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Thema: Stress und Krebs

  1. #51
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    Zitat Zitat von KarlEmagne Beitrag anzeigen
    Martin - es geht mir nicht um Psychoanalyse, Aufarbeitung von traumatischen Erfahrungen oder ob sich die WHO dafür interessiert. Vielmehr handelt dieser Thread vom Zusammenhang zwischen Stress und Gesundheit bzw der Frage, ob Stress ein Risikofaktor für Krebs ist. Die beiden Videos zu den Auswirkungen von Dauerstress während der Kindheit scheinen das zu bestätigen.
    Im ersten Beitrag in diesem Thread heißt es: "Mit Stress bezeichnet man die psychischen und physischen Reaktionen auf innere oder äußere Stressoren sowie die dadurch entstehenden Belastungen.
    Je nach Bewältigungskapazität kann Stress als positiv oder negativ empfunden werden und sich auch entsprechend auswirken."
    Dass ein Stressor Stress provoziert ist eine Tautologie und keine Definition. Insoweit sollte man sich erstmal darüber klar werden, was gemeint ist.
    Wenn wir der Einfachheit halber definieren, dass ein Stressor eine über das gewöhnliche Maß hinausgehende Stimulation des Organismus ist und dass Stress eine die gewöhnlichen Abläufe im Organismus deutlich übertreffende Reaktion auf einen Stressor ist, macht der zweite Satz Sinn.
    "Dauerstress" wäre dann zu verstehen als dauerhaftes Überschreiten der Anpassungsfähigkeit des Organismus.

    Inwieweit Stress in der Kindheit oder später zu PCa führt kann ich bisher nicht erkennen. Mäuse und Ratten sind keine ausreichenden Beweise. Beim Menschen kann Stress entstehen, weil er nicht die passenden Socken findet; er kann sich aber auch schweren Behinderungen anpassen und damit glücklich leben (sogar statistisch etwas glücklicher).

  2. #52
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    Zitat Zitat von MartinWK
    Beim Menschen kann Stress entstehen, weil er nicht die passenden Socken findet
    Deine Art Humor gefällt mir. Erinnert mich an A. Einstein: Wozu Socken? Sie schaffen nur Löcher. Er ging gern barfuß.

    Gruß Harald
    nicht nachlassen

  3. #53
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    Zitat Zitat von MartinWK Beitrag anzeigen
    Inwieweit Stress in der Kindheit oder später zu PCa führt kann ich bisher nicht erkennen. Mäuse und Ratten sind keine ausreichenden Beweise. Beim Menschen kann Stress entstehen, weil er nicht die passenden Socken findet; er kann sich aber auch schweren Behinderungen anpassen und damit glücklich leben (sogar statistisch etwas glücklicher).
    Das klingt für mich wie Debatten zum Klima, in denen erst die eingetretene Katastrophe als Beweis der Klimawirksamkeit von Treibhausgasen akzeptiert wird. Ich frage mich, ob du das TED-Video angesehen hast. Da ging es um die Auswirkungen widriger Einflüsse, womit sich die Diskussion zur Natur des Stresses erübrigt. Ich habe das Video so verstanden, dass Kinder mit mehreren ACEs als Erwachsene empfindlicher reagieren, eher gestresst sind, schneller krank werden und eine kürzere Lebenserwartung haben. Sie haben also, wie du dich ausdrückst, eine geringere Bewältigungskapazität.

    Meine These ist nun, dass die Gesundheit einer Personengruppe, die im Erwachsenenalter eine verminderte Stresstoleranz aufweist, als Indikator für den Zusammenhang zwischen Stress und Krankheit allgemein und Stress und PCa im Speziellen dient.

    Weiterhin meine ich der Antwort auf die Frage näher gekommen zu sein, warum Krankheitsverläufe hier im Forum im Durchschnitt schlechter zu sein scheinen, als medizinische Statistiken dies vermuten liessen.

    Zu Einsteins Socken muss ich mich dringend schlau lesen.

