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Thema: Interdisziplinäres Symposium Prostatakarzinom Magdeburg 2015

  1. #11
    Harald_1933 Gast
    Qualitätssicherung und -Management – Hilft uns das?

    Hierzu Prof. Dr. Steffen Weikert, Urologie am Humboldt-Klinikum - Vivantes:

    Wieviele Ordner braucht man für Qualität?

    „..wichtige Bausteine für eine prestigeträchtige oder
    schlichtweg von Kunden geforderte QM-Zertifizierung.“

    Was kann man gegen Qualitätsmanagement einwenden?:

    • Keine nachgewiesenen Vorteile durch QM
    • Wettbewerb schadet der harmonischen Kooperation von Ärzten
    • Standardisierte Prozesse widersprechen den Regeln ärztlicher Kunst
    • QM generiert einen riesigen personellen und finanziellen Aufwand für
    Dokumentation und Auditierung zu Lasten der Patientenversorgung
    • Qualität ist nur indirekt messbar: Metrische Indikatoren implizieren eine
    Scheingenauigkeit und es besteht die Gefahr der „Optimierung von
    trivialisierten Einzelgrößen auf Kosten der komplexen Gesamtheit “ (R.
    Austin, Measuring and Managing Performance in Organisations, 1996)
    • Extrinsische Motivatoren wie Belohnung oder Strafe können
    intrinsische Motivationen hemmen oder gar beschädigen (R. Benabou,
    J. Tirole, Intrinsic and Extrinsic Motivation, 2003)

    Gute und schlechte Qualitäten des QM:

    • Sanktionierungsfreies Vergleichen mit anderen ermöglichen
    • Identifikation eigener Stärken und Schwächen unterstützen
    • Komplexe Abläufe strukturieren und vereinfachen (SOP)
    • Die Versorgungsrealität verzerrungsfrei abbilden
    • Fairen Wettbewerb zwischen den Kliniken ermöglichen
    • Strukturierte Dokumentation von kompletten klinischen Prozessen
    • Wettbewerbsvorteile sichern über „zertifizierte Qualität“
    • Pay-for-Performance-Strukturen im Gesundheitswesen etablieren
    • Strukturbereinigung unter dem Vorwand von „Qualität im
    Gesundheitswesen“

    Qualität: Benchmarking mit klinischen Registern
    • Anonymisierter Vergleich mit anderen Teilnehmern
    • Beobachtung über Zeit ermöglicht (Bsp. Über Email-Benachrichtigung
    der Patienten bei prostata-ca.net)
    • Probleme: Aufwand, Parallelstrukturen (Krebsregister), Datenschutz
    Welches Qualitätsmanagement ist nützlich für die Medizin?

    „Qualitätsmanagement ist für die Medizin ähnlich nützlich wie die
    Ornithologie für die Vögel.“ (S-D Costa, Dt Ärzteblatt, 9/2014 )

    Qualitätsindikatoren in der Versorgung des Prostatakarzinomes:

    • Beispiele für Strukturindikatoren:
    • Fallzahlen
    • Angebotene Operationstechniken
    • Vorhandensein Strahlentherapie
    • Besipiele für Prozessindikatoren
    • % in Interdisziplinären Konferenzen
    • % in Psychoonkologie
    • Beispiele für Ergebnisindikatoren
    • Mortalität
    • R1-Resektionen
    • Vorlagen-Verbrauch postoperativ

    Erst in den vergangenen Tagen konnte ich mich für dieses Thema begeistern. Deshalb hierzu noch die folgenden aussagefähigen Links:

    http://www.krebsgesellschaft.de/deut...fizierung.html

    http://www.med.uni-giessen.de/akkk/i...n/steinger.pdf

    http://www.gqmg.de/Dokumente/Jahrest...en16_03_07.pdf

    Bemerkenswert ist dieser Beitrag zum Thema aus dem Ärzteblatt.

    „Meistens wissen die Leute nicht, was sie wollen, bis man es ihnen zeigt.“
    (Steve Jobs)

    Gruß Harald

  2. #12
    Harald_1933 Gast
    Ausblick 2015 - neue Wirkstoffe in Sicht ? - Enzalutamid (Xtandi) eine neue Option in der Threapie des CRPC?

