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Thema: Psychoonkologie und Psychotherapie - wie seid ihr dazu gekommen?

  1. #11
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    Guten Tag beisammen!

    Nun, vielleicht habe ich mich doch getäuscht? Es scheint als möchte keiner, der nun zufrieden (oder auch unzufrieden..) psychologische Unterstützung erfährt, hier schildern, wie sein Weg dorthin war?
    Gibt es tatsächlich niemanden, der seine Erfahrungen diesbezüglich teilen will?

    Das überrascht mich nun doch ein wenig...

  2. #12
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    Wie das?
    Schon im dritten Beitrag hab ich Dir meinen Weg und meine
    (Un)-Zufriedenheit mit dem Psychoonkologen beschrieben.
    Das war KEINE Blödelei.

    Mein Weg war vielleicht unüblich kurz, weil das KSSG gemessen
    an deutschen Unikliniken sehr klein ist und auch viel weniger
    bürokratisch funktioniert.
    Der Weg ist aber immer derselbe:
    Onkologe/Urologe empfiehlt, drängt vielleicht und schreibt eine
    Überweisung oder schickt eben nach kurzem Telefonat zwei Treppen
    hoch. Man zögert, sagt den ersten Termin ab, Arzt drängt immer
    noch, und schliesslich geht man halt mal gucken.

    Dann kommt es darauf an, ob es zwischen Patient und Psychologen
    funkt, oder eben nicht.

    Nimm den Tag!
    Konrad

  3. #13
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    Ah Konrad,

    nix für ungut

    Ich habe deinen Bericht - ähnlich wie Detlefs - sozusagen als Weg nicht zum Psychologen, sondern sozusagen "von ihm weg" interpretiert.
    Deine Erfahrungen klingen in meinen Ohren eher nach dem, was man sich auf keinen Fall wünscht!
    Fehlendes Eingehen auf den Patienten, Standartphrasen und Standartmedikation - gegen ausdrückliche und begründete Bedenken - was kann man noch falsch machen?

    Viele Grüße und Danke für deine Erfahrungen
    Florian

  4. #14
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    Hallo Detlef,
    Zitat Zitat von Muggelino Beitrag anzeigen
    Sollte ich jemals wieder in Versuchung kommen, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen (was ich nicht glaube), dann würde ich Wert legen auf eine gute psychologische/psychiatrische Ausbildung des Therapeuten, die halte ich für wichtiger als onkologische Kenntnisse.
    Onkologische Kenntnisse, also Kenntnisse über das Behandeln bösartiger organischer Erkrankungen, muss ein Psychoonkologe auch gar nicht haben. Auf dieser Seite des DKFZ heißt es zu dem Thema:

    "Eine Krebserkrankung hat nicht nur körperliche, sondern auch seelische Folgen. Anzeichen von Belastung können Ängste, Anspannung oder niedergeschlagene Stimmung sein. Solche Phasen erleben die meisten Patienten. Auch vielen Angehörigen geht es so.
    Doch was tun, wenn die Belastung über lange Zeit anhält und den Alltag beherrscht? Wer hilft weiter, wenn die Lebenssituation bereits vor der Krebserkrankung angespannt war? Eine Psychotherapie geht über die psychosoziale Beratung hinaus, die beispielsweise in Reha-Kliniken oder Krebsberatungsstellen möglich ist: Sie bietet regelmäßige Gespräche über einen längeren Zeitraum, meist in einer psychotherapeutischen Praxis."

    Auf der verlinkten Seite gibt es außerdem eine Suchfunktion zu ambulant psychotherapeutisch arbeitenden Psychoonkologen, die alle eine von der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. anerkannte Weiterbildung in der Beratung und Behandlung von Krebspatienten haben.
    Ich selbst habe keinerlei Erfahrung mit einer psychoonkologischen Behandlung.

    Ralf

  5. #15
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    Auf psychologische Gespräche muss man sich einlassen können, wenn der Therapeut verhaltenstherapeutische Ratschläge aussprechen soll, um Probleme zu bewältigen. Tiefenpsychologie ist selbst bei schweren Krebserkrankungen nur sehr selten erforderlich. - Für viele Menschen wird der Psychiater oder auch der Psychologe mit dem Therapeuten in der Klapse in einen Hut gesteckt. Das sind aber ganz andere Fälle.

    Derjenige, der sich auf ein Gespräch einlässt ohne dabei das Innerste nach außen krempeln zu müssen, wird seine Probleme in eine bessere Richtung lenken können. Natürlich nicht nach der ersten Sitzung, aber nach und nach den angstgeprägten Umgang mit seiner Erkrankung verlieren.

    Heribert

    Vollständige PK-Historie seit 2005 bei
    myProstate.eu
    Menschen sind Engel mit nur einem Flügel.
    Sie müssen sich umarmen um fliegen zu können.



