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Thema: Lesenswertes über die Immuntherapie

  1. #151
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    Ich habe ja nun übernommen, vor zu großen Hoffnungen in die Immuntherapie zu warnen. Die derzeit verfügbaren Medikamente schlagen nur bei einem Teil der Patienten an, dies sind meist weniger als die Hälfte. Hier eine tabellarische Übersicht, gegen Prostatakrebs ist offenbar noch kein Immun-Kraut gewachsen:


  2. #152
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    Hallo Georg,

    Danke für das Sheet von Fr. Nößler.

    Hier ist eine übersetzte Zusammenfassung von einer aktuellen Veröffentlichung speziell zur Immuntherapie bei fortgeschrittenen Prostatakrebs:

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/art...m-07-S1-S7.pdf

    „Zusammenfassend ist festzuhalten, dass PD-1 / PD-L1-Inhibitoren einen Durchbruch bei der Krebsbehandlung darstellen. Versuche, die Wirksamkeit der Immuntherapie bei Prostatakrebs zu verbessern, sind gerechtfertigt und werden weiterhin aktiv untersucht. Pembrolizumab zeigt eine Antitumoraktivität bei einer Untergruppe von Patienten mit therapierefraktärem mCRPC mit einem akzeptablen Sicherheitsprofil. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass Immun-Checkpoint-Inhibitoren zu dauerhaften Reaktionen in der gesamten nicht ausgewählten Prostatakrebspopulation führen, kann es eine Untergruppe von Patienten geben, bei denen ein bemerkenswerter klinischer Nutzen eintreten kann. Die Bemühungen prädiktiven genomische Biomarker zu entwickeln, sollen gefördert werden und hoffentlich zukünftiges Studiendesign voran treiben. Schließlich kann das Verständnis der Resistenzmechanismen gegen die PD-1 / PD-L1-Inhibitor-Therapie dazu beitragen, Therapieentscheidungen zu optimieren und die nächsten Schritte bei der Entwicklung einer Immuntherapie für fortgeschrittenen Prostatakrebs zu leiten.“

    Das hört sich doch optimistischer an.

    Lothar

  3. #153
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    Zitat Zitat von Lothar M Beitrag anzeigen
    Hallo Georg,

    Das hört sich doch optimistischer an.

    Lothar
    Hm, vielleicht. Die Autoren nutzen das Wörtchen "kann" wohl mit Bedacht.
    Gruß, Rastaman

  4. #154
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    Lothar,

    als ich die obige Tabelle sah, war ich wirklich überrascht, wie gering der Anteil an Patienten ist, die von der Immuntherapie profitieren. Und zwar die, die für den jeweiligen Tumor zugelassen ist und von den Krankenkassen bezahlt wird. Beim Melanom wird diese Therapie standardmäßig eingesetzt und man berichtet von guten Erfolgen – d.h. Remissionen bis zu zwei Jahren. Wie die Tabelle zeigt, sprechen aber nur 35% der Patienten überhaupt an, d.h. 65% erleiden die Nebenwirkungen ohne dass die Therapie etwas für sie gebracht hätte.

    In dem von Dir verlinkten Artikel wird von der KEYNOTE-028 Studie berichtet, darin wurde Pembrolizumab bei Prostatakrebs getestet. Es heißt, 245 kastrationsresistente Patienten wurden daraufhin getestet, ob sie möglicherweise auf die Therapie ansprechen. Danach hielt man 35 Männer (14%) für geeignet. Davon erhielten dann 23 Männer die Therapie und es zeigte sich bei 4 Patienten ein Ansprechen, aber keine komplette Remission. Diese 4 Patienten sind 1,6 % der ursprünglich 245 Patienten.

    Wenn ich die schier unüberschaubare Zahl an Studien zur Immuntherapie betrachte, müsste es ja mit dem Teufel zugehen, wenn nicht irgend etwas dabei herauskommen würde. Aber speziell beim Prostatakrebs wird das wohl noch ein sehr weiter Weg sein. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen.

    Georg

  5. #155
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    Zitat Zitat von rastamann
    Hm, vielleicht. Die Autoren nutzen das Wörtchen "kann" wohl mit Bedacht.
    Es ist gut, dass bei dieser sehr umstrittenen Therapiemöglichkeit Zweifel angebracht sind.

