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Thema: 15 Jahre

  1. #1
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    15 Jahre



    Der Weg ins Ungewisse - Gedanken über Selbstbestimmung im Alter.


    Heute vor 15 Jahren - am 17.05.2000 - erhielt ich die Diagnose Prostatakrebs.

    Dieses "Jubiläum" ist für mich immer wieder Anlass, Bilanz zu ziehen, um sowohl die Vergangenheit wie auch die Gegenwart zu bewerten und Zukunftschancen einzuschätzen.

    Bereits zum 14. Jahrestag hatte ich in diesem Bericht erwähnt, dass sich bei mir eine gewisse Gelassenheit eingestellt hat, die im wesentlichen aus meinem Alter resultiert. Das aufgetretene Rezidiv zeigt eine sehr geringe Progression, sodass ich davon ausgehe, dass es mir keine Schwierigkeiten mehr macht.


    Ich hatte weiter erwähnt, dass meine Lebensqualität durch andere Faktoren stark beeinträchtigt wird. Eine seit 20 Jahren bestehende Polyneuropathie hat in Verbindung mit weiteren altersbedingten Abbauprozessen zu deutlichem Muskelabbau, verbunden mit Schwäche, Sensibilitäts- und Koordinationsstörungen geführt.

    Mit den nachfolgenden Gedanken möchte die Aufmerksamkeit auf Probleme lenken, die nicht PK - spezifisch sind, aber jeden von uns betreffen. Es geht um die Folgen der demographischen Entwicklung, auf welche Staat und Gesellschaft nicht genügend vorbereitet sind.


    Meine aktuelle Situation



    Der oben erwähnte Trend hat sich leider fortgesetzt.

    Die geschädigten Nervenbahnen leiten Impulse und Reflexe nur abgeschwächt und mit Verzögerung zu den Zielorganen, sodass vor allem in den Extremitäten motorische und sensorische Defizite entstehen und vermutlich auch die Versorgung mit Sauerstoff und Mikronährstoff mangelhaft ist. Muskelabbau, Kraftverlust, Sensibilitäts- und Koordinationsstörungen sind die Folge.

    Die Schwäche schreitet weiter fort, erschwert die Bewältigung des Alltags und macht einfachste Verrichtungen zum Problem. Ich gehe fast nicht mehr aus dem Haus und bin gezwungen, ständig Halt zu suchen. Bewegungsmangel fördert den weiteren Muskelabbau und die Gelenke beginnen mangels ausreichender Unterstützung zu schmerzen. Die Intensität der Symptomatik schwankt; an manchen Tagen kann ich mich kaum auf den Beinen halten. Das damit verbundene Sturzrisiko stellt eine große Gefahr dar. Knochenbrüche könnten zur völligen Immobilität mit unabsehbaren Folgen führen.
    Weitere unerfreuliche Symptome haben neuerdings zum Verdacht auf Morbus Parkinson geführt.

    Der weitere Weg könnte schwierig werden!

    Ich schreibe diese Zeilen nicht, um mein Schicksal zu beklagen, sondern vielmehr, um meine Wertvorstellungen - vor allem zum Thema Selbstbestimmung - zu schildern, die im Übrigen auch von meiner Frau uneingeschränkt vertreten werden.

    Ich bin 85, habe ein erfülltes Leben hinter mir und akzeptiere meine Endlichkeit. Aber ein Mindestmaß an Lebensqualität und der Erhalt der Selbstbestimmung haben für mich absolute Priorität und sind mir deutlich wichtiger als weitere lange Lebensdauer. Deshalb wehre ich mich dagegen, den weiteren "natürlichen Ablauf" schicksalsergeben hinzunehmen.

    Die Natur betreibt einen unvorstellbaren Aufwand, um neues Leben zu schaffen, aber sie hat keine Vorsorge getroffen, um das "gelebte" Leben würdig zu beenden. Das Individuum verliert nach Erfüllung seiner biologischen Aufgabe seine Bedeutung und wird - von Ausnahmen abgesehen - gnadenlos dem Verfall preisgegeben.


    Fakten

    Die moderne Medizin erbringt große Leistungen, indem sie auftretende Krankheiten bekämpft und unsere Lebensspanne verlängert. Die bittere Kehrseite ist, dass im Alter Krankheiten auftreten, die man früher überhaupt nicht kannte. Der Verfall wird zeitlich verschoben, aber nicht vermieden, u.U. sogar verlängert.

