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Thema: Long-term Survival of Extremely Advanced Prostate Cancer Patients

  1. #1
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    Long-term Survival of Extremely Advanced Prostate Cancer Patients

    Eine der für mich wichtigsten Studien der letzten Zeit verbirgt sich hinter dem unscheinbaren Titel:

    Long-term Survival of Extremely Advanced Prostate Cancer Patients Diagnosed with Prostate-specific Antigen over 500ng/ml
    [1]

    Japanische Forscher haben knapp 2000 Patienten nachverfolgt, die zwischen 2001 und 2003 eine Prostatakrebs Primärdiagnose erhielten, und wegen des hohen PSA Wertes nur mit Testosteronentzugstherapie (ADT) behandelt wurden. Sie teilten die Männer dazu in 3 Gruppen ein:

    • aPSA 500-999ng/ml
    • aPSA 1000-4999ng/ml
    • aPSA >5000ng/ml


    Die Patienten begannen ihre Therapie entweder mit einer einfachen Testosteronentzugstherapie (LHRH-Analoga), oder einer Kombinationstherapie aus LHRH-Analoga (Depotspritze) + einem Antiandrogen (wahrscheinlich Futamide).

    Für das Gesamtüberleben war der PSA Ausgangswert in der Gruppe der Kombinationstherapie besonders signifikant, jedoch nicht in der Gruppe der Monotherapieanwender:

    • 79 Monate für die ADT2 Gruppe mit aPSA 500-999ng/ml
    • 59 Monate für die ADT2 Gruppe mit aPSA 1000-4999ng/ml
    • 45 Monate für die ADT2 Gruppe mit aPSA >5000ng/ml
    • 43 Monate für die ADT1 Gruppe, aPSA unabhängig!


    Eigene Anmerkungen:
    Seit Einführung des PSA Screenings, egal wie man dazu stehen will, ist die Häufigkeit der D2 bzw. M1 Erkrankungen deutlich rückläufig, aber weiterhin vorhanden. Immer wieder taucht die Frage auf, wie man diese Patienten optimal versorgt. Nehmen wir mal die Fälle mit oligometastatischer Erkrankung heraus, wo noch mit einer Kombination aus lokaler und systemischer Therapie mit kurativer Intention vorgegangen werden könnte, so ist die nicht kurative ADT der Standard-Of-Care. Die Frage dabei ist:

    • wann startet solch ein Patient mit der ADT
    • welche Therapieform ist optimal, d.h. ADT1 oder ADT2
    • kontinuierliche oder intermittierende ADT

    Die oben besprochene Studie nimmt sich nun den Punkt 2, ADT1 oder ADT2, heraus. Zur Zeit der Rekrutierung (2001-2003), war weder Abiraterone, noch Enzalutamide oder Docetaxel verfügbar. Das Überleben der Patienten in diesen Stadien war sehr eingeschränkt – die Gesamtversterbensrate nach 5 Jahren lag bei 33%! Seit Jahren tobt nun ein Zwist zwischen den Befürwortern einer sequenziellen Vorgehensweise und den Anhängern von Kombinationstherapien. Beide Seiten bieten irgendwie schlau klingende Argumente auf, Fakten sind rar. Deshalb empfinde ich diese Studie als sehr aufschlussreich, zeigt sie doch einmal mehr, dass Kombinationstherapien statistisch vorteilhaft sind.

    Einschränkend muss man allerdings ergänzen, dass wir nicht wissen ob das auf die heutigen neueren Ansätze immer noch übertragbar ist. Studien zu Abiraterone oder Enzalutamide als Erstlinientherapie laufen, brauchen aber noch relativ viel Zeit zur Reifung. Studien zur Ergänzung von Docetaxel bei wirklich schwer betroffenen Patienten haben einen klaren Überlebensvorteil zeigen können.

    Fazit:
    Für mich sind bisher alle Studien zugunsten von Kombinationstherapien ausgegangen, so dass ich dies weiterhin empfehlen würde.


    -------------------------------------------------------------------------
    [1]: Siguhara, Kattan und Kollegen; Long-term Survival of Extremely Advanced Prostate Cancer Patients Diagnosed with Prostate-specific Antigen over 500 ng/ml

  2. #2
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    Immer wieder habe ich mich mit den Kattan-Nomogrammen beschäftigt, jedoch nichts zu meiner Primärdiagnose gefunden, vielleicht habe ich es auch übersehen.