    Dr. Jonas Busch, Charité Universitätsmedizin Berlin Klinik für Urologie übernahm das Referat für den verhinderten Kollegen PD Dr.med Ahmed Magheli

    Disclosures:
    » Beratertätigkeit für Pfizer, Bayer, Mologen
    » Kongressreisen mit Bayer, Pfizer, GSK, Novartis, Roche
    » Vorträge für Pfizer, Bayer, Novartis, GSK, Astellas, Janssen

    Wirkmechanismus von Enzalutamid - Inhibition des Androgenrezeptorsignalwegs an drei Stellen

    Zusammenfassung AFFIRM:
    ? Enzalutamid als neuer Therapieansatz für mCRPC nach Chemotherapie
    ? Enzalutamid hat einen neuartigen Wirkmechanismus, der den ARSignalweg
    direkt und potent hemmt1,2
    ? Signifikante Wirksamkeit von Enzalutamid bei mCRPC nach
    Chemotherapie:3
    • Medianes OS: 18,4 versus 13,6 Monate für Placebo, p < 0,001
    • Medianes rPFS: 8,3 versus 2,9 Monate für Placebo, p < 0,001
    » Weniger Schmerzen und bessere QoL3
    » Bei den meisten Patienten gut verträglich3,4
    ? Einfache Verabreichung von Enzalutamid, keine produktspezifische
    Überwachung erforderlich, Begleittherapie mit Steroiden nicht notwendig3,4

    Klinischer Fall – Herr S *1939:

    ? Primär ossär metastasiertes, kastrationsresistentes PCA (ED: 08/2007)
    ? Ausgangs-PSA: 68 ng/mL
    ? Z. n. palliativer TUR-Prostata 10/2009 mit postoperativer Harninkontinenz II.°
    ? Nebendiagnosen: Art. Hypertonus
    ? Z. n. Radiatio der Mammae 05/2008 zur Gynäkomastieprophylaxe
    ? Z.n. antiandrogener LHRH-Therapie und
    ? Z. n. max Androgenblockade mit zusätzlicher Gabe von Bicalutamid bis
    09/2010
    ? Regelmäßige Bisphosphonat-Infusionen seit 2008
    ? PSA: 13 ng/mL
    ? Z. n. 9 Zyklen Docetaxel-Chemotherapie 02/2010 - 08/2010 dreiwöchentlich
    ? PSA Progress auf 23 ng/mL
    ? GKSZ 11/2010: multifokale ossäre Mets von Körperstamm und proximalen
    Extremitäten.
    ? CT 11/2010: multifokale, ossäre Mets lumbal, pelvin und femoral ohne Instabilität.
    Keine lymphogenen, pulmonalen oder hepatischen Mets.

    Klinischer Fall – Herr S *1939:

    ? Z. n. Therapie mit Enzalutamid (AFFIRM)11/2010 – 03/2012
    Radiologischer Verlauf unter Enzalutamid
    ? Initial SD. Zuletzt biochemisch und radiologisch sicherer Progress der ossären Filiae mit
    neuen Herden
    ? Weiterhin kein Nachweis lymphogener oder viszeraler Mets
    Biochemischer Verlauf unter Enzalutamid
    ? PSA-Werte vor Beginn 31 ng/ml
    ? PSA Nadir: 26 ng/mL
    ? PSA bei Progress 122 ng/mL
    ? Z. n. Abirateron-Therapie extern 04/2012 – 05/2013
    ? Max PSA bei 283 ng/ml
    ? Z. n. perkutaner Radiatio BWK 4 - LWK 3 sowie LWK 4 - SWK3 + rechte
    Beckenschaufel einschließlich Weichteilanteile (Psoas) + rechtes Hüftgelenk 05-
    06/2013
    ? Z. n. Therapie mit Cabozantinib (Comet-Protokoll) 08/2013 – 02/2014
    ? Abbruch bei PSA 400ng/mL, klinischen und radiographischem Progress

    FAZIT zu Enzalutamid:

    ? Enzalutamid als neuer Therapieansatz für mCRPC vor und nach
    Chemotherapie (Daten aus PREVAIL und AFFIRM)
    ? Enzalutamid hat einen neuartigen Wirkmechanismus, der den ARSignalweg
    direkt und potent hemmt
    ? Signifikante Wirksamkeit von Enzalutamid bei mCRPC vor und nach
    Chemotherapie
    » Weniger Schmerzen und bessere QoL
    » Bei den meisten Patienten gut verträglich
    ? Einfache Verabreichung von Enzalutamid, keine produktspezifische
    Überwachung erforderlich, Begleittherapie mit Steroiden nicht notwendig

