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Thema: 15 Jahre

  1. #41
    Registriert seit
    05.06.2006
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    Hamburg
    Beiträge
    192
    Lieber Helmut und Hallo in die Runde,

    Es ist schon so wie hier bereits geschrieben: entweder rennt man bei diesem Thema offene Türen ein oder gegen Mauern. Da könnte man schnell sagen, hat eh keinen Sinn darüber zu schreiben. Ich bin aber sehr froh wenn Helmut nicht nur seine Gedanken, sondern auch seine Recherchen mitteilt. Ich ziehe daraus einen Gewinn. Danke Helmut.

    Vor manchen Beiträgen sitze ich nun kopfschüttelnd. Schon klar, es gibt dazu verschiedene Meinungen, aber wenn die Botschaft quasi in die Richtung geht…. wer sich umbringen will, soll es halt tun, wo ist das Problem, oder in die Richtung … wir sind jung und du bist alt… dann finde ich das ziemlich daneben. Dann noch die gekränkten Eitelkeiten ….

    Nun gebe ich doch meinen Senf dazu:
    Ich bin bei all denen die sagen, mehr Hospize und Palliative Einrichtungen müssen her. Seht Euch die Anzahl der vorhandenen Plätze an und es wird schnell klar, dass es nie, wirklich nie, auch nur annähernd genügend davon geben wird.

    Menschen, die zum größten Teil nicht in der Situation sind (Ärzte, Priester, Politiker) wollen mir sagen, dass keiner Schmerzen aushalten muß und bin ich nur erst in einer der erwähnten Einrichtungen, dann würde ich nicht sterben wollen. Es wird mir dann jede Unterstützung zuteil, genügend Medikamente, Zeit, Zuwendung, usw. Je besser ich untergebracht bin, je mehr Geld ich habe, desto länger wird vermutlich mein Sterben dauern.

    Will ich den Weg abkürzen, bekomme ich nichts, rein gar nichts. Ist das recht?

    Meine Mutter hat gut auf Morphium angesprochen, sie bekam davon ausreichend, hatte keine Schmerzen. Aber sie war in einem elenden, elenden Zustand und sie sah keinen Sinn darin diesen Weg zu Ende zu gehen, bis das Ende von selbst kommt. Sie wäre sehr gerne früher gestorben und ich würde das auch wollen, als in so einem grottenschlechten Zustand Wochen und Wochen verbringen zu müssen und zu wissen, dass am Ende ohnehin der Tod und keine Besserung zu erwarten ist.

    Es kann ja jeder halten wie er es für richtig hält. Mir ist schon bewusst, es kann noch den einen Blick, das eine Wort eines Sterbenden geben, der für die Hinterbliebenen bedeutend ist, ich kann in meinem Sterben anderen vielleicht zeigen wie man es gut machen kann. Aber ich, nur ich, will entscheiden ob ich das tun mag. Und ja, ich hätte gerne dass man mir hilft leicht zu sterben wenn ich nicht mehr kann, es nicht mehr aushalte. Ich möchte gerne das, was man jedem geliebten Haustier zusteht. Aus christlicher Barmherzigkeit wenn ich darum bitte.
    Es kränkt mich, dass man mir die Hilfe verweigert und es ärgert mich maßlos wenn mir andere sagen dass es die Sterbehilfe nicht braucht, schon gar nicht bei unserer Geschichte, oder dass ich den lieben Gott traurig mache. Mein ganzes Leben lang hieß es, man hat immer die Wahl, wurde ich zu einem selbstbestimmten Leben angehalten, hieß es die Freiheit geht über alles und am Ende macht man mir es ganz eng.

    Die Crux ist, dass Menschen die ihr Leben aufgrund von Schmerzen, Leid, - ach, ich brauch das doch nicht alles anzuführen - beenden wollen es zu einem Zeitpunkt tun müssen, zu dem sie eigentlich noch ganz gut eine Weile leben könnten. Sie müssten es tun solange sie noch die Kraft dafür haben, es tun können. Das ist doch schrecklich! Man könnte mit allen möglichen Einschränkungen noch leben, aber man hat Angst den Punkt zu verpassen und dann in eine Mühle zu kommen aus der es keinen Ausweg mehr gibt.

    Als ich vor längerer Zeit in meinem thread über dieses Thema schrieb bekam ich mehrere persönliche Nachrichten von Menschen die es bestimmt gut mit mir meinten, die schrieben ich möge doch therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Nein, es hatte nichts mit dem Tod meines Mannes zu tun, ich beschäftige mich mit dieser Frage seit Jahrzehnten. Es wäre für mich eine große Beruhigung wenn ich wüsste ich könnte auf Sterbehilfe rechnen.

    So denke ich immer wieder darüber nach. Natürlich hoffe ich, dass mir das Schicksal gnädig ist. Oder es mich in einer kalten Winterzeit trifft, ich noch auf eigenen Beinen mich auf eine Bank setzen kann. Es wäre dann auch früher als unbedingt notwendig.