    Die Zahlen aus obiger Studie bestätigen meine bisherige etwas wackelige Eigenprognose von 5 Jahren plus x.

    Aus dem Abstract:
    "There are major survival differences in extremely high prostate-specific antigen cases according to the prostate-specific antigen level and hormone therapy type and those patients would benefit notably from combination androgen blockade."

    "Es gibt große Überlebensunterschiede in extrem hohen prostataspezifischen Antigenfällen entsprechend dem prostataspezifischen Antigenspiegel und dem Hormontherapietyp und diese Patienten würden besonders von einer kombinierten Androgenblockade profitieren."

    Und wie schon zuvor von LowRoad erwähnt: "Studien zur Ergänzung von Docetaxel bei wirklich schwer betroffenen Patienten haben einen klaren Überlebensvorteil zeigen können."

    Ich beginne langsam und vorsichtig über die 5 Jahre hinauszudenken.


    Franz

    Nachtrag: Auch für mich eine sehr wichtige Studie, schon deswegen weil ich dadurch erkannt habe, dass meine Erstdiagnose gar nicht so selten ist!



  3. #3
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    Hallo Franz!

    Hier ist ein Link auf die japanische Studie als pdf-Datei mit späteren Verweisen.
    Vielleicht kannst Du da Anschlussstudien ausfindig machen.

    https://www.researchgate.net/publica..._over_500_ngml

    Viele Grüsse

    Lothar

  4. #4
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    Danke Lothar,

    für den link, wenn ich neuere Ergebnisse finde, berichte ich hier darüber.

    Mein PSA von >1000 ng/ml hängt mit den Meßbereichsgrenzen des Labors zusammen. Der Urologe der Zweitdiagnose hat mich daraufhingewiesen, dass aufgrund meiner Metastasierung der PSA-Wert wesentlich höher liegen könnte. Hat mich damals aber nicht weiter interessiert. 1000 hat gereicht.

    Bei myprostate.eu habe ich mal die PSA-Werte der dort schreibenden Betroffenen sortiert. PSA-Werte im vierstelligen Bereich bei der Erstdiagnose gibt es in myprostate.eu sehr wenige.
    Könnte daran liegen, dass etliche die mit PSA über 1000 ng/ml starten gleich resigniert haben oder durch den fortgeschrittenen Krebs zu kaputt sind, um sich mit einer Datenbank zu beschäftigen.

    Franz

  5. #5
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    Hier eine neuere Studie zu Patienten mit sehr hohen PSA-Werten und Knochenmetastasen.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4494633/

    daraus übersetzt:

    "Ein extremer Serum-PSA-Wert spiegelt die Krankheitslast von BMPCa wider, ist aber nicht prognostisch für das CRPC-freie Überleben oder CSS. Patienten mit BMPCa, die zunächst mit extrem hohen PSA-Werten auftraten, sollten nicht von einer aktiven Behandlung abgeschreckt werden und sollten ein definitives therapeutisches Ziel erhalten, da diese Patienten möglicherweise vergleichbare Überlebensergebnisse wie Männer mit relativ niedrigen PSA-Werten aufweisen. Darüber hinaus unterstützen unsere Beobachtungen die Verwendung der PSA-Reaktion auf ADT- und Serum-ALP-Spiegel als alternative Prädiktoren für das Überleben bei diesen Patienten."

    Und:
    "Hohe ALP-Werte, kürzere Zeit bis zum PSA-Nadir und Schmerzen waren mit einem erhöhten Risiko des Fortschreitens zu CRPC verbunden."


    ALP –Alkalische Phosphatase
    BMPCa – Prostatakrebs mit Knochenmetastasen
    CSS – krebsspezifisches Überleben
    CRPC – kastrationsresistenter Prostatakrebs

    Franz




  6. #6
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    Franz,

    in einem amerikanischen Forum meldete sich ein englischer Patient der 2016 mit einem PSA Wert von 6700 zum Arzt gekommen war. Nach Hormontherapie und Docetaxel ging dies bis auf 1,1 zurück. Er macht bis jetzt Hormontherapie und die Metastasen sind nicht weiter gewachsen. Wie es ihm allgemein so geht kann ich nicht sagen.