    (Luciano de Crescenzo)

  6. #16
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    Hallo Ralf,
    Onkologische Kenntnisse, also Kenntnisse über das Behandeln bösartiger organischer Erkrankungen, muss ein Psychoonkologe auch gar nicht haben.
    Ich fände es schon gut, wenn er sie hätte.
    Anzeichen von Belastung können Ängste, Anspannung oder niedergeschlagene Stimmung sein.
    Denn er sollte zB unterscheiden können, ob die psychischen Belastungen einen realen Hintergrund haben oder völlig unangemessen sind.
    Wenn ich zu Tode erschrecke, weil ich eine Schlange neben mir zu sehen glaube, dann hilft es mir am besten, wenn jemand sagt: "Schau hin, das ist doch nur ein Stock." Ich erwarte also vom Psychoonkologen, dass er die Ursachen für meine Ängste einschätzen kann, und dazu ist onkologisches Grundwissen sicherlich nötig. Ob das in der Ausbildung zum Psychoonkologen vermittelt wird, weiss ich nicht. Aber wenn ich erst anfangen muss, ihm den PSA, die PSA-VZ, den Gleason Score etc. zu erklären, damit er überhaupt weiss, wovon ich rede, dann nützt es mir wenig.
    Dennoch würde ich einen gut ausgebildeten Psychologen mit onkologischer Zusatzausbildung einem Mediziner (hier wurde Krankengymnast genannt) mit psychologischer Zusatzausbildung vorziehen.

    @Heribert:
    Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten unterscheiden sich eher nach ihrer Ausbildung als nach ihrem Einsatzort.
    Der Psychiater ist ein Facharzt, der nach dem Medizinstudium eine Weiterbildung für Psychiatrie und Psychotherapie gemacht hat. Er kann in einer Klinik tätig sein oder als niedergelassener Arzt (das Wort Klapse finde ich abwertend). Ausbildungsdauer mind. 11 Jahre.
    Ein Psychologe ist einfach jemand, der Psychologie studiert hat.
    Ein "Psychologischer Psychotherapeut" hat daran eine mind. 3jährige Weiterbildung angeschlossen, die ihn zur Therapie befugt. Er darf aber zB keine ärztliche Tätigkeit durchführen und keine Pharmaka verordnen.
    Natürlich muss man sich auf eine Therapie einlassen können, sonst wird das nix :-).

    Detlef

  7. #17
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    Zitat Zitat von Heribert Beitrag anzeigen
    Auf psychologische Gespräche muss man sich einlassen können, wenn der Therapeut verhaltenstherapeutische Ratschläge aussprechen soll, um Probleme zu bewältigen. Tiefenpsychologie ist selbst bei schweren Krebserkrankungen nur sehr selten erforderlich. - Für viele Menschen wird der Psychiater oder auch der Psychologe mit dem Therapeuten in der Klapse in einen Hut gesteckt. Das sind aber ganz andere Fälle.

    Derjenige, der sich auf ein Gespräch einlässt ohne dabei das Innerste nach außen krempeln zu müssen, wird seine Probleme in eine bessere Richtung lenken können. Natürlich nicht nach der ersten Sitzung, aber nach und nach den angstgeprägten Umgang mit seiner Erkrankung verlieren.
    Heribert
    Das ist doch wirklich so gut geschrieben, dass es niemand besser erklären kann.

    He, he, he - ich brauchte so einen Arzt zwar nur für meine vorzeitige Rente, aber ich würde immer sagen, diese Ärzte können dir helfen.
    (ausgeschlossen sind natürlich "Eheberater".
    . . . welche ja auch Psychologie oder Physiologie (die die biochemische Prozesse erklären können) studiert haben.

    Gruss
    hartmut

  8. #18
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    @Detlef.
    Die Ausbildungsgänge der Fachärzte für Psychiatrie als auch der Psychologen sind mir bekannt, wobei der Facharzt für Psychiatrie nach rund 12 Jahren auch psychotherapeutisch tätig sein darf und auch beurteilen kann/muss ob bei einem Patienten eine Psychotherapie erfolgreich verläuft oder besser gesagt verlaufen kann. Das wird beim sog. Erstgespräch ermittelt und in einem Behandlungsplan dargelegt, der dem Kostenträger zur Genehmigung vorgelegt wird.
    Der Psychologe benötigt nur 6 Semester und natürlich dier Zusatzausbildung Psychotherapie. Er kann ebenfalls einen solchen Behandlungsplan erstellen, nachdem der Psychiater den Patienten an einen solchen Psychologen weiter geleitet hat. Denn psychotherapeutisch tätige Psychiater gibt es leider nicht genug. Das beantwortet auch gleich Deinen Einwand, dass es wünchenswert sei, dass der Psychotherapeut auch onkologische Fähigkeiten haben sollte. Onkologische Fähigkeiten haben Ärzte mit entsprechender Zusatzausbildung.

