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Thema: Neues aus DNA, Genom und Forschungspools beim Prostatakarzinom

  1. #141
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    Wie Resistenz gegen Taxane entsteht

    29. Juli 2019




    Taxane blockieren die Zellteilung und treiben die Tumorzellen dadurch in den Zelltod. Jedoch kommt es im Behandlungsverlauf häufig zu Resistenzentwicklung. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums fanden nun heraus, dass in den Krebszellen ein für den Zelltod verantwortliches Protein abgebaut und entsorgt wird. Steht diese Tumorbremse nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung, so können die Tumorzellen überleben – und sind resistent gegen die Wirkung der Taxane.

    Bevor sich Zellen teilen, müssen sie zunächst dafür sorgen, dass ihr Erbgut korrekt auf beide Tochterzellen verteilt wird. Dazu bauen sie ein Bündel spezieller Proteinfasern auf, das wegen seiner charakteristischen Form als Teilungsspindel bezeichnet wird. Die Fasern der Spindel ziehen die einzelnen Chromosomen geordnet an die entgegengesetzten Pole der Zelle und werden danach normalerweise wieder abgebaut.

    Viele klassische Krebsmedikamente setzen an den Spindelfasern an: Die ursprünglich aus der Eibe gewonnenen Taxane beispielsweise verhindern den Abbau der Fasern und stabilisieren damit die Teilungsspindel. Daraufhin bleiben die Krebszellen quasi in der Mitose stecken. Normalerweise löst dies den Zelltod aus.
    „Doch nach längerer Gabe dieser Medikamente kann es passieren, dass Krebszellen dem Mitose-Stopp entkommen, in den Zellzyklus zurückkehren und sich weiterhin teilen – und somit eine Resistenz gegen die Chemotherapie mit Taxanen entwickelt haben“, erklärt Prof. Ingrid Hoffmann vom DKFZ.

    Die Wissenschaftlerin und ihr Team untersuchten daher in ihrer aktuellen Arbeit an Krebszelllinien das Protein FBXW7, das während des Mitose-Stopps den Zelltod einleitet. FBXW7 zählt daher auch zu den Tumor-Bremsen (Tumor-Suppressorgenen). Die Forscher stellten fest: Je länger der Mitose-Stopp andauert, desto stärker sinkt die FBXW7-Konzentration in den Krebszellen.
    Bei genauerer Prüfung fanden die Forscher heraus, dass sich während des Mitose-Stopps der Proteinkomplex FBXO45-MYCBP2 an FBXW7 anlagert. Dieser Komplex ist Teil des Recyclingsystems der Zelle: Er heftet anderen Proteinen das Signalmolekül Ubiquitin an und gibt sie dadurch zum Abbau frei. Damit sinkt die Menge des verfügbaren FBXW7 und die Krebszellen entkommen dem Zelltod.
    Mit Micro-RNAs konnten die Forscher den FBXO45-MYCBP2-Komplex genetisch blockieren und dadurch den Abbau des Tumorsuppressors aufhalten. Dadurch werden die Tumorzellen vermehrt in den Zelltod getrieben und die Resistenzentstehung wird verhindert.

    „Damit haben wir nun erstmals eine überraschende Verbindung zwischen Proteinabbau und der Entstehung von Resistenzen gegen Taxane und andere Medikamente, die an den Spindelfasern ansetzten, beschrieben“, sagt die Studienleiterin. „Unser Ergebnis kann möglicherweise dazu beitragen, in Zukunft wirksamere medikamentöse Behandlungen zu entwickeln, die diese Form der Resistenzentstehung umgehen.“



    Publikation: Kai T. Richter, Yvonne T. Kschonsak, Barbara Vodicska and Ingrid Hoffmann: FBXO45-MYCBP2 regulates mitotic cell fate by targeting FBXW7 for degradation
    Cell Death and Differentiation 2019, dx.doi.org/10.1038/s41418-019-0385-7



    Quelle
    Deutsches Krebsforschungszentrum, 23.07.2019

    Hans-J.

