weil ich mich in der gleichen Zeit mit der eigenen Diagnose auseinandersetzen musste.)

  9. #19
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    Hallo ihr Lieben,

    Vielen Dank für eure tröstenden und kraftspendenden Worte. Es ist schön zu wissen, dass dort draußen jemand mitfühlt.
    Mein Papa ist nicht mehr wirklich da, sein Gehirn ist wohl nun auch betroffen ist (war immer meine größte Angst neben den Schmerzen). Aber er bekommt Medikamente die ihm ein wenig helfen (auch wenn da gerade etwas schwer schief gelaufen ist) Ich habe nun alle meine Aufträge abgesagt und werde nur für ihn da sein, alles andere zählt gerade nicht.
    Ich vermute mein Papa versucht noch bis Samstag durchzuhalten (sein Geburtstag) und um seine Schwester noch einmal zu sehen.
    Jack: es tut mir leid, dass auch dein Papa gehen musste, aber es hat ihm sicherlich geholfen, dass du bei ihm warst und sicherlich hatte er deswegen auch keine Angst! Das wünsche ich mir auch für meinen Papa.

    LowRoad: die Seiten von Papas Leben kann nie jemand löschen, denn sie sind in mein Herz eingebrannt

    Tom: ich denke mein Papa hat keine Angst vor dem Tod, er ist sehr gläubig und das gibt ihm bestimmt Sicherheit, dass er dann wieder mit meiner Mama vereint ist und ein neues "Leben" beginnen wird

    Winfried und Harald: vielen Dank, ein wenig mehr Kraft und die lieben Worte kann ich gut gebrauchen

    Harald: ich rede auch mit meinem Freund und unseren Angehörigen, aber manchmal ist es schwer immer wieder zu hören "sei dankbar, dass er so lange keine Schmerzen hatte und viel länger geschafft hat, als ihm prognostiziert wurde"
    Sie meinen es lieb und sind selber hilflos, aber er ist mein Papa und wird mich verlassen, das würde auch in hundert Jahren weh tun! Und dankbar dafür bin ich jeden Tag gewesen


    Mir haben eure Worte sehr gut getan und ich habe Kraft für die nächsten Tage geschöpft - dafür vielen Dank!

    Eine gute Nacht wünscht Jule

  10. #20
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    ich denke mein Papa hat keine Angst vor dem Tod, er ist sehr gläubig und das gibt ihm bestimmt Sicherheit, dass er dann wieder mit meiner Mama vereint ist und ein neues "Leben" beginnen wird
    Ein schöner Gedanke!

    Es gibt im Hintergrund noch mehr Menschen, die an Dich und deinem Vater denken.
    Lieben Gruss Hartmut

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