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Thema: Die Zahl der Krebtoten sinkt - in den USA

  1. #1
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    Die Zahl der Krebtoten sinkt - in den USA

    Es gibt gute Nachrichten, wenn auch aus den USA. Die Zahl der Prostata-Krebs-Toten ist gesunken.
    Eine Entwicklung, die sicherlich bald auch für Deutschland gelten wird. Hoffentlich.

    January 11, 2017
    Prostate Cancer Death Rate Fell in the United States
    The investigators found that the cancer mortality rate hit its peak in 1991, before beginning a steady slide of roughly 1.5% per year among both men and women through 2014.
    (HealthDay News) — Cancer mortality rates in the United States have dropped 25% since the early 1990s, according to a new report published online in CA: A Cancer Journal for Clinicians.
    The finding was drawn from the American Cancer Society's latest cancer incidence and mortality estimates, which indicate that in 2017, 1,688,780 Americans will be diagnosed with cancer and 600,920 US cancer patients will die.
    hier können wir den ganzen Artikel lesen:
    http://www.renalandurologynews.com/p...rticle/630009/

  2. #2
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    Zahlen für Deutschland:
    Die Zahl der Sterbefälle an Prostatakrebs hat in den letzten Jahrzehnten langsam und stetig zugenommen (1980 8.800, 1990 10.500, 2000 11.100, 2008 11.900). Die Mortalität stieg jedoch zunächst etwas an und fiel danach unter das Ausgangsniveau ab (1980 ca. 25, 1994 ca. 30, 2008 ca. 20 je 100.000 Männer). Dies bedeutet höhere Überlebenschancen und geht vermutlich ebenfalls auf eine immer frühere Diagnosenstellung und bessere Behandlungsmöglichkeiten zurück
    .
    aus: https://www.prostata.de/wissen/prost...statakarzinoms

    Auch hier ging also die Mortalität von 30 (1994) auf 20 (2008) je 100.000 Männer zurück. Dennoch war die Zahl der Sterbefälle 2008 höher.
    Liegt das an der Bevölkerungszunahme? (Statistiken sind einfach nicht mein Ding...)

    Detlef

  3. #3
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    Noch eine Statistik aus den USA: Durch den Wegfall des PSA-Tests gab es öfter Metastasen schon bei der Diagnose:

    http://www.aerztezeitung.de/medizin/...etastasen.html

    Kann man eigentlich für die Folgen fehlerhafter Studien in Regreß genommen werden?
    Für die USA könnte ich mir das vorstellen, dort muss man ja schon Schadensersatz zahlen, wenn man heissen Kaffee ohne Warnung serviert...

    Detlef

  4. #4
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    In der Tat, ein krasser Anstieg!?
    Dies machte sich sogar bei der Inzidenz metastasierter Prostatakarzinome bemerkbar:
    Hochgerechnet auf die US-Bevölkerung erkrankten im Jahr 2004 noch 120 von einer
    Million Männer im Alter von 75 oder mehr Jahren an solchen Tumoren, 2010 waren es
    knapp unter 100 und 2013 wieder 110.
    Der Trend zu einer sinkenden Inzidenz hatte sich zwischen den Jahren 2010 und 2011 gedreht.

    Also viele sind das ja nicht, zumal etliche dieser 0.02 Promille die Metastasen auch bereits
    zu einem früheren Diagnose-Zeitpunkt in sich getragen hätten, nur, dass sie damals noch
    im Stadium nicht detektierbarer Micrometastasen leise heranwuchsen.
    Diese Männer waren immerhin durch die späte Diagnose jahrelang geschützt vor dem
    nicht unerheblichen Risiko kardiovaskulärer Ereignisse während der ADT/AHT, und
    wie alle anderen Spätdiagnostizierten konnten sie mehr "krebsfreie" Jahre geniessen.

    Massgebend für den Erfolg des PSA-Screenings ist nicht die Detektionsrate, auch nicht
    die PCa-spezifische Sterberate, sondern die Gesamtmortalität. Die ist zwar in den USA
    jüngst angestiegen, aber diese 20%o gehen dabei im statistischen Rauschen unter.