    Die Zahl der pflegebedürftigen Senioren steigt dramatisch an, während qualifiziertes Pflegepersonal bereits heute knapp und unterbezahlt ist. Die Kosten werden ins Unermessliche steigen, die Pflege wird weiter an Qualität verlieren.

    Die Zahl der Suizide unter den Älteren steigt deutlich. 2013 wurden in Deutschland ca 10.000 Suizide registriert, der Anteil der über 60jährigen betrug 45%, wobei der Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtbevölkerung bei 25% liegt. Da es eine hohe Dunkelziffer gibt, dürfte der effektive Anteil noch höher liegen, ebenso die Zahl der missglückten Versuche.

    Ich vermisse im Internet ein seriöses Forum zum Thema Suizid, welches vielen Gefährdeten die Möglichkeit bieten würde, sich auszutauschen und damit Rat und Erleichterung zu finden. Es wäre eine wirksame Form von Suizid - Prävention.

    Das Grundrecht des Menschen auf Selbstbestimmung führt zwangsläufig zum Thema Sterbehilfe. Jeder Mensch sollte für sich das Recht haben, zu entscheiden, wann und wie er sein Leben beenden will, egal aus welchen Gründen. Niemand soll zum Sterben gedrängt, aber auch nicht zum Leben gezwungen werden

    Es ist für mich unverständlich, warum Gesellschaft, Staat und Kirche dem Thema Sterbehilfe so restriktiv gegenübersehen. Ich sehe in dem Bekenntnis zur Sterbehilfe einen hohen ethischen Wert, weil sie vielen Menschen unendliches Leid ersparen würde. Viele Ärzte in Deutschland wären zu einer Freitodbegleitung bereit, wenn ihre Standesorganisation es nicht verbieten würde.


    Die Bundesregierung will bis Ende 2015 ein Gesetz verabschieden, welches die Rechtslage zum Thema Sterbehilfe neu regelt. Innerhalb der Parteien gibt es sehr unterschiedliche Positionen und auch in der Öffentlichkeit wird es kontrovers diskutiert.


    In den letzten Wochen wurden vermehrt kritische Stimmen gegen das im Herbst möglicherweise kommende Verbot der organisierten Sterbehilfe laut.

    So haben sich über 140 renommierte Strafrechtler in einer gemeinsamen Resolution gegen das geplante Verbot des assistierten Suizids ausgesprochen. Die Resolution darf als Zeichen dafür gewertet werden, dass das von vielen Bundestagsabgeordneten befürwortete "Verbot der organisierten Sterbehilfe" vor dem Bundesverfassungsgericht wohl keinen Bestand haben würde.
    http://hpd.de/artikel/11581?nopaging=1
    http://hpd.de/artikel/11619

    Anlässlich des 118. Deutschen Ärztetags in Frankfurt ( 12.05.) appellieren deutsche Ärztinnen und Ärzte an den Ärztestand in einem Offenen Brief, Äußerungen des Präsidenten Frank Ulrich Montgomery nicht mehr hinzunehmen und für die Sache der Patienten einzutreten.
    http://www.dghs.de/fileadmin/user_up...zeitung_R1.pdf

    Weitere Medienberichte sind hier zu finden:

    "Das Verbot der Sterbehilfe wäre ein Rückschritt" (Die Welt):
    http://www.welt.de/politik/deutschla...ckschritt.html

    "Positive Kultur des Sterbens" (taz-Interview mit BGH-Richter Thomas Fischer):
    http://www.taz.de/!158643/

    Scobels Buchempfehlung "Letzte Hilfe" (3sat):
    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=47326

    Auch die Deutsche Gesellschaft für humanes Sterben, die Giordano Bruno Stiftung und selbst
    Dignitas weisen auf ihrer Homepage auf diese Entwicklung hin.


    Mein persönliches Fazit:


    Ab einem bestimmten Stadium des Verfalls erscheint mir das Leben nicht mehr lebenswert. Dies kann durch Schmerzen, Atemnot, Immobilität, Perspektivlosigkeit und Verlust der Selbstbestimmung bzw. der Partnerschaft bedingt sein.

    Die Vorstellung, in Windeln und mit Magensonde, in einem Milieu der Hoffnungslosigkeit dahin zu vegetieren, ist unerträglich. Ebenso unvorstellbar ist es, den Verfall der Persönlichkeit durch Demenz durchleben zu müssen.