    Aber - hier - noch eine Zusammenfassung. Auch - hier - noch

    Zur Ergänzung noch weitere Links:

    http://www.tumorzentrum-berlin-buch....rapie_2013.pdf

    http://www.ots.at/presseaussendung/O...arzinom-anhang

    http://www.oncotrends.de/enzalutamid...aennern-423095

    „Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig.“
    (Mark Twain)

    Gruß Harald

  3. #13
    Harald_1933 Gast
    Den Vortragsreigen am Samstag 17.1.2015 um 9.00 Uhr startete unter der Moderation von Thomas Sieler und Martin Schostak und unter der Überschrift "PSA - Himmel und Hölle für die Urologie" Univ.-Prof. Dr. med Glen Kristiansen vom Universitätsklinikum Bonn, Institut für Pathologie

    Mit etlichen auf den Vortragsfolien gespickten Stichworten versuchte Prof. Kristiansen mit seinem Vortrag etwas Licht in das Dunkel um die aktuelle Misere der pathologischen Fehlleistungen durch weniger gut ausgebildete Kollegen zu bringen.

    Gleason 6 – Theorie und Wirklichkeit

    Is prostatectomy for Gleason score 6 a treatment failure ? oder Gleason Score 6 Adenocarcinoma: Should It be Labeled As a Cancer ?

    - hier - eine ausführliche Stellungnahme.

    Neudefinition der Gleasonmuster durch die ISUP - Neudefinition der Gleasonmuster 2010

    Einfluss des modifizierten Gleason Grades nach ISUP 2005 auf die Prognose von Prostatakarzinompatienten Dong et al., Am J Surg Pathol 2012;36:838–843

    Anhand von 3 eingestellten farbigen Vortragsfolien wird demonstriert, dass 3 absolut unterschiedliche Tumormalignitäten nach der Gleason-Scala identisch befundet wurden:

    Fall 1: Lehrbuch-Gleason 3+3=6
    Fall 2: Lehrbuch-Gleason 3+3=6
    Fall 3: Lehrbuch-Gleason 3+3=6

    When ist Prostate Cancer Really Cancer?

    - hier - ein Hinweis

    Zeit für neue Nomenklatur ??

    PRONLMP/IDLE – Nein Danke!
    Pro Beibehalt der Karzinomterminologie bei 3+3=6:
    - invasiver Tumor
    - molekulare Überlappung mit high grade Tumoren
    - fliessende Übergänge zum GS 7
    - Samplingfehler = Unterschätzung
    von Ausdehnung und Grad
    - Gefahr, die Chance auf Heilung zu verpassen
    (auch medico-legal relevant), da Patienten in
    der Nachbetreuung verlorengehen können
    Analogien zu anderen Organen:
    • Karzinome der Haut metastasieren auch sehr
    selten, sind aber lokal infiltrativ
    • Führung der Patienten durch Aufklärung, dass
    diese Tumoren meist nicht-lethal sind und gut
    behandelbar
    Bessere öffentliche Aufklärung ist wichtig!
    Bei vielen GS6-Karzinomen ist AS zunächst
    eine geeignete Strategie (wenn die Diagnose
    korrekt ist)
    Z.B.
    „Sie haben einen günstigen Krebs, der in der Regel
    nicht sehr gefährlich ist. Aber – es gibt das Risiko,
    dass Sie mehr und aggressiveren Krebs haben, den
    wir bislang verpasst haben oder der sich noch
    entwickeln kann, wir müssen Sie also gut im Auge
    behalten“

    Gleason-6-Karzinom = G1
    - niedrigstmöglicher GS, der an der Stanzbiopsie möglich ist
    - Patienten, die sich über das Gleason System informieren,
    bekommen evtl. Angst (Range 2- 10, 6 schon über Mitte...)

    Das neue Prostatakarzinom-Gradierungssystem: ISUP2015:

    Gleason score 2-6 Prognostic Grade Group 1/5
    Gleason score 3+4=7 Prognostic Grade Group 2/5
    Gleason score 4+3=7 Prognostic Grade Group 3/5
    Gleason score 8 Prognostic Grade Group 4/5
    Gleason score 9-10 Prognostic Grade Group 5/5

    5 Year Biochemical Risk Free Survival
    Group Gleason BRFS 95% Confidence
    Intervals
    1 3+3=6 97.5% 97.0%-98.0%
    2 3+4=7 93.1% 92.4%-93.8%
    3 4+3=7 78.1% 76.0%-80.1%
    4 4+4=8 63.6% 59.1%-67.7%
    5 9-10 48.9% 44.1%-53.5%

    Themen:
    1. Evolution des Gleason Gradings
    2. Ist ein Gleason Score 6 Tumor Krebs?
    3. ISUP 2015
    4. Einflussfaktoren auf die Diagnostik
    5. Was lernen wir aus PREFERE?