  4. #54
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    In einer großen Studie aus Schweden (2017) wurde der potenzielle Zusammenhang zwischen Stressresistenz u. Krebsentwicklung untersucht.
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28790142

    Teilübersetzung aus dem Abstract:

    Methoden:
    "Wir identifizierten eine Kohorte von 284 257 schwedischen Männern, geboren 1952-1956, die sich einer obligatorischen militärischen Aufnahmeprüfung unterzogen haben, einschließlich Messungen der psychologischen Belastbarkeit (Medianalter 18 Jahre). Die resultierende Punktzahl wurde in niedrige, mittlere und hohe Belastbarkeit eingestuft. Personen, bei denen während der Nachbeobachtungszeit Krebs diagnostiziert wurde, wurden durch eine Datenverknüpfung mit dem schwedischen Krebsregister identifiziert."

    Ergebnisse:
    "Die geringste Belastbarkeit im Vergleich zur höchsten war mit einem erhöhten Risiko für Leber (HR: 4,73, 95% CI 2,73 bis 8,19) und Lungenkrebs (HR: 2,75, 95% CI 2,02 bis 3,74) nach Bereinigung um Marker für sozioökonomische Umstände in der Kindheit (p für Trend <0,001 für beide Krebsarten) verbunden. Die weitere Anpassung an die kognitive und körperliche Fitness bei der Wehrpflichtbewertung hatte einen marginalen Einfluss. Im Gegensatz dazu hatten Männer mit geringer Belastbarkeit ein vermindertes Risiko, an Prostatakrebs (HR: 0,65, 95% CI 0,56 bis 0,76) und malignem Melanom (HR: 0,65, 95% CI 0,55 bis 0,76) diagnostiziert zu werden"

    Fazit
    "Wir kommen zu dem Schluss, dass die Belastbarkeit von Stress bei Jugendlichen, plausibel durch die Beeinflussung von Verhaltensentscheidungen und sozialen Mustern, einen wichtigen Faktor für das Auftreten von Krebs bei Erwachsenen darstellt. Ein erhöhtes Bewusstsein für langfristige Folgen bei anfälligen Personen kann dazu beitragen, zukünftige Bemühungen zur Verringerung der Krebsbelastung bei Erwachsenen zu unterstützen."


    Anmerkung von mir:
    Das verminderte Risiko beim Prostatakrebs von Männern mit geringerer Stressbelastbarkeit, könnte mit dem Alter der Gruppe (Abgleich mit Krebsregister im Alter Anfang/Mitte 60 ) zusammenhängen. Es wäre interessant wenn die Studienersteller in 10 Jahren nochmal neu abgleichen würden.

    Franz


  5. #55
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    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    nach Bereinigung um Marker für sozioökonomische Umstände in der Kindheit
    Interessante Studie! Männer mit geringer Belastbarkeit neigen vielleicht zu erhöhtem Alkohol- und Zigarettenkonsum? Hatten weniger Geld für Urlaube in sonnigen Gefilden? Aber warum jetzt weniger Prostatakrebs? Weniger Fahrradfahren auf schlaglöchrigen Pisten? Das kann's bei mir nämlich gewesen sein.

    Und ich würde gerne wissen, wie die Bereinigung für sozioökonomische Umstände funktioniert hat. In meiner Bundeswehrzeit hatte ich den Eindruck, dass Handwerksgesellen besser klar kamen als wir Abiturienten. Eine raue Kindheit mag später ungesund nachwirken, sich aber im militärischen Umfeld positiv darstellen.

  6. #56
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    Wenn ich das so lese dann ist das alles doch an den Haaren herbeigezogen. Mich persönlich kann nichts aufregen und während meiner Arbeitszeit habe ich positiven Stress gebraucht, dann fühlte ich mich wohl. Habe aber trotzdem Prostatakrebs bekommen. Bin auch kein Radfahrer und Rauche nicht.

