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Thema: G-BA : DGHO Forderung nach mehr Beteiligung zurückgewiesen

  1. #11
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    Hallo Rastaman,

    danke für Deinen Hinweis auf die Schweiz.
    Zu Häufigkeit und regionalen Unterschieden von Mandel-OPs gab es auch in Deutschland eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung.

    http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-962D329D-0B5B1A8F/bst/hs.xsl/nachrichten_116261.htm

    Im HNO-Bereich findet wohl derzeit ein Umdenken statt. Bisher wurde viel zu häufig und zu schnell operiert incl. des hohen Risikos von Blutungen mit letalem Ausgang.

    Aber dieses Kapitel war nicht meine Intention, auf die dummdreiste Schuldzuweisung des G-BA-Vorsitzenden hinzuweisen. Es ist ja bekannt, in welchen Bereichen erhöhte OP-Zahlen zu verzeichnen sind: Wirbelsäulen-OP, Hüft-und Kniegelenkersatz. Mit entsprechender Hintergrundarbeit der Industrie.
    Und dann wäre noch die Auslastung der OPs und die Amortisation teurer OP-Roboter. Da-Vinci lässt grüßen. Und natürlich Boni-Systeme und entsprechender Druck der Verwaltungen.

    Es gibt grundsätzliche Unterschiede zwischen Gesundheitwesen und anderen Wirtschaftszweigen. Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass der Kunde - sprich Patient - die ganze Veranstaltung bezahlt, aber bei den Behandlungen praktisch kein Mitspracherecht hat, soll heißen, die Verteilung der Finanzen nehmen andere vor, die allerdings von Medizin i.d.R. keinen blassen Schimmer haben.
    Die würden die Finanzverteilung auch ohne Patienten managen, aber immerhin benötigt man den Patienten als Mittel zum Zweck. So wie die Gesundheitskasse ja auch lieber Gesunde statt Kranke hätte.

    Und ich sage es hier noch einmal: Für die unverschämte Schuldzuweisung, die Patienten seien für die erhöhten OP-Zahlen verantwortlich, sollte dieser Herr Hecken seinen Hut nehmen. Solche Nullnummern gibt es viel zuviele im Gesundheitswesen.

    Gruß
    hans.z

  2. #12
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    Hallo Diskutanten,

    @Rastaman

    In anderem Zusammenhang würde man von Angebots-getriebener Ökonomie sprechen, und wahrscheinlich ist es genau das und hat mit Gesundheitsversorgung nur am Rande zu tun.
    Durch die vermehrten Regularien politischer Kräfte, durch höhere Qualitätssicherung in den KH vergleichbare Behandlungen - Fallpauschalen - eine höhere Transparenz zu erhalten kann man sagen, dass diese gründlich fehlgeschlagen sind. Dieses führte zur Spezialisierung mit der Folge - Weiterleitung von Patienten - an KH der höheren Versorgungsstufen.
    Die KH wurden ganz bewußt in marktwirtschaftliche Situationen geführt mit der Folge von Kostenbewußtsein und Gewinndenken.
    Es entstand eine Angebotssituation von spezialisierten Leistungen die am Markt angeboten werden.
    Entsprechende C3/C4 Stellen wurden geschaffen um diese Leistungen anzubieten und die Qualität zu sichern.

    Nun erkennt man mit erschrecken, dass auch ein Bedarf erforderlich ist um die Leistungsausweitung und Auslastung zu optimieren und einen Deckungsbeitrag sicherzustellen.
    Ist der Bedarf nicht gegeben werden die entsprechenden Marketinginstrumente eingesetzt um am Patientengut das entsprechende Bedürfnis zu wecken.

    Der regionalen Über/Unterversorgung am Patientengut wird dieses überhaupt nicht mehr gerecht.

    Mittlerweile tritt Ernüchterung ein, welches die grundsätzlich Frage offenläßt, inwieweit diese Marktkräfte am Patienten noch vertretbar sind und der bereits schon eingetretene Verdrängungswettbewerb der KH - mit den hier schon dargelegten Fehlentwicklungen - rückgeführt werden muß.

    Denn eins ist sicher, die einzigen Verlierer sind die Patienten selber.

    mfg
    Hans-J.