    Interobservervariabilität des Gleason Scores
    Gibt es unterschiedliche Typen von
    Gleason 6-Karzinomen?

    Vorläufiges Ergebnis:

    ? 18 % Studienausschlüsse nach Referenzpathologie
    ? Primäre Prostatadiagnostik hat ihre Tücken
    ? Optimierung der Kommunikation von Urologie und
    Pathologie sehr wünschenswert
    ? Referenzpathologie kann maßgeblich zur Studienund
    Behandlungsqualität beitragen

    Fazit zum Gleason Score 6:

    - Es gibt ihn in Theorie und Wirklichkeit
    - Wir sollten beim „Karzinom“ bleiben, aber die
    öffentliche Wahrnehmung des Begriffes ändern
    (GG1/5)
    - Wir müssen Patienten besser aufklären
    - AS sehr bewusst einsetzen, grundsätzliche
    histologische Zweitmeinung wäre wünschenswert
    - Molekulare Tests könnten die Diagnosesicherheit
    erhöhen

    „Informationen werden nicht wertvoller, wenn man sie einsperrt. Sie werden wertvoller, wenn man sie teilt.“
    (Michael Seemann)

    Gruß Harald

  4. #14
    Harald_1933 Gast
    Dipl.-Med. Stefan Andrusch, Facharzt Allgemeinmedizin, Halberstadt, Landesvorsitzender Deutscher Hausärzteverband in Sachsen-Anhalt, brachte sich
    zu "PSA - eine hausärztliche Leistung?!" ein.

    PSA-Bestimmung in der Hausarztpraxis?

    ? 1. Prophylaxe
    ? 1.1. jährliche Krebsvorsorge
    ? 1.2.auf Wunsch des Patienten
    ? 2. Diagnosesicherung und Therapieüberwachung
    ? 2.1. klinischer Verdacht auf Prostatakrebs
    ? 2.2. Verlaufskontrolle zur Therapieentscheidung

    1. Prophylaxe
    ? 1.1. jährliche Krebsvorsorge
    - Eine aktive PSA-Empfehlung ist abzulehnen
    1. Nur minimale Verringerung der
    Prostatakrebssterblichkeit
    2. Keine Verringerung der Gesamtmortalität
    3. Erhebliche psychische und körperliche Belastung des
    Patienten über Jahre hinweg bei erhöhten PSA Werten

    1.1.Studienergebnisse!
    ERSPC 2009 182000 Männer zwischen 50 und 74
    - Verringerung der Krebsmortalität nach 9 Jahren um
    absolut 0,7%
    - 75,9% der Biopsien ohne positiven Befund
    - Absolut 1,7% mehr Prostatektomien (2,4% zu 0,9%)
    - Kein Unterschied in der Gesamtmortalität
    PLCO 2009 76693 Männer zwischen 55 und 74
    - Erhöhung der Krebsmortalität nach 7 Jahren um
    absolut 0,003% (keine Signifikanz)
    - Kein Unterschied in der Gesamtmortalität

    1.2. Wunsch des Patienten
    - Unbedingt Vorstellung in der Sprechstunde nötig
    - Aufklärung über Nutzen und Risiken der Bestimmung
    - In meiner Praxis erfolgt die Empfehlung zur
    Einholung einer Zweitmeinung beim Urologen

    2.1. Prostatakrebsverdacht
    - Hämaturie, Harnabflußstörung, Pollakisurie,
    regionale Lymphknotenschwellungen, Anämie,
    Schmerzen in der Dammregion, pathologischer
    Rektalbefund, pathologische Befunde aus
    bildgebenden Verfahren
    - PSA-Bestimmung zur Erhöhung der
    Diagnosewahrscheinlichkeit nützlich
    - Urologische Vorstellung zur weiteren Abklärung aber
    auch bei negativem PSA-Wert nötig.

    2.2. Verlaufskontrolle zur
    Therapieentscheidung
    Absprache zwischen Hausarzt und Urologen über
    Rollenverteilung, insbesondere bei multimorbiden
    Patienten mit Mobilitätseinschränkung.
    In der Palliativbehandlung spielt die PSA-Bestimmung
    keine Rolle mehr.

