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Thema: Ich hatte noch nie so viel Angst

  1. #1
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    Ich hatte noch nie so viel Angst

    Hallo,

    habe mich eine Weile nicht gemeldet... Es gibt auch nicht viel Neues; mein Vater hat metastasierten Prostatakrebs (mit Metastasen in Knochen, Lymphen). Die begonnene Hormontherapie scheint erst einmal zu wirken. Alle sagen, man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Welche Hoffnung?! DAs ist doch schei...!!!
    Es macht mich einfach verrückt, nicht zu wissen, was auf ihn/ uns zukommt. Er selbst verkriecht sich und geht unangenehmen Fragen aus dem Weg, er möchte auch nicht alle Untersuchungen/ Behandlungen über sich ergehen lassen. Es ist kaum Kampfgeist da...

    Sorry... Ich wollte das nur mal los werden...

    Gruß M

  2. #2
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    Zitat Zitat von MarleneH Beitrag anzeigen
    Es ist kaum Kampfgeist da...
    Liebe Marlene,
    Du weisst schon, was da auf deinen Vater zukommen kann.
    Ohne Therapien früher, mit Therapien vielleicht später.
    'Kampfgeist' brauchen Soldaten auf Befehl ihrer Generäle,
    aber bestimmt nicht wir schwerkranken alten Männer.
    Solches zu erwarten, ist eine Zumutung seitens der
    (noch) Gesunden. Natürlich würde es DEIN Leben
    vorübergehend erleichtern, wenn Dein Vater allerlei
    Therapien über sich ergehen liesse, aber es ist nicht
    dein Leben, sondern seines, um das es geht.
    Wie er damit umgehe, ist ausschliesslich seine Sache.
    Wenn Du ihn auf seinem jedenfalls schweren Weg
    ohne Groll begleiten kannst, ist euch beiden viel geholfen.

    Carpe diem!**
    Konrad




    **Lies Horaz' "Ode an Leukonoe", die auch nach über 2000 Jahren
    ein guter Wegweiser im Umgang mit der Vergänglichkeit ist:

    Frage nicht - denn eine Antwort ist unmöglich -, welches Ende die Götter mir, welches sie dir,
    Leukonoe, zugedacht haben, und versuche dich nicht an babylonischen Berechnungen!
    Wie viel besser ist es doch, was immer kommen wird, zu ertragen!
    Ganz gleich, ob Jupiter dir noch weitere Winter zugeteilt hat oder ob dieser jetzt,
    der gerade das Tyrrhenische Meer an widrige Klippen branden lässt, dein letzter ist,
    sei nicht dumm, kläre den Wein und verzichte auf jede weiter reichende Hoffnung!
    Noch während wir hier reden, ist uns bereits die missgünstige Zeit entflohen:
    Nimm den Tag (Carpe diem) und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!
    Meine Beiträge schreibe ich als CRPCa-betroffener Laie.

    [1] Mein PSA-Verlauf graphisch auf myprostate.eu
    [2] Meine PK-Historie auf Myprostate.eu
    [3] PSA-Verlaufsanalyse 2003-2013 nach Glättli (Was ist PSA-Alert?)
    [4] PSMA-PET/CT vom 04.07.2012: Paraaortale Lymphmetastase
    [5] PSMA-PET von 08.2016 vor PSMA-RLT, danach 03.2017, sowie 05.2017

  3. #3
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    Zitat Zitat von Hvielemi Beitrag anzeigen
    'Kampfgeist' brauchen Soldaten auf Befehl ihrer Generäle,
    aber bestimmt nicht wir schwerkranken alten Männer.
    Eine seltsame Auffassung des Mut machens für Schwerkranke.

    Da kenne ich einen besseren etwas abgeleiteten Spruch:
    "Wer kämpft muss auch verlieren können, wer nicht kämpft,
    hat bereits verloren!"

    Was Du selbst gegen Deine Krankheit machst, wirst Du vielleicht
    nicht kämpfen nennen, das hindert dich aber nicht daran, alle
    Möglichkeiten die von der modernen Medizin angeboten werden
    zu nutzen. - Das muss nicht unbedingt als Kampf gewertet werden,
    heisst aber sich nicht dem Schiksal ohne Gegenwehr zu ergeben.

    Heribert

    Vollständige PK-Historie seit 2005 bei
    myProstate.eu
    Menschen sind Engel mit nur einem Flügel.
    Sie müssen sich umarmen um fliegen zu können.



    (Luciano de Crescenzo)

  4. #4
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    Zitat Zitat von Heribert Beitrag anzeigen
    Eine seltsame Auffassung des Mut machens für Schwerkranke.
    Ich betrachte es nicht als meine Aufgabe, 'Mut' und 'Hoffnung' zu machen.
    Das ist was für Pfaffen, Demagogen, Fussballtrainer und Lügner.
    Marlene hat schon Recht:
    "Das ist doch Scheisse"

    Was ich hier immer wieder versuche, ist, bei der Einordnung zu helfen.
    Dazu gehört auch der Wille der Kranken: Wenn Marlenes Vater nicht
    mehr will, ist das sein Wille, der zu respektieren ist.