    Ich weiss nicht, ob Screening etwas oder nix bringe, aber, dass die gegenwärtige Bias-
    belastete Studienlage nur sehr wenig beiträgt zur Antwort auf die Frage nach dem
    (geringen) Nutzen. Schädlich ist es bezüglich des Leidens der übertherapierten Männer
    und jener, die als Folge der Therapie früh ablebten.


    Carpe diem!
    Konrad
    Meine Beiträge schreibe ich als CRPCa-betroffener Laie.

    [1] Mein PSA-Verlauf graphisch auf myprostate.eu
    [2] Meine PK-Historie auf Myprostate.eu
    [3] PSA-Verlaufsanalyse 2003-2013 nach Glättli (Was ist PSA-Alert?)
    [4] PSMA-PET/CT vom 04.07.2012: Paraaortale Lymphmetastase
    [5] PSMA-PET von 08.2016 vor PSMA-RLT, danach 03.2017, sowie 05.2017

  5. #5
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    Ein paar Jahre vor meiner Krebsdiagnose hat mein Hausarzt mir den PSA-Test als IGEL-Leistung angeboten. Ich habe abgelehnt, weil ich der Meinung war, dass Leistungen, die die Kasse nicht zahlt, nicht wichtig sein könnten und weil ich knapp bei Kasse war und die 20 Euro sparen wollte.
    Zu diesem Zeitpunkt war der Tumor höchstwahrscheinlich noch nicht durch die Kapsel gewachsen, es waren vermutlich noch keine Lymphknoten befallen und eine OP hätte sicherlich nervenschonend ausgeführt werden können, von der Chance auf Heilung mal ganz zu schweigen.
    Dass ich diese Jahre als "krebsfrei" erlebte aufgrund meiner Unkenntnis ist mir da ein schwacher Trost. Und eine ADT/AHT mit dem Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wäre mir wohl ganz erspart geblieben.

    Ich weiss nicht, warum man die Frage der Diagnose immer mit der der Therapie verbindet und rechtzeitige Diagnosen schlecht redet mit dem Argument der Übertherapie.
    Das sind doch zwei Paar Stiefel. Die Frage einer Therapienotwendigkeit ist ja irgendwie definiert (PSA>4, dann positive Biopsie etc wie auch immer). Es würde reichen, diese Definition zu ändern, um Übertherapien zu vermeiden. Hier könnten die Kassen sparen, nicht beim PSA-Test! Warum eine OP, wenn Active Surveillance reicht? Warum gleich mit Kanonen auf Spatzen schiessen?

    Detlef

  6. #6
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    Ich kenne da zwei Fälle aus meiner Familie: Mein Stiefvater verstarb mit 66, sein Sohn mit 49, beide an Prostatakrebs. Sie betrieben keinerlei Vorsorge. Die durch Metastasen verursachten zunehmenden Rückenschmerzen wurden monatelang mit Krankengymnastik behandelt. Nach der Diagnose PCa war alles zu spät. Man entfernte die dicksten Brocken operativ> Radiato > Chemo > Rollstuhl. Überleben nach Diagnose weniger als ein Jahr. Solche Fälle gibt es zuhauf und sie landeten nicht in dieser unsäglichen Studie. Freilich weis man nicht, wieviele Jahre vor dem Tod der PCa hätte mit PSA-Kontrolle entdeckt werden können und ob dann Therapiemaßnahmen das Leben hätten verlängern können. Jedenfalls konnten sich die Betroffenen viele Jahre eines unbeschwerten Lebens erfreuen, da sie überhaupt nicht wußten, daß sie ein Prostata haben und daß es da etwas vorzusorgen gäbe. Heute, da uns die Medien ständig das Prostataproblem unter die Nase halten, müssen wir uns bewußt der Vorsorge entziehen, wozu wir erst neulich in einer Talk Show von zwei TV-Gesundheitsexperten ( Dr. L. und Dr. H.) mit Hinweis auf o. g. Studie ermutigt wurden. Was soll man also tun, vorsorgen oder lieber den Kopf in den Sand stecken?
    Es ist wahrscheinlich, daß das Unwahrscheinliche geschieht.
    Aristoteles (384-322 v. Chr.)