    Ich würde meinen, perfekter kann das Zusammenspiel zwischen Hausarzt und Facharzt nicht abgespult werden. Die eingeblendeten Studienergebnisse mit den Hinweisen auf Krebsmortalität durchaus zielgerichtet.

    Seinen Humor hat DM Andrusch überdies mit diesem Satz:

    "Je besser Hausarzt und Urologe
    zusammenarbeiten, je besser
    lassen sich unsere Patienten
    führen."

    bewiesen, den er auf seiner Folie mit einem Uli Stein Bild versah, auf dem ein Mann auf dem Krankenhausbett liegt und seine Frau fragt: "Und, was hat der Oberarzt gesagt"? "Ich soll schon mal überlegen, was ich für Deinen Porsche haben will. Er hätte Interesse"

    Ja, manchmal sollte man es wirklich auch mal mit Humor angehen lassen.

    „Die Kindheit ist jene herrliche Zeit, in der man dem Bruder zum Geburtstag die Masern geschenkt hat.“
    (Peter Alexander Ustinov)

    Gruß Harald

  5. #15
    Harald_1933 Gast
    PSA - ein Marker nur für Experten?!

    Univ.-Prof. Dr. med Kurt Miller, Charitè, Universitätsmedizin Berlin, Klinik für Urologie stellte zu dieser Frage Tafeln mit Rechenscheiben ein, die das PSA-Risiko > 3.0 ng/ml herausfiltern sollen.

    Bitte - hier - lesen und - hier -

    Es wurden die S3 Leitlinien auszugsweise passend zur Fragestellung vorgestellt, nämlich: Empfehlungsgrad A :

    "Männer, die mindestens 45 Jahre als sind und eine mutmaßliche Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren haben, sollen prizipiell über die Möglichkeit einer Früherkennung informiert werden. Bei Männern mit erhöhtem Risiko für ein Prostatakarzinom kann diese Altersgrenze um 5 Jahre vorverlegt werden.

    Die Männer sollen über die Vor-und Nachteile der Früherkennungsmaßnahmen aufgeklärt werden, insbesondere über die Aussagekraft von positiven und negativen Testergebnissen sowie gegebenenfalls erforderliche weitere Maßnahmen"

    Früherkennung:

    auch dazu die Leitlinien, nämlich Empfehlungsgrad B

    Für Männer, die weiterhin eine PSA-Früherkennungsuntersuchung wünschen, sollte sich das Intervall der Nachfolgeuntersuchungen am aktuellen PSA-Wert und am Alter der Patienten orientieren, sofern keine Indikation zur Biopsie gegeben

    Altersgruppe ab 45 Jahren und einer Lebenserwartung > 10 Jahren

    PSA < 1 ng/ml Interval alle 4 Jahre
    PSA 1-2 ng/ml Interval alle 2 Jahre
    PSA > 2 ng/ml Interval jedes Jahr

    Für Männer über 70 Jahre und einem PSA-Wert < 1 ng/ml wird
    eine weitere PSA-gestützte Früherkennung nicht empfohlen

    Noch ein Hinweis:

    - Malmö Preventive Projekt, ungescreente Population
    - n =21277 Männer
    - Blutentnahme zwischen 1974-1985
    - Mediane Nachbeobachtung 27 Jahre
    - bis 31.12.2006, n= 1408 P-Karzinome klinisch entdeckt

    „Nur am Widerspruch zwischen dem, was etwas zu sein beansprucht, und dem, was es wirklich ist, läßt sich das Wesen einer Sache erkennen.“
    (Theodor W. Adorno)

    Gruß Harald

  6. #16
    Harald_1933 Gast
    DNA-Zytometrie - Freund oder Feind ?!

    Univ.-Prof. Dr. Alfred Böcking (em.) Universitätsklinikum Düsseldorf, Institut für Cytopathologie widmete sich diesem Thema, das auch mir ganz besonders am Herzen liegt.

    In einem leidenschaftlichen Vortrag brachte Prof. Böcking einmal mehr zum Ausdruck, welchen Stellenwert die Ploidiebefundung versus GS genießt, um die Malignität eines Tumors objektiv zu manifestieren. Schon einen Tag vor meiner Abreise nach Magdeburg stellte mir Prof. Böcking seine Vortragsfolien mit der Zustimmung zur Einstellung in dieses Forum zur Verfügung. Ich freue mich ganz besonders, die Ehre haben zu dürfen das jetzt und - hier - realisieren zu können.