  2. #142
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    Gegen extrem resistente Bakterien sind fast alle bekannten Antibiotika wirkungslos. Die Anzahl an Todesfällen, die sich auf eine Infektion mit solchen Erregern zurückführen lassen, hat sich zwischen 2007 und 2015 in Europa mehr als versechsfacht. Wie sich diese Bakterien verbreiten, beschreibt eine internationale Forschergruppe um Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg in einer Studie, die gerade in „Nature Microbiology“ erschienen ist.



    Demnach leisten Krankenhäuser und die Verlegung von Patienten den entscheidenden Beitrag zur Verbreitung der Erreger. Nur eine geringe Rolle spielen Übertragungen in der Allgemeinbevölkerung, aus der Umwelt, der Landwirtschaft und über Lebensmittel.



    Je näher die Krankenhäuser, desto ähnlicher die Erreger



    Die Verbreitungswege extrem resistenter Bakterien ließen sich anhand detaillierter genetischer Analysen nachvollziehen. Sechs Monate lang wurden in 455 Krankenhäusern in 36 europäischen Ländern Proben gesammelt. Auf Grundlage dieser repräsentativen Erreger-Stichprobe sequenzierten die Forscher die gesamte genetische Information von fast 2000 Bakterien der Spezies Klebsiella pneumoniae.
    Das Bakterium Klebsiella pneumoniae gehört zu den häufigsten Erregern in Krankenhäusern. (Quelle: Centers for Disease Control and Prevention)
    „Die genetischen Unterschiede zwischen extrem resistenten Isolaten nahmen zu, je größer die Entfernung zwischen den Krankenhäusern war“, sagt Prof. Hajo Grundmann, Leiter des Institutes für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg und Letztautor der Studie. Hingegen stammte die Mehrzahl der genetisch ähnlichsten Isolate von Patienten, die innerhalb des Beobachtungszeitraums im selben Krankenhaus behandelt wurden.

    „Unsere Beobachtungen sprechen dafür, dass sich extrem resistente Bakterien vor allem innerhalb einzelner Krankenhäuser sowie bei der Verlegung von Patienten zwischen geografisch naheliegenden Krankenhäusern verbreiten“, erläutert Grundmann.


    Gute Krankenhaushygiene kann die Verbreitung von Erregern kontrollieren



    Über Landesgrenzen hinweg verbreiten sich die Erreger hingegen nur sporadisch. Dennoch hatten einzelne internationale Übertragungen landesweite Ausbrüche zur Folge. „Es ist extrem wichtig, Patienten bei der Aufnahme nach früheren Krankenhausaufenthalten im In- und Ausland zu fragen“, hält Grundmann fest. Mit solchen Befragungen können Risikopatienten erfasst, frühzeitig diagnostiziert und nötigenfalls isoliert werden, um einer Weiterverbreitung von Erregern vorzubeugen. Die Befragung wird als unabdingbarer Teil der klinischen und hygienisch guten Praxis ausdrücklich vom Robert Koch-Institut empfohlen. „Wir sind optimistisch, dass wir mit guter Krankenhaushygiene die Verbreitung dieser Erreger nicht nur verzögern, sondern auch erfolgreich kontrollieren können“, sagt Grundmann.



    Via
    David S et al. Epidemic of carbapenem-resistant Klebsiella pneumoniae in Europe is driven by nosocomial spread. Nature Microbiology, 29.07.2019



    Quelle
    Universitätsklinikum Freiburg, 30.07.2019

  3. #143
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    Wie Resistenz gegen Taxane entsteht

    Ein sehr verständlich geschriebener Artikel.
    Nun müssen die Chemikalien zeitnah nur noch zusammen gemischt -, das Zulassungsverfahren beschleunigt werden, und ab geht’s in den Körper zu den Zellen.
    Soweit ich es verstehe, wurde aber die bereits mutierte Zelle nicht erfasst.
    Dennoch könnte das Medikament vielen einen enormen Zeitgewinn verschaffen.