    Lieber Helmut, ich wünsche Dir alles erdenklich Gute, wirklich von Herzen.
    Briele

  2. #42
    Harald_1933 Gast
    Zitat Zitat von helmut (i)
    Und was soll die Aussage, die Entscheidung von frihama hat eine starkes "Gschmäckle"?
    Diese Erbsenzählerei ist ähnlich nervig wie meine Omnipräsenz. Nein, das ganze Drumherumgelabere führt zu keinem Konsens; auch wenn die geschätzte Briele hier nun auch noch ihre Meinung kund tut. Zu Geschmäckle - hier - und - hier -

    Vielleicht hilft es Helmut letztendlich durch seine erneute Forumspräsenz neue Kraft zu schöpfen, um die von ihm zur Threaderöffnung geschilderten Probleme in den Griff zu bekommen. Ich wünsche es ihm aufrichtig.

    "Je mehr man an sich erlebt hat, desto mehr teil nimmt man an anderen und weniger an sich selbst"
    (Ernst Freiherr von Feuchtersleben)

    Gruß Harald

  3. #43
    Registriert seit
    07.10.2008
    Beiträge
    786
    Hallo Rastaman,

    Da kann ich nur sagen, lasse die Kirche im Dorf! Du sprichst immer wieder von außerordentlichen, nicht erträglichen Schmerzen als Begründung für den selbstbestimmten Suizid.

    Rastamann: Helmut befindet sich in einem echten Dilemma. Ein bißchen mehr Empathie, bitte!
    Jetzt erläutere mir einmal warum und wann Du diese Situation bei Helmut erwartest? Bis jetzt hat Helmut mit altersbedingten Einschränkungen zu tun wie viele andere in unserem Lande auch. Prominenter Vertreter ist hier der Altkanzler Schmidt, der auch öffentlich sagt, dass sehr alt werden nicht unbedingt schön sondern beschwerlich ist.
    Aber dies rechtfertigt doch nicht den rechtlich gedeckten Suizid und vielleicht als nächsten Schritt mit staatlicher Prämie für die Erben zwecks Entlastung der Rentenkasse!
    Wir haben in Deutschland auch in diesem Punkt eine Vergangenheit, und das ist sicherlich auch ein wesentlicher Grund mit für die öffentliche Reserviertheit zu dieser Thematik.
    Es ist ein schwieriges und emotionelles Thema, und wer dies anspricht und austeilt, muss mit Gegenwind rechnen und sich mit Kritik auseinandersetzen. Und nun Empathie einzufordern, ist das Gesetz von Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt.
    Gruß Knut.

  4. #44
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    Raum Nürnberg
    Beiträge
    328

    Dank an Briele

    Liebe Briele!

    Herzlichen Dank für diese engagierte, warmherzige Stellungnahme!

    Du schaffst es in Deinem unnachahmlichen Stil, eine andere Klangfarbe in ein Thema zu bringen, ohne das Wesentliche zu vernachlässigen. Du solltest Dich öfters hier melden, um uns Männern ein wenig die Leviten zu lesen.

    Nochmals vielen Dank und alles Gute
    Helmut

  5. #45
    Harald_1933 Gast
    Zitat Zitat von helmut (i)
    um uns Männern ein wenig die Leviten zu lesen.
    Gestandene Männer, die an PCa erkrankt sind und sich redlich bemühen, Betroffenen Hilfestellung zu geben, soweit das mit ihrem Laienwissen möglich ist, sind kaum für Leviten empfänglich oder zugänglich, wobei ich die übrigens aus der Einblendung der auch von mir geschätzten Briele nicht herauszulesen vermag. Bei aller Wertschätzung für Briele, es gibt noch aktive Forumsbenutzer, die sich als Vorbilder oder Gallionsfigur anbieten, die aber evtl. total konträre Meinungen zum Thema des Threads zur Kenntnis bringen würden, sich aber lieber der Stimme enthalten, bevor weiteres Porzellan zerschlagen wird. Es ist schon ziemlich alles gesagt, und ich möchte nicht das letzte Wort haben. Vielleicht erbarmt sich noch ein kompetenter Forumsbenutzer.

    "Aber ich habe gute Zeiten gehabt, und beabsichtige, noch viel bessere zu haben"
    (Prentice Mulford)

  6. #46
    Harald_1933 Gast
    Ergänzung

    Beim Herumstöbern stieß ich auf diesen bemerkenswerten Thread, der in gewisser Weise das umreißt, was aktuell das Thema ist.

    "Mische Tun und Nichtstun, und du verbringst dein Leben in Fröhlichkeit"
    ((Sprichwort aus Russland)

    Gruß Harald

  7. #47
    Registriert seit
    07.10.2008
    Beiträge
    786
    Hallo Harald,
    recht herzlichen Dank für Deinen Hinweis. Dies ist ein wirklich lesenswerter Thread.
    Ich wünsche Dir einen schönen Feiertag.
    Gruß Knut.

  8. #48
    Harald_1933 Gast
    Wachkomapatient darf sterben

    Bitte - hier - lesen

    "Jedes zurückgebliebene Restchen von Hoffnung auf ein verlorenes Glück erneut tausend Schmerzen, sobald die Seele müßig ist und die Sonne durchscheinen läßt"
    (Brunhilde Miehe)

    Gruß Harald

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