    „Das Beste sollte nie hinter uns, sondern immer vor uns liegen.“
    (Bertrand Russell)

    Gruß Harald

  7. #17
    Harald_1933 Gast
    Nach einer Kaffepause in der Industrieausstellung und der anschließenden Posterbegehung war das Podium für die Podiumsdiskussion mit Fallbeispielen - PSA - wann, wie und von wem? vorbereitet worden.




    Univ.-Prof.Dr. med Kurt Miller, Urgestein und Energiebündel, moderierte in seiner temperamentvollen und manchmal auch humorigen Art mehr als eine halbe
    Stunde lang die Podiumsdiskussion mit folgenden Teilnehmern:

    Thomas Spieler, Zerbst - niedergelassener Internist
    Stefan Andrusch, Halberstadt - niedergelassener Allgemeinarzt
    Jens Peter Zacharias, Bundesverband Prostatakrebsselbsthilfe
    Axel Merseburger, Hannover - Urologe
    Udo Rebmann, Dessau - Urologe
    Hugo Plate, Dessau - niedergelassener Urologe





    Nun waren aber nur 5 Stühle auf dem Podium besetzt. Es fehlte der Vorsitzende des Berufsverbands der Internisten in Sachsen Anhalt, Herr Diplommediziner Thomas Spieler aus Zerbst. Warum ? Verkehrsstau ? Jens Peter Zacharias - zweiter von links - hatte sicher genug Notizen auf seinem Schreibblock vermerkt, um die Lücke bei Fragen von Kurt gut ausfüllen zu können. Überhaupt gab er sich absolut nicht bedeckt, sondern zog munter vom Leder, als man ihn bat, Wünsche und Vorstellungen des BPS an die Adresse der anwesenden Ärzteschaft zu formulieren. Es ging nicht nur um die weitere Aktualisierung der S3 Leitlinien zum Prostatakrebs, sondern auch um Verbesserungen in klinischen Abläufen. Er stellte deutlich klar, wie sehr man auch zukünftig an bisherigen gemeinsamen Strategien festzuhalten interessiert und auch dazu bereit sei.

    Den von Martin Schostak schon am Freitag vorgestellten Ted-Geräten wurde nun mehrfach Leben eingehaucht, indem verschiedene Krankenabläufe auf den beiden großen Präsentationstafeln angezeigt wurden, für die die Kongressteilnehmer mehrere Behandlungsoptionen zur Auswahl zum Anklicken hatten. Dass es dabei, wie auch im täglichen Leben, durchaus zu abweichender Einschätzung bzw. Meinung kommen kann, demonstriert das folgende Foto





    Schließlich erfuhr man auch noch das:

    Alter versus Lebenserwartung:
    70 - 13.25
    75 - 10.15
    76 - 9.59
    80 - 7.51
    85 - 5.40


    Das stimmt zumindest mich ganz fröhlich, weil ich meiner Frau ja die 90 in Aussicht gestellt habe. So eine Podiumsdiskussion lockert die Stimmung und man hat die Möglichkeit, sich ganz besonders eindrucksvoll oder vorteilhaft einzubringen. Wer wirklich etwas zu sagen hat, dem bietet sich eine kostenlose Plattform für seine ganz besonderen Belange, vor allem, wenn es um Prostatakrebs geht, und um den ging es.

    "Nur Kinder, Narren und sehr alte Leute können es sich leisten, immer die Wahrheit zu sagen"
    (Winston Pencer Churchill)

    Gruß Harald

  8. #18
    Harald_1933 Gast
    Unter der Überschrift "Das kastrationsresistente Prostatakarzinom" moderiert von Paolo Fornara und Markus Porsch, sprach Prof. Dr. med. Axel S. Merseburger, Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Urologie und Urologische Onkologie, zum Thema Monitoring, Therapieselektion und Follow Up.

