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Thema: Prostatakrebs bei meinem Vater, bitte dringend EINSCHÄTZUNG!

  1. #1
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    Prostatakrebs bei meinem Vater, bitte dringend EINSCHÄTZUNG!

    Guten Tag,

    ich schreibe hier im Forum im Namen meines Vaters. Er kann leider nicht gut Deutsch schreiben.
    Letzte Woche kam sein Biopsieergebnis. Leider bösartig. Mein Vater ist 56 Jahre alt. Seinen allerersten PCA-Wert hatte er 2013 bekommen, da lag er noch bei 1,5.
    Dann Juli 2015 bei 3,2. Dann Juni 2016 bei 4,6 und kurz vor der Biopsie Ende August 2016 bei 4,8.

    Im Befund steht Folgendes:

    In 4 von 12 Proben wurde etwas gefunden.
    In 2 Stücken 3+3=6 und in 2 Stücken 3 (60%)+4=7
    WHO Graduierung: 1-2
    Differenzierungsgrad: G2
    M8140/3

    In 3 Proben sind weniger als 5 Prozent der Stanze betroffen und in einer Probe ca. 15 Prozent. Ca. 0,5 bis 0,7 mm Ausdehnung.

    Beurteilung: 4 Herde eines gut bis mäßig differenzierten und mikroazinär strukturierten Adenokarzinoms der Prostata im rechten Seitenlappen. Partielle Drüsenatrophie, postatrophe Hyperblasie und Mikrolithiasis sowie mäßige chronisch fokal auch subakute Entzündung der übrigen Abschnitte (mit atypischen mikroazinären Proliferationen/ ASAP in 2 Herden).


    Leider kann ich nicht den gesamten Befund hochladen, da wird das nochmal genau beschrieben.

    Bitte gebt mir eine Einschätzung, wie das zu bewerten ist. Mein Vater macht sich total verrückt. Er bekommt am 26.09. ein Knochenzintrigramm und danach ein Adomen CT oder sowas.

    Danach wird entschieden, was gemacht wird. Mein Vater tendiert eher zur Prostataentnahme, in Gronau.

    Ich freue mich sehr über Antworten, bin total am Ende deshalb

    Danke,

    Liebe Grüße,

    Macit

  2. #2
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    Hallo Macit,

    der Befund ist absolut kein Grund, sich "total verrückt" zu machen, oder deswegen "total am Ende" zu sein. Dein Vater wird ganz sicher nicht an diesem Krebs sterben. Es ist ein Krebs von niedrigem bis eben gerade mittlerem Risiko im Anfangsstadium. Die PSA-Verdoppelungszeit beträgt ziemlich genau zwei Jahre. Dies und die Tatsache, dass vier von zwölf Stanzen krebsbefallen sind, schließt allerdings eine Active-Surveillance-Strategie aus, d. h. gegen den Krebs muss etwas unternommen werden. Dein Vater hat ins Auge gefasst, sich in Gronau die Prostata entfernen zu lassen, und das wäre eine gute Entscheidung. Die Skelettszintigraphie am 26.9. ist rausgeschmissenes Geld, bzw. Geldschneiderei. Laut ärztlicher Leitlinie soll die erst ab einem PSA-Wert von 10 ng/ml gemacht werden, weil bei niedrigeren Werten praktisch nie etwas gefunden wird, und davon ist Dein Vater noch weit entfernt. Auch die Abdomen-CT (um nach etwaigen befallenen Lymphknoten zu schauen) wird höchstwahrscheinlich negativ ausfallen, und in Gronau werden sowie die nächstgelegenen Lymphknoten mit entfernt.
    Alles andere, was noch im pathologischen Befund steht – gutartige Prostatavergrößerung, Prostataentzündung und -verkalkung –, ist unerheblich, weil sich das durch das Entfernen der Prostata gleich mit erledigt.
    Wenn Du Dich in die Diagnostik, Therapie usw. des Prostatakrebses einlesen oder ein Nachschlagewerk für später haben willst, dann lade Dir den "Ersten Rat" herunter, um Begriffe und Abkürzungen rund um den Prostatakrebs zu verstehen das Abkürzungsverzeichnis Deutsch und Englisch.
    Noch mal: Es besteht absolut kein Grund zur Panik.

    Ralf

  3. #3
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    Hallo Ralf,

    danke für deine prompte Einschätzung. Du hast mich aehr beruhigt. Mir war es wichtig zu erfahren, wo wir stehen. Ich habe schon viel über Therapiemöglichkeiten durchgelesen und hoffe wie wahrscheinlich jeder hier, dass es sich erst mal mit der Entfernung der Prostata erledigt hat.

    Ich bin erleichtert, dass es noch im Anfangsstadium ist. Dann wird hoffentlich nichts befallen sein. Sein Urologe hat uns dringend empfohlen so ein Zintigramm und CT zu machen :/ wenn man da eh nichts sehen kann, weiss ich auch nicht, was das soll. Wir wussten es ja zu dem Zeitpunkt nicht besser und haben die Termine vereinbart.

    Ich hoffe wirklich, dass wir das hinkriegen, da er noch so jung ist und sich wirklich total fertig macht. Er schläft nachts nicht mehr durch und wir sind nur am recherchieren.

  4. #4
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    Die amerikanischen NCCN Guidelines wurden Anfang diesen Jahres aktualisiert und danach kann auch bei Gleason 3+4 "Active Surveillance" gemacht werden, wenn weniger als die Hälfte der Stanzen befallen und, wie in diesem Fall, der PSA Wert unter 10 liegt.