    Wenn Marlene Daten über die Krankheit ihres Vaters posten würde,
    wär ich gerne bereit, zu erläutern, was das bedeute, und welche
    Therapieoptionen geprüft werden könnten.
    Ob ihr Vater dann so etwas wolle, steht auf einem anderen Blatt,
    das wir nicht schreiben. In irgendeine Richtung Druck zu machen,
    steht auch engsten Angehörigen nicht zu.


    Carpe diem!
    Konrad



    PS, was mich selbst betrifft:
    "Schicksal" ist nicht irgendeine Gottergebenheit (Allahu akbar, Oblaten
    auf der Zunge vergehen lassen), sondern auch, 1953 geboren zu sein
    und damit in meinem Krankheitsstadium Therapieoptionen zu haben,
    die ich nur schon als 49er nicht gehabt hätte.
    Das sind Angebote, die ich gerne annehme, wo ich im Falle von Chemo
    und PRLT aber auch erhebliche Zweifel habe. Ein 'Kampf' ist das nicht,
    es sei denn, die Krankenkasse wollte mir z.B. Xtandi nicht bezahlen.
    Aber da ging es ums Geld, nicht um den Krebs.

  5. #5
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    Hallo,

    erst einmal danke für eure Antworten...

    Mit "fehlendem Kampfgeist" meinte ich lediglich, dass ich den Eindruck habe, dass er tief deprimiert ist und sich aufgegeben hat... Dabei übe ich keinerlei Druck aus, im Gegenteil... Wie auch immer er sich entscheidet, welche Therapien er macht oder nicht macht; Ich bin dabei! Ohne schlaue Ratschläge und ohne "Druck". Ich würde mir aber wünschen, dass er sich wenigstens alle Therapieoptionen ansieht und dann eine Entscheidung trifft...
    Rumgejammert und rumgeheult habe ich nur anonym hier in diesem Forum...

    Den mir bisher bekannten Krankheitsverlauf habe ich in meinem Profil und in "Erste Hilfe/Erster Rat" gepostet... Viel weiter ist die Behandlung bisher nicht gekommen... Die Hormontherapie scheint zu wirken, für diese Knochenbehandlung hat der Zahnarzt noch kein grünes Licht gegeben...

    Gruß Marlene

  6. #6
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    aggressiver Tumor, Metastasen in Hüftknochen, in Lymphknoten, an der Aorta, Auffälligkeiten an HWS

    bei Blasenspiegelung wurden "Fäden" gesehen, die in die Blase wachsen

    aktuell Schmerzen im Hüftbereich und Blut im Urin; trotz begonnener Hormontherapie
    OK, liebe Marlene,
    bei dieser Lage kommen wir auch ohne Gleason-Score weiter, das
    wohl etwa bei 9 von 10 möglichen Punkten liegen wird (Steht im
    Bericht zur Biopsie und wird in jedem Arztbericht wieder aufgeführt).

    Zunächst ist es richtig, sich mit der Hormontherapie einen Aufschub
    zu verschaffen. Nehmen die Beschwerden nicht ab und steigt das PSA
    nach dem Nadir wieder an, kann auf eine Zweitlinien-Hormon-Therapie
    gesetzt werden, Xtandi oder Zytiga, je in Kapsel- bzw. Pillenform.

    Wegen den Metastasen an der Aorta wurde mit erklärt, diese sei ein
    derber Schlauch, in den der Krebs wohl nicht einwachsen würde.
    In der Tat zeigen meine Bilder, dass die Aorta eher vom Wachstum der
    Knoten einfach zur Seite geschoben wird.

    Gegen die Hüftschmerzen wirkt eine Bestrahlung nachhaltiger als
    Schmerzmittel. Die Kontrolle über die Schmerzen, egal wie,
    könnte deinem Vater helfen, seine Situation nicht ganz so dunkel
    zu sehen und dem Leben wieder Freude abzugewinnen.

    Zu den verschiedenen Knochenschutz-Medikamenten schreib ich
    lieber nichts, weil ich mich selbst grad damit befassen müsste,
    es aber vor mir herschiebe.


    Carpe diem!
    Konrad


    Diese Aufforderung hilft nichts, der Schwan kann nicht lesen ...
    Bild:NZZ

  7. #7
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    Marlene,

    die Hormontherapie kann als Nebenwirkung auch zu Depressionen führen. Dein Vater könnte sich von einem Psychologen Mittel gegen Depressionen verschreiben lassen. Dies könnte ihm helfen.

    @Konrad oder wer darauf antworten mag: früher hat man als Zweitlinien-Hormon-Therapie Bicalutamid gegeben. Macht es Sinn dies noch vor Xtandi/Zytiga einzusetzen um den Tumor damit zusätzlich für einige Monate aufzuhalten?

    Georg

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