    Den Audruck "Klapse" habe ich bewusst gewählt, weil zunächst fast jeder zweite Angst-Patient, wenn er nur das Wort Psychiater von seinem Arzt (Hausarzt, Urologe, Onkologe) hört, sich einer solchen Hilfe verschließen wird, da er mit psychisch Kranken, solcher Einrichtungen nicht verglichen werden will.
    Ob es letztlich Psychiater oder Psychologen sind, die ihm Wege aufzeigen mit der Krebserkrankung ohne ständige Todesangst besser umzugehen, ist nicht erheblich. Die Fähigkeiten haben beide. Außerdem können Psychologen keine Pillen verschreiben.

    Der Weg, den Du mit Deiner Krankenkasse aushandeln wolltest ist mir nicht geläufig. Es ist zwar richtig, dass man nicht unbedingt eine Überweisung von seinem Arzt mit der Fragestellung einer Psychotherapeutischen Behandlung benötigt, ist in diesem Fall aber sinnvoll, auch für privat Versicherte und ganz besonders für Beihilfeberechtigte.

    Heribert

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    (Luciano de Crescenzo)

  9. #19
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    Nachdem wir nun die Ausbildung der Psychiater und Psychotherapeuten geklärt haben, noch ein paar Sätze zu meinem Briefwechsel mit der Krankenkasse.

    Wer als Mitglied einer GKK eine psychologische Therapie von der Kasse bezahlt bekommen will, muss sich an die Therapeuten halten, mit denen die Kasse einen Vertrag geschlossen hat. Sie müssen eine Kassenzulassung haben, die viel Geld kostet.
    Entsprechend gering ist die Anzahl dieser Therapeuten, und entsprechend lang sind die Wartezeiten bei denen.
    Da einem Patienten mit akuten psychischen Problemen nicht zugemutet werden kann, 3 Monate oder länger auf einen Therapieplatz zu warten, gibt es die Möglichkeit einer außervertraglichen Therapie. Die Bedingungen dafür hat die Kasse mir in dem Schreiben (siehe #9) genannt. Zu guter Letzt muss auch noch der MDK die Therapie bewilligen. Für den Fall, dass es sie ablehnt, wird empfohlen, sich zusätzlich auf die Warteliste eines zugelassenen Therapeuten setzen zu lassen.
    Das ganze dauert also so oder so ein paar Wochen und kostet viel Kraft und Mühe, die von den belasteten Betroffenen oft gar nicht aufgebracht werden kann. Böse Zungen behaupten, das wäre absichtlich mit so hohen Hindernissen versehen, um Kosten zu sparen.

    Aber man kann ja auch privat als Selbstzahler sich eine therapeutische "Begleitung" suchen.
    Was einem da begegnet, ist hier aufgeführt:
    http://www.psychoonkologisch.de/ausb...chen-begleiter
    Zitat: "In kleinen Gruppen mit max. 12-16 Teilnehmern bieten wir Ihnen an 6 Seminartagen die Möglichkeit, ganz in die Welt der psychoonkologischen Begleitung einzutauchen."
    Nun ja. "Im Anschluss an das Seminar erhalten Sie eine schön gestaltete Ausbildungsbescheinigung." Das ist schon fast lächerlich.
    Je nachdem, an wen man dann gerät, mag es dennoch hilfreich sein.

    Noch ein Zitat daraus: "Die Psychoonkologie hat sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, den Betroffenen und die Angehörigen “Psycho-sozial” zu beraten. Sie umfasst auch die Beratung zu sozialen Fragen wie Rehabilitation, Rentenversicherung, Schwerbehinderung, Ernährung, Medizin und Pflege. Die Ausbildung zum Psychoonkologen ist ausschliesslich Hochschulabsolventen mit abgeschlossenem Studium vorbehalten. Die wesentlichen Aufgaben der Psychoonkologie wurden in der “Leitlinie Psychoonkologie” der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. in Kooperation mit weiteren Fachorganisationen aufgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.krebsinformationsdienst.de.
    Die Aufgabe des Psychoonkologischen Begleiters ist leider in vielen Kliniken nicht anerkannt, obwohl sie wunderbare Arbeit leisten. Der “Nationale” Krebsplan fordert, dass jeder Krebspatient Anspruch auf eine psychoonkologische Betreuung haben sollte, nur wie soll das mit der bisherigen Anzahl ausgebildeter Psychoonkologen erreicht werden? Die wissenschaftliche Arbeit der Psychoonkologen ist mit Sicherheit sehr wichtig, da das Bewusstsein für die Bedürfnisse von Menschen mit Krebs in der Gesellschaft wächst und evaluiert werden kann, welche Methoden hilfreich sind. "

    Detlef

  10. #20
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    Schaut euch mal im Vergleich zur eben beschriebenen 6-Tage-Ausbildung die S3-Leitlinie "Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von erwachsenen Krebspatienten" an:
    http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/032-051OL.html

    Das ist ein anderer Schnack!

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