    Optimal management of metastatic castration-resistant prostate cancer: Highlights from a European Expert Consensus Panel

    Hierzu bitte - hier - lesen

    EAU - DGU Empfehlungen für ADT - bitte - hier - lesen

    EAU Definition Kastrationsresistenz:

    - hier - bitte lesen

    68Ga-Prostata-spezifisches Membran- Antigen (PSMA) PET-CT / MRT zur Lokalisation des biochem. Rezidivs

    Bitte - hier - lesen

    PSMA: höhere Sensitivität zur Detektion von Leber- und Knochenfiliae aufgrund eines geringeren Hintergrundsignals
    (18)F-Cholin-PET/CT - PSMA-PET/CT
    PSMA: höhere Sensitivität zur Detektion kleiner Filiae durch höheren Traceruptake:
    (18)F-Cholin-PET/CT - PSMA-PET/CT
    PSMA-PET/CT - PSMA-PET/MRI
    Ga-PSMA PET/MRI: Metastasen besser und genauer detektierbar als im PET-CT

    Definition des kastrationsresistenten Wachstums
    Kastrationswerte für Testosteron im Serum
    (< 20 - 30 ng / dl)
    ? 3 konsekutive PSA - Anstiege im Abstand von je
    2 Wochen, wobei 2 Werte mit Zunahme von = 50 %
    oberhalb des Nadirs liegen
    ? Progression von Knochen - oder Weichteilmetastasen

    Randomized phase-II trial of abiraterone acetate plus LHRH-therapy versus
    abiraterone acetate sparing LHRH-therapy in patients with progressive
    chemotherapy-naïve castration-resistant prostate cancer (SPARE)
    =
    Primärer Endpunkt: radiographisch progressions-freies Überleben (rPFS)
    Sekundäre Endpunkte: PSA-Ansprechen, PSA-progressions-freies Überleben,
    Toxizität, Effekt auf Hypophysen-Gonaden-Achse

    Verlauf
    ? mCRPC 10 Zyklen Docetaxel (7 Monate, OGX-011 Studie, Synergy)
    ? Therapiepause 6 Monate (PSA 12ng/ml)
    ? MDV3100 EAP (7 Monate)
    ? PSA 22ng/ml
    ? Abiraterone (4 Monate)
    ? PSA 18ng/ml; ansteigend
    ? Docetaxel Rechallenge seit 3 Monaten
    ? PSA aktuell 12ng/ml
    ? Was als nächstes
    ? Cabazitaxel?
    ? Enzalutamide/Abiraterone Rechallenge?
    ? Comet-1-Studie (Cabozantinib)?
    ? Alpharadin?

    Klinische Studie COMET-1 - siehe - hier -

    Sequenz „Docetaxel – Abiraterone – Enzalutamid“

    Salvage chemotherapy mit Carboplatin plus wöchentlich Docetaxel:
    ? 82 DRPC seit 2005 behandelt mit Docetaxel/Carboplatin
    ? Mediane Follow-up 15,6 Monate
    ? Objective Ansprechrate 40.8%; disease control rate 63.3%
    ? PSA Ansprechen (>50%) bei 47,6% pts.
    ? Mediane PFS: 6.9 Monate
    ? Mediane OS: 18,0 Monate
    ? 3/4 Toxizität: Leukopenie/Neutropenie (42.7/37.8%)

    Zusammenfassung:

    ? Vielzahl neuer Behandlungsoptionen beim mCRPC
    ? Früher Einsatz der tertären Hormonmanipulation
    ? Datenlücken:
    ? M0 CRPC
    ? Viszerale Metastasen
    ? Ältere und comorbide Patienten
    ? Optimale Zeitpunkt Chemotherapie
    ? Optimale Sequenz unklar
    ? ADT und Osteoprotektion kontinuierlich
    ? Zukunft: Gensequenzierung

    „Langfristig ist man nur erfolgreich, wenn man weiß, warum man erfolgreich ist.“
    (Rupert Lay)

    Gruß Harald

  9. #19
    Harald_1933 Gast
    Das kastrationsresistente Prostatakarzinom: Hormonelle Manipulation

    Zu diesem Thema wollte Prof. Dr. med. Johannes Wolff, Paracelsiusklinik Golzheim-Düsseldorf das Wort ergreifen, er war aber leider verhindert. Prof.Merseburger übernahm dann das Referat.