    Dieser Patient kam mit einem PSA Wert von 5006 zum Arzt und lebt jetzt fünf Jahre seit dieser Diagnose. Ich fürchte nur, wenn das Xtandi nicht mehr wirkt gibt es nicht mehr viele mögliche Therapien. In den USA kann er nicht so einfach eine PSMA Therapie machen.

    Georg

  7. #7
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    Guten Morgen Franz,

    hast Du schon mal über ein PSMA-PET/CT nachgedacht?

    Oder eine Bestrahlung des Primärtumors?

    Auch wegen der eventuell positiven Immunauswirkungen?

    Siehe:

    https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...ostatakarzinom

    Die Interaktion von Strahlentherapie und Immunsystem spielt bei der Behandlung von Krebs eine entscheidende Rolle.

    Bei der Behandlung von Krebs mit gezielter Bestrahlung eines Tumors, kann bei einer hohen Strahlendosis pro Sitzung ein faszinierendes Phänomen auftreten: der sogenannte „abskopale Effekt“. Nicht nur der Tumor an der bestrahlten Stelle spricht auf die Behandlung an, sondern auch Tumore an nicht behandelten Stellen, z.B. Metastasen.
    Dieses seltene Phänomen zu wiederholen wäre bei Krebs mit Bildung von Metastasen von besonderer Bedeutung: hier haben sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor gelöst und sind in andere Organe gewandert, um dort Mikrometastasen (neue kleine Tumore) zu bilden. Der "Nebeneffekt" der lokalen Bestrahlung könnte die Kontrolle dieser neuen Tumore ermöglichen, sowie eine Rückkehr von Krebs verhindern. Neue Forschungen haben gezeigt, dass dieses Phänomen durch das Immunsystem ausgelöst wird. Zellen des Immunsystems werden durch die Bestrahlung stimuliert und "attackieren" die Krebszellen im ganzen Körper.

    Die Suche nach der optimalen Dosis und Kombinationstherapie

    Zahlreiche Fragen über die immununterstützende Wirkung der Strahlentherapie bleiben aber ungelöst: Was ist die optimale Dosis pro Sitzung? Sollten eine oder mehrere Bestrahlungssitzungen durchgeführt werden? Kann dieser abskopale Effekt unabhängig vom Sitz des bestrahlten Tumors erreicht werden?
    Seit fünf Jahren erlebt auch die Immuntherapie weltweit einen enormen Aufschwung und erzeugt große Hoffnungen bei der Behandlung von Krebserkrankungen. Hier wird das körpereigene Immunsystem künstlich stimuliert, Krebszellen besser zu erkennen und gezielt zu bekämpfen - also im Prinzip ähnlich wie beim abskopalen Effekt der Strahlentherapie. Auch in diesem Zusammenhang ergeben sich Forschungsfragen: Sollte eine Immuntherapie vor, während oder nach der Bestrahlung verabreicht werden? Gibt es einen Nutzen bei einer Kombination mehrerer Immuntherapien mit der Radiotherapie? Und werden spezifische Nebenwirkungen beider Behandlungen durch eine Kombinationstherapie verstärkt?

    Es scheint jedoch, dass die durch die Bestrahlung induzierte Immunantwort in einer zweiten Phase umschlägt und das Immunsystem plötzlich nicht mehr stimuliert sondern unterdrückt wird. Tatsächlich erwähnen Forschungsergebnisse einen Anstieg von sogenannten immunsuppressiven Zellen im Tumor, welche eine hemmende Aktivität besonders auf zytotoxische T-Zellen ausüben. Die zytotoxischen T-Zellen sind spezielle Immunzellen, die eine wichtige Rolle in der Eliminierung von Krebszellen durch das eigene Immunsystem spielen. Die Auswirkungen der Bestrahlung auf die Anti-Tumor-Immunantwort scheinen also zwischen Aktivierung und Hemmung zu schwingen. Weshalb, ist noch nicht gewusst.

    Fondation Cancer unterstützt Radiotherapeuten mit einem Stipendium für Forschung

    Genau auf dieser Ebene wird die Forschung des Radiotherapeuten Dr. Jean-Philippe Nesseler ansetzen. Ziel ist es, die Auswirkungen ionisierender Strahlungen auf die oben genannten immunosuppressiven Zellen zu verstehen und deren Rollen in der Reaktion des Tumors und der Entzündung von gesundem Gewebe zu bestimmen. Ausserdem gilt es den Einfluss der Strahlendosis und Strahlenaufteilung zu bewerten und Wege zu erforschen, um diese immunsuppressiven Zellen zu blockieren und somit eine optimale Anti-Tumor-Immunantwort wiederherzustellen.


