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Thema: APCCC Advanced ProstateCancer Consensus-Conference in St. Gallen, 9. - 11. März 2017

  1. #11
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    4. Kastrationsresistenter Prostatakrebs

    Die Therapiemöglichkeiten für Patienten mit kastrationsresistenter Erkrankung haben sich in den letzten 10 Jahren dramatisch verbessert. Dabei wurde allerdings in den Zulassungsstudien immer ein generalisierter Ansatz überprüft, d.h. alle Patienten in einem bestimmten Stadium wurden in das Behandlungsprotokoll mit einbezogen. Heutzutage wissen wir aber um die erhebliche Heterogenität der Erkrankung, und es muss die Frage erlaubt sein, ob man hier nicht doch gezielter arbeiten sollte.

    Weiterhin erreichen nun Patienten dieses Stadium, die zuvor schon durch Kombinationstherapien, beispielsweise ADT+Docetaxel, behandelt wurden. Es ist bislang unbekannt, wie diese Männer in fortgeschrittenen Stadien optimal weiter zu behandeln sind.

    Eine große Mehrheit der Experten würde asymptomatische Patienten, egal ob sie zuvor ADT mit oder ohne Docetaxel erhielten, mit Abiraterone oder Enzalutamide behandeln (90%). Trat die Progression allerdings sehr kurzfristig (≤6 Monate) nach Beginn der ADT+/-Docetaxel Therapie auf, dann würden 17% der Ärzte lieber zu Cabazitaxel und 2% zu Docetaxel + Platin basierten Chemotherapien greifen.

    Bezogen auf die Präferenz von Abiraterone oder Enzalutamid nach Versagen der Esrtlinien ADT würden anbieten:
    • 35% Abiraterone zuerst (~90% wenn körperlich eher gebrechlich)
    • 24% Enzalutamide zuerst (84% bei Diabetikern)
    • 37 waren unschlüssig


    Begleitend zur Abiraterone Therapie würden verschreiben:
    • 67% 10mg Prednisone
    • 27% 5mg Prednisone
    • 6% 0.5-1.0mg Dexamethasone (37% bzw. 72% bei Versagen von Abiraterone/Prednisone)

    Dieser hier bschriebene Prednisone/Dexamethasone Switch ist in Deutschland praktisch unbekannt, obwohl Wirksamkeit nachgewiesen.

    Wurde bereits Abiraterone/Enzalutamide und Docetaxel eingesetzt, dann würden
    • 61% Cabazitaxel einsetzen
    • 15% Alpharadin einsetzen
    • 8% Abiraterone oder Enzalutamide je nachdem was bisher nicht zum Einsatz kam einsetzen
    • 6% mit Platin basierten Chemotherapien anbeiten
    • 8% waren unschlüssig


    Käme es zu einer Docetaxel Chemotherapie würden:
    • 86% das 3-Wochenschema (75mg/m2) einsetzen
    • 10% das 2 Wochenschema (50mg/m2) einsetzen
    • 4% das 1 Wochenschema (unbekannte Dosierung) einsetzen



    Bei vorhandenen symptomatischen Knochenmetastasen würden
    • 18% Alpharadin zusammen mit Abiraterone/Enzalutamide bei den meisten Patienten einsetzen
    • 38% Alpharadin zusammen mit Abiraterone/Enzalutamide nur bei bestimmten Patienten einsetzen
    • 42% würde Alpharadin vorerst nicht mit einem weiteren Medikamt kombinieren


    Ein PSA Monitoring würde von ~90% der Experten bei einer Therapie mit Alpharadin durchgeführt. Ebenso würde etwa 90% der Experten die Alkalische Phosphatase (ALP), die bei Knochenabbau oft erhöht erscheint, mit bewerten. 75% würden zusätzlich ein CT-Scan bzw. eine Knochenszintigramm durchführen, 23% sogar ein PET-CT bevorzugen.


    "Oligo-progressive" mCRPC
    Schreitet der kastrationsresistente Krebs weiter fort, geschieht dies oft nicht global im ganzen Körper, sondern zuerst an einzelnen Stellen. Wäre es sinnvoll diese Entwicklung durch gezielte Intervention versuchen aufzuhalten?

    • 40% der Experten glauben das nicht
    • 33% wären dazu bereit, wenn es sich um eine einzelne Läsion handeln würde
    • 23% bei ≤3 Läsionen bei ansonsten stabilem Zustand

    Die Experten, die ein lokale Handlungsoption sehen, würden:
    • 40% die systemische Therapie umstellen
    • 47% würden nur die Läsionen behandeln wollen
    • 13% würden die Läsionen behandeln und die systemische Therapie umstellen



    Poor prognosis, aggressive variant mCRPC
    Wie definiert man Prostatakrebs mit schlechten/gefährlichen Eigenschaften (abseits der aufkommenden Biomarkeranalyse)? Die Experten wurden gefragt, und ich denke das ist von besonderem Interessen, da sie über langjährige Erfahrung verfügen und durchaus einschätzen können, was ein aggressives Tumorstadium ausmacht. Als gefährlich angesehen wird von (Mehrfachnennungen möglich):

    • 71% eine neuroendokrine Entartung
    • 70% ausschließlich Organmetastasen
    • 63% schnelle Progression ohne PSA Korrelation
    • 45% niedrige PSA Werte im Verhältnis zur Tumormasse
    • 34% kurzes Ansprechen (≤12 Monate) der primären ADT
    • 21% eine große Tumormasse


    Wie die einzelnen Risikogruppen optimal zu behandeln wären wurde nicht gefragt, schade!

    In Bezug auf die aggressiven Varianten des CRPCs erkennt die Mehrheit des Gremiums seine Existenz an und bestätigt die Bedeutung diese Stadien zu erkennen, da diese Patienten weniger wahrscheinlich auf nachfolgende AR-gerichtete Therapien reagieren werden; Allerdings gab es keinen Konsens für die genaue Definition dieses Stadiums. Mit einer effektiveren und früheren Unterdrückung der AR-Signalwege in der Krankheitsgeschichte wird die Identifizierung und Behandlung von AR-unabhängigen Varianten zunehmend wichtiger. Die Entwicklung von robusten Biomarkern ist ein offenes Forschungsgebiet. Wir könnten eine Kombination von klinischen und molekularen Merkmalen gebrauchen, um aggressive Varianten zu identifizieren, die sich nicht nur auf neuroendokrine Entartung, die durch Biopsie nachgewiesen wurden, beschränkt, da zielgerichtete Therapieansätze auf der Grundlage einer molekularen Unterklassifizierung von fortgeschrittenem Prostatakrebs entwickelt werden. Das Verständnis der Rolle der DNA-Reparaturmechanismen in Bezug auf bestimmte Erkrankungsformen, die Reaktion auf PARP-Blockierung oder Platin-Chemotherapie Ansprechen und potenzielle Immuntherapie Behandlungsmethoden sind auch wichtig.
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  2. #12
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    Super interessant!
    Vielen Dank für diese Fleissarbeit.

  3. #13
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    auch von uns vielen Dank für die Arbeit!

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