    Ich sage mal, die Krankheit ist in USA und Deutschland die gleiche, nur die deutschen S3 Leitlinien werden nicht so oft aktualisiert. Ich denke es ist vertretbar auch bei Macit's Vater Active Surveillance zu machen. Angesichts der möglichen Nebenwirkungen bei einer Operation würde ich dies machen.

    Georg

    Macit: bevor Ihr lange recherchiert lest erstmal wie Ralf geschrieben hat die Grundlagen: Basiswissen

  5. #5
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    Hallo Macit,

    wie Ralf und Georg sagen, es gibt keinen Grund zu Panik. Dein Vater kann sich ruhig überlegen, was er am besten tun könnte. Denke auch daran, dass bei einer OP die Lymphknoten auch rausgeholt werden wenn sie ganz gesund sind. Ich verstehe nicht, warum das so oft und automatisch gemacht wird. Ich habe auf eigener Initiative einen PSMA-Petscan machen lassen woraus hervorging, dass es keine Metastasierung zu sehen war in den Lymphknoten. Also ich habe sie nicht rausholen lassen (die Prostata auch nicht!) - ich habe IRE gemacht, u.a. wegen besseren Chancen was die Nebenwirkungen anbetrifft.

    Gruss,

    Drachenfels

  6. #6
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    Hallo Georg,

    ich möchte in diesem thread keine Grundsatzdebatte über die Active Surveillance führen. Wenn, dann sollten wir das in einem anderen thread tun. Nur soviel:


    • Die NCCN guidelines erscheinen mir nach dem, was ich Anfang des Jahres auf dem AS-Kongress in Mailand lernte und was hier nachzulesen ist, als zu optimistisch.
    • Macits Vater erscheint mir nach dem, was Macit schreibt, zumindest derzeit seelisch nicht in der Lage, sich auf AS einzulassen.


    @Macit: Lest Euch trotzdem durch, was im "Ersten Rat" zur AS steht (Kapitel 7.6.1). Eine Therapieentscheidung muss nicht inerhalb der nächsten Wochen fallen, da brennt noch nichts an. Nehmt Kapitel 6 ernst – Erst informieren, dann entscheiden, niemals umgekehrt!

    Ralf

  7. #7
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    Heilungschance abnehmend

    Zitat Zitat von Jambalaya87
    Mein Vater ist 56 Jahre alt. Seinen allerersten PCA-Wert hatte er 2013 bekommen,
    da lag er noch bei 1,5.
    Dann Juli 2015 bei 3,2. Dann Juni 2016 bei 4,6 und
    kurz vor der Biopsie Ende August 2016 bei 4,8.
    Dein Vater ist viel zu jung, um diesen Krebs nur beobachtend abzufeiern.
    Krebs wächst immer nur vorwärts, und bei PSA heute von 5ng/ml wird das in
    zwei Jahren etwa 10 sein und in zwanzig Jahren wären es ohne Therapie 5000,
    will sagen, er würde das nicht erleben.

    Jetzt und in den nächsten Monaten sehe ich eine gute Heilungschance, die langsam
    aber stetig abnimmt. Der Entscheid deines Vaters zur RPE ist nachvollziehbar,
    und Gronau soll eine gute Adresse sein, schreibt man hier im Forum.


    Carpe diem!
    Konrad
    Meine Beiträge schreibe ich als CRPCa-betroffener Laie.

    [1] Mein PSA-Verlauf graphisch auf myprostate.eu
    [2] Meine PK-Historie auf Myprostate.eu
    [3] PSA-Verlaufsanalyse 2003-2013 nach Glättli (Was ist PSA-Alert?)
    [4] PSMA-PET/CT vom 04.07.2012: Paraaortale Lymphmetastase
    [5] PSMA-PET von 08.2016 vor PSMA-RLT, danach 03.2017, sowie 05.2017

  8. #8
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    @Georg_: Ich vergaß darauf hinzuweisen, dass eine PSA-VZ von zwei Jahren ein Ausschlusskriterium für Active Surveillance ist, meines Wissens auch in USA.

    @Drachenfels: Die IRE ist ein experimentelles Verfahren, für das noch keinerlei Langzeitergebnisse vorliegen. Hört auf, dieses Verfahren hier im Forum anzupreisen, auch wenn Ihr selbst damit noch so zufrieden seid!
    Zu Deiner PSMA-PET/CT: Das Fehlen eines Beweises (z. B. für Lymphknotenbefall) ist kein Beweis für das Fehlen, das sollte Allgemeinwissen sein.

    Ralf

    Ralf

  9. #9
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    Ralf,

    Du hattest uns gebeten in diesem Thread keine Grundsatzdiskussionen zu führen und daran will ich mich gerne halten. Sowohl was Active Surveillance angeht als auch IRE.

    Gruß

    Georg

  10. #10
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    Danke an alle für ihre Antworten!

    Das aktive Beobachten kommt für meinen Vater sowieso nicht in Frage, da es ihn psychisch kaputt machen würde. Wenn es medizinisch eh nicht sinnvoll ist bei seinen Werten, dann umso besser.

    Ich werde mir eure Links alle in Ruhe durchlesen und freue mich, wenn ich dann noch Fragen stellen darf, wenn diese auftreten.

    Gibt es denn hier jemanden mit ähnlichen Werten, der mir aus seiner Erfahrung berichten kann?

    Danke für alles!

    Macit

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