    Autor: Fondation Cancer


    Hier der Link für das gesamte.
    https://www.science.lu/de/krebsforsc...-mit-behandeln

    Und hier noch ein Link über eine sehr gute Zusammenfassung von Immuntherapienmöglichkeiten - ausgerechnet von der DEGRO -

    https://www.degro.org/wp-content/upl...apie_FINAL.pdf

    Hans-J.


    Grüße

    Lothar

  8. #8
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    Danke Georg,

    für den link zum obigen Forum.
    Mein PSA-Wert ist nach Hormontherapie und Docetaxel bei 0,2 ng/ml und hat da zuletzt wieder gefallen evtl. den Nadir noch nicht erreicht. Gefällt mir!

    Was sich in einigen Studien abzeichnet ist, dass ein extremer PSA-Wert nicht in jedem Fall zur weiteren Prognose hergenommen werden kann. Habe noch ein paar neuere Studien zu dieser Thematik entdeckt, die ich aber erstmal durcharbeiten und verstehen möchte, bevor ich sie hier präsentiere.

    Ich sehe mich z. Z. auf den richtigen Weg und möchte durch weiteres Sichten relevanter Literatur über die Situation und die Prognose der Patienten mit sehr fortgeschrittenen Erstdiagnose berichten. Schade dass ich erst so spät das von LowRoad 2014 begonnene Thema entdeckt habe.

    Das hilft mir bei künftigen Entscheidungen und vielleicht auch den Patienten mit extremen PSA-Werten, die hier gelegentlich mitlesen.

    Franz

  9. #9
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    Danke Lothar,

    für deine Hinweise.
    - eine Bestrahlung des Primärtumors habe ich angedacht, warte aber erst mal die nächste (größere) urologische Untersuchung im Februar ab.

    - ein PSMA-PET-CT, dazu ist momentan mein PSA-Wert zu niedrig. Aber wenn es mit dem PSA wieder aufwärts geht, dann kommt das PSMA-PET-CT.

    - der von dir zitierte Bericht von Hans-J. zur Strahlentherapie und Immunsystem ist mir bekannt, ist aber von mir noch nicht vollständig durchgearbeitet u. verstanden.


    Gut dass ich in Rente bin, ich sehe meine Erkrankung als neue Aufgabe, beschränke mich aber auf max. 2 Stunden Theorie am Tag. Daneben mindestens 1 Stunde flotte Bewegung an der frischen Luft.
    Krebserkrankung als Teilzeitjob!


    Franz

  10. #10
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    Eine weitere Studie zu extremen PSA-Werten.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28652776

    Zwischen 2007 und 2012 wurde eine Patientengruppe mit über 2000 Patienten retrospektiv untersucht. Davon hatten 90 Patienten einen Diagnose-PSA-Wert von 1003 ng/ml bis 23126 ng/ml !
    Für diese Gruppe wurde eine retrospektive Studie durchgeführt u.a. zu Behandlungsmöglichkeiten und Gesamtüberleben.
    46 Patienten waren innerhalb von 6 Monaten nach Erstdiagnose chirurgisch kastriert worden, die andere Gruppe, 44 Patienten war medikamentös kastriert oder später chirurgisch behandelt worden. Es wurden 3 Altersgruppen (< 65, 65 - 79, > 80) betrachtet.

    Ergebnisse: - das Gesamtüberleben bei Patienten über 80 Jahre war schlecht. Am besten bei den Patienten unter 65 Jahren.

    - Patienten mit früher chirurgischer Kastration hatten einen Überlebensvorteil.

    - Das Erreichen des PSA-Nadirs (hier unter 4 ng/ml) und die längere Zeit bis z. Erreichen d. Nadirs, haben Auswirkungen auf das Gesamtüberleben.

    Anmerkung von mir:

    Bei sehr hohen PSA-Werten könnte die chirurg. Kastration von Vorteil sein, da hier das Kastrationsniveau innerhalb kürzester Zeit erreicht wird. Beim medikamentösen Hormonentzug dauert es länger und nicht jeder Patient spricht darauf an. PK ist ein langsam wachsender Krebs, aber bei einem PSA über 1000 ng/ml sollte schnell gehandelt werden.

    Franz

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