  7. #57
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    Zitat Zitat von KarlEmagne Beitrag anzeigen
    Und ich würde gerne wissen, wie die Bereinigung für sozioökonomische Umstände funktioniert hat. In meiner Bundeswehrzeit hatte ich den Eindruck, dass Handwerksgesellen besser klar kamen als wir Abiturienten. Eine raue Kindheit mag später ungesund nachwirken, sich aber im militärischen Umfeld positiv darstellen.
    Es geht bei der Studie nicht um die möglichen Auswirkungen der Militärzeit auf mögliche Krebsentwicklungen egal welcher Art. Dazu gibt es übrigens umfangreiche Untersuchungen zu Amerikanischen Veteranen und Prostatakrebs. (u. a. Agent Orange).

    Durch den Test in Schweden auf die psychische Belastbarkeit vor dem Eintritt in den Militärdienst und die Archivierung der Ergebnisse, konnte dann Jahrzehnte später ein Abgleich mit dem Krebsregister erfolgen. Es ist selten so große Datenmengen zur Verfügung zu haben.

    Aktuelles Thema ist, ob junge Menschen mit geringer Stresstoleranz im späteren Leben anfälliger für Krebs sind. Und das Ergebnis dieses Datenabgleichs zeigte ein erhöhtes Risiko für Leber- und Lungenkrebs bei den am wenigsten belastbaren.
    Letzlich ist es egal ob Krebs in der Leber, der Lunge oder Prostata. Wobei PK-Patienten meist die besseren Aussichten haben.


    Franz


  8. #58
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    Zitat Zitat von Optimist Beitrag anzeigen
    Durch den Test in Schweden auf die psychische Belastbarkeit vor dem Eintritt in den Militärdienst und die Archivierung der Ergebnisse, konnte dann Jahrzehnte später ein Abgleich mit dem Krebsregister erfolgen. Es ist selten so große Datenmengen zur Verfügung zu haben.

    Aktuelles Thema ist, ob junge Menschen mit geringer Stresstoleranz im späteren Leben anfälliger für Krebs sind. Und das Ergebnis dieses Datenabgleichs zeigte ein erhöhtes Risiko für Leber- und Lungenkrebs bei den am wenigsten belastbaren.
    Letzlich ist es egal ob Krebs in der Leber, der Lunge oder Prostata. Wobei PK-Patienten meist die besseren Aussichten haben.


    Franz

    Schon klar, die Belastbarkeit wurde vor dem Militärdienst getestet. Bei uns gab es vor der Einberufung auch einen Eignungstest, bei dem Leistungswille und -fähigkeit getestet wurde. Nach meinem subjektiven Empfinden kamen aber Handwerksgesellen in der Grundausbildung besser mit dem System dort und Befehl und Gehorsam, angeschrien werden, Drohungen mit Militärgefängnis usw. klar. Und das wurde im Eignungstest nicht ausgewertet.

    Wie auch immer die Belastbarkeit in Schweden geprüft wurde, eine sehr interessante Studie.

  9. #59
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    Zitat Zitat von KarlEmagne Beitrag anzeigen
    Meine These ist nun, dass die Gesundheit einer Personengruppe, die im Erwachsenenalter eine verminderte Stresstoleranz aufweist, als Indikator für den Zusammenhang zwischen Stress und Krankheit allgemein und Stress und PCa im Speziellen dient.
    Erwachsene, die auf Stressoren mit einer Schädigung ihres Organismus reagieren, haben mehr PCa? Meinst du das? Oder umgekehrt? "Indikator" kann negativ oder positiv prädiktiv gemeint sein.
    Aber was soll diese Aussage nützen?
    Zitat Zitat von KarlEmagne Beitrag anzeigen
    Weiterhin meine ich der Antwort auf die Frage näher gekommen zu sein, warum Krankheitsverläufe hier im Forum im Durchschnitt schlechter zu sein scheinen, als medizinische Statistiken dies vermuten liessen.
    Daran darf das Forum auch teilhaben?

    Einstein wird viel zugeschrieben, dieses "Zitat" habe ich nicht gekannt und daher nicht plagiiert, ist original von mir...

  10. #60
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    "Leber" "Lunge" - da stutzt man doch und fragt sich, ob Rauchen und Saufen hinreichend berücksichtigt wurden.

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