    Gruss
    hartmut

  4. #144
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    Angstgefühle

    Lieber Hans-Jürgen,

    da hat man Hemmungen, sich überhaupt noch dahin zu wagen, wo sich viele Menschen befinden. Häufiges Händewaschen reicht bald nicht mehr aus, und Desinfektionssprühflaschen hängen auch nicht überall herum. Ein beunruhigendes Gefühl kommt auf. Und wer, wie ich meist nicht mit dem Auto sondern mit Bus und Straßenbahn unterwegs ist, läuft zudem Gefahr von irgend einem, dem mein Gesicht nicht gefällt, angegriffen und verletzt zu werden. Beispiele sind täglich den Berichten aus den Tageszeitungen zu entnehmen. Ich möchte den Faden nicht weiter spinnen, aber die Angst geht um nicht nur in Deutschland.

    Herzliche Grüße

    Harald
    nicht nachlassen

  5. #145
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    Hier der ausführliche Spiegelartikel zu dem wichtigen Problem:

    https://www.spiegel.de/gesundheit/di...a-1279702.html

    Lothar

  6. #146
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  7. #147
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    Antibiotika

    Multiresistente Keime sind ein wachsendes Problem in der klinischen Praxis, wobei besonders die Krankenhäuser ungewollt der Verbreitung Vorschub leisten. Wenn wir nicht wirklich Änderungen in der Hygiene und dem leichtfertigen Einsatz der Reserveantibiotika einleiten, dann werden wir die Prä-Antibiotische Zeit zurückversetzt. Das bedeutet hohe Kindersterblichkeit, unbehandelbare Sepsis nach Bagatellverletzungen, erhöhte Sterberate in Alten- und Pfegeheimen usw. Werden wir dann noch so unbekümmert unsere manchmal riskanten Freizeitaktivitäten ausüben, wenn wir immer mit nicht heilbaren Infektionen rechnen müssen? Tritt die Todesursache Krebs wieder in den Hintergrund, weil weniger Menschen das kritische Alter erreichen?

    Das klingt alles etwas negativ, und wir sind noch nicht so weit, aber die Zeit läuft uns davon. Ein üblicher Keim teilt sich etwa alle 20 Minuten, kann also alle 20 Minuten neue Mutationen hervorbringen. Eine ordentliche Antibiotikaentwicklung dauert 10 Jahre und wurde in den letzten Jahren fast vollständig eingestellt, da sich mit onkologischen Medikamenten mehr Geld verdienen lässt.

    Das wird sich ändern! Wir werden uns daran gewöhnen, auch für neue Antibiotika Kosten zu generieren, wie sie bisher nur aus der Onkologie bekannt waren. Ansätze dazu existieren bereits, so kosten beispielsweise 30 Tabletten 'Linezolid®', ein bei Vancomycin-Resistenz (VRE) wirksames Mittel, etwa 1200€.

    Gerade für die Gram-negativen Keime, die für Harnwegsinfektionen fast ausschließlich verantwortlich sind, werden die Medikamente knapp, die auch bei ESBL Keimen Wirkung zeigen, und Neuzulassungen sind kaum zu erwarten.

    Ich möchte das jetzt hier nicht noch weiter ausführen, aber es liegt mir am Herzen die Menschen, die sich um Gesundheit kümmern, und das sollte man als PCA Patient, etwas für das spannende Thema zu sensibilisieren. Sehr empfehlen kann ich dazu die Videos von Prof. Mang: Antibiotika in 5 Teilen als Grundlage für Ärzte. Ist allerdings schwerer Stoff!



    "Ein Bakterium hat seinen "Daumen runter" gegeben"
    if nothing's fails, it's not real life

  8. #148
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    Zitat Zitat von LowRoad Beitrag anzeigen
    Sehr empfehlen kann ich dazu die Videos von Prof. Mang: Antibiotika in 5 Teilen als Grundlage für Ärzte. Ist allerdings schwerer Stoff!
    Danke Low-Road für den link zu den Videos.

    Teil 1 habe ich mit Pausen angesehen, Altbekanntes aufgefrischt und Neues dazugelernt. Bei Teil 2 wurden die Pausen schon länger, es ist eine nicht einfache, aber hochinteressante Thematik, die Prof. Mang übersichtlich darstellt. Zum Glück habe ich noch einiges von den Grundlagen zum Thema aus meinem Bio-Studium vor über 40 Jahren im Gedächtnis.

