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Thema: 2017 ASCO Meeting Abstracts

  1. #11
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    Abstract e16520

    Characterisation and treatment of patients with castration-resistant metastatic prostate cancer (mCRPC) developing neuroendocrine clonal divergence (NCD): A case series.

    Charakterisierung und Behandlung von Patienten mit Kastration-resistenten metastatiertem Prostatakrebs (mCRPC), die eine neuroendokrine Klon-Divergenz (NCD) entwickeln: Eine Patienten-Serie.

    Hintergrund:
    Die Einführung von Abiraterone (Abi) und Enzalutamid (Enza) in die Behandlung von mCRPC hat zu einem Überlebensvorteil geführt. Allerdings entwickelt sich bei einem Teil der Patienten, die mit Enza/Abi behandelt wurden, eine rasch fortschreitende Erkrankung mit atypischer metastatischer Ausbreitung. Nach Eric Small et al. (ASCO 2015 Abstract 5003), haben 39% der Metastasen bei mCRPC-Patienten, die mit Enza/Abi behandelt wurden, eine kleinzellige, neuroendokrine oder gemischte Histologie. Basierend auf diesen Erkenntnissen zielten wir darauf ab in einer kleinen Fallreihe von 8 Patienten mit NCD herauszufinden, ob speziell Merkmale zu identifizieren sind:

    1) über klinische- oder radiologische Parameter, sowie über Labormarker, sowie
    2) molekulare Merkmale, die durch eine “liquid biopsy“ generiert wurden, um
    3) Ergebnisvariablen nach der Behandlung dieser Patienten mit einer Kombinations Chemotherapie mit Carboplatin/Etoposid (CE) zu präsentieren

    Methoden:
    Klinische, radiologische, Laborparameter, Vollgenom-Sequenzierung von cfDNA (PlasmaSeq) und ctDNA, die zu verschiedenen Zeitpunkten während der Behandlung von 8 mCRPC-Patienten mit NCD aufgenommen und ermittelt wurden.

    Ergebnisse:
    Alle Patienten zeigten eine schnelle Tumorprogression und atypischer metastatischer Ausbreitung (3*Leber, 3*Lunge, 1*Haut, 1*Nebennieren) während der Behandlung mit Abi/Enza. Die Laborbefunde zeigten eine deutliche Zunahme der CRP-, AP- und LDH-Werte und die Erhöhung der NSE (>5 mal oberer Normgrenzwert), während die PSA-Werte niedrig oder rückläufig waren. Alle Patienten erhielten Carboplatin am Tag 1(Ziel AUC:5) und Etoposid 100 mg/m3 am Tag 1-3, alle 3 Wochen. Bei 7 von 8 Patienten sanken die zunächst hohen CRP-, LDH-, AP- und NSE-Werte unter Carboplatin/Etoposid (CE)-Therapie. Bei diesen 7 Patienten wurde auch ein gutes radiologisches Therapieansprechen nach 3-6 Zyklen von CE beobachtet. Bei einem Patienten schritt die Erkrankung unter CE Therapie weiter fort. Die Vollgenom-Sequenzierung die während der Therapie druchgeführt wurde, zeigte einen Verlust des Androgenrezeptors und eine “clonal shift“ im Vergleich zu den Profilen, die während der endokrinen Behandlungsphase genommen wurden.

    Schlussfolgerungen:
    Ein schneller klinischer und radiologischer Progress, atypische Metastasen und ein starker Anstieg der LDH-, CRP-, AP- und NSE-Werte in Verbindung mit niedrigem PSA sind ein Hinweis auf neuroendocrine Entartung. Für diese Patienten ist die Carboplatin/Etoposid basierte Chemotherapie eine vielversprechende Behandlungsoption. Um die Klonverschiebung vom Adenokarzinom zum neuroendokrinen Krebs zu identifizieren, kann die genetische Profilierung mit ctDNA von Nutzen sein.



    Eigene Anmerkungen:
    Früher wurde die sogenannte "neuroendocrine Entwartung" als Ergebnis einer längeren Hormontherapie sehr gefürchtet, da man sich bei nierdigen PSA Werten möglicherweise in trügerischer Sicherheit fühlt, obwohl im Hintergrund ein komplette Umwandlung des Tumors stattfindet. Diese neuroendocrinen Tumore sind äußerst gefährlich, da sie über ein hohen Metastasierungspotential verfügen und nicht, oder kaum auf endokrinen Behandlungen reagieren. Auch unsere Ärzte sind dann oft überfordert, da es glücklicherweise recht selten vorkommt, das diese Mutation stattfindet, also wenig Erfahrung vorhanden ist.