    Ich werde versuchen, alles zu tun, um ein solches Stadium zu vermeiden.

    Lieber selbstbestimmt sterben als fremdbestimmt leben.


    Ethische oder religiöse Gegenargumente kann ich für mich nicht erkennen.

    Selbst Hans Küng, der bekannte Religionswissenschaftler und gläubige Christ hat sich nach Diagnose einer degenerativen Erkrankung bei Exit angemeldet und betont:
    "Ich nehme die Verantwortung wahr für mein Sterben zur rechten Zeit, eine Verantwortung,
    die mir niemand abnehmen kann".

    Ein Suizid in Eigenregie ist für mich nicht vorstellbar, solange andere Optionen zur Verfügung stehen. Er ist riskant, teils brutal in der Methode und rücksichtslos, wenn er in der Öffentlichkeit stattfindet, wo u.U. andere Menschen mit einbezogen werden können.

    Die Sterbehilfe - Organisationen in der Schweiz bieten eine zuverlässige, professionelle Freitodbegleitung mit Erledigung aller bürokratischen Begleitmaßnahmen incl. Kremation. Die Tatsache, dass dies gegen Bezahlung erfolgt, finde ich angemessen, denn es wird eine verantwortungsvolle Dienstleistung erbracht, die ich mir ja wünsche. Der Gedanke, zu einer letzten Reise dorthin aufzubrechen, evtl. den Partner dorthin begleiten zu müssen, ist allerdings schwer vorstellbar, wäre unter gewissen Umständen jedoch als "ultima Ratio" denkbar. Schweres Leid kann viele Hürden überwinden.

    Ich wünsche mir vor allem eine Lockerung der Restriktionen hinsichtlich der ärztlichen Beihilfe zum Suizid. Eine Umfrage hat gezeigt, dass immerhin mehr als ein Drittel (37%) der befragten Ärzte bereit wäre, bei einem Suizid Hilfe zu leisten. Dies verstößt jedoch gegen die ärztlichen Standesrichtlinien und der Arzt riskiert den Verlust seiner Approbation.

    Große Hoffnung setze ich auch auf den weiteren Ausbau der Palliativmedizin, die das letzte Stadium durch eine effektive Schmerztherapie und andere Maßnahmen erträglich machen kann. Der Sterbevorgang kann durch Überdosierung der Sedierung und andere Maßnahmen beschleunigt werden, sodass die Grenze zwischen passiver Sterbehilfe und palliativen Maßnahmen fließend ist. Durch die Einführung der "Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung" (SAPV) wurde die Möglichkeit geschaffen, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und den Wunsch der allermeisten Menschen, zu Hause zu sterben, realisierbar zu machen.

    Eine praktikable Methode sehe ich auch im Verzicht auf Essen und Trinken als Kombination von selbstbestimmtem und natürlichem Sterben, die auch zuhause durchgeführt werden kann.


    Das Thema Sterben ist in der heutigen Gesellschaft tabu, obwohl es untrennbar zum Leben gehört. Ein Mensch, der ein Leben lang geplant und Verantwortung übernommen hat, sollte auch sein Ableben in dieses Konzept mit einbeziehen. Die Bereitschaft, Eigenverantwortung zu übernehmen und einem drohenden Verfall aktiv entgegenzuwirken, erfordert klare Wertvorstellungen, Information und Disziplin.

    Konkrete Maßnahmen hierfür sind Testament, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht,
    Ersatzvollmacht, Bankvollmacht, Willensverfügung zur Organentnahme und Bestattungsvorsorge - Vertrag.

    Zusammenfassend möchte ich dafür plädieren, das Unvermeidliche nicht völlig passiv hinzunehmen, sondern sich bewusst zu machen, dass auch das Lebensende innerhalb gewisser Grenzen gestaltbar ist und damit möglicherweise viel Leid und Elend vermieden werden kann. Es bleibt durchaus offen, ob diese Möglichkeit dann auch genutzt wird, aber das Wissen um die Realisierbarkeit bringt Erleichterung und fördert die Gelassenheit für die restliche Lebenszeit.