    Evolution der Therapie des Prostatakarzinoms:

    Kastration
    Abirateron - Enzalutamid - Sipuleucel-T
    Docetaxel - Radium-223
    Abirateron - Cabazitaxel - Enzalutamid - Radium-223

    ADT kontinuierlich? - Dieses Fragezeichen wird wohl ewig bleiben

    LH/LH-Rezeptor Expression bei LNCaP Zellen - dazu bitte - hier - lesen

    LH Stimulation von LNCaP Zelllinien - hierzu mal sehr ausführlich - hier -

    Randomized phase-II trial of abiraterone acetate plus LHRH-therapy versus
    abiraterone acetate sparing LHRH-therapy in patients with progressive
    chemotherapy-naïve castration-resistant prostate cancer (SPARE)

    Progressive chemotherapy naive CRPC (70 Pts, 12 Zentren
    Abiraterone 1000mg, Prednisone 2x5mg, LHRH-Therapie
    Abiraterone 1000mg, Prednisone 2x5mg
    Randomisation 1:1

    Primärer Endpunkt: radiographisch progressions-freies Überleben (rPFS)
    Sekundäre Endpunkte: PSA-Ansprechen, PSA-progressions-freies Überleben,
    Toxizität, Effekt auf Hypophysen-Gonaden-Achse

    Zur Erstlinientherapie asympt. oder gering sympt. Patienten wird auf die S3 Leitlinien verwiesen.

    First Line Optionen beim CRPC:

    Abiratone + Enzalutamid als asymtomatisch + mild symptomatisch
    Docetaxel als asymtomatisch + symptomatisch
    Radium 223 als symptomatisch

    PREVAIL: Phase-III-Studie mit Enzalutamid bei Männern mit mCRPC nach Progression unter einer ADT:

    - Hier - Erläuterungen

    PREVAIL: Enzalutamid reduzierte das Sterberisiko um 29 % im Vergleich zu Placebo:

    Auch - hier - bitte lesen und - hier -

    PREVAIL: Der Überlebensvorteil durch Enzalutamid wurde in allen Subgruppen beobachtet
    PREVAIL: 81% Risikoreduktion einer radiographischen Progression oder Tod im Enzalutamid-Arm im Vergleich zu Placebo
    PREVAIL: In der Placebogruppe wurden häufiger Anschlusstherapien durchgeführt
    PREVAIL: Häufigste unerwünschte Ereignisse und besondere unerwünschte Ereignisse

    Alle diese auf Schautafeln belegten Aussagen ließen sich nicht einzeln resp. detailliert im Internet nachverfolgen bzw. recherchieren. Finden aber in den Hinweisen zu PREVAIL ihren Niederschlag.

    Dennoch aus meiner Sicht zusammenfassend zu PREVAIL noch diese umfassenden Hinweise.

    "Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont"
    (Konrad Adenauer)

    Gruß Harald

  10. #20
    Harald_1933 Gast
    Das kastrationsresistente Prostatakarzinom - Zytotoxische Therapie - Das war das Thema für PD Dr. med Peter J. Goebell vom Waldkrankenhaus St. Marien Erlangen, Klinik für Urologie

    Bedeutung für den Klinikalltag:
    • Chemotherapie vs Hormonmanipulation
    • Sequenztherapie
    • Chemotherapieregime

    Auf 8 Vortragsfolien mit der identischen Überschrift "Chemotherapie vs Hormonmanipulation" werden unzählige Daten sichtbar. Die Tafeln sind alle mit der Signatur Asco versehen. Aus diesem Grund bitte nachfolgende Links einsehen, die die notwendigen Informationen enthalten sollten.

    http://www.prostata.de/pca_prostatakrebstherapie.html
    http://www.mriu.de/pdf/PT_Prostata_2...motherapie.pdf
    http://www.tumorzentrum-berlin-buch....rapie_2013.pdf
    http://www.oncotrends.de/metastasier...s-neues-422608

    Zum folgenden Stichwort "Sequenztherapie" bitte - hier - lesen und auch noch - hier -

    Chemotherapieregime - 6 Schautafeln mit dieser Überschrift weisen z. B. auf Time to Progression und Overall survival hin. Zusammenfassend heißt es auf der letzten Tafel: Chemotherapie ist zentrale Therapieoption - "frühe" Chemotherapie sollte evaluiert werden - Chemotherapie kann modifiziert werden.

    Nachfolgend habe ich Links zusammengestellt, die das Thema Chemo zum CRPC ausführlich behandeln:

    http://www.medical-tribune.de/home/n...ie-nutzen.html
    http://www.urologielehrbuch.de/prostatakarzinom_10.html
    http://www2.delta-search.com/?q=www+...4A0024215BAC60
    http://www.oncotrends.de/radium-223-...astasen-421933

    „Erfolg ist so ziemlich das Letzte, was einem vergeben wird.“
    (Truman Capote)

    Gruß Harald

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