  7. #7
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    Lieber Detlef, lieber Manfred

    Die Tragik des Einzelfalles hilft bei statistischen Erwägungen nicht weiter.

    Ob Mann bei einem Gleason-Grad 5, entsprechend GS 9 und 10, überhaupt
    jemals eine Heilungschance habe, bezweifle ich. Ich hatte ja (unwissend) ein
    'vorbildliches' Früherkennungsprogramm [5] gehabt, aber zum Zeitpunkt der
    Diagnose war die Metastasierung längst schon gelaufen, halt paraaortal,
    knapp ausserhalb des Becken-MRT, das vor der RPE gemacht worden war.

    Bei Vater und Sohn liegt ein deutlich erhöhtes Risiko vor, an Prostatakrebs
    zu erkranken, sobald der eine oder andere seine Diagnose hat. Solche
    Risikogruppen sollte man sicher durch ein PSA-Messprogramm schleusen.
    Ob man in Manfreds Beispiel den Einen oder den Anderen retten hätte
    können, wissen wir nicht.

    Und Orthopäden und Physiotherapeuten sollten bei unklaren Knochen- und
    Rückenschmerzen mal eine Stunde Krankengymnastik weniger verschreiben,
    dafür den Patienten zum PSA-Messen schicken. Das wäre dann aber keine
    Früherkennung mehr ...

    Gegen individuelle Früherkennung ist überhaupt nichts einzuwenden, aber
    Ein Massenscreening sollte erst dann durchgeführt werden, wenn dadurch das
    Überleben signifikant verbessert werden kann.
    Dieser Nachweis fehlt weiterhin, mitverursacht durch den krassen Patienten-
    Bias, ausserhalb des Studie eben doch PSA zu messen. Schade.

    Das Argument, die Schuld an der potentiellen Übertherapie nicht der
    frühzeitigrn Diagnose anzulasten, trifft allerdings voll zu. Die Identifikation
    jener Betroffener, die von AS profitieren oder von fokalen Therapien,
    muss verbessert werden um Früherkennungsopfer zu vermeiden.


    Carpe diem!
    Konrad



    Korrigenda zu Beitrag #4:
    Wie in Zeile 1 sollte in Zeile 9 von 0.02Promille die Rede sein, statt
    von 1000-fachen 20Promillen.

  8. #8
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    Zitat Zitat von Muggelino Beitrag anzeigen
    Zahlen für Deutschland:

    Auch hier ging also die Mortalität von 30 (1994) auf 20 (2008) je 100.000 Männer zurück. Dennoch war die Zahl der Sterbefälle 2008 höher.
    Liegt das an der Bevölkerungszunahme? (Statistiken sind einfach nicht mein Ding...)
    Hallo Detlef, zu den Zahlen. Schaust beim Krebregister des Robert Koch Institutes: http://www.krebsdaten.de/Krebs/SiteG...ufe2_form.html
    und gibst bei Statistik: Mortalität, Kennzahl: 1. Rohe Rate, 2. Alterstanrdisierte Rate, danach PCa udn Männer,... so erhälst Du für die Altersstandardisierte Rate Deine Zahlen und für die Rohe Rate einen Anstieg zwischen 1995 und 2014 von 29,9 auf 34,5 Tote/100000 Männer.

    Der Grund liegt in der Methode: Wegen des demographischen Wandels gibt es 2014 mehr alte Männer relativ zur Gesamtbevölkerung als 1995. Deshalb steigt diese Rate an. Die Altersstandardisierung rechnet diese Altersumverteilung aus dem Ergebnis heraus. Aus dem Vergleich der beiden Zahlen für 2014: Rohe Rate 34, Altersstandardisiert 19 kannst Du den demografischen Wandel sehen.

    Wenn Du bei der Kennzahl oben die Fallzahlen angibst, so sind die Sterbefälle von 11800 in 1995 auf 13700 in 2014 gestiegen. Der Anstieg ist geringer als bei der Rohen Rate, woraus man auf einen Rückgang der Gesamtbevölkerung schließen kann.