    Nachtrag


    Für unsere Kinder habe ich Gedanken zu Alter, Selbstbestimmung und Sterben, sowie Informationen über Sterbehilfe und Organisationen schriftlich formuliert und in einer Art "Altersbilanz" weitere Themen einbezogen, über die im Alltag (zu) wenig gesprochen wird. Dazu gehören Glaube und Religion, Gesellschaft und Moral, aber auch Lob und Anerkennung.


    Dieses Buch trägt den Titel:

    Der Weg ins Ungewisse - Selbstbestimmung im Alter
    und endet mit den Worten:

    Wir wünschen uns, dass Ihr unsere Gedanken als eine Art Vermächtnis betrachtet.

    Es sollte hilfreich sein, Eure Eltern besser zu verstehen,
    wenn sie versuchen, ihre Wertvorstellungen zu realisieren.

    Es sollte nützlich sein für den Fall,
    dass Ihr als Ersatzbevollmächtigte aktiv werden müsstet.

    Es sollte Euch den Abschied erleichtern,
    wenn unser Lebensweg zu Ende geht.




  2. #2
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    Habe schon lange nicht mehr so einen guten Bericht gelesen,kann mich deinen Gedanken und Argumentationen voll und ganz anschließen.

  3. #3
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    Hallo helmut(i),dein persönliches Fazit mit Nachtrag zum aktuellen Thema der Sterbehilfe ist ein wirklich lesenswerter Beitrag,den ich uneingeschränkt positiv bewerte. Leider wird der Bundestag vermutlich in diesem Jahr für eine Ausweitung der Strafbarkeit der Sterbehilfe stimmen und damit die bisher erreichte weitgehende Entkriminalisierung des sensiblen Themas konterkarieren. Das Recht auf Selbstbestimmung jdes Menschen umfasst auch das eigene Sterben. Die Aufrufe der 135 Professoren und Praktiker gegen strengere Gesetze für Sterbehilfe, die u.a. der Meinung sind,dass das geltende Strafrecht ausreicht sowie der Aufruf der 200 deutschen Ärztinnen und Ärzte zum 118.Deutschen Ärztetag, die in einem "Offenen Brief" zum Ausdruck bringen, dass es nicht nur ethisch vertretbar,sondern hilfreich und human ist, einen schwerstleidenden Menschen nicht im Stich zu lassen, der sich wohlinformiert zum Freitod entschlossen hat, wird die Mehrheit unserer Volksvertreter vermutlich nicht überzeugen.
    Frank Ulrich Montgomery,Präsident der Bundesärztekammer ist erneut gewählt worden. Er bleibt mir im Gedächtnis mit seiner Äußerung, Suizidbegleitungen könnten gegebenfalls von "Klempnern" durchgeführt werden und damit das Anliegen der betroffenen Patienten lächerlich gemacht und dem Ansehen des Arztberufes nach meiner Auffassung geschadet.

    Schönen Sonntag aus Bad Godesberg
    klaus42

  4. #4
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    Zuallererst mal herzliche Gratulation, lieber Helmut,
    zum 'dritten Stern' bei Myprostate für das 15-jährige Leben seit der PCa-Diagnose. Du bist nun in einem Alter, in dem einzelne Krankheiten wohl in den Hintergrund treten gegrnüber der Gesamtheit von Gebresten, die das Leben erschweren. Umsomehr Dank dafür, dass Du uns PCa-Betroffenen die Treue hältst. Deine Überlegungen zum Freitod sind sicher für viele von uns ein Leuchtfeuer, das den Weg weist in einer von Tabus erfüllten Dunkelheit. Die Frage um das Lebensende gehört an das Sonnenlicht der Freiheit, nicht in die Finsternis des Verbotes, von Dunkelziffern und Tabus. Dazu leistest Du einen unermüdlichen Beitrag, auch wenn ich, wie unten dargelegt, nicht in allen Punkten einnverstanden bin.

    Ich wünsche Dir nun keinen 'vierten Stern', sondern einen würdigen Lebensabend, erfüllt mit Freude, auch Genuss, und ohne Angst davor, dass Dir der Staat die Kontrolle über das eigene Leben noch mehr entreisse, als dies ohnehin schon geschieht.