    Zitat Zitat von Georg_
    als ich die obige Tabelle sah, war ich wirklich überrascht, wie gering der Anteil an Patienten ist, die von der Immuntherapie profitieren.
    Das kommt nicht so ganz unvorbereitet. Knut konnte nicht davon profitieren.

    Zitat Zitat von Georg_
    Diese 4 Patienten sind 1,6 % der ursprünglich 245 Patienten.
    Das ist in der Tat fatal.

    Zitat Zitat von Georg_
    Wenn ich die schier unüberschaubare Zahl an Studien zur Immuntherapie betrachte, müsste es ja mit dem Teufel zugehen, wenn nicht irgend etwas dabei herauskommen würde. Aber speziell beim Prostatakrebs wird das wohl noch ein sehr weiter Weg sein. Ich lasse mich aber gerne positiv überraschen.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Das Leben ist ein andauerndes Staunen über das Wunder, zu leben.

    (Rabindranath Tagore)

    Harald
    nicht nachlassen

  6. #156
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    Harald,

    ich würde die Immuntherapie nicht als umstritten bezeichnen. Wenn sie so funktionieren würde wie man das sich das erhofft, wären alle begeistert. Es ist nur unklar, wie lange es noch dauert bis wir Forumsmitglieder davon profitieren könnten. Ich glaube, das dauert noch sehr lange. Was immer das heißt.

    Georg

  7. #157
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    "Wenn ich die schier unüberschaubare Zahl an Studien zur Immuntherapie betrachte, müsste es ja mit dem Teufel zugehen, wenn nicht irgend etwas dabei herauskommen würde."
    Solange die Pharmaindustrie viel Profit erwartet wird die Zahl der Studien nicht sinken. Ein Grund dafür ist die Hoffnung auf maßgeschneiderte Therapien für einzelne Personen oder Gruppen: deren Preis läßt sich frei bestimmen und jedes Präparat kann separat geschützt werden. Soweit Verfahren gegen Krebs entwickelt werden ist es nicht unwahrscheinlich, dass am Ende wenig herauskommt. Krebszellen mutieren vielfältig und ein Karzinom kann diverse Varianten enthalten. Bereits beim PSMA zeigt sich, dass es Zellen gibt, die mehr exprimieren als andere im gleichen Tumor. Das andere Problem sind die Nebenwirkungen, schließlich sind es ja körpereigene Zellen: sie sind den gesunden Zellen immer noch ziemlich ähnlich.
    Vorerst besteht allenfalls die Hoffnung auf palliative Verfahren. Vor einer kurativen Therapie muß vermutlich erst der Vorgang der Metastasierung verstanden werden - dazu wird in aktuellen Studien immer gesagt "man wisse fast nichts darüber". Metastasierung ist schließlich bei PCa das eigentliche Risiko. Wie kommt es, dass Prostatazellen sich in anderem Gewebe einnisten und vermehren können? Wo kann man da eingreifen? Das Wissen um "Inhibitoren", "Pathways", "Rezeptoren" usw. reicht dazu noch (lange) nicht aus.

  8. #158
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    Zitat Zitat von MartinWK Beitrag anzeigen
    Vor einer kurativen Therapie muß vermutlich erst der Vorgang der Metastasierung verstanden werden - dazu wird in aktuellen Studien immer gesagt "man wisse fast nichts darüber". Metastasierung ist schließlich bei PCa das eigentliche Risiko. Wie kommt es, dass Prostatazellen sich in anderem Gewebe einnisten und vermehren können? Wo kann man da eingreifen? Das Wissen um "Inhibitoren", "Pathways", "Rezeptoren" usw. reicht dazu noch (lange) nicht aus.
    Die "Metastasierung" zu verstehen kostet viel Zeit und Geld. Das wäre Aufgabe der Grundlagenforschung, die aber weil sie selbst kein wirtschaftliches Interesse verfolgt, auf öffentliche Förderung angewiesen ist.

    Dazu ein Positionspapier des VBIO
    https://www.vbio.de/rahmenbedingunge...agenforschung/

    „Grundlagenforschung braucht mehr Wertschätzung, eine wirksame und längerfristige Finanzierung und die strukturelle Absicherung der dort Beschäftigten….“


    Franz

  9. #159
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    Ich hatte ja immer Hoffnungen in die Immuntherapie gebremst. Es ist aber jetzt so, das man in Deutschland im Rahmen einer Studie eine Immuntherapie für Prostatakrebs bekommen kann.