    Gruß, Wolfgang

  9. #9
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    Zitat Zitat von Muggelino Beitrag anzeigen
    Zu diesem Zeitpunkt war der Tumor höchstwahrscheinlich noch nicht durch die Kapsel gewachsen, es waren vermutlich noch keine Lymphknoten befallen und eine OP hätte sicherlich nervenschonend ausgeführt werden können, von der Chance auf Heilung mal ganz zu schweigen.
    Dass ich diese Jahre als "krebsfrei" erlebte aufgrund meiner Unkenntnis ist mir da ein schwacher Trost. Und eine ADT/AHT mit dem Risiko kardiovaskulärer Ereignisse wäre mir wohl ganz erspart geblieben.
    Nochmal, Detlef zur Früherkennung:

    Es stimmt, was Hvielmi schreibt. Du hast keinerlei Veranlassung für Dich selber anzunehmen, es ginge Dir heute besser mit PSA Früherkennung. Niemand weiß das, es ist reine Spekulation und leider häufig Ergebnis der unsäglichen Werbung für Vorsorge oder Früherkennung aller Art.

  10. #10
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    Es stimmt, was Hvielmi schreibt. Du hast keinerlei Veranlassung für Dich selber anzunehmen, es ginge Dir heute besser mit PSA Früherkennung. Niemand weiß das, es ist reine Spekulation und leider häufig Ergebnis der unsäglichen Werbung für Vorsorge oder Früherkennung aller Art.
    Hallo liebe Community,

    ich bin als "Aktiver" neu hier im Forum, werde mich demnächst noch genauer vorstellen, aber hier möchte ich mich schon einmal einbringen.

    Ich halte solche Aussagen für gefährlich, insbesondere für Söhne von Betroffenen. Sollen diese (und natürlich auch die anderen Männer) denn jetzt gar nichts mehr machen?
    Wir haben an Fakten nur eine große Studie, die wertlos und fehlerhaft ist und aus dieser heraus Empfehlungen gegen den PSA-Test erfolgt sind. Wieviele Männer hierdurch vorzeitig ihr Leben verloren haben oder noch werden, ist nicht bekannt.

    Man darf aber meiner Meinung nach nicht sagen, nur weil wir keine Studienergebnisse haben, muss jetzt jeder seinen gesunden Menschenverstand ausschalten und gar nicht mehr zur Vorsorge gehen.
    Wenn ich mir PSA-Verläufe auf myprostate.com ansehe, ist das Thema eindeutig. Nur in wenigen Fällen ist da eine Vorsorge erfolgt, Initial-PSA meist > 4 ng/ml oder höher.
    Warum hier eine vorzeitige und langjährige PSA-Diagnostik keinen Erfolg gehabt haben soll, entzieht sich meiner Vorstellungskraft.

    Ja, es mag Mikrometastasen auch bei T1 oder T2 geben (wie sieht es hier mit Studien aus?), in wie vielen Fällen, bei welchen Gleason-Graden?
    Was wären denn die vermeintlichen "Übertherapien" beim Massenscreening? Häufigere Biopsien, mpMRT...? Ich bin oft erstaunt beim Lesen vieler Beiträge, welchen Stellenwert eine vermeintlich bessere "Lebensqualität" (frühes Stadium des PCa, Neudiagnose) gegenüber einer effektiven Bekämpfung der Krankheit erhält.
    Damit möchte ich das Forum nicht kritisieren, ich schätze sehr viele User hier aufgrund ihrer Fachkompetenz, auch Konrad's "Tumormathematik"-Beiträge lese ich unglaublich gerne! In den letzten Monaten haben mir viele Beiträge hier sehr weitergeholfen (wie gesagt, ich schreibe demnächst meine "Geschichte"), die schnelle Hilfe für Neubetroffene finde ich zusätzlich aller Ehren wert, hier kann man nur "Danke" sagen.

    Meine Empfehlung (familiär vorbelastet und bereit zur "Übertherapie") wäre aber trotzdem: Lieber auf den Kopf vertrauen und 1x mehr screenen lassen als 1x zu wenig! Im Zweifel kann man(n) sich wenigstens nicht vorhalten, es nicht versucht zu haben!


    Viele Grüße
    Arne

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