    Zitat Zitat von klaus42 Beitrag anzeigen
    ... Suizidbegleitungen könnten gegebenfalls von "Klempnern" durchgeführt werden und damit das Anliegen der betroffenen Patienten lächerlich gemacht und dem Ansehen des Arztberufes nach meiner Auffassung geschadet.
    "Klempner" klingt wohl etwas grob, aber die Freitodbegleitung gehört nun mal nicht in die Hand des Arztes, sondern von dafür ausgebildeten Freiwilligen ausserhalb des 'Gesundheitssystems'. Ein Arzt erbringt Leistungen für das Leben, palliative Lebenshilfe bis hin in den Grenzbereich der finalen Sedation. An ihn die Erwartung zu stellen, das pure Gegenteil zu tun, ist eine Überforderung nicht nur des einzelnen Arztes, sondern eines ganzen Standes.
    Organisierte Freitodbegleitung ist einer pflegerischen Leistung vergleichbar, der Vorbereitung zur selbstständigen Einnahme eines Medikamentes, erbracht mit Empathie, aber auch unter selbstauferlegter strikter Dokumentationspflicht. Nur so kann sich kein Graubereich auftun zwischen Begleitung und Beihilfe bis hin zur aktiven Tötung.

    Dort, wo keine gesetzliche Regelung besteht, bewährt sich die Vereinslösung, in der die Mitglieder, Sympathisanten und Sterbewillige, einen Verein (z.B. EXIT) finanzieren, sodass dieser in einer tragfähigen Struktur Freiwillige auswählen, ausbilden und zur Sterbebegleitung einsetzen kann. Die einzige ärztliche Leistung ist das Ausstellen des Rezeptes für das NaP, das weitaus meistverwendete Mittel zum Freitod. Auch diese Leistung vermittelt der Verein, denn vielen Haus- und Fachärzten geht auch dies schon zu weit. Sei dies aus weltanschaulich-religiösen Gründen, oder weil es ganz einfach keine abrechenbare ärztliche Leistung sei, das geht uns nichts an.

    Ich bin überzeugt, dass Ärzte vor der Erwartung ihrer Patienten um Freitodbegleitung geschützt werden müssen. Dazu reichen die gegebenen standesrechtlichen Regelungen UND ein Rechtsrahmen, in dem Sterbehilfeorganisationen wirken können, ohne Kriminalisierung fürchten zu müssen, womit der Druck auf die Ärzte entfällt.
    Die Diskussion läuft in Deutschland in die falsche Richtung, es geht weder darum, Ärzte zur Freitodbegleitung zu verpflichten, noch sie ihnen per Gesetz zu verbieten. Es reicht, einen gesetzlichen Freiraum zu schaffen, in dem Vereine wie EXIT Raum zur Gestaltung ihrer Aktivität finden. Jeder einzelne Freitod wird ohnehin von der Staatsanwaltschaft untersucht, egal ob begleitet oder nicht, ob gewaltsam, oder ruhig im Sessel oder Sterbebett.

    Das geht! Das Beispiel von EXIT belegt dies tadellos. Leider nicht nördlich des Bodensees.


    Carpe diem!
    Konrad
    Meine Beiträge schreibe ich als CRPCa-betroffener Laie.

    [1] Mein PSA-Verlauf graphisch auf myprostate.eu
    [2] Meine PK-Historie auf Myprostate.eu
    [3] PSA-Verlaufsanalyse 2003-2013 nach Glättli (Was ist PSA-Alert?)
    [4] PSMA-PET/CT vom 04.07.2012: Paraaortale Lymphmetastase
    [5] PSMA-PET von 08.2016 vor PSMA-RLT, danach 03.2017, sowie 05.2017

  5. #5
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    ����������������!!!!!!!!!!!

  6. #6
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    Leider funktionieren Emoji nicht, Sollte Daumen hoch sein

  7. #7
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    Lieber Helmut (i),

    deinen Leidensweg - neben dem Prostataleiden - verfolge ich seit längerer Zeit. Dein aktueller Bericht berührt sicherlich jeden Mitleser.

    Die Anregung zu einem geeigneten Forum unterstütze ich.

    Angemessen hat Konrad dir bereits geantwortet.

    Ich will dir einfach sagen, dass ich mitfühle.