    In einem anderen Thread hatte Sunnnnny alias Sandra die KEYLYNK-010 Studie erwähnt: https://forum.prostatakrebs-bps.de/s...n-mit-Olaparib
    Dies ist eine Studie für kastrationsresistente Patienten, die nach einer Abiraterone oder (nicht und!!) Enzalutamid und einer Docetaxel Chemotherapie weiter einen steigenden PSA Wert haben. Es muss hier keine spezielle Genmutation nachgewiesen werden, um an der Studie teilnehmen zu können. Die TUM in München hat die Studie in deutsch beschrieben: http://www.mriu.de/klin_studien/info_P_KEYLYNK-010.html
    Die Studie ist in der amerikanischen Studiendatenbank hier beschrieben: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03834519

    An folgenden Kliniken kann man an dieser Studie teilnehmen:

    Charite Universitätsmedizin Berlin
    Berlin, Germany, 10117
    Contact: +4930450515288, Dr. De Santis
    Universitätsklinikum Düsseldorf
    Düsseldorf, Germany, 40225
    Contact: +492118108588, Dr. Arsov
    Universitätsklinikum Erlangen
    Erlangen, Germany, 91054
    Contact: +4991318223122, Prof. Goebell
    Klinikum Rechts der Isar
    München, Germany, 81675
    Contact: +498941402522, Prof. Retz
    Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
    Nürnberg, Germany, 90419
    Contact: +49911398114729, Dr. Augustin
    Studienpraxis Urologie
    Nürtingen, Germany, 72622
    Contact: +491703809223 , Feyerabend
    Krankenhaus der Barmherzigen Brueder Trier
    Trier, Germany, 54292
    Contact: +496512082681, Prof. Neisius
    Universitätsklinik fuer Urologie
    Tübingen, Germany, 72076
    Contact: +4970712986613, Prof. Stenzl
    Uniklinik Freiburg - Klinik für Urologie
    Freiburg im Breisgau, Germany, 79106
    Contact: +49761 27028930, Prof. Gratzke
    Universitätsklinikum Jena
    Jena, Germany, 07743
    Contact: +4936419329901, Prof. Grimm

    Also ist es auch in Deutschland möglich, eine Immuntherapie zu bekommen. 780 Teilnehmer werden weltweit gesucht. Allerdings schlägt die Therapie nur bei einem geringen Teil der Patienten an. Hier ein Bericht über erste Ergebnisse eine Vorläuferstudie: https://www.urotoday.com/conference-...te-cancer.html
    Demnach zeigte sich nur bei 13% ein Rückgang des PSA Wertes, was für Immuntherapien offenbar schon ein deutlicher Erfolg ist.

    Georg

  10. #160
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    Zitat Zitat von Sunnnnny Beitrag anzeigen
    Nur 13 % hatten mit einem PSA-Abfall in der Vorläuferstudie reagiert. Das ist wirklich nicht vielversprechend.
    Ich wollte (wie immer?) vor zu großen Hoffnungen warnen, will aber die Studie auch nicht schlecht machen. Bisher wurde Pembrolizumab bei Patienten mit einem speziellen Gendefekt eingesetzt, den etwa 5% der Patienten hatten. Davon sprachen dann nur etwa die Hälfte auf Pembrolizumab an, also profitierten nur 2,5% aller Patienten. Inzwischen hat man festgestellt, dass auch einige wenige (!) Patienten ohne diesen Defekt ebenfalls profitierten. Außerdem meint man einen Synergieeffekt mit Olaparib festgestellt zu haben. Daher wird diese Studie durchgeführt. Wenn 13% statt 2,5% der Patienten davon profitieren, so ist das eine erhebliche Verbesserung. Man muss auch berücksichtigen, dass die Patienten, die auf diese Therapie ansprechen, oft eine sehr lange Remission zeigen, im Vergleich zu anderen Mitteln. Ich kann aber auch gut verstehen, wenn ein Patient sagt, die Chance ist mir zu gering.

    Alternativen zu dieser Studie sind eine Chemo mit Cabazitaxel (CARD-Studie), eine Lu177 oder Lu177/Ac-225 Kombinationstherapie, oder Abirateron bzw. Enzalutamid, die nach einer Chemo wieder ansprechen können, auch wenn vorher eine Resistenz eingetreten war.

    Georg

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