    Für den erleichterten Einstieg in die Thematik Antibiotika – Antibiotikaresistenzen – multiresistente Keime hier einige übersichtlich gestaltete, kurze Infos von den Patienteninformationen des ÄZQ. Das ÄZQ (Ärztliches Zentrum f. Qualität in d. Medizin) ist eine gemeinsame Einrichtung (GbR) von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Es unterstützt die Gesellschafter bei der Förderung und Sicherung der Qualität der ärztlichen Berufsausübung.

    https://www.patienten-information.de...tikabehandlung

    https://www.patienten-information.de...ikaresistenzen

    https://www.patienten-information.de...stente-erreger

    https://www.patienten-information.de...ik/antibiotika


    Franz


  9. #149
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    Andi, vielen Dank für die Videodarstellungen von Professor Mang. Es ist wahrlich schwerer Stoff und erfordert reichlich Aufmerksamkeit weil eben meist gesprochen wurde.

    Um einiges leichter zu vereinnahmen waren dagegen die von Franz präsentierten 4 Links. Auch dafür vielen Dank Franz.

    Man bekommt mit präzisen Darstellungen sowohl mit den Videos als auch mit den Links viel Wissen vermitttelt.

    Harald
    nicht nachlassen

  10. #150
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    Hallo @all, danke für die regen Info's,

    Ja, die Informationen sind sehr gut aber auch umfangreich. Zur Zeit forschen ca. 60 große Forschungseinrichtungen weltweit an neuere Antibiotika um wieder den technischen Vorsprung gegenüber den Resistenzmechanismen herzustellen. Ich bin der Meinung, dass dieser verloren ging.

    Natürlich könnte die Innovationspower erhöht werden, wenn die Forschungsergebnisse gebündelt in einem Forschungspool verdichtet würden.

    28. Juni 2019

    Neue Antibiotika: Den Vorsprung gegenüber resistenten Bakterien wahren


    Neue Antibiotika gegen Problemkeime werden dringend gebraucht. Forschende Pharma-Unternehmen arbeiten weltweit an solchen Medikamenten und bringen seit einigen Jahren auch wieder mehr davon auf den Markt. Doch damit die Medizin weiterhin die Oberhand behält, müssen noch viel mehr und andere Antibiotika verfügbar werden. Für deren Entwicklung spielen Forschungskooperationen eine wesentliche Rolle.




    Antibiotika – Medikamente gegen schädliche Bakterien – zählen zu den größten Errungenschaften der Medizin. Lungenentzündung, Wundinfektionen, Scharlach, Syphilis und viele weitere Krankheiten haben durch sie ihren Schrecken verloren. Unter den Todesursachen rangieren bakterielle Infektionen deshalb heute in Deutschland weit hinter den Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs.


    Antibiotika-Klassen und ihre Einführungsjahre

    Download des Schaubildes "Antibiotika-Klassen weltweit" als PDF

    Mehr als 80 gegen unterschiedliche Bakterienarten wirksame Antibiotika wurden schon entwickelt. Sie gehören verschiedenen Klassen an (siehe Abbildung), die sich jeweils durch eine andere Molekülgrundstruktur und Wirkungsweise auszeichnen. Die meisten neuen Klassen wurden in den 1940er- bis 1960er-Jahren eingeführt; immerhin sechs neue Klassen aber auch seit der Jahrhundertwende.

    Gram-negative Bakterien
    Nur angefärbte Bakterien sind im Lichtmikroskop sichtbar. Mit einer Methode von Christian Gram (1884) lassen sich viele Bakterienarten dunkelviolett anfärben; einige andere allerdings nur schwach rosa. Weil diese Arten die Gram-Färbung so schlecht annehmen, werden sie gramnegativ genannt. Sie haben eine andere Zellwand als andere Bakterien. Das macht sie nicht nur schwerer färbbar, sondern schützt sie auch vor vielen Antibiotika. In den letzten Jahren treten bei einigen von ihnen vermehrt Multiresistenzen auf.

    Hans-J.

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