    Winfried

  8. #8
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    Lieber Helmut,
    danke für Deine ehrlichen und wahren Worte. Ich gebe Dir uneingeschränkt Recht und vertrete ebenfalls Deine Meinung.
    Wir werden in dieses Leben gesetzt, ohne vorher gefragt zu werden. Dann sollen wir Verantwortung für unser Leben übernehmen und selbst bestimmen. Nur am 'Ende', da wird uns dieses Recht wieder genommen.
    Es gibt einen wunderbaren Film (Ist das nicht mein Leben?), den ich nur empfehlen kann.
    Worin liegt der Sinn, einen Menschen, der dem Tode geweiht ist, noch länger leiden zu lassen, wenn dieser doch selbst bereits mit dem Leben abgeschlossen hat. Worin liegt der Sinn, mit Medikamenten, Opiaten und ähnlichem das Leben zu verlängern, ein Sichtum, was für den Sterbenden, wie seine Angehörigen nur noch grausames Warten ist. Damit am Ende die Statistiken wieder 'stimmen'?
    Jeder sollte für sich selbst entscheiden, welche Therapien und Möglichkeiten er gewillt ist, zu ertragen und zu erdulden. Haben andere EU und Nicht-EU Länder hier bereits Möglichkeiten geöffnet, steckt Deutschland noch im tiefsten Mittelalter. Es ist ein 'weites Feld' und es ist mir bewusst, in welcher Grauzone wir uns befinden. Doch niemals sollte man den eigentlich Betroffenen ignorieren und letztlich 'entmündigen', weil er nicht mehr selbst bestimmt handeln darf.
    Lieber Helmut, danke für Deinen Mut, der Dich unerschrocken weiter fest begleiten soll.
    Mit lieben Grüßen

  9. #9
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    Sterbehilfe, Querulantentum - Vent-Alarm!

    Liebe Freunde der Sterbehilfe,
    warum muss ich (gefühlt) immer die Gegenposition einnehmen? Warum kommen mir so oft Zweifel, die scheinbar sonst keiner wahrnimmt? Bin ich ein Querulant? Besserwisser? Notorischer Nörgler? Zumindest nervt es mich gewaltig immer als Spielverderber aufzutreten, weshalb ich hier im Forum in Zukunft kürzer treten will – aber den 1000sten Beitrag bekomme ich schon noch hin…

    Zum Thema
    Lieber Helmut, ich kann deine Argumente sehr gut nachvollziehen. Das bezieht sich jetzt nicht auf dich persönlich, da mir deine Situation überhaupt nicht bekannt ist, aber wir sprechen ja hier auch um das große Ganze.

    Selbstbestimmtest Ende des Lebens – fein! Aber das ist auch ein sehr egoistischer Plan! Sind wir nicht irgendwann mal Versprechen eingegangen, hoch offiziell oder stillschweigend mit Menschen denen wir nahe stehen, dass wir Probleme gemeinsam durchstehen? Eine einseitige Aufkündigung dieser Verabredungen ist nicht fair. Man darf sich nicht einfach so vom Acker schleichen, ohne die Menschen die zurückbleiben mit einzubeziehen. Wenn das glückt, wird sich das praktische Vorgehen regeln lassen. Wie Konrad, denke auch ich, dass Ärzte hier vielleicht nicht unbedingt die natürlichen Verbündeten sein können.

    …Wenn wir unsere Köpfe zum letzten Mal auf das Kissen legen und sanft in die Nacht gehen, dann sind unsere Probleme vorbei. Sie aber ist es, die die Stücke aufsammeln und auf der Reise des Lebens ohne uns weiterziehen muss…
    (Harry Pinchot)

    We Need to Appreciate What We Have Despite the Rough Road.
    if nothing's fails, it's not real life

  10. #10
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    Zitat Lowroad
    "...Sind wir nicht irgendwann mal Versprechen eingegangen, hoch offiziell oder stillschweigend mit Menschen denen wir nahe stehen, dass wir Probleme gemeinsam durchstehen?...
    Man darf sich nicht einfach so vom Acker schleichen, ohne die Menschen die zurückbleiben mit einzubeziehen..."

    Bin da bei Dir, Lowroad!
    Aber ich denke, mit dem Sterben ist´s wie mit dem Auf-die-Welt-Kommen. Die Umstände sind undurchschaubar und schicksalhaft (gottgegeben, sofern man einen Gott zuläßt
    Jeder Mensch hat sein einzelnes, einzigartiges Schicksal, das man vielleicht besser annehme.. I don´t know..

    Gruss in die Runde,
    WJ
    ps. die Problematik wird sich noch steigern lassen mit der weiteren Entwicklung der Apparatemedizin..

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