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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Metastase mit 2 cm Durchmesser



ChristianS
20.01.2011, 22:51
11 Jahren Warten und Beobachten nach der PEB haben nun vermutlich ein Ende (PKG s. mein Profil). Denn bei einem PSA-Wert von 26 liegt mir seit voriger Woche das Ergebnis einer erneuten PET/CT an der Uni Essen vor, bei der eine Metastase mit Durchmesser 2 cm zwischen Steißbein, Blase und Enddarm eindeutig identifiziert wurde.

Z.Z. muss ich noch den Rollstuhl bzw. Unterarmstützen benutzen, da Lähmungen nach einer Guillain-Barre-Syndrom (GBS) – Erkrankung vor 2 Jahren noch nicht vollständig zurückgegangen sind. Deshalb kommt eine HB nicht in Frage, weil ein Testosteron – Entzug meinen weiteren Muskelaufbau zum Stillstand bringen würde.
Eine Bestrahlung wäre möglich, hätte aber ein nicht auszuschließendes Risiko, dass Blase und Darm in Mitleidenschaft gezogen würden.
Laut Uni Essen ist eine Operation möglich, da der Tumor eingegrenzt ist und noch kein Organ angegriffen hat. Bleibt der PSA-Wert nach der OP eventuell niedrig - wie eventuell auch nach einer Bestrahlung - , ist festzustellen, dass z.Z. keine andere Metastase virulent ist und eine Hormonbehandlung erst wesentlich später beginnen müsste.

Weiteres Abwarten ist eigentlich nicht ratsam, aber ein erneuter PSA-Wert von vorgestern mit 28,39 ergab aus den letzten 3 Werten eine Verdopplungszeit von 430 Tagen und daraus abgeleitet den Kommentar: „derzeit kein (wohl gemeint kein ganz gefährlicher) Progress“.

Wer stand vor einer ähnlichen Entscheidung? Wer kann mir Rat geben?


ChristianS

PS: Mit meinen früheren Fragenstellungen im „Fortgeschrittenen Prostatakarzinom“ war ich versehentlich wohl nicht im richtigen Forum

Daniel Schmidt
21.01.2011, 10:57
Eine wesentliche Frage ist: Was ist schonender, eine OP oder eine Bestrahlung?

Bei Ihrem GBS sollten Sie sich auch Gedanken bezüglich des intra- und postoperativen Risikos machen. Patienten mit GBS können aufgrund von der Nervenproblematik eine Narkose schlechter überstehen und die postoperative Mobilisation ist auch langsamer.
Dass die Strahlentherapie den Darm und die Blase angreifen kann ist immer so, wenn man in nah an diesen Organen bestrahlen muss. Meistens aber sind die Nebenwirkungen zeitlich begrenz und ausser etwas Durchfall und häufiges Wasserlassen nicht schlimm.

An Ihrer Stelle würde ich mich bestrahlen lassen.

Felix*
21.01.2011, 19:12
...liegt mir seit voriger Woche das Ergebnis einer erneuten PET/CT an der Uni Essen vor, bei der eine Metastase mit Durchmesser 2 cm zwischen Steißbein, Blase und Enddarm eindeutig identifiziert wurde


An Ihrer Stelle würde ich mich bestrahlen lassen.

Herr Schmidt, mit welcher Bestrahlungsmethode würden Sie bei dieser Lokalisation wieviel Gy verantworten und und wie hoch schätzen Sie dann damit die kurative Erfolgschance ein?

Daniel Schmidt
21.01.2011, 21:46
Eine 3D-konformale Radiotherapie mit 54 Gy wäre mein Vorschlag. Mit der Dosis könnte man evtl. etwas höher gehen. Eine Kuration damit zu erzielen wird schwierig sein, aber bei einer metastasierten Situation ist dies auch nicht das Ziel.

Felix*
22.01.2011, 13:43
Vielen Dank Herr Schmidt. Meine Frage nach der Erfolgsaussicht zielte nicht auf die Heilung des Patienten, sondern auf die Verhinderung des Krankheitsfortschrittes ab. Es ist bestimmt nicht schlecht, wenn bei solchen Situationen keine falschen Erwartungen oder zu große Illusionen aufgebaut werden.

ChristianS
22.01.2011, 14:43
Lieber Daniel Schmidt und Felix,

Für Euere Empfehlungen bedanke ich mich sehr. Noch am Freitag habe ich den mich behandelnden Prof. der Neurologie wegen der Bedenken zu Wechselwirkungen mit meiner GBS-Erkrankung fragen können. Er teilt die Bedenken; hat aber darauf hingewiesen, dass jetzt 2 Jahre nach der akuten Erkrankung mein Gesamtzustand recht stabilisiert ist. (seine Untersuchungen vom 14.12.10)
Die Bestrahlung mit grob genannten 60 – 72 Gy wäre mir auch lieber gewesen, aber die Strahlentherapeuten in Essen wollten da nicht so recht ran, auch weil es keine vollständige Kuration wäre, bzw. nur erfolgreicher mit Einnahme von Bicalutamid (z.B. Casodex, weil damit die Metastase kleiner und bestrahlungssensibler wird) über ca. 9 Monate und Bestrahlungsbeginn ab ca. 4. Monat. Bei dieser Vorgehensweise entfällt aber der Diagnostische Vorteil, dass nach OP oder Bestrahlung und eventuell stark sinkendem PSA-Wert deutlich wird, dass diese Metastase die alleinige Ursache war. Nach solanger Zeit des langsamen Anstieges besteht eine gewisse Hoffnung, dass bei mir keine „allgemein metastasierende Situation vorliegt.

Sind aus der genetischen Analyse der herausoperierten Metastase noch zusätzliche Erkenntnisse für die spätere Weiterbehandlung zu ziehen?

Ich bin sehr froh, dass es hier dieses Forum gibt!

Herzliche
ChristianS