  3. #13
    Reinardo Gast
    Ja, Hans. Die einzigen Verlierer sind die Patienten selber, weil sie keine Marktmacht haben. Und die haben sie nicht, weil sie es nicht verstehen, sich zu organisieren. Das hakelt schon daran, dass das Gros der Patienten der Ärzteschaft blind vertraut, wie einst die Sparer ihren Bankberatern. Diese Ära ist nun Gott sei Dank vorbei. Es ist aber doch lächerlich zu glauben, dass das Gesundheitswesen eine Insel der Redlichkeit ist, wo alle Beteiligten nur um das Wohl der Kranken besorgt sind, was sie natürlich vorgeben..
    Ginge es nach uns Patienten, hätten wir keine Fallpauschalen in den Krankenhäusern, die Urologen würden ordentlich für unsere Krankheit ausgebildet, nicht pauschal sondern nach Zeitaufwand und erbrachten Leistungen bezahlt.
    Und der Deutschen Gesellschaft für Urologie würde der Krieg erklärt für die Verschleppung von Reformen. Wie Du wohl mitbekommen hast, ist Aktives Überwachen insignifikanter Prostatakrebse jetzt als Therapiemöglichkeit anerkannt. Julius Hackethal hatte seine Beobachtungen über Raubtier- und Haustierkrebse bereits 1978 in "Keine Angst vor Krebs" für jeden Mediziner nachprüfbar niedergeschrieben. Das sind 35 Jahre Verschleppung. Diese Fachgesellschaft vertritt weder unsere noch die Interessen niedergelassener Urologen. Sie bedient sich zwar eines hochwissenschaftlichen Vokabulars und Argumentationsmusters, vertritt aber in Wirklichkeit nur die Interessen einer elitären Gruppe von Chefärzten in Großkliniken, die sich das Definitionsrecht über "richtig" und "falsch" angemaßt haben und darüber entscheiden, wer das große Geld bekommt, z.B. aus den Spendentöpfen. Natürlich sie selber.
    Diese Zusammenhänge mache man aber mal manchen Leuten hier im Forum klar.

    Gruß, Reinardo

  4. #14
    tom aus lu Gast
    Reinardo, du hast leider den Nagel auf den Kopf getroffen. Als ehemaliger Beteiligter an diesem System kann ich dir nur beipflichten.

    Es ist auch richtig, dass Patienten, gerade die "middle aged" Gruppe, heute aufgeklärter und informierter in den Arztpraxen und Kliniken erscheinen. Ganz zum Leidwesen einer Ärzteschaft die noch uneingeschränkte Loyalität abfordert. Es findet aber gerade bei den zukünftigen Ärzten ein Umdenken statt. Patienten werden zu Kunden, deren Wünsche respektiert werden müssen.

    Ein ganz anderes Problem der aufgeklärten "Kunden" ist leider tatsächlich die Häufigkeit von "gefährlichem Halbwissen", Fehlinterpretationen und - urteilen. Gerade diese Klientel erhebt eine hohe Anspruchshaltung und fordert für sich oftmals übertriebene bzw. völlig überzogene Therapieoptionen.

    Aus diesem Anspruchsdenken heraus ist dann leider auch richtig, dass Patienten Operationen regelrecht fordern! Insofern tragen tatsächlich Schuld an der Misere der Operationswut beide Seiten.

    Bezogen auf AS, bin ich der Meinung, wird in 2 bis 3 Jahren ein komplettes Umdenken statt gefunden haben. Die Aufklärung in dieser Richtung wird derzeit massiv betrieben und der demographische Wandel fordert es. Daran haben schon die Kostenträger, ob privat oder gesetzlich, ein berechtigtes Interesse. Dazu kommen Ärztegenerationen die sich von vorneherein mit dem Thema beschäftigt haben.

    Tom

  5. #15
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    Hallo Diskutanten,

    die Anrede ist im wahrsten Sinne hier zutreffend.
    Eine Diskussion welche die Thematik in den Mittelpunkt rückt, die Hintergründe ausreichend berücksichtigt, formuliert, die Vor und Nachteile aufzeigt, die Soll/Ist Abweichungen klar benennt und zu einem Ganzen zusammenfügt.

    Und das Alles ohne Mitdiskutanten persönlich anzugehen.
    Fehlt nur noch der Bezug zu Rudolfs
    Vielleicht entwickelt sich doch noch eine Diskussionskultur, wie sie hier schon praktiziert wurde.

    Grüsse
    Hans-J.

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