    Trotzdem sollte sich der PCA Patient unter Hormonentzugstherapie gelegentlich um die auch hier wieder beschriebenen Serumwerte kümmern:

    CRP: C-Reactive Protein, ein Entzündungsmarker
    LDH: lactate dehydrogenase, kann auch bei körperlicher Überlastung ansteigen
    AP: Alkaline phosphatase
    NSE: Neuron-specific enolase, meiner Meinung nach der wichtigste NE Marker

    Ergänzen würde ich eventuell noch:

    CGA: Chromogranin A
    AST: Aspartate Aminotransferase

    Zumindest die ersten 4 Marker sollten, meiner Meinung nach, bei längerem Einsatz einer Hormonentzugstherapie erhoben werden. Dabei sollte aber auch nicht überreagiert werden, wenn Marker einmal etwas über dem Limit liegen. Interventionsbedürftig sind Erhöhungen auf mehr als den doppelten Grenzwert.

    Vorsicht mit Wechselwirkungen: Protonenpumpenhemmer (PPI erhöhen den CGA Wert oft auf schwindelerregende Höhen, weshalb dieser Wert auch nicht erste Wahl ist.

    Vielleicht ergänzend auch __HIER__ nochmal reinschauen.
    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  2. #12
    Harald_1933 Gast
    Hallo Andi,

    hab Dank für Deine erneute Aktivität. Den verlinkten älteren Beitrag möchte ich noch abrunden bzw. ergänzen: http://www.prostatakrebse.de/informa...html/nets.html

    Beste Grüße in den Taunus.

  3. #13
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    Ich habe jetzt auch ein interessantes ASCO 2017 abstract gelesen:

    Dauer der Hormontherapie bei einem Hochrisiko-Prostatakrebspatienten nach Bestrahlung: Endgültige Ergebnisse einer randomisierten Phase III Studie
    [Duration of androgen deprivation therapy in high risk prostate cancer: Final results of a randomized phase III trial]
    Abstract No: 5008

    Hintergrund:
    Bei Patienten mit hohem Risiko wird nach der Bestrahlung in der Regel eine Hormontherapie von bis zu drei Jahren empfohlen. Im Rahmen einer Phase III Studie (NCT00223171) wurde untersucht wie 18 Monate oder 36 Monate Hormontherapie das Gesamtüberleben und die Lebensqualität beeinflussten.

    Methoden:
    Es wurden entsprechend zwei Gruppen (310 und 320 Patienten) untersucht, die eine Bestrahlung auf die Prostataloge und die Lymphabflusswege und anschließend eine Hormontherapie von 36 bzw. 18 Monaten erhielten.

    Ergebnisse:
    Nach 9,4 Jahren waren 147 Patienten in der 36 Monate-Gruppe und 143 Patienten in der 18 Monate-Gruppe verstorben. Also kein signifikanter Unterschied, sogar ein leicht besseres Ergebnis in der 18 Monate-Gruppe. Die erfragte Lebensqualität war in der 18 Monate-Gruppe besser.

    Schlussfolgerung:
    Die Dauer der Hormontherapie nach einer Bestrahlung kann mit großer Sicherheit auf 18 Monate reduziert werden und dies sollte jetzt zur Standard-Therapie werden.

  4. #14
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    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    Schlussfolgerung:
    Die Dauer der Hormontherapie nach einer Bestrahlung kann mit großer Sicherheit auf 18 Monate reduziert werden...
    Ich habe dieses 36 Monate Dogma, welches auch hier im Forum lange Zeit Bestand hatte, immer etwas kritisch gesehen, denn die Strahlendosen die heutzutage in Anwendung gelangen sind doch etwas höher als zu Zeiten wo Bolla seine Ausgangsstudie gemacht hatte.

    Prof. Tom Pickles in diesem Zusammenhang eine schöne Metanalyse gemacht, die zeigt, dass eine etwa 18 Monatige begleitende ADT etwa 90% der Wirksamkeit einer 36 Monate dauernden begleitenden ADT hat. Das kann man meist akzeptieren, denn der Gewinn an Lebensqualität ist durchaus ein Argument. Eine weitere Reduzierung des ADT Zeitraumes würde ich für High-Risk Patienten aber kritisch sehen.

    prepare for the unexpected and expect to be unprepared

  5. #15
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    Ich möchte noch ein Abstract zu Vitamin D zur Verhinderung von Knochenabbau während einer Hormontherapie vorstellen:

    Eine randomisierte Phase II Studie zur Anwendung von Hochdosis Vitamin D gegen Knochenabbau während einer Hormontherapie bei älteren PCa Patienten.
    [A phase II RCT of high-dose vitamin D supplementation for androgen deprivation therapy (ADT)-induced bone loss among older prostate cancer (PCa) patients.]
    Abstract No: 10113

    Hintergrund:
    Hormontherapie kann bei Patienten zu vermehrtem Knochenabbau und zu Knochenbrüchen führen. Vitamin D kann dagegen schützen, allerdings ist unklar ob die normalerweise empfohlene tägliche Dosis dazu ausreicht. Diese Studie untersuchte den Effekt von erhöhten Vitamin D Dosen.

    Methoden:
    59 Patienten mit einem mittleren Alter von 67,6 Jahren wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Alle Teilnehmer hatten bereits sechs Monate Hormontherapie gemacht und sollten noch sechs Monate Hormontherapie machen. Alle erhielten über 24 Wochen 600 IU Vitamin D täglich und die eine Gruppe zusätzlich 50.000 IU Vitamin D wöchentlich.

    Die Knochendichte wurde an der Hüfte und an der Lendenwirbelsäule mit der DXA-Methode (Dual Energy X-Ray Absorptiometry) gemessen.

    Ergebnisse:
    Die Nebenwirkungen von Hochdosis Vitamin D unterschieden sich kaum von denen der Kontrollgruppe. Der Knochenabbau an der Hüfte war bei Hochdosis Vitamin D deutlich geringer:
    Hüfte: -1,5% gegenüber -4,1% (besonders am Oberschenkelhals und Trochanter). An der Lendenwirbelsäule konnte kein Unterschied festgestellt werden.

    Schlussfolgerung:
    Hochdosis Vitamin D reduzierte signifikant den Knochenabbau während der Hormontherapie an der Hüfte bei älteren Patienten. Hochdosis Vitamin D kann daher erforderlich sein um vor Knochenabbau zu schützen.

    Clinical trial information: NCT02064946

    Eigene Anmerkungen:
    50.000 IU wöchentlich + 600 IU täglich sind 7.743 IU täglich. Ich habe selbst während der Hormontherapie 8.000 IU genommen.
    Im Forum wurde Vitamin D u.a. in diesem Thread diskutiert. Roland berichtet dort von 10.000 IU täglich.

  6. #16
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    Zitat Zitat von Georg_ Beitrag anzeigen
    Eine randomisierte Phase II Studie zur Anwendung von Hochdosis Vitamin D gegen Knochenabbau... Alle erhielten über 24 Wochen 600 IU Vitamin D täglich und die eine Gruppe zusätzlich 50.000 IU Vitamin D wöchentlich.

    Roland berichtet dort von 10.000 IU täglich.
    Da scheine ich mit meinen 1200 iU täglich viel zu tief zu liegen.
    In der Tat bin ich von Osteopenie betroffen, hatte aber nach
    vier Jahren ADT ohne Substitution von Vitamin D immer
    noch gesunde Knochen. Erst nach einigen Monaten
    Abitateron/Prednison schwächelten die Oberschenkelhälse
    beidseits. Nächste Messung im August 17.

  7. #17
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    Jedenfalls habe ich bei 8.000 IU keine Nebenwirkungen bemerkt. In dem von mir angegebenen Link werden noch Vigantol-Öl und Dekristol erwähnt, dazu kann ich aber nichts sagen. Wenn Du es noch nicht gemacht hast, sieh Dir diese Beiträge bitte an.

  8. #18
    Harald_1933 Gast
    Schon ganz am Anfang meiner DHB gab mir Prof. Schmidt-Gayk vom Labor Limbach in Heidelberg telefonisch den dringenden Rat, unbedingt Vigantoletten mit täglich 1000 IU einzusetzen. Da ich auf Zometa verzichtet hatte, war das wohl auch angebracht. Diese 1000 IU waren und sind bis heute ausreichend gewesen, wobei ich jetzt im Sommer die tägliche Ration verschmähen kann.

    Zu Prof. Schmidt-Gayk: https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schmidt-Gayk

    Bitte auch das:
    http://www.prostatakrebse.de/informa...offwechsel.PDF lesen

    Ergänzung: https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...=7187#post7187

    Gruß Harald
    Geändert von Harald_1933 (04.06.2017 um 17:19 Uhr) Grund: Ergänzung

  9. #19
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    Zitat Zitat von Hvielemi Beitrag anzeigen
    Da scheine ich mit meinen 1200 iU täglich viel zu tief zu liegen.
    In der Tat bin ich von Osteopenie betroffen, hatte aber nach
    vier Jahren ADT ohne Substitution von Vitamin D immer
    noch gesunde Knochen. Erst nach einigen Monaten
    Abitateron/Prednison schwächelten die Oberschenkelhälse
    beidseits. Nächste Messung im August 17.
    3000 bis 4000 IE Vitamin D sind auch über Jahre nicht schädlich und die empfohlene Dosis.

    Die "Standard"-Empfehlungen sind sämtlich zu niedrig - und die damit durchgeführten Studien
    schon deswegen nicht sehr aussagekräftig.
    ----------------------------------------------------------
    Meine Kommentare stellen keine verbindliche Auskunft dar,
    sondern spiegeln meine PERSÖNLICHE Meinung und Erfahrung
    wider und können keine direkte Beratung und Behandlung
    vor Ort ersetzen

    Gruss
    fs
    ----------------------------------------------------------

  10. #20
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    Bitte auch hier mal reinschauen.
    Meiner Meinung nach, verhindert man Knochenabbau unter ADT am besten durch eine Kombination aus Sport, Vitamin-D und Östrogensubstitution (Pflaster - keine Pillen!).
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